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8.557771 - HAYDN: Symphonies, Vol. 32 (Nos. 9, 10, 11, 12)
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Joseph Haydn (1732–1809): Sinfonien Folge 32
Sinfonien Nr. 9–12

 

Joseph Haydn wurde 1732 in Rohrau an der Leitha (Niederösterreich) als Sohn eines Wagnermeisters geboren. An der Chorschule des Wiener Stephansdoms ausgebildet, verdiente er danach einige Jahre seinen Lebensunterhalt mehr schlecht als recht mit Violin- und Klavierspiel sowie Unterrichten. Sodann wurde er Assistent des betagten Komponisten Nicola Porpora (1786–1768), von dem er viel lernen konnte. Haydns erste Anstellung war wahrscheinlich bereits 1758 jene bei dem böhmischen Edelmann Graf Morzin, dessen Vorfahr einst Vivaldi gefördert hatte. Darauf folgte 1761 die Anstellung als Vizekapellmeister bei einem der reichsten Männer des Habsburgerreichs, Fürst Paul Anton Esterházy, dem nach seinem Tod 1762 Fürst Nicolaus nachfolgte. Nach dem Tod des alten Kapellmeisters Gregor Joseph Werner (1693–1766), der von seinem Stellvertreter keine sehr hohe Meinung hatte, trat Haydn an dessen Stelle. Diese Stellung behielt er – zuletzt formell – bis zum Ende seines Lebens.

Mit der Vollendung des prachtvollen Schlosses von Esterháza in der ungarischen Tiefebene durch Fürst Nicolaus übernahm Haydn das Kommando über einen ausgewachsenen Musikbetrieb. Er trug die Verant-wortung für alle musikalischen Aktivitäten im Schloss, wozu die Bereitstellung und Aufführung von Instrumentalmusik, Opern- und Theatermusik wie auch Kirchenmusik zählten. Für seinen Patron schuf er Kammermusik aller Art, besonders für dessen eigenartiges eigenes Instrument, das Baryton, ein bogenförmiges Streichinstrument mit Resonanzsaiten, die auch gezupft werden können.

Fürst Nicolaus starb 1790, was Haydn die Möglichkeit eröffnete, eine Einladung nach London anzunehmen. Dort lieferte er Musik für die Saisonkonzerte des Violinisten und Impresarios Johann Peter Salomon (1745–1815). Nach einem zweiten erfolgreichen London-Besuch 1794/95 kehrte er in den Dienst der Esterházy zurück, dessen neues Oberhaupt vorwiegend auf dem Familiensitz in Eisenstadt (Kis-Marton) residierte, wo Haydn seine Arbeit für die Familie begonnen hatte. Die meiste Zeit des Jahres verbrachte er jedoch in Wien, wo er 1809 starb, als die Truppen Napoleons sich erneut der Stadt näherten.

Haydn lebte in jenem Abschnitt des 18. Jahrhunderts, in der sich die Instrumentalmusik von der Ära Bachs und Händels zu jener der klassischen Sonate entwickelte, die nun mit ihrem dreiteiligen ersten Satz und zwei oder drei weiteren Sätzen die Grundstruktur vieler Instrumentalkompositionen bildete. Die Sinfonie wurde die wohl wichtigste Form der Orchester-komposition – sie verdankt Haydn sehr viel, wenn er nicht sogar als deren Vater bezeichnet werden darf. Die ersten Versuche dieser Art unternahm er vor 1759, seine letzten Sinfonien entstanden für London in den 1790er Jahren.

Die Sinfonie Nr. 9 in C-Dur wird auf 1762 datiert. Sie ist für die seinerzeit üblichen Instrumente geschrieben: Paare von Oboe und Horn, Fagott, Streicher und Continuo, dazu ein Paar Flöten im zweiten Satz. Aus verschiedenen Gründen hat der führende Haydn-Forscher Robbins Landon die Auffassung vertreten, dass die Sinfonie in gewisser Hinsicht eine Ouvertüre sei. Die Einleitung des ersten Satzes mit ihren raschen Skalen-Passagen und Fanfaren der Blasinstru-mente ist in diesem Geist geschrieben. Im zweiten Satz in G-Dur, geschrieben für zwei Flöten und Streicher, verdoppeln die Flöten die Violinen, wobei die erste und zweite Violine im Allgemeinen durchweg unisono spielen. Im abschließenden Menuett sind Oboen und Hörner wieder beteiligt, im Trio-Abschnitt im Zentrum treten die Blas-instrumente in den Vordergrund.

Die Sinfonie Nr. 10 in D-Dur gehört zu den frühen Werken dieser Art für den Grafen Morzin. Es ist wiederum für die übliche Besetzung aus zwei Oboen und zwei Hörnern, Streichern und Fagott geschrieben. Letzteres verdoppelt die Basslinie. Die Violinakkorde des Hauptthemas kontrastieren mit der sanfteren Dynamik der folgenden Passagen. Das zweite Thema des Sonatensatzes ist überwiegend der ersten Violine übertragen. Das absteigende Thema des folgenden Andantes in G-Dur für Streicher allein erklingt zunächst auf zweiter Violine und Viola. Der letzte Satz im 3/8-Takt enthält eine d-Moll-Passage in der Durchführung, bevor das muntere erste Thema wiederkehrt.

Die Sinfonie Nr. 11 in Es-Dur, ebenfalls um 1760 für den Grafen Morzin geschrieben, hat den älteren Stil einer Sonata da chiesa. Das eröffnende Adagio cantabile ist für Hörner, Streicher und Continuo geschrieben. Das Thema wird von der zweiten Violine gespielt, worauf die erste antwortet. Im zweiten Satz kommen zwei Oboen hinzu; das zweite Thema ist aus dem ersten abgeleitet. Das Menuett umschließt ein B-Dur-Trio, in dem die Blasinstrumente schweigen. Das Hauptthema des Presto-Finales ist von einer absteigenden Version des Themas aus dem zweiten Satzes abgeleitet und bildet den Kern des zweiten Themas.

Die Sinfonie Nr. 12 in E-Dur schließlich wurde 1763 für den Musikbetrieb der Esterházy in Eisenstadt geschrieben – wiederum für jeweils zwei Oboen und Hörner, Streicher und Continuo sowie ein Fagott, das die Basslinie verdoppelt. Die Streicher führen das erste Thema ein, piano und unisono; ein ähnlicher dynamischer Kontrast besteht zwischen dem Beginn des zweiten Themas und dem, was darauf folgt. Das zweite Thema präsentieren die Violinen mit Terzen in einer absteigenden Figur, wiederholt von den tieferen Streichern. Oboen und Hörner schweigen im e-Moll-Adagio im 6/8-Takt, um im lebhaften Presto-Finale wiederzukehren.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Thomas Theise

 


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