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8.557720 - DYSON: Symphony in G Major / Concerto da Chiesa / At the Tabard Inn
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Sir George Dyson (1883-1964)

 

George Dyson, 1883 in Halifax (Yorkshire) als Sohn eines Schmieds geboren, brachte es trotz seiner Herkunft aus dem Arbeitermilieu des industrialisierten englischen Nordens mit sechzehn Jahren zum Fellow der Royal School of Organists, der nationalen Organistenschule. Mit einem staatlichen Stipendium begann er 1900 sein Musikstudium am Londoner Royal College of Music, wo der einflussreiche Charles Villiers Stanford ihn im Fach Komposition unterrichtete. Dass er später selbst zum Direktor dieser berühmten Institution aufsteigen sollte, erfüllte Dyson Zeit seines Lebens mit großem Stolz – als erstem Alumnus war ihm dieser Karriereschritt gelungen. 1904 gewann er das Mendelssohn-Stipendium, das ihn zu weiterführenden Studien in Italien berechtigte. Von dort führte ihn sein Weg nach Wien und Berlin, wo er die Bekanntschaft führender Musiker der Zeit machte. Eines seiner ersten Werke, die sinfonische Dichtung Siena, wurde von keinem Geringeren als Arthur Nikisch aufgeführt.

Nach England zurückgekehrt übernahm er auf Empfehlung von Sir Charles Hubert Parry den Musikdirektorenposten der Kgl. Marineschule in Osborne, wechselte aber bald ans Marlborough College. Als 1914 der Krieg ausbrach, meldete er sich als Freiwilliger und machte sich einen Namen mit einem Pamphlet über den Einsatz von Granaten, das er in seiner Eigenschaft als Offizier der 99. Infanteriebrigade verfasst hatte und das weite Verbreitung fand. In Gräbenkämpfen schwer verwundet, kehrte er als Kriegsinvalide nach England zurück – laut Parrys Tagebuch Schatten seiner selbst.

Im Auftrag des Luftfahrtministeriums kümmerte sich Dyson fortan hauptsächlich um die Gründung von Musikcorps der Royal Air Force und vollendete den von Walford Davies als Partiturskizze hinterlassenen RAF March Past. 1920 begann seine eigentliche Anerkennung als Komponist, als nämlich die noch vor dem Krieg entstandenen Three Rhapsodies für Streichquartett unter der Schirmherrschaft des Carnegie United Kingdom Trust als Druckausgabe erschienen. Es folgten der Ruf ans Wellington College und eine Professur am Royal College of Music.

1924 wechselte Dyson ans Winchester College, wo er die vermutlich produktivste Zeit seiner musikalischen Karriere verbrachte. Neben pädagogischen Aufgaben entfaltete er eine künstlerisch vielfältige, rege Tätigkeit als Dirigent einer Chorvereinigung. Dass er die Komposition in diesen Jahren mehr oder weniger nebenbei als Hobby betrieben haben soll, widerspricht dem hohen Niveau der entstandenen Werke, sind sie doch weit mehr als Fingerfertigkeitsübungen am Rande eines erfüllten musikalischen Berufslebens. Mit der täglichen Unterrichts- und Aufführungspraxis schuf er vielmehr die Grundlage seiner späteren großen Erfolge. Diese begannen sich 1928 mit In Honour of the City einzustellen, einem Werk, dessen positive Resonanz Dyson zu seiner ehrgeizigsten und vielleicht berühmtesten Komposition, The Canterbury Pilgrims, ermutigte, einer 1931 entstandenen Folge lebensnahanschaulicher Porträts nach Chaucers legendärer literarischer Vorlage. Bald darauf folgten Auftragswerke für das renommierte Three Choirs Festival und die 1933 für Hereford geschriebene St.Paul’s Voyage to Melita. Arbeiten für andere Chor-festivals ließen nicht lange auf sich warten, u.a. The Blacksmiths (1934) für Leeds und Nebuchadnezzar (1935) für Worcester. Zu Dysons Orchesterwerken aus dieser Zeit gehören die Sinfonie in G aus dem Jahr 1932 und ein 1942 vollendetes Violinkonzert.

1952 zog sich Dyson – seit 1941 Sir George – von seinen offiziellen Verpflichtungen zurück und widmete sich im Herbst seines Lebens ganz dem kompositorischen Schaffen. Seine Musiksprache wurde mittlerweile jedoch von vielen als antiquiert empfunden, selbst wenn seine neuen Werke weiterhin im Druck erschienen und zur Aufführung gelangten – die spontanen Erfolge seiner früheren Arbeiten wollten sich freilich nicht mehr einstellen. Zu seinen letzten Werken gehören Sweet Thames Run Softly, eine melodisch gefällige Vertonung für Bariton, Chor und Orchester von Texten aus Edmund Spensers Prothalamion, die Weihnachtssequenz A Christmas Garland und Agincourt, eine brillante Rückkehr zum Stil seines allerersten Chorwerks In Honour of the City.

Lewis Foreman
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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