About this Recording
8.570189 - Guitar Recital: Jerome Ducharme
English  German 

Jérôme Ducharme: Gitarren-Recital

Matthew Dunne (geb. 1959) genießt als Gitarrist einen vorzüglichen Ruf. Er war Schüler von Bruce Holzman an der Florida State University und von Aaron Shearer an der North Carolina School of the Arts. Außerdem erhielt er ein Stipendium für das Banff Centre for Fine Arts und kombinierte seine Fähigkeiten als klassischer Musiker und Jazzer miteinander. Er leitet das Gitarren-Programm der Universität von Texas in San Antonio und ist Doktor für klassische Musik und Jazz an der Universität von Texas in Austin. Sein Appalachian Summerentstand für den Wettbewerb der amerikanischen Guitar Foundation 2005, der in Oberlin stattfand. Wie nicht anders zu erwarten, stellt das Werk dem Ausführenden verschiedene Aufgaben: Es beginnt mit zarter Lyrik und erreicht danach einen äußerst raschen Abschnitt. Über einen langsameren Teil, der in der anfänglichen Stimmung die kantablen Seiten des Instruments erkundet, wird schließlich noch einmal die virtuose Geschwindigkeit erreicht, die den zweiten Teil des spieltechnisch anspruchsvollen, für das Publikum unterhaltsamen Werkes kennzeichnete.

Jacques Hétu wurde 1938 in Québec geboren. Er studierte Klavier, Harmonielehre und Gregorianischen Choral bei Jules Martel an der Universität von Ottawa, bevor er 1956 Schüler des Conservatoire de Montréal wurde, wo er bei Clermont Pépin, Jean Papineau-Couture und Isabelle Delorme studierte. Im Sommer 1959 besuchte er das Berkshire Music Center in Tanglewood, um bei Lukas Foss zu studieren. 1961 wurde er mit dem Prix d’Europe ausgezeichnet. Daraufhin ging er nach Paris, wo er bei Henri Dutilleux Komposition und bei Olivier Messiaen Analyse studierte. 1963 kam er wieder nach Québec. Hier bekleidete er verschiedene akademische Posten an der Université Laval und der Université de Montréal. Von 1979 bis 2000 war er dann an der Université du Québec in Montréal tätig, wo er in den Jahren 1980–82 und 1986–88 die Musikabteilung leitete. Hétu ist ein fruchtbarer Komponist und wurde mit verschiedenen Ehrungen bedacht. Seine Suite für Gitarre op. 41 entstand 1986. Sie besteht aus fünf recht kurzen Sätzen und beginnt mit einem eckigen Prélude, dem ein zartes Nocturne folgt. Die folgende Ballade setzt sich auf dramatischere Weise mit dem Material auseinander. Die Rêverie verwendet die für die Gitarrenstimmung typischen Intervalle. Die Suite wird von einem Satz beschlossen, der zunächst äußerst kontrastreich ist und dessen meditativer Mittelteil von schnelleren Abschnitten umrahmt wird.

Joan (Juan) Manén (1883–1971) war eine der führenden Persönlichkeiten der katalonischen Musik. Er wurde in Barcelona geboren und erhielt schon mit drei Jahren von seinem Vater den ersten Klavierunterricht, wobei er sehr rasche Fortschritte machte. Als Fünfjähriger begann er mit dem Geigenspiel, und vier Jahre später trat er bereits in Lateinamerika auf. In Europa konzertierte er erstmals 1898, wobei ihn Enrique Granados begleitete. Damals genoss er vor allem als virtuoser Geiger großes Ansehen. Allerdings zeigte er auch als – vornehmlich autodidaktischer – Komponist eine ähnliche Frühreife: Seine erste Oper Juana de Nápoles wurde 1903 am Liceu von Barcelona inszeniert, und schon Ende desselben Jahres kam an demselben Theater sein zweites Bühnenwerk Acté heraus. 1904 debütierte er in Berlin, wo er anschließend bis 1914 lebte. Während seines Aufenthalts in Deutschland lernte er die Werke von Richard Wagner und Richard Strauss schätzen, die seine eigenen Kompositionen beeinflussten. 1930 spielte er eine wesentliche Rolle bei der Gründung der Philharmonischen Gesellschaft von Barcelona; außerdem stiftete er einen Konzertsaal, das Auditorium Manén, das allerdings noch heute auf seine Vollendung wartet. Er arrangierte katalanische und spanische Melodien, die auch sonst hin und wieder in seinen Kompositionen vorkommen. Zu Beginn seiner Fantasie-Sonate op. 22a verwendet Manén Harmonien, die von der Gitarrenstimmung angeregt sind; im weiteren Verlauf des Werkes tritt dann jedoch das melodische Element Kataloniens deutlicher zutage. Geschrieben um 1930, folgt das Stück jedoch in keiner Weise den Trends der damaligen Moderne.

Der seit seiner Kindheit blinde Joaquín Rodrigo (1901–1999) wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was Manuel de Falla vor ihm gewesen war – der führende Komponist Spaniens. Wie dieser studierte er in Paris, wo er die Jahre des Spanischen Bürgerkriegs verbrachte. Seit seiner Heimkehr lebte er vornehmlich in Madrid. Der fleißige Komponist schrieb unter anderem mehrere Gitarrenkonzerte, die sich großer Bekanntheit und Beliebtheit erfreuen. Seine Musik ist tonal, eingängig und von unverkennbar spanischer Art. Die Tres piezas españolas von 1954 beginnen mit einem lebhaften Fandango, der einen gewissen klagenden Ton enthält. Die anschließende Passacaglia folgt dem Variationsschema, das für diese traditionelle spanische Form typisch ist. Das dritte Stück ist ein Zapateado, dessen Gegenrhythmen und Synkopen an das Füßestampfen beim Flamenco erinnern.

Alberto Ginastera (1916–1983) war Sohn katalanisch- italienischer Eltern und nahm im Musikleben seiner argentinischen Heimat eine führende Position ein. Schon als Student des Staatlichen Konservatoriums errang er erste Erfolge. Er bekleidete verschiedene Lehrämter; seine pädagogische Laufbahn wurde allerdings durch die politischen Ereignisse unterbrochen, welche die Peronisten an die Macht brachten. Diese erste akademische Zwangspause im Jahre 1945 erlaubte es ihm allerdings, seine Kontakte in die USA zu vertiefen, wo seine Musik gespielt wurde und wo er Aaron Copland kennen lernte. Während der fünfziger Jahre wurde seine Musik auch in Europa aufgeführt und immer bekannter, während Ginastera aufgrund wiederkehrender Probleme mit den Peronisten seinen Lebensunterhalt zunehmend durch Filmmusiken verdiente. Von 1963 bis 1971 war er Direktor des neu gegründeten Lateinamerikanischen Zentrums für Fortgeschrittene Musikalische Studien. Seine letzten zwölf Lebensjahre verbrachte er in der Schweiz. Die 1976 entstandene, 1981 revidierte Sonate op. 47 beginnt mit einem Esordio, das zunächst die Intervalle der Gitarrenstimmung verwendet und dann perkussive Klänge erkundet, die durch Daumenschläge auf den Steg und ähnliches erzeugt werden. Das energische Scherzo führt in verschiedene Klangbereiche, und der dritte Satz Canto, der ebenfalls durch den von der Gitarrenstimmung vorgegebenen Akkord beherrscht wird, erreicht eine lyrische und nachdenkliche Atmosphäre. Der Schlusssatz bietet mit seinen synkopierten Rhythmen, klimpernden Akkorden und perkussiven Einwürfen einen direkten Kontrast.

Manuel de Falla (1876–1946) bedarf keiner besonderen Vorstellung, da er zu den ersten spanischen Komponisten gehörte, die internationale Anerkennung fanden. Nachdem er zunächst in seiner Heimatstadt Cádiz und dann in Madrid studiert hatte, lebte er seit 1907 in Paris, wo er Dukas, Debussy und Ravel kennenlernte. Als er 1914 wieder nach Spanien ging, zeigte er unter dem Einfluss von Isaac Albéniz ein neues Verständnis für die Weiterentwicklung der spanischen Musik. Zunehmend durch den traditionellen Cante jondo inspiriert, ließ er sich in Granada nieder, wo er mit dem Dichter Federico García Lorca Freundschaft schloss. Während des Bürgerkrieges waren seine Sympathien zwangsläufig geteilt, doch er gelobte Franco 1938 seine Treue. 1939 übersiedelte er nach Buenos Aires, wo er an seinem ehrgeizigen Bühnenwerk Atlántida arbeitete, das unvollendet blieb. Fallas Homenaje, pièce pour guitare écrite pour ‘Le Tombeau de Claude Debussy’, entstand 1920 – zwei Jahre nach Debussys Tod. La Revue Musicale veröffentlichte 1920 einen Nachruf, der auch eine musikalische Würdigung – eben jenen Tombeau de Claude Debussy – beinhaltete, zu dem Bartók, Dukas, Goossens, Malipiero, Ravel, Rousseau, Satie, Schmitt und Strawinsky ihre Beiträge leisteten. Im Supplement erschien dann auch die Homenaje, die Manuel de Falla dem Gitarristen Miguel Llobet schickte und die dieser in Barcelona aufführte. Die Pariser Premiere des Stückes gab Marie-Louise Casadesus auf der Harfenlaute. Das Werk spielt auf Debussys La soirée en Grenade und Ibéria an. Es ist das einzige Gitarrenstück von Manuel de Falla und wurde von ihm später für Klavier und für Orchester eingerichtet.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window