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8.557571 - HAYDN: Symphonies, Vol. 29 (Nos. 1, 2, 3, 4, 5)
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Joseph Haydn (1732–1809)
Sinfonien Nr. 1-5

Joseph Haydn wurde 1732 in dem burgenländischen Dorf Rohrau als Sohn eines Stellmachers geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung in der Chorschule des Wiener Stephansdoms und verdiente sich anschließend seinen Lebensunterhalt mit Violin- und Klavierstunden bzw. als Geiger oder Klavierspieler. Der bereits bestehende Kontakt zu dem alten Komponisten Porpora kam ihm insofern zugute, als dieser ihn schließlich zu seinem Assistenten machte, bevor Haydn 1758 dann seine erste Stelle als Kapellmeister des böhmischen Grafen von Morzin antreten konnte, aus dessen Familie bereits ein Gönner von Antonio Vivaldi gekommen war. 1761 folgte die Anstellung als Vizekapellmeister bei einem der reichsten Männer des Kaiserreiches, Fürst Paul Anton Esterházy, dem nach seinem Tod im Jahre 1762 sein Bruder Fürst Nikolaus folgte. Wiederum vier Jahre später starb der alte, penetrante Kapellmeister Gregor Joseph Werner, der an der Berufsauffassung seines jungen, ungeliebten Stellvertreters immer wieder etwas auszusetzen gehabt hatte. Joseph Haydn übernahm das Amt seines Vorgängers und bekleidete dieses zumindest nominell bis zum Ende seines Lebens.

Als unter Fürst Nikolaus das grandiose Schloss Eszterháza in der ungarischen Puszta vollendet worden war, übernahm Joseph Haydn die Leitung einer noch größeren Einrichtung. Jetzt war er auch für die musikalischen Aktivitäten des Schlosses verantwortlich, und dazu gehörten die Bereitstellung und Leitung der Instrumentalmusik, die Oberaufsicht über die Oper und die Schauspielmusik sowie die geistliche Komposition. Seinem Dienstherrn schrieb er überdies eine Fülle verschiedenster Kammermusiken, in denen vor allem das Leibinstrument des Fürsten, das Baryton, eine wichtige Rolle spielte – ein Streichinstrument zwischen Cello und Gambe mit zusätzlichen Sympathiesaiten, die nicht nur einfach mitschwangen, sondern auch einzeln angezupft werden konnten.

Nach dem Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 1790 konnte Haydn eine Einladung aus London annehmen und für die von dem Geiger und Impresario Salomon organisierte Konzertsaison etliches an Musik liefern. Nach einem zweiten erfolgreichen Aufenthalt in London (1794/95) wandte er sich wieder seinen Pflichten bei den Esterházys zu, deren neues Familienoberhaupt sich zumeist auf dem Anwesen in Eisenstadt aufhielt, wo Haydns eigentliche Laufbahn begonnen hatte. Einen großen Teil des Jahres verbrachte man allerdings in Wien, wo Haydn im Jahre 1809 schließlich auch starb, indessen die Truppen des französischen Kaisers Napoleon erneut heranmarschierten.

Haydn erlebte jenen Teil des 18. Jahrhunderts, in dem sich die Instrumentalmusik von den älteren Vorbildern eines Bach oder Händel zu der klassischen Sonate hin entwickelte, deren dreiteiliger Hauptsatz nebst zwei oder drei weiteren Sätzen jetzt die Basis vieler Instrumentalwerke bildete. Die Sinfonie wurde dabei ganz ohne Frage die bedeutendste Gattung der Orchestermusik, und sie verdankt einen Teil ihrer Entstehung, wenn nicht gar ihre Vaterschaft, dem Wirken von Joseph Haydn, der sich kurz vor 1759 erstmals auf diesem Gebiet versuchte und seine letzte Londoner Symphonie in der letzten Dekade des 18. Jahrhunderts komponierte.

Seine erste Sinfonie in D-dur komponierte Haydn vermutlich 1758 oder 1759 für den Grafen von Morzin, der auf seinem Schloss in Lukavec etliche Musiker beschäftigte. Wie sämtliche der hier eingespielten Symphonien ist auch dieses Werk mit den üblichen zwei Oboen und Hörnern sowie mit Streichern besetzt, wobei ein Fagott die Basslinie des Continuo verdoppelt. Die handschriftlichen Stimmen zeigen, dass das Orchester von Lukavec je zwei Pulte erster und zweiter Geigen zusammenbrachte. (Im ersten Band seines definitiven Werkes über den Komponisten beschreibt H.C.Robbins Landon genau die faszinierende Wiederentdeckung dieser Stimmen.) Die Symphonie beginnt mit einem Effekt, der an eine Erfindung der Mannheimer Komponisten erinnert und wobei ein aufsteigendes crescendo das erste Thema bildet. Das zweite Thema schließt sich unmittelbar an einen Übergang an, in dem die erforderliche Modulation in die Dominanttonart erfolgt. Eine recht kurze Durchführung sowie die abschließende Reprise folgen. Der langsame Satz in G-dur ist für Streicher allein geschrieben. Im zweiten Teil dieses Andante gibt es weitere rhythmische Kontraste; dieser Abschnitt beginnt mit der Wiederholung des Hauptthemas, das jetzt in D-dur erklingt, und gelangt über g-moll zu seinem Schluss. Die Symphonie endet mit einem dreiteiligen Presto, das mit einer aufsteigenden Arpeggiofigur beginnt und in der Mitte eine kurze Durchführung enthält.

Die zweite Sinfonie C-dur (nach Haydns eigener Numerierung die fünfte) gehört vermutlich in die Zeit vor 1761. Auch sie beginnt mit einem Thema, das aus einer aufsteigenden Skala hergeleitet ist, die vor der Exposition des zweiten Themas (in g-moll) erweitert wird. Die umfänglichere Durchführung beginnt mit dem ersten Thema, das jetzt in der Dur-Dominante steht; dann wird das Material in der Ausgangstonart wiederholt. Der langsame Satz in G-dur lässt Oboen und Hörner pausieren, indessen sich die ersten und zweiten Violinen in die durchgehende Sechzehntelfiguration teilen, zu der die tiefen Streicher gemeinsam die Basslinie spielen. Das Werk endet mit einem einfachen Rondo, dessen Hauptthema Episoden in c-moll und F-dur einzurahmen hat.

Auch die für Lukavec entstandene Sinfonie Nr. 3 G-dur (nach Haydns eigenem Verzeichnis die Nummer 21) wird auf 1759/60 datiert. Sie zeigt eine stilistische Weiterentwicklung des Komponisten. Im ersten Satz begleiten die tiefen Streicher mit ihrer Achtelfiguration ein breites Thema, das von Oboen und Violinen exponiert wird, wobei die Blasinstrumente im zweiten Thema (in Ddur) eine wichtige Rolle spielen. In der Durchführung wird die Einladung zur Kontrapunktik angenommen, die das Hauptthema ausgesprochen hatte, und in der Reprise wird das Material weiteren Erkundungen unterworfen. Der zweite Satz in g-moll ist für Streicher allein komponiert und bringt einen Dialog zwischen den ersten und zweiten Violinen. Das anschließende Menuett umrahmt ein Trio, in dem den Bläsern freier Lauf gelassen wird. Die Symphonie endet mit einer Fuge, deren erste Einsätze allesamt mit pianissimo markiert sind – ein Hinweis auf die kontrapunktischen Dinge, die da kommen werden und auf einem Dominant-Orgelpunkt ihren Höhepunkt finden.

Die vierte Sinfonie D-dur (bei Haydn die Nr. 10) entstand wie alle hier vorliegenden Werke in der Zeit, als der Komponist im Dienste des Grafen von Morzin stand. Der Anfang des ersten Satzes weckt die Aufmerksamkeit der Hörer. Das zweite Thema steht in A-dur, der Dominante, die sich am Ende der Exposition durchsetzt; der Gedanke wird von der ersten Violine exponiert und kurz im Bass reflektiert. Die zentrale Durchführung beginnt mit einer Variante des ersten Themas und verklingt vor der Reprise des Themas im Nichts. Das Andante d-moll verzichtet auf Oboen und Hörner; die tiefen Streicher haben hier durchweg Staccato zu spielen, indessen sich die gedämpften zweiten Violinen synkopisch bewegen und die ebenfalls sordinierte erste Violine ihre eigene Melodie intoniert. Der letzte Satz ist ein Tempo di Menuetto, das die dreiteilige Finalform mit dem Rhythmus und der Stimmung eines Menuetts verbindet; im Mittelteil beruhigt sich die Musik vor der begeisternden Wiederaufnahme des Hauptthemas.

Die fünfte Sinfonie A-dur (Haydns Nr. 13) entstand um 1760 und beginnt mit einem Adagio, ma non troppo, das von den Streichern eingeleitet wird, bevor sich im sechsten Takt die Hörner und später auch die Oboen zu Worte melden. Der Mittelteil liegt weitgehend in den Händen der Streicher, wobei die Hörner in der Reprise zu ihrer anspruchsvollen Rolle zurückfinden. Das anschließende Allegro überlässt den Violinen die Exposition des zweiten Themas, und die Durchführung wird von weiten Sprüngen der ersten Violine gekennzeichnet, die einen charakteristischen Effekt erzeugen. Das Menuett enthält dynamische Kontraste und umrahmt ein Trio, in dem die von Figuren der Violinen und Pizzikati der tiefen Streicher begleiteten Bläser eine prominente Rolle spielen. Das konzise Presto-Finale beginnt im piano mit thematischem Material, das von aufsteigenden Skalen und dem Einsatz der Blasinstrumente unterbrochen wird. Ähnliche dynamische Kontraste finden sich im Mittelteil, an den sich mit der Reprise die Wiederholung des Anfangs anschließt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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