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8.559004 - BENNETT: Abraham Lincoln / Sights and Sounds
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Robert Russell Bennett (1894-1981)

Abraham Lincoln (1929)

Sights and Sounds (1929)

Robert Russell Bennett war einer der gefragtesten Arrangeure am Broadway. Er arbeitete mit Namen Komponisten wie Jerome Kern, George Gershwin, Cole Porter und Richard Rodgers zusammen und brachte ibre Melodien in die Orchesterfassungen, in der sie in über dreibundert Produktionen über die Bübne gingen. Er schrieb auch fast zweibundert eigene Werke auf dem Gebiet der ernsten Musik, darunter Sinfonien, Opern, Chor-, Vokal- und Kammermusik sowie Stücke für Blasorchester.

Geboren 1894 in Kansas, konnte Bennett bald jeden Musiker vertreten, der in der Kapelle seines Vaters einmal fehlte. Er studierte bei dem dänischen Komponisten und Dirigenten Carl Busch, dem Gründer des Kansas Symphony Orchestra. Er verließ Kansas 1916, um seine Arbeit in New York aufzunehmen. Bennetts erste Arrangements für das Musiktheater stammen aus dem Jabre 1920, oft arbeitete er an über zwanzig Produktionen in einer Spielzeit. Er verlor aber niemals seine eigene kompositorische Tätigkeit aus den Augen. Er ließ seine Tätigkeit als Arrangeur ruben, um ab 1926 vorrangig in Paris und Berlin zu studieren, gefördert durch ein Guggenheim-Stipendium Die berühmte Nadia Boulanger lobte ihn als „wabren Kunstler”, seiner Ersten Sinfonie wurde Anerkennung in Form einer „lobenden Erwäbnung” auf den Seiten des Musical America zuteil.

Während seiner Zeit in Paris und Berlin 1927-28 wurde er auf einen Wettbewerb von RCA Victor aufmerksam, der 25000 Dollar für eine ernste Orchesterkomposition und ein kleineres Preisgeld für ein Musikstück leichteren Charakters ausschrieb. Er reichte die beiden Werke ein, die auf der vorliegenden CD vorgestellt werden: das patriotische Abraham Lincoln und das abstrakte Orchesterbild Sights and Sounds. Beide Stücke erfordern einen großen Aufwand an Orchestermusikem und sind groß angelegt. Die Jury von RCA Victor bestand aus Leopold Stokowski, Sergej Kussewitzky, Frederick Stock, Rudolph Ganz und Olga Samaroff. Sie vergaben keinen Hauptpreis für ein Werk, sondern teilten das Preisgeld in fünf Einzelpreise für Aaron Coplands Dance Symphony, Louis Gruenbergs Symphony, Ernest Blochs Helvetia und zweimal 5000 Dollar für die beiden Werke von Bennett. Trotz der großen Orchesterdimensionen wurden die beiden preisgekronten Werke Bennetts daraufhin veröffentlicht.

Abraham Lincoln - A Likeness in Symphony Form (Abraham Lincoln - Ein Bildnis in Form einer Sinfonie) wurde im Oktober 1931 vom Philadelphia Orchestra unter Leopold Stokowski uraufgeführt. Zur Einweibung des neuen Konzertsaals der Julliard School wurde das Werk Yierzehn Tage spater ein zweites Mal aufgeführt. Für dieses Konzert hatte Bennett selbst eine Einführung in sein Werk geschrieben; der folgende Abschnitt stützt sich darauf.

Der erste Satz in Sonatenform akzentuiert in seinem ersten. Thema Lincolns Schlichtheit und Liebens­würdigkeit. Ein Rhythmus klingt auf, der an die Fiddler und Banjospieler des mittleren Westens yor hundert Jabren erinnert, bevor das erste Thema großartig wiederkehrt. Ein zweites Thema bringt in den Celli und in der Baßklarinette Lincolns Trauer zum Ausdruck. Auf seinem Höbepunkt wird das Thema yon einer Trommel unterbrochen, The Union Forever (Es lebe die Union, ein Lied aus der Zeit des Bürgerkriegs) wird angedeutet. Ein Durchführungsabschnitt schließt sich an, die Musik wird zuversichtlicher, bevor die Trauer des zweiten Themas wiederkehrt. Der zweite, langsame Satz („Seine Liebe und Treue”) erztihlt die Geschichte von Lincolns erstem Liebesverhätnis, zu einer Zeit, „als Frauen noch angebetet wurden”. An einer Stelle erscheint in der einen Hälfte des Orchesters ein verworrener Marsch, während die andere Hälfte an „die edlen Seiten des Staatsmannes” erinnert. Der dritte Satz („Sein Humor und seine Schwächen”) stellt die menschliche Seite Lincolns dar, eines Mannes, „der gern pikante Geschichten erzählte und Scherze machte”. Der Satz ist ein Scherzo mit einem Bauemtanz als Zentralabschnitt. Das Finale („Seine Große und sein Opfer") hat den „Triumph einer großen Seele” zum Inhalt, es ist ein orchestrales Bild des Attentats auf Lincoln. Es endet mit „einem Klang wie von tausend Glocken und mit einem Schlußgesang zum Andenken an die große Seele, die von uns gegangen ist”.

Sights and Sounds An Orchestral Entertainment (Ansichten und Klänge – Eine orchestrale Unterhaltung) ist ebenfalls für ein Orchester von Mahlerscher Dimension komponiert. Das Werk wurde erst am. 13 Dezember 1938 in Chicago uraufgefühn, die Leitung hatte Izler Solomon. Zu einer Aufführung durch das Boston Symphony Orchestra im Jahre 1943 hatte Bennett wiederum eine Werkeinführung geschrieben, sie wird im Folgenden zusammengefaßt.

Das Stück ist als „abstraktes Bild” entworfen. Zu Beginn wird die Union Station dargestellt (der Hauptbahnhof von Los Angeles) mit all ihrer „Geschäftigkeit, ihrem Getöse und ihrer Aufregung”. Ein Rezitativ für Trompete „Uber gehaltenen Saxophonen und zanem Schlagwerk” leitet zu einem neuen Abschnitt über. Dieser beginnt „mit einer Sequenz der Töne A-B” im Xylophon, unterstützt von der kleinen Trommel. Die Trompete spielt mit ihren „Kommentaren” gegen das Xylophon. Bilder von „Niederem, Anspruchslosem” und „Hohem, Intellektuellem” folgen aufeinander und münden in den Abschnitt „Tempo”, ein moto perpetuo „mit einer furchtbaren Warnung vor dem furchtbaren Ende, zu dem es hinfühn”.

Die beiden Kompositionen, die den Victor-Preis erhielten, stehen am Beginn der grüßten Jahre Bennetts als Orchesterkomponist. Er verbrachte die dreißiger Jahre in Hollywood, größtenteils in den RKO-Studios, danach war er am Network Radio New York tätig. Stetig kamen neue Werke Bennetts heraus, die besonders in der Zeit des Aufflammens des patriotischen Geistes während des Zweiten Weltkriegs mehrere Aufführungen erlebten. Bis heute sind seine Orchesterwerke unterhaltenden Charakters in den USA sehr beliebt, zB die Suite of Old American Dances (Suite auf alte amerikanische Tänze), die Symphonie Song, (Sinfonische Lieder) und sein Symphonic Picture of Porgy and Bess (Sinfonisches Bild von Porgy und Bess), zusammengestellt aus der Oper von Gershwin.

Bennett starb 1981, gerade als der Broadway begann, viele der Musicals des „Goldenen Zeitalters” wiederzuentdecken und zu „restaurieren”, an denen er selbst als Arrangeur mitgearbeitet hatte. Dadurch wurde auch das Interesse an seinen eigenen Kompositionen auf dem Gebiet der ernsten Musik geweckt, wie zB Hexapoda (1940) für Violine und Klavier und das Violinkonzert (1941), beide wurden damals von der Kritik sehr gelobt. Die beiden Werke auf der vorliegenden CD stehen als lebendiges Testament für Bennetts tiefempfundenes Amerikanertum, eindrucks voIle musikalische Phantasie und meisterhafte Orchesterbehandlung.

Deutsche Fassung Tilo Kittel


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