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8.557728 - MOZART: Requiem in D Minor
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)
Requiem in d-moll K. 626

Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1756 in Salzburg als Sohn Leopold Mozarts, eines führenden Hofmusikers, geboren. Mit Einwilligung des väterlichen Dienstherrn, des Erzbischofs von Salzburg, konnte er als Wunderkind das Publikum in ganz Europa verblüffen. Jugend und frühes Erwachsenenalter verliefen sodann weniger befriedigend. Salzburg, seit 1772 unter einem neuen Erzbischof, schien nicht viel bieten zu können, obwohl es der Familie eine gewisse Sicherheit bot. Leopold Mozart, nunmehr Vizekapellmeister, hat seine eigene Karriere als Komponist weitgehend der seines Sohnes geopfert, doch hielt ihn Vorsicht in Salzburg. Mozart versuchte 1777 zunächst – nachdem er Abschied von der Hofkapelle genommen hatte –, sein Glück anderswo zu suchen. Er ging nach Mannheim und Paris in der Hoffnung, eine Position zu finden, die seinem Genius Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Diese Suche verlief indessen erfolglos, so dass er widerwillig nach Salzburg zurückkehrte, wo sein Vater die Wiedereinstellung in erzbischöfliche Dienste arrangiert hatte. Vor allem Dank Beziehungen, die er in Mannheim geknüpft hatte, erhielt er den Auftrag für eine Oper, die in München aufgeführt werden sollte. Der pfälzische Kurfürst hatte als neuer bayerischer Landesherr seinen Sitz jetzt in München. Idomeneo, re di Creta war dort Anfang 1781 erfolgreich. Doch kurz danach wurde er aufgefordert, in der Entourage des Erzbischofs von Salzburg nach Wien zu gehen. Dort führten Mozarts Ungeduld und Frustration zum Bruch mit seinem Förderer und zu einer letzten Periode der Unabhängigkeit ohne die Sicherheit von Salzburg oder die unmittelbaren und umsichtigen Ratschläge seines Vaters. Zunächst schien es gut zu laufen. Ohne das Einverständnis seines Vaters einzuholen, heiratete er eine der mit keiner Mitgift ausgestatteten Töchter eines Mannheimer Musikers und machte sich einen Namen als Komponist und Musiker. Gleichwohl entsprachen seine Einnahmen nie seinen Ausgaben, so dass er sich ständig gezwungen sah, Geld zu leihen.

1791 schienen die Dinge ein glückliche Wendung zu nehmen. Obwohl der Nachfolger Kaiser Josephs II. ihm den Verlust seiner bescheidenen Position bei Hofe als Komponist von Tanzmusik brachte, wurde er im Mai zum unbezahlten Assistenten des Kapell-meisters am Stephansdom berufen – mit der Aussicht auf Nachfolge des betagten Amtsinhabers. Zusammen mit dem Impresario Emanuel Schikaneder arbeitete er an der deutschen Oper Die Zauberflöte, die im Herbst des Jahres aufgeführt werden sollte. Gleichzeitig hatte Prag eine Krönungsoper in Auftrag gegeben, La clemenza di Tito, die dort im September auf die Bühne kam – zum ausdrücklichen Missfallen der Kaiserin.

Mozarts Frau Constanze behauptete später, ihr Mann hätte eine Vorahnung gehabt, dass das Requiem ein Omen für seinen bevorstehenden Tod sei. Das Werk war im Juli 1791 vom Grafen Franz Walsegg zu Stuppach durch einen Gesandten anonym in Auftrag gegeben worden, der mit um Aufführung eines Werkes dieser Art, das er – wenigstens indirekt – als sein eigenes auszugeben gedachte, an den jüngst erfolgten Tod seiner Gemahlin zu erinnern. Nichts von dieser Intention drang zu Mozart durch; er erhielt zunächst ein Honorar von sechzig Dukaten mit der Zusage einer weiteren Summe nach Vollendung des Requiems. Im November erkrankte er und starb innerhalb von zwei Wochen. Am 4. Dezember fühlte er sich gut genug, um vom Bett aus Teile des unvollendeten Werkes zu singen. Benedikt Schack (der Tamino in der Zauberflöte) sang den Sopranpart im Falsett, Mozart den Alt, der Violinist Hofer (Ehemann von Constanzes Schwester Josefa, der Königin der Nacht) den Tenor und Franz Gerl (dessen Frau die Papagena spielte, während er die Rolle des Sarastro übernommen hatte) den Bass. Es ist überliefert, dass Mozart beim Lacrimosa, vom dem er nur die ersten acht Takte geschrieben hatte, in Tränen ausbrach und nicht weiter konnte. Das geschah am Nachmittag. Am Abend verschlechterte sich sein Zustand und er starb fünf vor Eins am Morgen des 5. Dezember. Er wurde kurz darauf in einem namenlosen Grab bestattet, gemäß den von Joseph II. etablierten einfacheren Bestattungsbräuchen.

Man hätte erwarten können, dass Constanze, die den Rest des Honorars für das Werk gewiss brauchte, die Vollendung des Requiems dem Schüler ihres Mannes und eigenen häufigen Begleiter Franz Xaver Süssmayr anvertraut. Stattdessen bat sie, anscheinend aus Ärger, Joseph Eybler, der Mozart bei den Proben für Così fan tutte assistiert hatte, Komposition und Partitur fertig zu stellen. Eybler gab den Auftrag jedoch später zurück, so dass die unfertige Partitur schließlich doch in die Hände Süssmayrs kam. Die bekannteste Form des Requiems wurde also von Mozart begonnen, von Eybler kurzzeitig weitergeführt und von Süssmayr vollendet. In jüngeren Jahren gab es Versuche, diese Ergänzungen zu ersetzen und das Werk nach den Skizzen Mozarts umzugestalten.

Mozart hatte die Komposition und die Partitur des Introitus und des Kyrie vollendet. Diese nutzte Süssmayr für die abschließende Kommunion, Lux aeterna. Die große Sequenz des Dies irae mit ihrer lebendigen musikalischen Beschreibung des Jüngsten Gerichts war fast bis zum Lacrimosa skizziert; an diesem Punkt gab auch Eybler auf. Süssmayr erweiterte das Lacrimosa um 22 Takte und vollendete es. Wie für einen großen Teil des Dies irae hatte Mozart für das Offertorium die Stimmen und den Bass ausgeschrieben; Süssmayr stellte es fertig. Sanctus, Benedictus und Agnus Dei sind gänzlich von Süssmayr. Es sei hinzugefügt, dass Graf Walsegg von seiner ursprünglichen Intention nicht abzubringen war und das Requiem am 14. Dezember 1793 als seine eigene Komposition aufführen ließ. Diese Hochstapelei hat ihm anscheinend große Befriedigung gebracht.

Inter natos mulierum KV 72 ist eine Vertonung des Offertoriums für das Fest des hl. Johannes des Täufers und entstand in Salzburg im Mai oder Juni 1771. Im März waren Mozart und sein Vater von einer ausgedehnten Italienreise zurückgekehrt, die Kontrapunkt- Studien bei Padre Martini in Bologna und einen Opernauftrag für Mailand eingebracht hatte. Später im Jahr folgte ein zweiter Auftrag für Mailand und ein erneuter Aufenthalt dort von August bis Dezember. Das Werk ist für Chor, Orgel und ein Orchester aus Streichern und drei Posaunen gesetzt. Misericodias Domini KV 222 für Chor, Streicher und Orgel entstand 1775 in München, wo er den Auftrag für eine neue Oper bekommen hatte. Einem Brief an Padre Martini fügte Mozart die Komposition bei, um sie von seinem Lehrer approbieren zu lassen. Er bemerkte, dass er sie in großer Eile geschrieben habe, da sie im Hochamt am folgenden Sonntag aufgeführt werden sollte. Die Offertoriums- Vertonung unter Verwendung des Kontrapunkts erntete Padre Martinis uneingeschränktes Lob – sie erfülle alle Anforderungen moderner Musik.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Thomas Theise


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