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8.557633 - GURIDI: Piano Works
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Jesús Guridi (1886–1961)
Klaviermusik

Seine größten Erfolge errang Jesús Guridi zwar mit seinen Orchesterwerken und Opern, doch er schrieb auch eine bedeutende Zahl an Klavierwerken. Diese Kompositionen entstanden zwar in periodischen Abständen, sind aber nichtsdestoweniger ein getreuer Spiegel seines persönlichen Stils, dessen Charakteristika von der großen opernhaften Geste bis zu subtilsten Effekten und starken folkloristischen Einflüssen reichen.

Jesús Guridi wurde am 25. September 1886 in Vitoria geboren. Nachdem er sich mit einigen frühen Auftritten in den musikalischen Kreisen Bilbaos bemerkbar gemacht hatte, verließ er Spanien im Jahre 1904, um in Paris, Lüttich und Köln seine Studien fortzusetzen. Wieder in der Heimat, wurde er zum Direktor der Chorvereinigung von Bilbao ernannt, für die er mehrere Werke schrieb. Von diesen sind besonders seine baskischen Volksliedsammlungen und eines seiner Meisterwerke, Así cantan los chicos (1915) für Chor und Orchester, zu erwähnen. Etwa ein Jahr später wurden in Madrid sein „baskisches Opernidyll” Mirentxu von 1915 und seine symphonische Dichtung Una aventura de Don Quijote von 1916 uraufgeführt. Von 1910 bis 1920 arbeitete er an seinem baskischen Epos Amaya, und 1926 vollendete er einen seiner größten Triumphe, die Zarzuela El caserío, der weitere Werke dieser Gattung folgten – darunter La meiga (1928) und La cautiva (1931).

Besondere internationale Anerkennung fand Guridi unter anderem mit den Diez melodías vascas (1941), einem schönen Beispiel für ein national gefärbtes Orchesterwerk, sowie mit der Sinfonía pirenáica (1946), der Homenaje a Walt Disney (1956) für Klavier und Orchester, dem Streichquartett in A (1950) und den Seis canciones castellanas (1943). Ferner schrieb er zahlreiche vielbeachtete Orgelstücke, darunter den Tríptico del Buen Pastor, sowie einige Musiken zu Filmen und Schauspielen. Nach einigen Jahren als Orgelprofessor am Konservatorium von Madrid wurde er 1956 zum Direktor dieses Instituts ernannt. Dieses Amt erfüllte er bis zu seinem Tode am 7. April 1961. In seinem Leben hatte er viele Auszeichnungen und Ehrungen erfahren.

Die Klavierwerke Guridis reichen von kurzen, persönlichen Skizzen bis zu großangelegten Fantasien für Klavier und Orchester. Üblicherweise komponierte er Zyklen selbständiger Stücke, die fast durchweg auf der baskischen Folklore basieren, wobei er sich auf eine Reihe sehr spezifischer stilistischer Parameter, eine allgemeine Strenge sowie idiomatische oder atmosphärische Abwandlungen der Originalmelodien beschränkte, die entsprechend dem jeweiligen Charakter mal poetisch, festlich oder dramatisch gestaltet sind.

In den Cantos vascos (Baskische Lieder) und den Kollektionen chorischer Werke benutzt Guridi die Folklore-Elemente auf ähnliche Weise. Die melodischen Linien sind fast immer gesanglich, und Guridi beschränkt seine Verwendung pianistischer Formeln wie Arpeggien, Akkordwiederholungen und Registerwechsel. Die harmonischen Farben sind bestimmt durch eine charakteristische, wesensmäßig diatonische Sprache, die die Klangwelt der Cantos vascos eingrenzt. Ähnliche Merkmale verraten die Ocho apuntes (Acht Skizzen) mit ihren zweistimmigen Imitationen und der von den Claviermusik des 18. Jahrhunderts inspirierten Harmonien. Dabei enthalten diese Stücke ausdrucksvolle impressionistische Züge, beispielsweise die Nachahmung fließenden Wassers, die mit einem einzelnen Ton beginnt und sich von hier aus in Intervallen und rascher Figuration über mehrere Register ausbreitet. Die Tres piezas breves (Drei kurze Stücke) sind durch die Molltonart von einem Gefühl der Melancholie durchzogen. Ihre Gesamtanlage ist die eines dreiteiligen Stückes, dessen äußere Abschnitte einander in formaler und rhythmischer Hinsicht ähneln.

Guridi ließ sich nicht nur von der baskischen, sondern mitunter auch von der spanischen Folklore inspirieren. Das war beispielsweise bei der Komposition der Danzas viejas (Alte Tänze) der Fall, in denen er mit musikalischen Mitteln verschiedene Gedichte von Victor Espinós kommentierte; gleichermaßen gilt das für verschiedene Bühnenmusiken wie etwa den Vals de Mirentxu.

Vasconia und Lamento e Imprecación de Agar (Hagars Klage und Fluch) gewähren Einblicke in die kompositorische Entwicklung Guridis und stellen sozusagen ein avancierteres, intellektuelleres Stadium seiner Arbeit dar. Timbre und Dynamik sind komplexer geworden, die Harmonik ist dichter, die Begleitung kunstvoller, und in der formalen Entwicklung, die eine größere Imagination verrät, zeigt sich gelegentlich der Symphoniker Guridi. Wie er die biblische Szene der Hagar in der Wüste nachempfindet, das spricht für ein dramatisches und archaisches Empfinden: Auf die nebulöse Vision des monodischen Rezitativs folgt ein zentraler Abschnitt, in dem das Thema vermöge progressiver Modulationen entwickelt wird. Darauf beschließt die Reprise das Werk.

Santiago Gorostiza
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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