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8.557827 - MARTINEZ, Ana Maria: SOPRANO SONGS AND ARIAS
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ANA MARÍA MARTÍNEZ: Sopranarien
O mio babbino caro • Vilja-Lied • Baïlero

Am Anfang des vorliegenden Sopranarien-Programms steht eine Evokation Spaniens aus der Feder Alfred de Mussets, die Léo Delibes in Töne gefasst hat. Das bekannteste Werk des französischen Komponisten ist sein Ballett Coppélia nach E.T.A. Hoffmann, das 1870 in Paris uraufgeführt wurde. Für die heutige Popularität des Blumen-Duetts aus seiner Oper Lakmé gibt es verschiedene Gründe. Wie andere französische Komponisten seiner Generation erforschte Delibes die Exotik – die Handlung der Lakmé spielt in Indien. Mit seiner Vertonung des Musset’schen Gedichts Les filles de Cadix beschwor er den Geist Spaniens, wobei der Bolero fröhliche Urständ feiert.

Aus der Sicht der französischen Theatertradition, die sich eindeutig auf die Prinzipien der aristotelischen Klassik berief, mag Shakespeare zunächst primitiv und unelegant gewirkt haben. Seit sich aber im 19. Jahrhundert Dichter wie Victor Hugo für ihn verwandten, änderte sich der Geschmack. Als Gounod 1867 in Paris seine Version von Romeo und Julia auf die Bühne brachte, benutzte er ein Libretto, in dem das ursprüngliche Schauspiel zwangsläufig gekürzt war. Die Oper beginnt damit, dass der alte Capulet, Julias Vater, die Gäste in seinem Haus zu dem Maskenball begrüßt, bei dem Romeo und seine Freunde auftauchen werden. Julia, die eigentlich den Grafen Paris heiraten soll, offenbart ihrer Amme in dem Walzerlied Je veux vivre ihre Gefühle, die sich schon bald Romeo zuwenden werden.

Die kurze Oper Gianni Schicchi ist ein Teil des Trittico, den Giacomo Puccini 1918 in New York zur Uraufführung brachte. Die Handlung geht (wie auch diejenige von Ben Jonsons Volpone) auf eine Episode aus Dantes Inferno zurück: Der Titelheld Gianni Schicchi wird von den gierigen Verwandten eines soeben verstorbenen Mannes gebeten, dessen Rolle einzunehmen und dergestalt ein neues Testament zu ihren Gunsten aufzusetzen. Er geht auf den Schwindel ein, dreht es aber so, dass alles an ihn fallen wird – und aus Angst vor dem Gesetz traut sich die Familie des Toten nicht, das Resultat anzufechten. Gianni Schicchis Tochter Lauretta liebt den artigen jungen Rinuccio, einen Verwandten des Toten, und in ihrer berühmten Arie O mio babbino caro bittet sie ihren Vater, ihr die Ehe mit dem geliebten Mann zu gestatten, was dann am Ende der Oper auch erreicht ist.

Auch in Franz Lehárs berühmter Operette Die lustige Witwe geht es um das Streben nach Wohlstand, hier allerdings aus patriotischen Gründen: In Paris will der pontevedrinische Gesandte erreichen, dass Hanna Glawari, die Witwe eines reichen Bankiers, keinen Ausländer heiratet und somit ihre Gelder aus der Heimat abzieht. In ihrem Vilja-Lied beschwört Hanna den pontevedrinischen Geist und erzählt von dem „Waldmägdelein” und dem von der Liebsten verlassenen Jäger. Es gibt das für die Operette typische Happy End: Hanna heiratet den jungen pontevedrinischen Diplomaten Danilo, der schon lange insgeheim ihre Liebe erwidert hatte.

Pablo Luna war ein fleißiger Zarzuela-Komponist. Titelheld seines El niño judio ist der jüdische Junge Samuel, der so arm ist, dass er seine geliebte Concha nicht heiraten kann. Auf dem Sterbebett gesteht ihm sein vermeintlicher Vater, dass er tatsächlich der Sohn eines reichen Kaufmanns aus Aleppo ist und von dem Mann, den er für seinen Vater hielt, entführt wurde. Mit Concha und deren Vater macht sich Samuel nun auf, seinen wirklichen Vater zu finden. In Aleppo stellt sich dann allerdings heraus, dass Samuels wirklicher Vater tatsächlich ein indischer Radscha ist, mit dem seine Mutter durchgebrannt war. In Indien heißt der Radscha seinen lange verschollenen Sohn willkommen, und er ist bezaubert von Conchas spanischem Lied De España vengo. Die Frau des Radschas ist so eifersüchtig, dass es beinahe zur Katastrophe kommt, die der Radscha aber verhindert. Er schickt alle mit einem bedeutenden Vorrat an Juwelen nach Madrid zurück.

Violetas Imperiales kam 1952 als französischspanische Filmproduktion des Regisseurs Richard Pottier heraus, nachdem das auf einem französischen Original von Henry Roussell beruhende Stück schon einmal verfilmt worden war. Der Titel (Kaiserliche Veilchen) bezieht sich auf die Geschichte, in der ein „Veilchenverkäufer” der Spanierin Eugenia de Montijo prophezeit, dass sie Kaiserin Eugénie von Frankreich werden wird. Die Musik stammt von Francis Lopez, und das äußerst charmante Lied hat eine beträchtliche Beliebtheit erlangt – nicht zuletzt durch seinen kommerziellen Einsatz.

Im Mittelpunkt der Oper La rondine von Giacomo Puccini steht Magda, die bei ihrem Beschützer Rambaldo lebt. Nach wie vor liebt sie Ruggero, doch ihr Versuch, mit diesem die Ehe einzugehen, ist zum Scheitern verurteilt, und so kehrt Magda schließlich zu Rambaldo zurück. Im ersten Akt singt der junge Dichter Prunier, der Liebhaber von Magdas Zofe Lisette, die Geschichte von Doretta, die davon träumte, einen König zu heiraten. Er kann das Lied jedoch nicht beenden. Magda übernimmt und bietet in Chi il bel sogno einen eigenen Schluss. Die Oper wurde 1917 in Monte Carlo uraufgeführt.

Der französische Komponist Joseph Canteloube war ein Schüler von Vincent d’Indy und machte sich besonders mit seinen musikalischen Lebensbeschreibungen der Auvergne, aus der er stammte, einen Namen. Er veröffentlichte vier Bände mit Arrangements von Liedern der Auvergne für Singstimme und Orchester.

Madama Butterfly, Puccinis Ausflug in die exotische Welt Japans, wurde 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführt. Das als japanische Tragödie betitelte Stück basiert auf einem amerikanischen Schauspiel, das seinerseits auf eine Geschichte zurückgeht, die in einem Werk des französischen Schriftstellers Pierre Loti wurzelt. Cho-Cho-San, genannt Butterfly, heiratet einen amerikanischen Marine-Offizier. Während sie ernste Absichten hat, hält er das Arrangement nur für ein vorübergehendes. Sie bewahrt ihm die Treue und glaubt, dass er eines schönen Tages zu ihr zurückkehren wird. Als das dann geschieht, bringt er seine neue, amerikanische Frau mit, um das Kind mitzunehmen, das Butterfly ihm geboren hat. Cho-Cho-San tötet sich – wie es ihr Vater vor ihr getan hatte. Die Arie Un bel dì vedremo ist von besonderer Eindringlichkeit: Die kindliche Braut allein vertraut einem Mann, dessen wahre Absichten für alle um sie her seit langem nur zu offenkundig sind.

Der brasilianische Komponist Heitor Villa-Lobos verband in der Serie seiner Bachianas brasileiras Inspirationen von Bach mit solchen seiner Heimat. Besonders bekannt ist das fünfte Stück der Reihe für Sopran und mindestens acht Violoncelli. Für die einleitende Arie mit ihrer ausgedehnten Vokalise hat Villa-Lobos Worte von Ruth Valadares Correa gewählt, während er im zweiten Teil die energiegeladene Vertonung eines Gedichts von Manoel Bandeiro bietet, die durch eine bewegliche, bisweilen kantige Vokallinie gekennzeichnet ist.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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