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8.559059 - SOUSA, J.P.: Music for Wind Band, Vol. 2 (Royal Artillery Band, Brion)
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John Philip Sousa personifiziert das Amerika der vorletzten Jahrhundertwende, den optimistischen Fortschrittsglauben und die ungebändigte Energie einer jungen Nation. Seine Blaskapelle repräsentierte Amerika auf unzähligen Tourneen durch die ganze Welt, und im eigenen Land trat er mit ihr in über 100 Städten auf. Geboren am 6. November 1854, brachte es Sousa überraschend früh zu hohem Ansehen. 1880, im Alter von 26 Jahren, wurde er Dirigent der U.S. Marine Band. In den zwölf Jahren unter seiner Leitung erreichte diese Militärkapelle einen außergewöhnlich hohen künstlerischen Standard, während Sousas eigene Kompositionen ihm den Titel „The March King" einbrachten. Mit seiner 1892 gegründeten eigenen Kapelle, der Sousa Band, brachte er es schließlich zu Weltruhm.

Während der ersten sieben Jahre ihres Bestehens gab die Sousa Band nicht weniger als 3500 Konzerte und legte – im Zeitalter der Schiffs- und Bahnreisen – in vier Jahrzehnten an die anderthalb Millionen Kilometer zurück. In den Jahren 1900, 1901, 1903 und 1905 fanden Europa-Tourneen statt, und 1910-11, auf dem Höhepunkt der Blaskapellen-Ära, ging man auf Welttournee. Die Sousa Band erreichte ihre beispiellose Popularität zu einer Zeit, in der es in Amerika noch kaum Sinfonieorchester gab; vom Bürgerkrieg bis in die 1920er Jahre waren es folglich hauptsächlich die Blaskapellen, die das musikalische Leben des Landes bestimmten – und es gab kein besseres als das Sousa Ensemble. Der „March King" änderte die traditionelle Blaskapellenbesetzung, indem der den Anteil der Blechblasinstrumente und des Schlagwerks zugunsten von Holzblasinstrumenten verringerte und das Instrumentarium um die Harfe bereicherte. Dank seiner außergewöhnlichen dirigentischen Fähigkeiten gelang es ihm, die besten Musiker an sich zu binden und ein Ensemble aufzubauen, dessen Programmvielfalt der eines Sinfonieorchesters kaum nachstand. Die Sousa Band wurde zum künstlerischen Maßstab für alle amerikanischen Blaskapellen.

Auch mit seinen Kompositionen erwarb sich Sousa Weltgeltung. Märsche wie The Stars and Stripes Forever, El Capitan, Washington Post und Semper Fidelis zählen zu den besten ihres Genres. Sousa hat einmal gesagt, ein guter Marsch müsse selbst einen Mann mit Holzbein zum Marschieren animieren. Er setzte den bis heute verbindlichen Standard für die Form des Marsches, und doch war er weit mehr als nur ein „Marschproduzent"; vielmehr war er ein durchaus vielseitiger Komponist von über 200 Werken, u.a. von sinfonischen Dichtungen, Suiten, Opern und Operetten. Von seiner Art der Instrumentierung und Klangfarbenerzeugung ließen sich viele klassisch orientierte Komponisten beeinflussen, während seine bodenständigen, patriotischen Operetten der 1890er Jahre die amerikanische Theaterlandschaft um einheimische musikalische Werke bereicherte.

Das Notenarchiv der Sousa Band verzeichnet mehr als zehntausend Titel, darunter zahlreiche Märsche und andere Kompositionen von John Philip Sousa selbst. Unsere Aufnahmereihe möchte seine Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

1 The Royal Welch Fusiliers (1929)

Dieser Marsch entstand im Andenken an die Zusammenarbeit des US-Marinekorps mit den Royal Welsh Fusiliers anläßlich des chinesischen Boxeraufstandes von 1900. Die Uraufführung fand in Washington beim jährlichen Gridiron-Dinner in Anwesenheit von Präsident Hoover statt. Zwei Wochen später wurde der Marsch im Weißen Haus gespielt. Kurz darauf führte Sousa ihn auch in England mit der Kapelle des 2. Battaillons der Royal Welch Fusiliers auf.

2 Marsch ohne Titel (1930)

Dieser Marsch, entstanden 1930, zwei Jahre vor Sousas Tod, wurde erst 1988 entdeckt, als der Sousa-Forscher Loras Schissel zwei separate Partiturfragmente als ein zusammengehörendes Stück identifizierte. Keith Brion und das Stockholm Symphonic Wind Orchestra hoben den Marsch 1990 aus der Taufe. Da Sousa seine Märsche erst kurz vor der Uraufführung mit Titeln zu versehen pflegte, bleibt dieser Marsch „ohne Titel".

3 The Fairest of the Fair (1908)

Komponiert für die Bostoner Lebensmittelmesse, soll Sousa zu diesem Marsch von der Schönheit und dem Charme einer Dame inspiriert worden sein, der er bei der Messe im Jahr zuvor begegnet war. Wie dem auch sei, The Fairest of the Fair ist einer seiner elegantesten Märsche.

4 Songs of Grace and Songs of Glory (1892)

Während der ersten Saison seiner eigenen Band bearbeitete Sousa eine Reihe von beliebten Kirchenliedernzu einem instrumentalen Medley, das er bei Sonntagskonzerten spielen konnte. Es endet mit einer ergreifenden Fassung von Nearer My God to Thee, das er zuvor für die Blaskapelle des Marinekorps aus Anlaß der Trauerfeier für Präsident Garfield arrangiert hatte.

5 Willow Blossoms (1916)

Zwischen 1901 und 1928 hatte Sousas Band ihren Sommersitz im Willow Grove Park in Philadelphia. Über viele Jahre waren er und seine Kapelle die Hauptattraktion des Parks. Sousa komponierte Willow Blossoms in der Art eines langsamen Ragtime und widmete das Stück „der Direktion und den Schirmherrn des Willow Grove Parks". In der Musik wiegen sich die Zweige einer Trauerweide in der sanften Brise eines lauen Frühlingsabends. Der Untertitel lautet „Eine Legende".

6-8 At the Movies (1922)

Untertitelt „Scenarios of Cinematographers", beschreibt der erste Satz Studentinnen, denen eine Serenade gebracht wird; im zweiten Satz fleht ein ängstliches Mädchen um ihre Sicherheit, während ein cleverer Dorfbursche ihr nachstellt. Der dritte, ein Ragtime, schildert einen Tanz auf dem Dorfanger.

9 The Rose, Shamrock and Thistle (Patrol of the United Kingdom) (1901)

Sousa schrieb dieses Stück für eine England-Tournee seines Orchesters im Jahre 1901. Die Rose steht für England, die Distel für Schottland und der Shamrock (das Kleeblatt) für Irland. Das Stück ist ein passendes Pendant zu Meachams populärem American Patrol.

10 Wisconsin Forward Forever (1917)

Zu einigen seiner besten Märsche wurde Sousa zweifellos vom 1. Weltkrieg inspiriert. Drei von ihnen sind auf dieser CD enthalten. Wisconsin Forward Forever ist der Universität Wisconsin gewidmet und trug ursprünglich den Titel Wisconsin to the Front.

11 Solid Men to the Front (1918)

Dieser Marsch ist nicht nur einer der schönsten und stärksten aus Sousas Feder, sondern auch einer der wenigen, von denen eine Aufnahme mit der Sousa Band, dirigiert vom „March King" selbst, existiert.

12 King Cotton (1895)

Dieser Marsch, entstanden für die Baumwollstaaten-Ausstellung in Atlanta, markierte den ersten wichtigen Auftritt der Sousa Band in einem der amerikanischen Südstaaten. Er gehört ohne Zweifel zu Sousas besten Märschen. Möglicherweise schrieb er ihn als Nachfolgestück zu seinem großen Tanzmusik-Hit The Washington Post (1888), denn die Triomelodie von King Cotton ist nichts anderes als die verkehrt herum gespielte Fassung des Washington Post-Trios.

13 Bullets and Bayonets (1918)

Bullets and Bayonets, ein weiterer vom 1. Weltkrieg inspirierter Marsch, trägt die Widmung „Den Offizieren und Männern der US-Infanterie".

Keith Brion

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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