| About this Recording 8.559149 - ROREM, N.: Symphonies Nos. 1-3 (Bournemouth Symphony, Serebrier) |
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Ned Rorem (geb. 1923): Sinfonien Nr. 1, 2 und 3 Ned Rorem wurde am 23. Oktober 1923 in Richmond, Indiana,
geboren. Als er zehn Jahre alt war, machte ihn sein Klavierlehrer mit der Musik
Debussys und Ravels vertraut; eine Erfahrung, die sein Leben für immer
verändert hat, so Rorem selbst. Mit siebzehn Jahren immatrikulierte er sich im
Fachbereich Musik an der Northwestern University, zwei Jahre später wechselte
er an das Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo er heute (und schon
seit vielen Jahren) Komposition unterrichtet. Er studierte Komposition bei
Bernard Wagenaar an der Juilliard School of Music in New York und nahm
Privatunterricht in Instrumentation bei Virgil Thomson; als Gegenleistung
schrieb er dessen Partituren ins reine. Von 1949 bis 1958 lebte Rorem in
Frankreich; eine Zeit, die entscheidend für seine künstlerische Entwicklung
war. Rorem wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, unter
anderem mit dem Guggenheim Fellowship (1957) und mit dem Preis des National
Institute of Arts and Letters (1968). Im Jahre 1998 wählte ihn die Zeitschrift
Musical America zum Komponisten des Jahres, und zwei Jahre später wurde er zum
Präsidenten der American Academy of Arts and Letters ernannt. Er erhielt
Kompositionsaufträge von der Ford Foundation, der Lincoln Center Foundation,
der Koussevitzky Foundation, von den Sinfonieorchestern in Atlanta und in
Chicago, von der Carnegie Hall und anderen Institutionen. Große Dirigenten, wie
Bernstein, Masur, Mehta, Mitropoulos, Previn, Reiner, Slatkin, Steinberg und
Stokowski, haben seine Werke aufgeführt. Rorem ist vor allem für seine Vokalmusik bekannt. Dennoch,
sein orchestrales Schaffen ist bemerkenswert umfangreich, ebenso die Liste
seiner Kompositionen für Chor und für verschiedene Kammermusikbesetzungen.
Außer den drei Sinfonien auf dieser CD schrieb er eine (nicht numerierte)
Streichersinfonie, die im Jahre 1985 vom Sinfonieorchester Atlanta unter Robert
Shaw uraufgeführt wurde. Eine Aufnahme des Werkes wurde im Jahre 1989 mit einem
Grammy in der Kategorie „Hervorragende Aufnahme eines Orchesterwerkes“
ausgezeichnet. Des weiteren komponierte Rorem das Orchesterwerk Air Music,
Konzerte für Violine, Violoncello, Violine und Violoncello, Englischhorn (zum
150. Jubiläum der New Yorker Philharmoniker), Klavier (linke Hand) und für Orgel,
neun Opern, Ballette, Schauspielmusiken und zahlreiche Werke für Chor und
Orchester sowie für Solostimmen und Orchester. Die drei numerierten Sinfonien sind innerhalb eines
verhältnismäßig kurzen Zeitraums entstanden; die erste im Jahre 1950, die zweite
1956, und die dritte 1958. Ich habe Rorem gebeten, ein paar Worte zu seiner
Ersten Sinfonie zu schreiben: „Es gibt so viele Definitionen von ‘Sinfonie’ wie
es Sinfonien gibt. Zu Haydns Zeiten bedeutete ‘Sinfonie’ normalerweise ein
Orchesterwerk in vier Sätzen, wobei der erste in der sogenannten Sonatenform geschrieben war. Bei Bach allerdings,
und später bei Beethoven bis hin zu Strawinsky, bedeutet ‘Sinfonie’ das, was
der Komponist bestimmt. Meine Erste Sinfonie könnte man gut auch als ‘Suite’
bezeichnen.“ Die Erste Sinfonie beginnt mit einem Ausbruch der
Blechbläser, der sich bald beruhigt und von den Holzbläsern beantwortet wird,
über einer schillernden Begleitung der Streicher. Nachdem das Hauptthema in den
Streichern erklungen ist, wird das Blechbläsermotiv des Beginns wieder
aufgenommen. Ein zweites Thema wird im Kanon zwischen Horn und Flöte
vorgestellt, über einem Kontrapunkt der Harfe. Das Geschehen führt zu einer
Reihe von Höhepunkten und schließlich zu einer kurzen Reprise. Der reizvolle
zweite Satz ist eine Art Pastorale im Geiste Faurés; er nimmt die Stelle des
Scherzos ein. Rorem hat diesen Satz später für Orgel solo bearbeitet. Im
langsamen Satz, dem dritten, erklingt eine liebliche Melodie zunächst in den
Flöten, anschließend wird sie in der Oboe weitergeführt. Der Satz erreicht früh
einen Höhepunkt in den Streichern, bevor die Melodie nun in der Solo-Bratsche
erscheint, in Oktaven mit der Flöte. Im Mittelteil des Satzes übernehmen Holz-
und Blechbläser die melodische Führung; ihnen schließt sich bald das gesamte
Orchester an. In der „Reprise“ (eigentlich nicht das treffende Wort) wird das
Material des ersten Teils vollständig umgeformt. Das Finale ist ein heiterer,
„glücklicher“ Satz, der zwischen lebhaften, rhythmisch betonten Abschnitten und
lyrischen Ausbrüchen wechselt. Das zweite Motiv stammt aus einem arabischen
Hochzeitslied, das Rorem in Marokko im Radio gehört hat. Da Rorem jeden Satz genau datiert hat, können wir den
Verlauf seiner Arbeit an diesem Werk gut nachvollziehen. Er schrieb den ersten
Satz im Frühjahr 1948 in New York, danach trat eine längere Pause ein; erst
achtzehn Monate später nahm er die Arbeit an der Sinfonie wieder auf. Der
„Rest“ des Werkes entstand innerhalb eines Monats in Marokko. Zunächst komponierte
er den langsamen Satz, der ihn eine Woche lang in Anspruch nahm, dann den
zweiten Satz, ebenfalls in einer Woche, mit einer Woche Pause dazwischen.
Offensichtlich war er sich, wie manch anderer vor ihm, zunächst nicht sicher,
in welcher Reihenfolge er die beiden mittleren Sätze anordnen sollte. - Die
Erste Sinfonie ist nicht sehr oft gespielt worden. Nach ihrer Uraufführung in
Wien 1951, dirigiert von Jonathan Sternberg, wurde sie 1956 von den New Yorker
Philharmonikern unter Alfredo Antonini gespielt, im selben Jahr erklang sie
auch in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Im Jahre 1957 wurde sie in
Harrisburg, Pennsylvania, aufgeführt, unter der Leitung des berühmten
Klavierbegleiters Edwin McArthur, seitdem scheint sie größtenteils in
Vergessenheit geraten zu sein. Der erste Satz der Zweiten Sinfonie beginnt mit einer kurzen
Themenvorstellung im vollen Orchester, die noch einmal, leicht verändert,
wiederholt wird. Sie hat den Charakter einer kurzen Einleitung zum eigentlichen
Hauptthema, einer weit ausgeschwungenen Melodie, die von den Bratschen und
Violoncelli unisono vorgestellt wird. Nach und nach schließen sich die anderen
Streicher und die Holzbläser an, stets im unisono. Schließlich kehrt das Motiv
aus der Einleitung in veränderter Gestalt wieder, nun schnell und spielerisch,
zunächst vorgestellt in den Fagotten. Aus diesen Elementen formt Rorem einen
gewaltigen Satz, so lang wie die beiden folgenden Sätze zusammen. Der langsame
zweite Satz hat den Charakter eines Liedes, das durch die Intervalle am Beginn
einen typisch amerikanischen Klang erhält. Das Finale ist ein scherzo-ähnliches
Divertissement, in dem Rorem kurioserweise zum ersten Mal das Klavier einsetzt,
während er die Harfe pausieren lässt. Der Komponist gab mir später folgende kurze Notiz: „Zu dem
Zeitpunkt, als José Serebrier meine Zweite Sinfonie wieder zu neuem Leben
erweckte, war sie 43 Jahre lang nicht mehr gespielt worden, und es gibt auch
keine Einführungstexte zu dem Werk. So muss ich mein Gedächtnis anstrengen. Das
Werk entstand zwischen Januar und März 1953 in New York City, wo ich einen
kurzen Winter verbracht habe, außerhalb Frankreichs, wo ich eigentlich zu
dieser Zeit lebte. Es war ein Auftragswerk von Nikolai Sokoloff (den ich
nie
persönlich kennengelernt habe). Er leitete fünf Monate später die
Uraufführung in La Jolla, Kalifornien. Ich habe die Sinfonie zum ersten Mal im
Jahre 1959 live gehört, als sie Arthur Lief im Rathaussaal von Manhattan zur
Aufführung brachte. Das war wahrscheinlich auch das letzte Mal, dass sie
gespielt wurde.“ Rorems Dritte Sinfonie wurde im April 1959 in der Carnegie
Hall mit großem Erfolg uraufgeführt, Leonard Bernstein dirigierte die New
Yorker Philharmoniker. Nachdem das Werk im Jahre 2000 am gleichen Ort
wiederaufgeführt wurde, durch André Previn und das Orchester des Curtis
Institute of Music, schrieb Allan Kozinn in der New York Times: „Das Werk war
nicht sehr oft zu hören, aber heute ist sein tonaler, eklektischer Charakter
wieder aktuell: Tonalität ist jetzt allgemein anerkannt, und Komponisten, die
40 Jahre jünger sind als Ned Rorem, schreiben Musik, die auf ganz ähnliche
Dinge anspielt.“ In der Tat wurde die Dritte Sinfonie nach ihrer Uraufführung
nur selten gespielt. Das Werk wurde zusammen mit Schumans Siebenten Sinfonie
auf LP eingespielt (vom Sinfonieorchester des Staates Utah unter Maurice
Abravanel); die LP gibt es aber schon lange nicht mehr, und sie wurde auch bis
heute nicht als CD neu herausgegeben. Eine Aufnahme der Uraufführung mit Bernstein
ist in einer Sammlung erschienen, die Rundfunkmitschnitte von Konzerten der New
Yorker Philharmoniker enthält. Die Reihenfolge der Sätze in der Sinfonie entspricht nicht
der Chronologie ihrer Entstehung. Rorem erklärt: „Von den fünf Sätzen entstand
der zweite zuerst, der erste als zweites, der vierte als drittes und der dritte
als viertes; den letzten Satz komponierte ich auch zuletzt. I ist eine
Passacaglia in C, eine langsame Ouvertüre im großen Stil. II ist ein lebhafter,
jazziger Tanz; ursprünglich ein Stück für zwei Klaviere, das acht Jahre früher
als die anderen Sätze entstand, und das ich als zweiten Satz in die Sinfonie
aufgenommen habe. III ist eine kurze, leidenschaftliche Studie über
Somnambulismus, voller dynamischer Kontraste, und wie aus einer anderen Welt
kommend. IV ist ein Abschiedsgruß an Frankreich. V ist ein groß angelegtes,
schnelles Rondo; ein ‘Konzert für Orchester’ für sich.“ Der erste Satz beginnt mit einer Melodiefigur in
absteigenden Terzen, die die Grundlage für den gesamten Satz bildet. Ein
Trommelwirbel leitet ohne Pause zum zweiten Satz über, einem Allegro molto
vivace, das die Stelle des Scherzos einnimmt. Der dritte Satz (den Rorem, wie
er mir erzählt hat, für den besten hält) ist eine Art Zwischenspiel. Er beginnt
mit einem eintaktigen Motiv in den Streichern, das mehrere Male wiederkehrt,
wie ein Ritornell, und mit dem der Satz auch endet. Zwischen den „Ritornellen“
stehen Duette der Oboen und Trompeten und ein großartiger
orchestraler Höhepunkt. Dieser Satz hat all den Charme und die
Direktheit der Lieder Rorems. Der anschließende langsame Satz wird von einem
Solo des Englischhorns eröffnet; er ist nachdenklich, pastoral im Charakter.
Das Finale stellt seinen Grundrhythmus zunächst im Schlagzeug vor, dann in den
tiefen Streichern und Holzbläsern. Ein „heroisches“ Thema hebt in den Trompeten
an, wird jedoch bald abgerissen, und der triumphale Charakter des Themas
verwandelt sich in eine flehende Melodie. Doch nicht lange, und die heroischen
Trompeten kehren wieder, um ein zweites Mal in die flehende Melodie
überzugehen. Ein orchestrales Feuerwerk schließt sich an, kontrastiert von
einem klagenden Gesang der Streicher, der auf der Trompetenmelodie basiert.
Diese beiden Elemente folgen in
der Art eines Rondos aufeinander und führen zu einem strahlenden
Schlusshöhepunkt, dessen triumphaler Charakter nun nicht mehr in Frage gestellt
wird. José Serebrier Deutsche Fassung: Tilo Kittel |
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