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8.557908 - CHERUBINI: Symphony in D Major / Opera Overtures
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Luigi Cherubini (1760–1842)
Sinfonie in D-dur • Ouvertüren

 

Luigi Cherubini wurde 1760 in Florenz geboren. Er war das zehnte von insgesamt zwölf Kindern des Cembalisten am Teatro della Pergola, der auch sein erster Lehrer war. Schon als Kind wurde er allerdings auch von führenden Komponisten seiner Heimatstadt unterwiesen, und so liegt etwa auch eine frühe Komposition vor, eine Messe, die 1773 zur Aufführung kam. In seiner Jugend schrieb er weiterhin Kirchenmusik und in geringerer Zahl auch weltliche dramatische Werke. 1778, nach der Aufführung seiner zu Ehren des Großherzogs von Toscana, dem späteren Kaiser Leopold II., entstandenen Kantate La publica felicità, stattete ihn der Großherzog mit den nötigen Mitteln aus, die ihm weitere Studien bei dem bekannten Opernkomponisten Giuseppe Sarti ermöglichten, einem früheren Schüler Padre Martinis. Cherubini arbeitete mit Sarti also zwischen 1778 und 1781 zuerst in Bologna und ab 1779 dann in Mailand, wo sein Lehrer als Maestro di Cappella am Dom wirkte und sich zudem am Teatro della Scala hervortat, wobei er die Möglichkeit erhielt, selbst Opern für Florenz und andere italienische Städte zu komponieren. In den Jahren 1784 und 1785 war er dann in London, wo er als Opernkomponist bereits einigen Erfolg verbuchen konnte und von wo aus er dann weiter nach Paris reiste. Durch den dort ansässigen Violinisten und Impressario Viotti wurde Cherubini Königin Marie Antoinette vorgestellt, um sich dann 1786 ebenfalls in Frankreich niederzulassen. Gemeinsam mit Viotti leitete Cherubini unter dem Patronat des Königs Bruders das Théâtre de Monsieur bei den Tuillerien, bis er dann an Viottis neuem Théâtre Feydeau einen recht großen Erfolg mit seiner Oper Lodoïska feiern konnte, dem allerdings durch den Ausbruch der Revolution keine große Dauer beschieden war. Während Viotti sich nach London zurückzog und Handel mit Wein betrieb, verbrachte Cherubini diese Zeit auf dem Lande.

Als er 1793 nach Paris zurückkehrte, fand er schließlich Anstellung am neuen Institut National de Musique, aus dem später dann das Conservatoire hervorgehen sollte. Im sich anschließenden Jahrzehnt vertonte Cherubini dem neuen Régime genehme Texte, und konnte als Opernkomponist Erfolg mit seiner bis heute wohl bekanntesten Oper Médée feiern, auch aber mit Les deux journées, einem Werk, das später dann einigen Einfluss auf Beethovens Fidelio haben sollte. Cherubini wohnte im Rahmen einer Wien-Reise 1805 auf Einladung des damaligen Hofoperndirektors Baron Peter von Braun der Uraufführung dieser Oper bei. Hier traf er auch Haydn, Beethoven und andere mehr und erlebte Aufführungen seiner eigenen Werke: einerseits Lodoïska, andererseits auch ein neueres Werk, nämlich Faniska. Mit Napoleons Einnahme der Stadt im selben Jahr wurde Cherubini ebenso unerwartet wie ungern von diesem zum Leiter seiner Hofkonzerte an Schönbrunn ernannt, Napoleons neuer Residenz. Cherubini hatte diese Position von Ende 1805 bis Anfang 1806 inne, ehe er nach Paris zurückkehrte, wo er sein Amt als Inspecteur am Conservatoire wieder aufnahm, ansonsten aber kaum etwas komponierte und sich stattdessen mehr der Zeichenkunst und der Botanik widmete. Mit der Zeit aber begann er auch wieder zu komponieren: etwa den Opern-Einakter Pimmallione, der 1809 in den Tuillerien aufgeführt wurde, oder auch die Ode à l’Hymen, die im darauffolgenden Jahr anlässlich der zweiten Eheschließung Napoleons erklang. Nach der Wiederherstellung der Monarchie und der Verbannung Napoleons wurde Cherubini von Louis XVIII., seinem ehemaligen Patron, zum Surintendanten der königlichen Kapelle ernannt. Als weitere offizielle Ehrung folgte 1822 die Ernennung zum Direktor des Conservatoires, ein Amt, das er gewissenhaft, korrekt und mit grossem Ansehen bis wenige Wochen vor seinem Tod im Jahre 1842 innehatte.

Es gab eine Zeit, in der die drei hier eingespielten Ouvertüren Cherubinis recht häufig auf den Konzertprogrammen auftauchten. Die Opern Lodoïska, Le deux journées, Médée und Elisa wurden 1802 in Wien gespielt, und die dazugehörigen Ouvertüren hatten mit ihrer Dramatik und der relativ freien Form einen nicht unwesentlichen Einfluss auf Beethoven, der – neben Haydn – auch den Aufführungen von 1805 und 1806 beiwohnte. Lodoïska war dabei die erste einer ganzen Reihe solcher in Wien in diesen Jahren gegebenen Opern, nachdem Emanuel Schikaneder das Werk dort erstmals am Theater an der Wien gezeigt hatte. Die Comédie-héroïque in drei Akten erklang erstmals am 18. Juli 1791 am Pariser Théâtre Feydeau. Das Libretto von Claude François Fillette-Loraux basiert dabei auf einer Episode in Jean-Babtiste Louvet de Couvrais Roman Les amours du chevalier de Faublas und erzählt die Geschichte von der Rettung der Lodoïska vor den hinterlistigen Plänen des Baron Dourlinski durch ihren Geliebten, den Grafen Floreski, wobei beide – Lodoïska und Floreski – durch den Angriff der Tartaren auf das Schloss des Barons aus dessen Händen gerettet werden. Dieselbe Geschichte war auch Grundlage einer Oper von Simone Mayr und von Rossinis Torvalso e Dorliska. Die langsame Einleitung der Ouvertüre mit ihren dramatischen Hornrufen, leitet über in ein Allegro, in dem die bevorstehenden Aufregungen und Gefahren anklingen – die missliche Lage Lodoïskas und ihres Geliebten sowie ihr Triumph am Ende.

Médée, erstmals im März 1797 am Théâtre Feydeau gegeben, war in Frankreich allerdings nur mäßig erfolgreich. Dafür wurde es allerdings bald von deutschen Häusern übernommen. Das Libretto François-Benoît Hoffmans behandelt die traditionelle Geschichte, die schon Euripides verwendete: Jason, der Führer der Argonauten, plant, Dircé, die Tochter des Königs von Korinth, Créon, zu heiraten, woran ihn seine zurückgekehrte Frau Médée, die Mutter seiner Kinder, allerdings hindert. Sie rächt sich nämlich an ihm, indem sie Dircé ein vergiftetes Gewand zum Hochzeitsgeschenk macht und auch ihre eigenen Kinder tötet. Während der Tempel, in dem ihre ermordeten Kinder liegen, in Flammen aufgeht, entschwindet Medea, begleitet von den Eumeniden, auf einem von Helios ihr geschenkten Drachenwagen. Die Oper, die für Brahms den Gipfel dramatischer Musik bedeutete, stellt die starken Emotionen Jasons, mehr noch aber jene von Medea, dar. Die Ouvertüre bereitet, unterbrochen nur von einigen lyrischeren Momenten, den Boden für die dramatische Handlung.

Das Libretto zu Faniska verfasste Joseph von Sonnleitner, der auch den Text zu Beethovens Fidelio schrieb. Die Handlung basiert auf dem Melodram Les Mines de Pologne von René Charles Guilbert de Pixérécourt. Das für Wien entstandene Werk erklang dort am 25. Februar 1806 erstmals am Kärtnertortheater. Der Starost von Sandomir, Zamoski, ist in Liebe zu Faniska entbrannt, die er mitsamt ihrer kleinen Tochter Hedwig entführt und sie glauben macht, ihr Mann, Rasinski, wäre tot. Der sehr lebendige Rasinski aber tritt als Bote seines eigenen Tods auf, wobei seine offensichtliche Zuneigung zu seinem Kind seine wahre Identität allerdings verrät und er so ebenfalls in Gefangenschaft gerät. Schließlich aber wird Zamoski von den Polen besiegt und die Gefangenen werden befreit. In gewisser Hinsicht ähnelt die Handlung der von Cherubinis anderer Befreiungsoper, Lodoïska, die in Wien in derselben Spielzeit erklang. Die langsame Einleitung der Ouvertüre, mit ihrer Mischung aus Dramatik und Empfindsamkeit, leitet über in einen lebhafteren Abschnitt, in dem musikalische Elemente der sich entspinnenden Handlung anklingen.

Cherubinis letzte Oper kam 1813 in Paris auf die Bühne. Nachdem Napoleon von der Verbannung auf Elba nach Paris zurückgekehrt war und es ab März 1815 zur sogenannten ‚Herrschaft der 100 Tage’ kam, konnte Cherubini nach London reisen, wo die Philharmonic Society für ein Honorar von £ 200 eine Ouvertüre und eine Sinfonie bei ihm in Auftrag gegeben hatte, zusammen mit der Kantate Inno alla primavera. Seine Hoffnungen, dort auch eine seiner früheren Opern, Eliza ou Le voyage aux glaciers de Mont Saint-Bernard, aufzuführen, zerschlugen sich, und so kehrte Cherubini, dem Erfolg seiner Werke dort zum Trotz, nach Paris zurück. Dort sah er sich zwar mit neuen Schwierigkeiten am Conservatoire konfrontiert, die allerdings durch seine königliche Bestellung zum Lehrer gemildert wurden, eine Stelle, die er sich großzügigerweise mit seinem Vorgänger Lesueur teilte. Die Sinfonie in D-Dur ist für Streicher, Flöte, jeweils doppelt besetzten Oboen, Klarinetten, Fagotte Hörner und Trompeten sowie Pauke gesetzt. Der langsamen Einleitung schließt sich ein Allegro an, dessen erstes Thema die Streicher vorstellen, denen dann auch das zweite Thema in a-Moll anvertraut ist. Dieses wandelt sich innerhalb der wiederholten Exposition bald schon in ein lebhaftes Dur, wobei dieses Material nach dem zentralen Durchführungsteil vorschriftsmäßig leicht verändert auch in der Reprise wiederkehrt. Das Hauptthema des in G-Dur stehenden langsamen Satzes liegt unter Begleitung der übrigen Streicher in Händen der ersten Violinen, wobei den Bläsern nur kurze Einwürfe zukommen. Auch das kontrastierende zweite Thema obliegt den Streichern. Die Durchführung verarbeitet namentlich das Hauptthema, das sich auch in der variierten Reprise findet und dem sich dann das zweite Thema in der Tonika anschließt. Im Minuetto findet sich ein Trio-Abschnitt, in dem Cherubini den gesamten Bläsersatz beschäftigt. Das Werk schließt mit einem weiteren Satz in Sonatenform, in dem der Komponist auch mit der zu erwartenden kontrapunktischen Behandlung des thematischen Materials aufwartet.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann

 


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