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8.557747 - SCHUMANN: Konzertstuck, Op. 86 / HAYDN: Symphony No. 31, 'Horn Signal'
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KONZERTE FÜR VIER HÖRNER
Robert Schumann (1810–1856)
Konzertstück op. 86
Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Concerto F-Dur
Georg Philipp Telemann (1681–1767)
Ouvertüre F-Dur
Joseph Haydn (1732–1809)
Sinfonie Nr. 31 D-Dur „Mit dem Hornsignal“

Die vorliegende Einspielung enthält Originalkompositionen für Hornquartett und Orchester von einigen der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte. Alle vier Werke stellen die melodischen Qualitäten im oberen Clarinregister des Horns in den Vordergrund oder erinnern an die historische Funktion des Horns als Signalinstrument. Schumanns Konzertstück berücksichtigt darüber hinaus bereits die Möglichkeiten der modernen Ventiltechnik, durch die das Hornspiel nach 1830 klanglich und spieltechnisch revolutioniert wurde. In der Einspielung durch das American Horn Quartet erklingen diese vier virtuosen Werke erstmals gemeinsam auf einer CD.

Robert Schumanns Konzertstück op. 86 für vier Hörner und großes Orchester datiert aus dem Jahr 1849 und wurde im Februar 1850 im Gewandhaus zu Leipzig uraufgeführt. Im Schaffen des Komponisten fällt es in eine von physischem und psychischem Wohlbefinden sowie von einem unbändigen schöpferischen Eifer gekennzeichnete Zeit – neben dem Adagio und Allegro op. 70 für Horn und Klavier und den Fünf Jagdliedern op. 137 für Männerchor und Hornquartett entstanden allein 1849 nicht weniger als vierzig Werke. Beim Konzertstück handelt es sich um eines der ersten großdimensionierten Werke, in denen die spieltechnischen Möglichkeiten des neuen, sich in Deutschland langsam durchsetzenden Ventilhorns zur Entfaltung gelangen. Das für die vier Hornsolisten technisch äußerst anspruchsvolle, hochvirtuose Paradestück galt lange Zeit als unspielbar. In dieser Aufnahme erklingt die Originalfassung von 1849, die sich von der gängigeren Version von 1851 vor allem durch einige zusätzliche hohe A’s unterscheidet.

Georg Friedrich Händels Concerto F-Dur gehört zu den während des Österreichischen Erbfolgekriegs von 1745–1748 komponierten Werken. Das Konzert, ca. 1746 entstanden, ist in seiner Eröffnung der Ouvertüre aus der berühmten Feuerwerksmusik, die 1749 anlässlich des Aachener Friedens uraufgeführt wurde, erstaunlich ähnlich. Auf den feierlichen Beginn folgt ein lebhafter, in dieser Einspielung vom American Horn Quartet mit glänzenden Verzierungen versehener Abschnitt.

Georg Philipp Telemanns Ouvertüre F-Dur entstand in Hamburg, wo der Komponist während des größten Teils seiner Laufbahn als Musikdirektor der fünf Hauptkirchen und als Johanneumskantor angestellt war. Zahlreiche seiner Werke tragen deskriptive Titel und imitieren Naturlaute und Geräusche aus dem Alltagsleben – so auch diese Ouvertüre. Die konzertierenden Frösche und Krähen sind in der extremen Chromatik das frappanteste Beispiel dieser musikalischen Lautmalerei. Die Ouvertüre erklang erstmals am 4. Juni 1725 aus Anlass eines Hamburg-Besuchs des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg – möglicherweise als Teil eines Freiluftkonzerts auf der Binnenalster, was auch die Verwendung von vier Hörnern mit ihrer traditionellen Signalinstrument-Assoziation erklärt. Das Stück ist reich an Folkore-Elementen; so imitieren z.B. bordunartige Klänge Drehleier oder Dudelsack, während Geräusche des täglichen Lebens wie der Klang der mechanischen Kirchen-Carillons, das Quaken der Frösche oder Krähenschreie als Echo auf der Alster widerhallen.

Joseph Haydn komponierte seine Sinfonie D-Dur Hob.L:31 „Mit dem Hornsignal“ im September 1765, kurz nach seiner Berufung zum Eszterházyschen Vizekapellmeister. Die Hofkapelle zu Eszterháza besaß eine virtuose Horngruppe, zu der Carl Franz, Thaddäus Steinmüller, Johann May und Franz Stamitz gehörten, und zweifellos ist diese Sinfonie bewusst auf die Fähigkeiten dieser Instrumentalisten zugeschnitten. Aus den 1760er Jahren datieren mehrere Werke für Horn aus Haydns Feder, die er vermutlich für einen dieser Hornisten komponiert hat, u.a. zwei Hornkonzerte (das heute als Nr. 1 bekannte stammt aus dem Jahr 1762; das zweite, ca. 1761–65 entstanden, gilt als verschollen), das Divertimento a tré für Horn, Violine und Violoncello (1767) und die um 1763 vollendete Cassation für vier Hörner und Streicher.

Lin Foulk
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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