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8.559164 - GRIFFES: Pleasure Dome of Kubla Khan / The White Peacock
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Charles Griffes (1884-1920)
Pleasure Dome of Kubla Khan • The White Peacock • Poem for Flute and Orchestra
Three Tone Pictures • Three Poems of Fiona McLeod • Clouds • Bacchanale

Der amerikanische Komponist Charles Griffes wurde in New York City geboren und wuchs in Elmira (New York) auf. Weiterreichende musikalische Studien in den Fächern Klavier und Komposition betrieb er seit 1903 in Berlin. Hier gehörte glücklicherweise Engelbert Humperdinck zu seinen Lehrern, und er war es auch, der das Interesse des jungen Amerikaners auf das Komponieren lenkte. In Europa entwickelte Griffes eine besondere Zuneigung zu den Partituren von Claude Debussy und Maurice Ravel – und im Herzen sollte er Impressionist bleiben, obwohl er auch von Alexander Skrjabin, Modest Mussorgsky und der Volksmusik des Fernen Ostens beeinflusst wurde. 1907 kehrte er in die USA zurück und wurde Musiklehrer an der Hackley School in Tarryton, New York.

The Pleasure Dome of Kubla Khan (Der Lusttempel des Kublai Khan) entstand 1912 als Klavierstück und wurde vier Jahre später orchestriert. Die Uraufführung fand im Herbst 1919 in Boston unter der Leitung von Pierre Monteux statt. Ausgangspunkt ist das Gedicht Kubla Khan des Engländers Samuel Taylor Coleridge (1772-1834), und daraus lässt Griffes das Bild von dem kaiserlichen Lusttempel entstehen, der in einer verzauberten Wildnis versteckt ist. Eine Frau ruft mit lauter Stimme nach ihrem dämonischen Geliebten; ein heiliger Fluss schäumt wild auf, bevor seine Windungen in den düsteren Höhlen einer sonnenlosen See verschwinden.

Die Musik beginnt mit dem Raunen und Glitzern der tiefen Schlaginstrumente und Streicher und wird durch die verzauberten Hörner zu einer sprechenden fernöstlichen Intonation. Trotz einiger weniger Ausbrüche des vollen Orchesters bewegt sich die Partitur vornehmlich in nebelhaften Bereichen – ganz im Sinne des damaligen Impressionismus. Im weiteren Verlauf wird das Motiv des „barbarischen Ortes“ von kurzen, volltönenden Rufen der Blechbläser beschworen, und gegen Ende beruhigt sich die Musik.

Auch The White Peacock (Der weiße Pfau) aus dem Jahre 1915 war zunächst ein Klavierstück, bevor es Griffes 1919 orchestrierte. Angeregt wurde die Komposition von einem Gedicht des englischen Spätromantikers William Sharp (1855-1905), der seine poetischen Werke und Romane unter dem Namen Fiona McLeod herausbrachte. Nach dem Vorbild Dante Gabriel Rossettis war Sharp von der Schönheit um ihrer selbst willen fasziniert; während sich jedoch sein Freund und Mentor auf die Verehrung weiblicher Formen konzentrierte, erfasste Sharp das bukolische Ganze der Natur. Sharps Frau gab mit der Lyra Celtica ein Journal über altes keltisches Wissen heraus, und sie wusste zu berichten, dass The White Peacock und andere Gedichte von Fiona McLeod in den Worten der imaginären Tochter verfasst wurden, die sich das Ehepaar immer gewünscht hatte. Griffes’ exquisite Partitur ist reich an Nuancen und suggestiven Farben, wie man sie auf der Leinwand eines Impressionisten erwartete. Unter den 56 Zeilen in freiem Vers finden sich Worte wie: Durch einen Nebel von Rosen – Tief im Herzen der See weißer Veilchen – schreitet der Weiße Pfau dahin, weiß wie treibender Schnee.

Inspiriert von dem eleganten Musizieren des französischen Flötisten Georges Barrère (1876-1944), verfasste Griffes 1918 sein Poem for Flute and Orchestra. Das Werk kam noch im selben Jahr bei den New Yorker Symphonikern unter Walter Damrosch zur Uraufführung. Barrère war Erster Flötist der New Yorker Symphoniker und einer der besten Holzbläser der Welt (unter anderem hatte er den angesehenen Ersten Preis des Pariser Konservatoriums gewonnen).

Fast alle Orchesterwerke, die Griffes geschaffen hat, sind auf die eine oder andere Weise mit literarischen Ideen verbunden. Das Poem for Flute jedoch, so sagte der Komponist, sei lediglich ein unprogrammatisches Miniatur-Tongedicht. Dank seiner üppigen, verführerischen Farben wurde das Stück zu einem wesentlichen Bestandteil des Flötenrepertoires.

Dass sich unter Griffes’ frühesten Werken Three Tone Pictures (Drei Ton-Gemälde) befinden, ist angesichts der Leidenschaft, die der Komponist für die Dichtkunst hegte, nur zu verständlich. Die drei Sätze gehen auf ein Gedicht von William Butler Yeats sowie zwei Gedichte von Edgar Allan Poe zurück. Griffes schrieb sie zunächst für Klavier, um sie aber noch im Jahre ihres Entstehens (1915) für das New York Chamber Orchestra unter George Barrère zu instrumentieren. The Lake at Evening ist die musikalische Überschrift von Yeats’ The Lake Isle of Innisfree. In The Vale of Dreams hören wir ein Echo von Poes The Sleeper, und The Night Winds wurde von Poes The Lake inspiriert.

Three Poems of Fiona McLeod schrieb Griffes 1918 für Singstimme und Klavier. Im selben Jahr instrumentierte er das Werk zur Uraufführung durch M. Dresser und das Philadelphia Orchestra. Die Gedichte von Fiona McLeod (alias William Sharpe) sind Beispiele eines literarischen Stils, der als „Celtic Twilight“ (Keltisches Zwielicht) bekannt wurde.

Clouds (Wolken) aus dem Jahre 1916 hat Charles Griffes 1919 orchestriert und dem Musikkritiker Paul Rosenfeld gewidmet. Angeregt wurde das Werk durch ein Gedicht aus Williams Sharps Sospiri di Roma. Der Komponist übernahm dieses Stück als Schlusssatz in seiner Suite Römische Skizzen, zu der auch The White Peacock, Nightfall und The Fountain of the Acqua Paola gehören. Zur Uraufführung, die 1919 beim Philadelphia Orchestra unter der Leitung von Leopold Stokowski stattfand, schrieb Griffes eine kurze Erläuterung: „Sharp spricht von den Wolken, die die goldenen Kuppeln und Türme einer Stadt mit Straßen aus Amethyst und Türkis beschwören. Die Musik ist ein Tonbild, das nach derselben zarten, fernen und doch farbigen Atmosphäre sucht.“

Sein Bacchanale schrieb Griffes zunächst 1912 für Klavier. Er orchestrierte es 1919. Ursprünglich hieß das Stück ganz einfach Scherzo, und es bildete das Finale einer kleinen Klaviersuite namens Fantasy Pieces op. 6. Zur Uraufführung des Werkes durch das Philadelphia Orchestra schrieb der Komponist: „Von dem Zauberpalast ging zu den Klängen der Nacht eine überirdische Lustbarkeit aus. Gruppen von Genien und andern fantastischen Geistern tanzten ihre grotesken Tänze zu einer verrückt-geheimnisvollen, wilden und freudigen Musik. Das Stück ist ein fantastisches Märchen mit einem wilden Höhepunkt am Ende.“

Edward Yadzinski
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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