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8.557453 - CLEMENTI, M.: Piano Sonatas, Op. 50: No. 1, Op. 34: No. 2 and Op. 41 (Bannister)
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Muzio Clementi (1752-1832)
Sonate in g-Moll, op. 34, Nr. 2 • Sonate in A-Dur, op. 50, Nr. 1
Sonate in Es-Dur, op. 41

Muzio Clementi wurde 1752 als Sohn eines Silberschmieds in Rom geboren. Im Alter von 13 Jahren waren seine Fähigkeiten als Musiker bereits so fortgeschritten, dass man ihn als Organisten an St. Lorenzo in Damaso anstellte und er die Aufmerksamkeit eines englischen Reisenden erregte, nämlich Peter Beckfords, Cousin William Beckfords, des Autors des Schauerromans Vathek und Erbauers des bemerkenswert sinnlosen Prachtbaus Fonthill Abbey. Peter Beckford hat – seinen eigenen Angaben nach – Clementi für die Dauer von sieben Jahren von seinem Vater „gekauft“. In dieser Zeit lebte der junge Muzio auf dem Anwesen der Beckfords in Dorset, perfektionierte seine Fähigkeiten als Pianist sowie aller Wahrscheinlichkeit nach auch seine Erziehung als solche. 1774 zog Clementi dann nach London, wo er bald schon eine feste Größe im Musikleben der Stadt sein sollte – sowohl als Komponist, wie auch als Interpret. So spielte er seine eigenen Sonaten, die sämtlich noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurden, und leitete vom Continuo aus Aufführungen am italienischen Theater.

Clementis Erfolg als Interpret führte ihn auch auf Reisen. 1780 spielte er am Hof der Königin Marie Antoinette in Paris, Anfang 1782 dann am Hofe ihres Bruders, Kaiser Joseph II. in Wien. Dort traf Clementi im Januar auch Mozart, und es kam zu einem Wettspiel vor dem Kaiser. Zwar sprach Mozart Clementi jedweden musikalischen Geschmack ab, anerkannte aber neidlos die Geläufigkeit von Clementis rechter Hand bei Passagen in Terzen, tat ihn ansonsten aber als bloßen „Mechanikus“ ab. Man sollte dabei freilich nicht außer Acht lassen, dass Mozart sich häufig despektierlich über die Fähigkeiten seiner Zeitgenossen geäußert hat, wie er es über Clementi auch zu späterer Gelegenheit noch tat.

1785 kehrte Clementi nach England zurück, wo er sich vor allem als Interpret und Lehrer einen Namen machte, als Komponist freilich in den 1790er Jahren durch Haydns Anwesenheit in London in den Schatten gestellt wurde. In diese Jahre fällt Clementis Engagement als Instrumentenbauer und Musikverleger in London, wobei er anfänglich mit Longman und Broderip zusammenarbeitete, dann, seit 1798 – nach dem Bankrott der Firma – nur noch mit Longman und anderen mehr. Anfang des 19. Jahrhunderts war er vor allem geschäftlich auf Reisen, wobei ihn zuerst noch sein Schüler John Field begleitete, um Clementis Angebote zu demonstrieren. Die Wege von Field und Clementi trennten sich nach einigen Unstimmigkeiten allerdings in St. Petersburg.

Seit 1810 war Clementi wiederum in England, wo er unterdessen hohes Ansehen genoss – nicht zuletzt um seiner Vortragsstudien Willen: namentlich der Einleitung in die Kunst das Pianoforte zu spielen von 1801 (1826 revidiert) und des berühmten Gradus ad parnassum, den Clementi 1826 abschloss. 1830 setzte er sich endgültig zur Ruhe, lebte erst in Lichfield, dann in Evesham, wo er 1832 auch starb. Clementi wurde in Westminster Abbey beigesetzt. Sein pianistisches Vermächtnis ist beträchtlich – und zwar sowohl durch seine Kompositionen als auch durch sein Lehren – und zog letztlich eine neue Virtuosität und eine Ausweitung der Möglichkeiten eines neuentwickelten Instrumentes in einer Gesellschaft nach sich, die sich seit Clementis Kindheit in Italien immens verändert hatte.

Die Sonate in g-Moll, op. 34, Nr. 2 – die zweite innerhalb dieses Werkpaares – wurde erstmals 1795 in Wien veröffentlicht. Ein Freund Clementis, der Berliner Komponist und Pianist Ludwig Berger, hat darauf hingewiesen, dass diese Sonate auf einer mittlerweile verschollenen Sinfonie basiert. Der erste Satz hebt mit einer kurzen, feierlichen Einleitung an, ehe dann das Allegro con fuoco überschriebene Hauptthema ertönt, das in einen Seitensatz in B-Dur leitet. Dem dramatischen Durchführungsteil schließt sich eine variierte Reprise an. Der langsame Satz in Es-Dur – Un poco adagio – wird von einem lyrischen Thema eröffnet, das nach einem dynamisch abwechslungsreichen Zwischenteil wiederaufgegriffen wird. Im abschließenden Molto allegro, einer Art Rondo, fällt namentlich die kontrapunktische Behandlung des Hauptthemas in einem kanonischen e-Moll Abschnitt auf.

Clementi veröffentlichte seine drei Sonaten op. 50 1821 in London. Im selben Jahr erschienen auch noch andere Ausgaben in Leipzig und Paris. Diese letzten, Cherubini zugeeigneten Sonaten zeugen von einer deutlichen Entwicklung von Clementis Kompositionsstil, wobei namentlich die letzte Sonate, Didone abbandonata – Scena tragica, bei den Zeitgenossen beliebt war. Alle drei Sonaten aber markieren den kompositorischen Kulminationspunkt innerhalb von Clementis Klaviersonaten. Die Sonate in A-Dur, op. 50, Nr. 1 wird von einem Allegro maestoso e con sentimento eröffnet. Dem imposanten Hauptthema folgt eine dramatische Überleitung, der sich der Seitensatz in E-Dur anschließt. Der zentrale Durchführungsteil mit seinen Terzketten – ein charakteristisches Merkmal von Clementis Technik als Interpret – lotet die dynamischen Möglichkeiten des Pianofortes voll aus, ehe die Reprise erneut das Hauptthema präsentiert. Im mit Adagio sostenuto e patetico überschriebenen langsamen Satz in a-Moll tritt bald schon ein kontrapunktischer Abschnitt vor dem Andante con moto auf, ein 30-taktiger Kanon in der Quinte, der Clementis Verehrung Bachs widerspiegelt. Das Ende des Satzes wird vom Adagio abgerundet. Der letzte Satz dieser ausgesprochen originellen Sonate ist eine Sonatensatzform. Im zentralen Durchführungsteil findet Clementi Raum für einen kanonischen Einleitungsteil, und auch in der Reprise treten weitere kontrapunktische Elemente auf.

Von der Sonate in Es-Dur, op. 41 existieren zwei überlieferte Fassungen, wobei die erste über zwei Sätze, die zweite über drei Sätze verfügt und von Clementi und seinen Partnern herausgegeben wurde. Eine dritte, nicht autorisierte Edition von Mollo erschien 1804 in Wien. Bis 1820 sollte Clementi keine weiteren Sonaten veröffentlichen. Die zweite Fassung der Es-Dur-Sonate ist von vergleichsweise geringem Anspruch, wobei das den Satz eröffnende Thema, das in den Seitensatz mündet, an den von Haydn her bekannten Klavierstil erinnert. Die Beziehung zwischen diesen beiden Themen offenbart sich dann in der kontrapunktischen Anfangsphase der Durchführung. Das thematische Material wird in der den Satz beschließenden variierten Reprise noch einmal aufgenommen. Das Adagio in B-Dur ist gewissermaßen eine Studie der Klangmöglichkeiten des Klaviers, wobei die kunstvollen Auszierungen des thematischen Materials auffallen. Schnelle Terzen stehen dann am Anfang des finalen Allegro, wobei sich die Hände bisweilen überkreuzen müssen, ehe die Exposition endet. Die Terzen des Hauptthemas bestimmen auch den Anfang der Durchführung und kehren natürlich auch in der den Satz beschließenden Reprise wieder.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann


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