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8.559044 - BARBER, S.: Orchestral Works, Vol. 3 - Violin Concerto / Music for a Scene from Shelley (Buswell, Royal Scottish National Orchestra, M. Alsop)
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Samuel Barber (1910-1981)

Adagio für Streicher • Violinkonzert u.a.

Einer der berühmtesten und meistgespielten amerikanischen Komponisten des 20. Jahrhunderts, Samuel Barber, entwickelte eine eigene, höchst individuelle Stimme, die sich von der modernistischen Hauptströmung durch eine gewisse Unabhängigkeit abhebt. In der Absicht, seinen eigenen musikalischen Weg zu gehen, versuchte Barber die große tonale Palette der Romantik des späten 19. Jahrhunderts mit einem unverhohlenen Lyrismus und emotionaler Aufrichtigkeit zu vereinen. Er schuf bedeutende Werke in einer Vielzahl von Gattungen, und sein Œvre umfasst das berühmte Adagio für Streicher, drei Konzerte, zwei Sinfonien, zahlreiche Lieder und die beiden Opern Vanessa und Antony and Cleopatra. Vanessa, ein Werk für das Barber 1958 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde, bezeichnete der Kritiker des New Yorker als „die beste und wahrhaftigste ‚opernhafte’ Oper, die jemals in Amerika geschrieben wurde". Die zweite Oper wurde für die Neueröffnung der New Yorker Metropolitan Opera in Auftrag gegeben.

Am 9. März 1910 in West Chester, Pennsylvania, geboren, erhielt Barber eine traditionelle musikalische Ausbildung. Mit 14 Jahren begann er mit dem Studium am Curtis Institute of Music in Philadelphia und nahm Unterricht in den Fächern Klavier und Gesang sowie Komposition bei Rosario Scalero. In dieser Zeit lernte er Gian Carlo Menotti, einen Mitschüler der Kompositionsklasse am Curtis Institute kennen, und die lebenslange Freundschaft spielte für beide Künstler eine große Rolle. Barbers stilistische Entwicklung und seine Schwäche für europäische Kunst und Kultur wurden durch ausgedehnte Reisen weiter geformt, vor allem durch einige längere Aufenthalte in Italien – einem Land, für das er ein besonders großes Einfühlungsvermögen besaß. Darüber hinaus erhielt er wichtige Unterstützung und Förderung von der Schwester seiner Mutter, Louise Homer, der berühmtesten Altistin ihrer Epoche, und ihrem Ehemann Sydney Homer, der selbst ein angesehener Komponist war, mit dem Barber über den Zeitraum eines Vierteljahrhunderts korrespondierte.

Barber komponierte seit seinem siebten Lebensjahr und erhielt bereits zu Beginn seiner Laufbahn zahlreiche Auszeichnungen: zwei Joseph H. Bearns Preise für seine Violinsonate aus dem Jahr 1928, später verschollen, sowie für sein erstes Orchesterwerk, die 1931 geschriebene Ouvertüre zu The School for Scandal op. 5. Darauf folgte 1935 der amerikanische Prix de Rome, der ihm einen zweijährigen Studienaufenthalt an der Amerikanischen Akademie in Rom ermöglichte und ein jährliches Stipendium gewährte. Diese ersten Erfolge wurden 1936 durch die Veröffentlichung der Aufnahme von Dover Beach op. 3 bei der RCA-Schallplattengesellschaft untermauert. Auf dieser Einspielung der 1931 geschriebenen Vertonung der Verse des viktorianischen Dichters Matthew Arnold für Singstimme und Streichquartett hatte der Komponist selbst die Gesangspartie übernommen. Sein Ruf wurde weiter gefestigt durch die Wirkung, die seine Sinfonie in einem Satz op. 9 von 1936 erzielte, und der Rundfunkübertragung eines Konzerts unter Arturo Toscanini 1938, in dem das Adagio für Streicher op. 11 und Essay for Orchestra op. 12 aufgeführt wurden. In den 1940er Jahren gab das Boston Symphony Orchestra weitere Uraufführungen wichtiger Werke. Neben der Zweiten Sinfonie op. 19, die 1944 für die U.S. Army Air Force geschrieben wurde, in der Barber von 1942 bis 1945 gedient hatte, gehören dazu das Cellokonzert op. 22, geschrieben 1945 für Raya Garbousova, und Knoxville: Summer of 1915 op. 24 für Sopran und Orchester nach einem Text von James Agee. Weitere Schlüsselwerke, die in diesen Jahren komponiert wurden, sind vor allem das Ballett Medea op. 23 (1946) für Martha Graham sowie die außergewöhnliche Klaviersonate op. 26 (1949), die am 23. Januar 1950 von dem Ausnahme-Pianisten Vladimir Horowitz uraufgeführt wurde. Darüber hinaus entstand eine Reihe bedeutender Auftragskompositionen: Hermit Songs op. 29 (1952-53) für die Elizabeth Sprague Coolidge Foundation, Prayers of Kierkegaard op. 30 (1954) für die Koussevitzky Music Foundation und ein Dreiklang von Werken, die für das Lincoln Center geschrieben wurden – das Piano Concerto op. 38 (1962), für das Barber seinen zweiten Pulitzer Preis erhielt, Andromache’s Farewell op. 39 (1963) für Sopran und Orchester und die bereits erwähnte Oper Antony and Cleopatra op. 40 (1966), die bei den Kritikern durchfiel und Barber ein weiteres Jahrzehnt beschäftigen sollte.

Die reizvolle Serenade für Streicher op. 1 ist Barbers eigene Bearbeitung seiner Serenade für Streichquartett, die er 1928 im Alter von 18 Jahren noch während seiner Studienzeit bei Scalero komponiert hatte. Mit seinen drei Sätzen Un poco adagio - Allegro con spirito, Andante und Allegro giocoso offenbart das Werk zwei äußerst charakteristische stilistische Züge, namentlich die Überlagerung von Zweier- und Dreierrhythmen und die überraschenden Wechsel zwischen Dur- und Moll-Tonarten.

Barber komponierte die einsätzige Tondichtung Music for a Scene from Shelley op. 7 1933 im italienischen Cadegliano. Die Uraufführung, die die New Yorker Philharmoniker am 24. März 1935 in der Carnegie Hall gaben, war für den Komponisten ein besonders denkwürdiges Ereignis, denn es war das erste Mal, dass er die Aufführung eines seiner Orchesterwerke erleben konnte. Die Anregung zur Komposition erhielt Barber durch die Lektüre von Shelleys Prometheus Unbound (Der entfesselte Prometheus), dennoch beteuerte er, dass das Werk in keinster Weise programmatisch sei. Sowohl die Instrumentation als auch die harmonische Sprache verraten den Einfluss Debussys, und das Eingangsthema, ein viertöniges Motiv, das chromatisch durch das Intervall der großen Terz absteigt, nimmt ausdrücklich Bezug auf Debussys Nuages.

Das Violinkonzert op. 14 wurde von Samuel Fels, einem der Kuratoriumsmitglieder des Curtis Institutes, für seine Adoptivtochter Iso Briselli in Auftrag gegeben, einem Geigenwunderkind und Schüler des berühmten Geigenlehrers Carl Flesch. Das dreisätzige Konzert, das zweifellos zu den berühmtesten Werke Barbers zählt, wurde im Juli 1940 vollendet und am 7. Februar 1941 vom Philadelphia Orchestra unter Eugene Ormandy uraufgeführt, allerdings war der Solist der bekannte Geiger Albert Spalding. Die fast kammermusikalische Intimität des Konzerts spiegelt sich auch in der Besetzung für acht Holzbläser, zwei Hörner, zwei Trompeten, Schlagzeug, Klavier und Streicher wider. Ohne die übliche Orchestereinleitung wird der erste Satz von der Solovioline eröffnet, die das Hauptthema vorstellt, während der zentrale langsame Satz in ähnlicher Weise mit einem einleitenden Solo beginnt, diesmal von der Oboe gespielt. Der dritte Satz, perpetuum mobile, liefert ein besonders beeindruckendes Finale.

Die Ballett Suite Souvenirs op. 28 besteht aus den Sätzen Waltz, Schottische, Pas de deux, Two-Step, Hesitation-Tango und Galop. Ursprünglich als vierhändige Klavier-Suite komponiert, beendete Barber die Instrumentierung des Balletts im Sommer 1952. Im Vorwort der Fassung für Klavier zu vier Händen schrieb Barber: „Man mag sich ein Divertissement vorstellen, das im Palmenhof des Plaza-Hotels in New York stattfindet, um das Jahr 1914, in der Epoche der ersten Tangos; ‚Souvenirs’ – erinnert mit Zuneigung, nicht mit Ironie, sondern mit amüsanter Zärtlichkeit."

Peter Quinn

Übersetzung: Peter Noelke


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