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8.557943 - VIRTUOSO CELLO ENCORES
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VIRTUOSE CELLO-ZUGABEN

Gaspar Cassadó (1897–1966)
1) Tanz des grünen Teufels
David Popper (1843–1913)
2) Fantasie über Kleine russische Lieder op. 43
3) Serenade op. 54 Nr. 2
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
4) Orchestersuite Nr. 3 D–Dur BWV 1068: Air (transkribiert von Leonard Rose)
Franz Schubert (1797–1828)
5) Ständchen (transkribiert von Henri Marteau)
Franz Schubert (1808–1878)
6) Die Biene (transkribiert von Werner Thomas–Mifune)
Enrique Granados (1867–1916)
7) Goyescas: Intermezzo (transkribiert von Gaspar Cassado)
Dmitry Shostakovich (1906–1975)
8) Die Bremse op. 97: Tarantella (transkribiert von Jusas Tschelkauskas)
Maurice Ravel (1875–1937)
9) Habanera (transkribiert von Paul Bazelaire)
Claude Debussy (1862–1918)
10) 24 Préludes: Nr. 8 – Das Mädchen mit dem Flachshaar (transkribiert von L.–R. Feuillard)
Jean Baptiste Senaillé (1687–1730)
11) Allegro spiritoso (transkribiert von J. Salmon)
Henri Vieuxtemps (1820–1881)
12) Cantilena, op. 48 Nr. 24 (transkribiert von Jénő Hubay)
Siegfried Barchet (1918–1982)
13) Images de Menton: Boulevard de Garavan
Jacques Offenbach (1819–1880)
14) Danse Bohémienne, op. 28
Sergey Rachmaninov (1873–1943)
15) Vokalise, op. 34 Nr. 14 (transkribiert von Leonard Rose)
George Gershwin (1898–1937)
16) Short Story (Kurzgeschichte) (transkribiert von Samuel Dushkin)

Das Cello – oder Violoncello, wie der vollständigkorrekte Instrumentenname lautet – entwickelte sich im frühen sechzehnten Jahrhundert als Bassinstrument der Violinfamilie. Seine Emanzipation begann gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts, als Komponisten ihm gelegentliche Freiheiten über die eigentliche Bassstimme hinaus zu gestatten begannen. An der San-Petronio- Basilica in Bologna schrieben cellospielende Komponisten Solosonaten und Konzertsätze für das Instrument, während die neuartige Concerto-grosso-Form bereits eine – wenngleich noch begrenzte – instrumentale Virtuosität gestattete, wobei das Solocello zu der „Concertino“ genannten Sologruppe gehörte. Im neuen Jahrhundert entstanden dann die ersten veritablen Solokonzerte für das Instrument von Komponisten wie dem Venezianer Antonio Vivaldi, und in Köthen schrieb Johann Sebastian Bach seine berühmte Sammlung von sechs Suiten für unbegleitetes Violoncello. Seitdem erfüllt das Cello eine Doppelfunktion: als essentieller Bestandteil des herkömmlichen Streichorchesters oder des klassischen Streichquartetts, oder mit gelegentlichen Ausflügen in solistische Regionen. Erst das neunzehnte Jahrhundert sollte eine Spezies von sog. Cellokomponisten produzieren, deren Vertreter ihre Inspiration aus den virtuosen Violinwerken der Zeit bezogen; ihre Kompositionen bilden das zahlenmäßig zwar limitierte, aber bedeutsame romantische Repertoire.

Zu den berühmtesten Cellisten des zwanzigsten Jahrhunderts zählte Gaspar Cassadó. 1897 in Barcelona geboren, erhielt er als Siebenjähriger den ersten Cellounterricht und trat bereits im Alter von neun Jahren öffentlich auf. 1910 wurde er in Paris Schüler des großen Casals und begeisterte sich für die Kompositionen Ravels und seines Landsmanns de Falla. 1914 kehrte er nach Barcelona zurück, wo er während der Kriegsjahre bei seinem Vater Harmonielehre und Kontrapunkt studierte. 1918 begann seine eigentliche Solokarriere mit Tourneen durch Europa und Südamerika. Seine Komposition Tanz des grünen Teufels ist ein charakteristisches „jeu d’esprit“. Cassadó starb 1966 in Madrid.

David Popper, geboren 1843 in Prag als Sohn eines Kantors, studierte bei Goltermann am Konservatorium seiner Heimatstadt. 1863 begann seine Virtuosenkarriere, die ihn mehrmals mit dem berühmten Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow zusammenführte. 1868 wurde er Solocellist des Wiener Hofopernorchesters und trat später dem Hellmesberger-Quartett bei. Von 1896 bis zu seinem Tod im Jahr 1913 unterrichtete er am Budapester Konservatorium. Popper hinterließ zahlreiche Werke für Violoncello, unter anderem Konzerte, Etüden, ein Requiem für drei Celli und Orchester sowie an die siebzig Salonstücke. Seine auf einer russischen Weise basierende Fantasie op. 49 besticht durch thematische Entwicklung und technische Virtuosität. In letzterer Hinsicht weniger anspruchsvoll gibt sich die klangschöne, liebenswürdige Serenade op. 54 Nr. 2.

Hinter dem berühmten, auf den Geigenvirtuosen August Wilhelmj zurückgehenden Titel Air auf der GSaite verbirgt sich das Air aus J. S. Bachs Orchestersuite Nr. 3 D-Dur, wo es übrigens keineswegs auf die G-Saite beschränkt ist. Die hier vorgestellte Transkription stammt von Leonard Rose, dem renommierten amerikanischen Cellisten.

Franz Schuberts Ständchen erfreut sich großer Beliebtheit in seiner originalen Liedgestalt und in einer Vielzahl von Bearbeitungen. Das Lied, die Vertonung eines Rellstab-Gedichts, komponierte Schubert im August 1828, drei Monate vor seinem Tod; es erschien posthum im ersten Heft des Zyklus Schwanengesang.

Der Dresdener Komponist Franz Schubert, 1808 in der Stadt an der Elbe geboren, hatte das gleiche Recht auf seinen Namen wie sein berühmter, um einige Jahre älterer Wiener Zeitgenosse. Benannt nach seinem Vater, einem komponierenden Kontrabassisten, studierte Schubert eine Zeitlang in Paris, wo er sich mit Chopin anfreundete. In Erinnerung geblieben ist er vor allem mit seinem populären Stück Die Biene.

Enrique Granados gehört einer früheren Generation katalanischer Komponisten an als Cassadó, der das Intermezzo aus der Oper Goyescas für Violoncello und Klavier arrangierte. Die als erstes spanisches Bühnenwerk überhaupt im Januar 1916 an der New Yorker Metropolitan Opera aufgeführte Oper basiert musikalisch auf einer Sammlung von Klavierstücken mit demselben Titel. Zu der Oper inspiriert wurde Granados durch ein Gemälde von Goya; erzählt wird eine tragisch endende Geschichte von Liebe und Eifersucht. Granados ertrank 1916 vor der englischen Kanalküste, als sein Schiff, das ihn – von Amerika kommend – von Liverpool nach Spanien bringen sollte, unter deutschen Torpedobeschuss geriet und sank.

Neben seinen großen, für das Konzertpodium entstandenen Werken komponierte Dmitri Schostakowitsch auch eine Vielzahl von Filmmusiken, von Neu-Babylon aus dem Jahr 1929 bis zu König Lear von 1970. Die auf dem energisch-rastlosen neapolitanischen Tanz basierende Tarantella begleitet in dem 1955 produzierten Streifen Die Bremse die Szene eines Volksmusikfestes.

Maurice Ravel, väterlicherseits schweizerischer, vonseiten der Mutter baskischer Abstammung, verband beide Stränge zu einer ausgesprochen französisch anmutenden Synthese. Seine in vielen Bearbeitungen bekannte Habanera war in ihrer 1897 entstandenen Originalfassung ein Klavierstück, in dem Ravel sich einer von Yradier popularisierten und auch von Bizet (in der Oper Carmen) übernommenen kubanischen Tanzform bediente.

Claude Debussy, dreizehn Jahre älter als Ravel, verabscheute jeglichen Vergleich mit seinem Landsmann, dessen kompositorischer Stil sich grundsätzlich von seinem eigenen unterschied. Das Mädchen mit dem Flachshaar entstand als Klavierstück und gehört zum ersten Heft der 1910 vollendeten und veröffentlichten Préludes.

Jean-Baptiste Senaillé gehört zu einer früheren französischen Komponistengeneration. 1713 übernahm er den Posten seines Vaters im Hoforchester, den 24 Violons du Roi, und blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1730 in königlichen Diensten. Seine Kompositionen bestehen in der Hauptsache aus ca. fünfzig Sonaten für Violine und Basso continuo, von denen im achtzehnten Jahrhundert und später mehrere für andere Instrumente bearbeitet wurden.

Henry Vieuxtemps, vornehmlich als einer der großen Geigenvirtuosen des neunzehnten Jahrhunderts in Erinnerung geblieben, hinterließ eine beträchtliche Anzahl von Kompositionen für sein Instrument – Konzerte, Salonstücke, Fantasien und Etüden. Einer seiner Brüder war Pianist, ein anderer Cellist, der zunächst an der italienischen Oper in London engagiert war, bevor er in Manchester Solocellist des Hallé Orchestra wurde. Die in ihrer Sanglichkeit dem Titel würdige Cantilena ist ein äußerst dankbares Stück für das Cello.

Siegfried Barchet entführt das Cello in die Gitarrenklangwelt eines Andrés Segovia und fügt dem Instrument mit dem Boulevard de Garavan aus Images de Menton eine interessante neue Dimension hinzu.

Dass Jacques Offenbach, der mit seinen geistvollspritzigen Operetten Weltgeltung erlangte, von Haus aus Cellist war, ist über seinem Theaterruhm ein wenig in Vergessenheit geraten. Bevor er im Orchester der Pariser Opéra-Comique eine Anstellung fand, hatte er bereits mit seinem Bruder, der Violine spielte, und seiner klavierspielenden Schwester ein Trio gegründet. Neben einer Reihe von Werken für Violoncello und Orchester schrieb Offenbach technisch mitunter ausgesprochen anspruchsvolle Solostücke, Duos und Etüden für sein Instrument.

Sergej Rachmaninows Vokalise ist bei Instrumentalisten sämtlicher Couleur heimischer geworden als bei Sängern, für die das Stück ursprünglich gedacht war. Entstanden 1912 und revidiert 1915, atmet es die Melancholie einer vergänglichen, im Wandel begriffenen Welt. Rachmaninows eigenes Leben hatte nach der Revolution von 1917 eine dramatische Wendung genommen, als er seine russische Heimat verließ und in einer ihm fremden Welt eine neue Karriere begann.

George Gershwins Novelettes aus dem Jahr 1925 wurden von Samuel Dushkin, dem polnischstämmigen Violinisten und Schüler von Auer und Kreisler, unter dem Titel Short Story (Kurzgeschichte) für Violine und Klavier arrangiert. Das Stück führt Interpreten und Hörer, wenn nicht mitten in die Tin Pan Alley, so doch zumindest an deren Beginn.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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