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8.557456 - BORODIN: Prince Igor (Highlights) / In the Steppes of Central Asia
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Alexander Porfirjewitsch Borodin (1833–1887)
Fürst Igor (Ausschnitte)

Die Fünf, die der russische Kritiker und Freigeist Wladimir Stassow als Mächtiges Häuflein bezeichnete, waren die wichtigsten russischen Nationalkomponisten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die damit in die Fußstapfen ihres Vorgängers Michail Glinka traten. Wie auch andere Mitglieder dieser Gruppe verdiente Alexander Borodin sein Geld nicht mit der Musik, sondern als renommierter Professor für Chemie. Seine kompositorische Arbeit wurde durch seine anderen Pflichten und Beschäftigungen eingeschränkt, und bei seinem Tod hinterließ er eine Reihe unvollendeter Werke, die später von seinem Freund Nikolai Rimski- Korsakow und andern fertiggestellt wurden.

Der 1833 geborene Borodin war der illegitime Sohn eines georgischen Fürsten und erhielt den Namen eines väterlichen Leibeigenen. Er wurde von seiner Mutter in einer recht privilegierten und kultivierten Umgebung aufgezogen, wo er verschiedene westeuropäische Sprachen kennenlernte und ein tiefes Interesse an der Musik entwickelte, besser: eine ungebrochene Begeisterung, die ihn bisweilen von seiner Tätigkeit als Wissenschaftler ablenkte, mit der er sich immer mehr auszeichnete. Durch seine Begegnung mit Mili Balakirew, dem selbsternannten Führer der nationalrussischen Komponisten, und durch seine Beziehung zu Modest Mussorgski, César Cui und Rimski-Korsakow wurde seine eigene schöpferische Tätigkeit angeregt.

Obwohl Borodin schon 1872 einen Beitrag zu der Gemeinschaftsproduktion des Opernballetts Mlada geleistet hatte, galten seine wichtigsten Bestrebungen im Laufe der Jahre seiner Oper Fürst Igor. Nach einem Szenario von Wladimir Stassow verfasste er das Libretto, das aber noch nicht abgeschlossen war, als er mit der Komposition begann, und diese Unterlassung sollte seine Arbeit nur noch verkomplizieren. Seit 1869 beschäftigte sich Borodin immer wieder mit dem Werk, und doch war die Partitur bei seinem plötzlichen Tod im Jahre 1887 unvollendet. Nikolai Rimski-Korsakow und der junge Alexander Glasunow verpflichteten sich, die von Borodin hinterlassene Oper zu bearbeiten, zu vervollständigen und wo nötig zu orchestrieren. 1892 kam ihre Version in St. Petersburg zur Uraufführung, wobei die Bearbeiter eine Menge an originaler Musik gestrichen hatten. Glasunow hatte die Ouvertüre angeblich aus dem Gedächtnis rekonstruieren können, da Borodin sie ihm noch am Klavier vorgespielt hatte. Es ist allerdings davon auszugehen, dass dieser wohl nur sehr vage Vorstellungen von seinen musikalischen Absichten gegeben haben wird. Auch im dritten Akt der vollständigen Fassung sind viele Beiträge Glasunows zu finden. Im Bestreben, so viel wie möglich von Borodins Originalwerk herzustellen, wurden auch andere Fassungen des Fürst Igor herausgebracht.

Stassows epischer Entwurf, der auf altrussischen Quellen beruht (Die Mär vom Heereszug Igors und Ipatjewskier Chronik), liefert ein kontrastreiches Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht der russische Fürst Igor, den Borodin mit einigen traditionellen russischen Melodien und möglicherweise auch mit sprachlichen Intonationen zeichnete – wie es auch Mussorgsky getan hatte – auf der andern gibt es eine Mischung exotischer Elemente, die der Komponist in Verbindung mit den Polowetzern bringt.

Das „musikalische Bild” Eine Steppenskizze aus Mittelasien wurde 1880 vollendet und zwei Jahre später veröffentlicht. Es war als Beitrag zu einer Serie von Illustrationen gedacht, in denen zum silbernen Thronjubiläum des Zaren Alexander II. verschiedene Episoden der russischen Geschichte dargestellt werden sollten. Das Stück beschreibt, wie eine von russischen Truppen eskortierte Karawane durch die Steppe zieht. Borodin verwendet eine russische Melodie und ein kontrastierendes orientalisches Thema. Beide werden später miteinander kombiniert. Das Werk fand seinerzeit großen Anklang.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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