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8.557657 - HAYDN: Symphonies, Vol. 31 (Nos. 18, 19, 20, 21)
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Joseph Haydn (1732-1809):
Symphonien Nr. 18 bis 21

 

Joseph Haydn wurde 1732 in dem burgenländischen Dorf Rohrau als Sohn eines Stellmachers geboren. Er erhielt seine musikalische Ausbildung in der Chorschule des Wiener Stephansdoms und verdiente sich anschließend seinen Lebensunterhalt mit Violin- und Klavierstunden oder als Geiger und Klavierspieler. Der bereits bestehende Kontakt zu dem betagten Komponisten Porpora kam ihm insofern zugute, als dieser ihn schließlich zu seinem Assistenten machte, bevor Haydn 1758 dann seine erste Stelle als Kapellmeister des böhmischen Grafen Morzin antreten konnte, aus dessen Familie bereits ein Gönner von Antonio Vivaldi gekommen war. 1761 folgte die Anstellung als Vizekapellmeister bei einem der reichsten Männer des Kaiserreiches, Fürst Paul Anton Esterházy, dem nach seinem Tod im Jahre 1762 sein Bruder Fürst Nikolaus folgte. Wiederum vier Jahre später starb der alte, penetrante Kapellmeister Gregor Joseph Werner, der an der Berufsauffassung seines jungen, ungeliebten Stellvertreters immer wieder etwas auszusetzen hatte. Joseph Haydn übernahm das Amt seines Vorgängers und bekleidete dieses zumindest nominell bis zum Ende seines Lebens.

Als unter Fürst Nikolaus das grandiose Schloss Eszterháza in der ungarischen Puszta vollendet worden war, übernahm Joseph Haydn die Leitung einer noch größeren Einrichtung. Jetzt war er auch für die musikalischen Aktivitäten des Schlosses verantwortlich, und dazu gehörten die Bereitstellung und Leitung der Instrumentalmusik, die Oberaufsicht über die Oper und die Schauspielmusik sowie die geistliche Komposition. Seinem Dienstherrn schrieb er überdies eine Fülle verschiedenster Kammermusiken, in denen vor allem das Leibinstrument des Fürsten, das Baryton, eine wichtige Rolle spielte – ein Streichinstrument zwischen Cello und Gambe mit zusätzlichen Sympathiesaiten, die nicht nur einfach mitschwangen, sondern auch einzeln angezupft werden konnten.

Nach dem Tode des Fürsten Nikolaus im Jahre 1790 konnte Haydn eine Einladung aus London annehmen und für die von dem Geiger und Impresario Salomon organisierte Konzertsaison etliches an Musik liefern. Nach einem zweiten erfolgreichen Aufenthalt in London (1794/95) wandte er sich wieder seinen Pflichten bei den Esterházys zu, deren neues Familienoberhaupt sich zumeist auf dem Anwesen in Eisenstadt aufhielt, wo Haydns eigentliche Laufbahn begonnen hatte. Einen großen Teil des Jahres verbrachte man allerdings in Wien, wo Haydn im Jahre 1809 schließlich auch starb, als Truppen des französischen Kaisers Napoleon erneut heranmarschierten.

Haydn erlebte jenen Teil des 18. Jahrhunderts, in dem sich die Instrumentalmusik von den älteren Vorbildern eines Bach oder Händel zu der klassischen Sonate hin entwickelte, deren dreiteiliger Hauptsatz nebst zwei oder drei weiteren Sätzen jetzt die Basis vieler Instrumentalwerke bildete. Die Symphonie wurde dabei ganz ohne Frage die bedeutendste Gattung der Orchestermusik, und sie verdankt einen Teil ihrer Entstehung, wenn nicht gar ihre Vaterschaft dem Wirken von Joseph Haydn, der sich kurz vor 1759 erstmals auf diesem Gebiet versuchte und seine letzte Londoner Symphonie in den 1790er Jahren komponierte.

Die Symphonie Nr. 18 G-dur wird auf die Zeit um 1760 datiert. Sie ist für die damals üblichen Instrumente – je zwei Oboen und Hörner sowie Streicher und Generalbass – geschrieben. Die punktierten Rhythmen, das Tempo und die Behandlung der Violinen rücken den Kopfsatz in die Nähe der barocken Kirchensonate. Der zweite Satz drängt Allegro molto voran, wobei die Bläser jetzt der Beschränkungen enthoben sind, die ihnen im vorigen Satz auferlegt waren. Die Exposition endet mit einer kurzen Ausweichung nach Moll, und dieses Element erscheint auch im zweiten (wiederholten) Satzteil mit der Reprise. Der dritte und letzte Satz ist ein dreiteiliges Tempo di Menuet mit einem Trio in g-moll.

Die Symphonie Nr. 19 D-dur könnte etwas älter und wie das vorige Werk für den Grafen Morzin geschrieben sein. Auch sie verlangt zwei Oboen und Hörner sowie die üblichen Streicher nebst Continuo. Das Hauptthema des ersten Satzes, Allegro molto, ist durch einen aufstei- genden Dreiklang charakterisiert. Ein weiteres Element dieses Themas bildet die Substanz des Nebengedankens. Beide Themen werden nach der zentralen Durchführung in der Reprise wiederholt. Der langsame Satz, ein Andante in d-moll für Streicher allein, moduliert in seinem ersten Abschnitt nach F-dur. Die früher aufgetretene markante Synkopierung wird im Mittelteil und in der Wiederholung des ersten Abschnitts aufgegriffen. Das abschließende Presto im Dreiachtel-Takt besteht aus einer breit angelegten Sonatenform; in seinem Nebenthema gibt es wie so oft in diesen Symphonien reichlich Sequenzen.

Die Symphonie Nr. 20 C-dur gehört ebenfalls in die Zeit, bevor Haydn seinen Dienst bei den Esterházys antrat. Das Werk verlangt zusätzlich Pauken und Trompeten, über die Graf Morzin in seiner böhmischen Residenz zu Lukavec offenbar verfügte. Die Symphonie beginnt mit einem eindrucksvoll jubilierenden Kopfsatz in der gewohnten dreiteiligen Form, deren zentrale Durchführung hier ausgedehnter ist. Der zweite Satz in G-dur ist für Streicher allein geschrieben, wobei die erste Violine das Hauptthema vorstellt, indessen sie von der zweiten Geige und den Pizzikati der tieferen Streicher begleitet wird. Einen direkten Kontrast liefert das Menuett, in dem die ursprüngliche Tonart und die Bläser wiederkehren. Nach dem F-dur- Trio für Streicher allein wird der A-Teil dieses Menuetts wie gewöhnlich wiederholt. Das abschließende Presto steht wiederum im Dreiachteltakt. Dabei handelt es sich um ein Rondo mit einer Episode in c-moll, die sich weitgehend auf die Streicher stützt.

Die Symphonie Nr. 21 A-dur für Oboen, Hörner, Streicher und Continuo ist womöglich in Haydns früher Eisenstädter Zeit entstanden. Im Kopfsatz, einem Adagio, das in Form und Textur erneut an die barocke Kirchensonate denken lässt, wird die einleitende Streicherphrase durch die Oboen beantwortet. Das nachfolgende Presto in der Form eines Sonatenallegros bildet den unmittelbaren Kontrast dazu. Die Symphonie endet auch mit einem Sonatenfinale, das in seiner (wiederholten) Exposition dramatische Augenblicke bringt – ein Element, das in der abschließenden Reprise wiederkehrt.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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