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8.557970 - KALOMIRIS: Symphony No. 3 / Triptych / 3 Greek Dances
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Manolis Kalomiris (1883–1962)
Triptychon • Palamische Symphonie • Drei griechische Tänze

 

Manolis Kalomiris gilt inzwischen als der Vater der nationalgriechischen Komponistenschule. Als einer der produktivsten Komponisten seines Landes bereicherte er das musikalische Repertoire des modernen Griechenland um ein OEuvre, das einen einzigartigen Bezugspunkt darstellt und einen entschiedenen Beitrag zur Entstehung eines symphonischen Tones von unverkennbar griechischer Art leistete.

Am Abend des 18. März 1936 fand Charikleia, die Ehefrau des Komponisten, ihren Mann in Tränen aufgelöst am Klavier. Sie wollte wissen, was geschehen sei, und er antwortete völlig niedergeschmettert: „ Eben ist Venizelos gestorben, und ich versuche, einen Trauermarsch auf den großen Baumeister des modernen Griechenland zu schreiben.“ Was Kalomiris vor sich hatte, wurde der zweite Satz seines Triptychon .

Ursprünglich sollte das Stück Symphonisches Triptychon: Kreta – „zur Erinnerung an einen Helden“ heißen und mit einem Schlusschor Auf die Befreiung von Kreta beendet werden (Eleftherios Venizelos kam von der Insel Kreta). Der Chorsatz wurde jedoch zu einem eigenständigen Werk, und erst in jüngerer Zeit hat man den Zusammenhang dieses Satzes mit dem Triptychon erkannt. Was Kalomiris veranlasste, an seiner Stelle ein rein orchestrales Postludium zu komponieren, ist bis heute nicht bekannt. Das Triptychon wurde schließlich am 28. Februar 1943 in Athen aufgeführt – an einem sowohl für den Komponisten wie das ganze Land tragischen Tag. Am Morgen dieses Tages hatten die Bürger von Athen den großen griechischen Dichter Costis Palamas (1859-1943) zu Grabe getragen und diese Gelegenheit zu einer Demonstration für die Freiheit genutzt, die die ganze von den Nazis okkupierte Stadt erschütterte. Am selben Abend sollte das Staatsorchester von Athen sein Inaugurations-Konzert geben – und so fand die Premiere des Triptychon , das an den Staatsmann Eleftherios Venizelos erinnerte, just an demselben Tage statt, als man Palamas beisetzte, den zweiten ideologischen Mentor des Komponisten Kalomiris. Dieser dirigierte selbst die Aufführung seines Werkes, das sogleich eine besondere Symbolkraft annahm: Das Triptychon besang voller Trauer eine für immer vergangene Zeit, formulierte aber zugleich die Notwendigkeit, hohe Ideale zu verfolgen.

Die Palamische Symphonie ist die dritte Symphonie von Manolis Kalomiris. Sie entstand nach der Levendia-Symphonie [ Symphonie der Männlichkeit] (1920) und der Symphonie der guten und unschuldigen Menschen (1931). Sie wurde im Frühjahr 1955 vollendet und am 22. Januar 1956 in Athen vom dortigen Staatsorchester unter der Leitung des großen griechischen Dirigenten Andreas Parides (1910-2000) uraufgeführt, dem sie auch gewidmet ist. Alle drei genannten Symphonien stehen in Beziehung zu dem Dichter Costis Palamas: die Levendia-Symphonie ist ihm gewidmet, die Symphonie der guten und unschuldigen Menschen ist nach einem seiner Gedichte benannt, und die Palamische Symphonie wurde voller Stolz mit seinem Namen überschrieben. Kalomiris kommentierte das Werk wie folgt:

„Zumeist ist das, was ich an Gutem und Reinem geschaffen habe, unlösbar mit Palamas' Versen und Gedanken verbunden. Jetzt, wo meine Zeit zu Ende geht, möchte ich – bevor ich die letzte große Reise antrete – doch noch einmal zu seiner göttlichen Leier singen. Ich errichte also die palamische Symphonie als einen Altar, als ein Monument meines Glaubens an die ewige griechische Kunst und den Dichter, der sie symbolisiert.“

Das Werk wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und vom größten Teil der Athener Musiker- und Intellektuellenkreise in den Himmel gehoben.

Es gehört zu den großen Meilensteinen der modernen griechischen Musik, der griechischen Kunst und darüber hinaus. Was die symphonische Musik Griechenlands zum anspruchsvollen Gebiet der europäischen Symphonik beigetragen hat, ist bislang noch nicht gehörig gewürdigt worden; erlebt man heute aber ein Werk wie die Palamische Symphonie , dann wird man bemerken, dass dieser Beitrag keineswegs zu unterschätzen ist.

Die Drei griechischen Tänze entstanden viel früher, zu verschiedenen Zeiten und waren demzufolge zunächst unabhängige Stücke, wurden dann aber 1934 zu einer Suite zusammengestellt. Der erste Tanz, Ballos , aus dem Jahre 1917 war eigentlich ein Klavierstück. Er beruht auf einem Zweier-Rhythmus, der für den volkstümlichen Tanz von den griechischen Inseln typisch ist. Der Idyllische Tanz bezieht seine Motive aus Kalomiris' erster Oper, Der Baumeister von 1916. Er entstand 1924 für die Grassi-Konzerte, die das Werk auch in Paris aus der Taufe hoben. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um eine Fantasie ohne charakteristisches rhythmisches Muster. In damaligen Konzert-programmen wurde dieser Tanz auch als Das Intermezzo des Sängers bezeichnet, da das Thema der Pfeife entlehnt ist, die der junge Sänger in der Oper spielt. Die Wurzeln des Tanzes aus Tsakonia ( Tsakonikos ) reichen in die zweite Oper des Komponisten, Der Ring der Mutter (1917). Das Originalthema des Tanzes ist im traditionellen Fünfertakt komponiert und wird mit Phrasen und Themen aus dem Bühnenwerk ausgeschmückt. Während des griechischen Unabhängigkeitskrieges wurde die Insel Psara 1824 von den Türken geschleift. Der Dichter Solomos verfasste sechs Zeilen, in denen er die unendliche Trauer und die Größe des winzigen Eilandes beschrieb, das um der Freiheit willen Widerstand leistete. Kalomiris trat in Solomos' Fußstapfen und führte das Orchester binnen weniger Takte zu einem grandiosen Höhepunkt, der sich glorreich aus Finsternis und Zerstörung erhebt. Das exakte Entstehungsdatum des Werkes ist unbekannt. Die Uraufführung fand am 13. November 1949 in Athen wiederum durch das Staatsorchester statt.

Philippos Tsalahouris
Deutsche Fassung nach der englischen Übersetzung: Cris Posslac

 

Die Griechischen Original und Booklet Texte, sowie die englische ü bersetzung der Prosa Texte, finden Sie auf www.naxos.com/libretti/557970.htm

 


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