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8.557630 - GARBIZU: Piano Music / Traditional Basque Songs and Dances
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Tomás Garbizu (1901–1989): Klaviermusik
Aurresku • Bailes vascos • Danzas vascas • Preludios vascos
Cantos y bailes tradicionales vascos

 

Tomás Garbizu war das ganze 20. Jahrhundert hindurch im Musikleben des spanischen Baskenlandes präsent. Er hat viele Werke in verschiedenen Genres geschaffen, war aber auch als Musiker und Lehrer tätig. 1901 in Lezo, Guipúzcoa, geboren, begann Garbizu seine musikalische Ausbildung in San Sebastián bei José María Iraola und Beltrán Pagola, um seine Orgelstudien in Madrid und dann bei Charles Lebout in Paris fortzusetzen. Von 1954 bis zu seiner Pensionierung hatte er eine Professur für Orgel am Konservatorium von San Sebastián. Sein weitgefächertes OEuvre umfasst geistliche Musik für Orgel und Chor (u.a. Cantantibus organis, 1937, Missa cum jubilo, 1931, Gure Meza, 1967, Triptico al Buen Pastor, 1953), Klaviermusik, Werke für Txistu (u.a. Gure Erria, 1967), eine Einhandflöte—traditionell wurde mit der anderen eine Handtrommel geschlagen—, Zarzuelas, Tondichtungen, Chorwerke und viele Lieder. Garbizu bezog seine Inspiration von der Gregorianik und der Volksmusik. Er übernahm große Mengen von Melodien und übertrug sie meisterhaft in ein Idiom aus spezifischen Kompositionstechniken des 20. Jahrhunderts—einer Vielfalt an harmonischen Strukturen, Resonanzeffekten und Kollisionen—, ohne je die Balance des musikalischen Diskurses aufzugeben. Er erhielt im Verlaufe seiner Karriere viele Auszeichnungen und starb 1989 in San Sebastián.

Der Aurresku ist ein alter zeremonieller Tanz; seine Feierlichkeit und Eleganz wird in der Introduktion deutlich mit ihrer deskriptiven Darstellung von Pirouetten in Gestalt aufsteigender Läufe sehr kurzer Notenwerte und der Imitation des Tamboril, einer kleinen Trommel, welche die sich in großem Stimmumfang entfaltende Melodie begleiten. Die traditionelle Ehrerbietung der fraglichen Dame gegenüber wird in Andreei dei Egiteko dargestellt, worauf ein Zortziko (Tanzlied im 5/8-Takt) folgt, der den Wettstreit zweier männlicher Tänzer durch zwei gegensätzliche Stimmen im Diskant, aggressive Harmonien und eine finale Kapriole mit einem kühnen Akkordsprung repräsentiert. Abschleißend hören wir ein lebhaftes Ariñ-Ariñ (Schluss-Galopp), basierend auf dem Motiv des Eskudantza (Klatsch-Tanz), wobei die Begleitung immer komplexer wird und die imitierenden Trommeleffekte aus dem ersten Satz wiederholt werden.

Der erste Satz, Andantino, von Bailes vascos führt eine auf und ab verlaufende Melodie mit einer markant absteigenden Modulation und eine rhythmische Variation über diese Melodie ein, harmonisiert mittels Chromatik und Ornamentierung. Der zweite Satz Con decisión ist eine Biribilketa—vergleichbar einer Passacaglia—, bestehend aus einer verhaltenen Melodie, die durch harmonische Kollisionen gekennzeichnet ist und von hohen und tiefen Pedaltönen gerahmt wird. Das abschließende Allegretto erinnert an traditionelle Rundtänze und benutzt Akkorde, um die aneinander schlagenden Stöcke zu imitieren.

Danzas vascas ist eine festliche Suite nach dem Muster eines Ezpata-dantza (Schwerttanz), dessen unterschiedliche Stücke gleichermaßen komplexe wie spektakuläre Klaviermusik darstellen. Die inneren Tonfolgen des eröffnenden Andantino bewirken einen faszinierenden Effekt, der zuweilen an Bitonalität grenzt. Die Allegrettos und das zweite Andantino enthalten harmonisch subtile Passagen; es gibt auch einen eleganten Zortziko vor dem charakteristischen festlichen Finale im Tiempo de fandango.

Preludios vascos enthält zwei originale Themen: Eskaria, gebildet aus einer kirchlichen Form, mit einem langsamen Abschnitt, und Ipuia, eine kantable Melodie mit weiten Sprüngen, eingeleitet von einem dreiteiligen Kanon. Das dritte Stück beruht auf einem bekannten Lied aus dem französischen Baskenland: Adiós ene maitia (Betiko agur), und das vierte, Jostaketan, ist ein Fugenartiges.

Die Melodien in Garbizus Cantos y bailes tradicionales vascos, eine Auswahl aus J.A. Santestebans Sammlung baskischer Volksmusik, sind einige der bekanntesten überhaupt. Zu ihnen gehören Iru Damatxo, auf das 18. Jahrhundert zurückgehend; Liebeslieder wie Ume eder bat und Nere maite polita; Ezpata-dantzas und Zortzikos; Karnevalstänze wie Jorrai dantza; satirische Lieder und auch Melodien aus anderen Arten von Musik wie Iriyana, ein in baskische Volksmusik übertragenes Menuett von Haydn.


Santiago Gorostiza
Deutsche Fassung: Thomas Theise


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