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8.559057 - FRY: Santa Claus Symphony / Niagara Symphony
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William Henry Fry (1813-1864)
Santa Claus, Christmas Symphony
Ouvertüre zu Macbeth
Niagara Symphony
The Breaking Heart

Williarn Henry Fry (geboren 1813 in Philadelphia gestorben 1864 in Santa Cruz, Jungferninseln) war in vielerlei Hinsicht ein Pionier: Er war der erste gebürtige Arnerikaner, der für große sinfonische Besetzung geschrieben hat, der erste Amerikaner, der eine große Oper komponiert hat; er war der erste Musikkritiker einer großen amerikanischen Zeitung und der erste, der sich vehement für die Musik seines Landes eingesetzt hat. Er rezensierte Musik und Kunst für die Zeitungen seines Vaters und wurde später selbst Herausgeber. Von 1846 bis 1852 berichtete er als Europa-Korrespondent verschiedener amerikanischer Zeitungen über die neuesten Entwicklungen in Kultur und Politik. Zurück in New York, arbeitete er flir die Tribune und hielt eine vielbeachtete Vorlesungsreihe über Musikgeschichte. Sein früher Tod im Alter von 51 Jahren (er starb vermutlich an Tuberkulose) erregte die Anteilnahme des ganzen Landes. Seine Musik war beliebt; Santa Claus und The Breaking Heart sind Dutzende Male vom Jullien Orchestra gespielt worden, das sich besonders für die Musik Frys einsetzte Seine Ope, Leonora feierte 1845 in Philadelphia und 1858 in New York Triumphe. Selbst die Kritiker, die weder seine Ansichten besonders schätzten noch seine Art, für die amerikanische Musik die Trommel zu rühren, mußten seine kompositorischen Fähigkeiten anerkennen.

Frys Santa Claus, Christmas Symphony (Der Weihnachtsmann, Eine Weihnachtssinfonie) aus dem Jahr 1853 muß man wohl angesichts der vielen Eigenheiten als echte Kuriosität ansehen. Was Fry eine „Sinfonie“ genannt hat, ist vielleicht eher als Fantasie oder Ouvertüre zu bezeichnen. Wie auch immer, das Werk bleibt ein straff durchgearbeitetes kleines „Drama“ voller Salonromantik. Der Komponist sprach selbst von „dem längsten Instrumentalwerk, das jemals auf ein einziges Thema fortlaufend komponiert worden ist“, und damit lag er zweifellos richtig. Er hat es für die hervorragenden Solisten des Jullien Orchestra komponiert, deren technische Fähigkeiten er in vielen Soli zur Geltung bringt (sogar für Kontrabaß).

Außerdem scheint hier das erst kurz zuvor erfundene Saxophon zum allerersten Mal in einer Sinfonie verwendet worden zu sein.

Die „Handlung“ des Werkes, die Fry haargenau umsetzt, verdient einen Blick: Die Trompete verkündet die Geburt des Heilands, die himmlischen Heerscharen stimmen in den Chor ein. Das allgemeine Frohlocken wird von grellen Dissonanzen unterbrochen, da sich ein paar Engel verärgert abwenden; der Abschnitt endet aber in Harmonie und Jubel. Nun wendet sich Fry der Feier am Heiligabend zu Die Familie ist wieder vereint, es wird getanzt, es fehlt auch nicht an mancherlei Frivolitäten; insgesamt herrscht ein freudiges Durcheinander Ein Schneesturm zieht herauf (Blechbläser), es wird aber weiter getanzt; dieses Mal etwas ruhiger, da einige Besucher nach Hause aufbrechen. Wie schließlich alles schläft, bringt Fry eines seiner musikalischen Markenzeichen, die Umsetzung von Texten in instrumentale Deklamation. Man hört den Sprachrhythmus des Vater unser in den hohen Streichern, gefolgt von Rock-a-by baby im Sopransaxophon. Die gedämpften Streicher ahmen gar die Atemzüge des Babys nach. Nun rückt der Schneesturm wieder ins Blickfeld, und mittendrin ein Reisender (Kontrabaß-Solo). Einsam und verlassen, hört man durch den Wind sein Stöhnen, wie er erfriert Diese bedrückende Szene wechselt, als der Weihnachtsmann im Pferdeschlitten ankommt (hohes Fagott). Anders als der uns bekannte Weihnachtsmann kommt Santa Claus des Nachts durch den Schornstein (Flöten) und legt seine Geschenke in die aufgehängten Strümpfe (gezupfte Streicher) Santa Claus geht wieder, die Klänge der Hufe und Schlittenglocken verschwinden in der Ferne. Hoch im Himmel singt der Chor der Engel (extrem hohe Violinen) das bekannte Adeste fideles. Die Sonne geht auf am 1. Weihnachtstag, das Haus erwacht unter den Klängen von Get up! in den Hörnern, die Trompeten begleiten die spielenden Kinder mit Little Bo-peep. Der Beginn des Werkes kehrt zurück, ebenso das Adeste fideles. Die Weihnachtssinfonie endet mit einer Lobeshymne.

Die Ouvertüre zu Macbeth ist vielleicht Frys bestes Werk, eine fesselnde Ouvertüre im großen romantischen Stil, die einen Platz im Standardrepertoire verdient. Sie ist 1864, im letzten Lebensjahr des Komponisten, entstanden; von einer Aufflihrung ist nichts bekannt. Fry verwendet hier ebenfalls instrumentale Textdeklamation. In den Posaunen und der Tuba erklingt der Zauberspruch der Hexen aus dem 4 Akt „Double, double toil and trouble, Fire buffi and cauldron bubble“ (Spart am Werk nicht Fleiß und Mühe, Feuer sprühe, Kessel glühe). Der Bläserchor grüßt den eintretenden Macbeth (1. Akt) mit den Worten der Hexen „All hail Macbeth“ (Heil dir Macbeth), in den Trompeten erklingt die hintergründige Prophezeiung aus dem 4 Akt „Be bloody, bold and resolute. für none of woman born Shall harm Macbeth“ (Sei blutig, kühn und frech; lach aller Toren, dir schadet keiner, den ein Weib geboren: Kein solcher kränkt Macbeth). Die Posaunen betonen den blutigen Verlauf von Macbeths Taten, die Ouvetüre eilt der abschließenden Schlacht und Macbeths Tod entgegen. Das Orchester endet mit der Proklamation des rechtmäßigen Thronerben, „Long live King Malcolm“ (Es lebe König Malcolm).

Fry komponiene seine Niagara Symphony im Jahre 1854, es gibt aber keinen Hinweis dafür, daß sie tatsächlich aufgefühn worden ist Das Werk ist ein gigantisches Panorama. Fry scheute vor nichts zurück, um eine sensationelle Wirkung zu erzielen. Rasante Tonleiterfiguren beschreiben die tosenden Wassermassen, das Donnern des Abgrunds wird von elf (!) Pauken wiedergegeben. In der Mitte des Werkes erscheint eine ruhige Episode, in der An eines Kirchenlieds, bevor die Kaskade wiederkehn.

The Breaking Heart galt lange Zeit als verschollen, Joseph Harvey konnte aber 1999 in seiner Dissertation nachweisen, daß dieses Werk mit demjenigen identisch ist, das unter der Bezeichnung Adagio oder Adagio sostenuto überliefert ist. Fry war ein Liebhaber des italienischen Belcanto, und Einflüsse der Oper sind auch in dieser Komposition allgegenwärtig; von den sehnsüchtigen Posaunen über den schlanken Streicherklang bis hin zu einem perlenden Flötensolo. Wundervoll anrührende Melodien strömen mit Leichtigkeit aus diesem melodramatisch anmutenden Werk, das den Hörer aus idyllischer Stimmung zur Melancholie und wieder zurück geleitet.

Ein großer Teil der Musik Frys ist noch zu entdecken; die Niagara Symphony und die Ouvertüre zu Macbeth werden hier zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Somit kann sich jeder selbst ein Bild von den Fähigkeiten dieses außergewöhnlichen und bahnbrechenden Komponisten machen und kann die Geburt der sinfonischen Tradition einer ganzen Nation miterleben.

Kile Smith


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