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8.570255 - BEETHOVEN, L. van: Piano Trios, Vol. 3 - Piano Trio No. 3 / Symphony No. 2 (arr. for piano trio) (Xyrion Trio)
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Ludwig van Beethoven (1770–1827)
Klaviertrios, Folge 3

 

Ludwig van Beethoven wurde 1770 als ältester Sohn eines Sängers geboren, der in der Kapelle des Kölner Fürsterzbischofs Dienst tat. Getauft wurde er auf den Namen seines Großvaters, der als Kapellmeister des hohen Herrn tätig gewesen war. Das Leben der Familie Beethoven war kein glückliches. Der Vater wurde sowohl als Sänger wie als Vater und Ehemann immer untauglicher, indessen seine Frau immer wieder gehässige Vergleiche zwischen ihm und seinem Vater zog. Ludwig van Beethovens musikalische Ausbildung war zwar unsystematisch, doch sie führte immerhin dazu, dass auch er, wie sich’s gehörte, in den Dienst des Erzbischofs trat, wo er als Organist sowie als Streicher im Orchester wirkte. Er begann sich eben in Bonn einen gewissen Namen zu machen, als man ihn 1787 erstmals nach Wien schickte, auf dass er von Mozart ausgebildet werden solle. Doch seine Mutter erkrankte, so dass er schon bald wieder abreisen und sich nach ihrem Tode ganz und gar um seine jüngeren Brüder kümmern musste, da der Vater daheim und im Beruf völlig versagte. 1792 wurde Beethoven ein zweites Mal nach Wien geschickt. Jetzt sollte er bei Haydn studieren, den er in Bonn kennengelernt hatte.

Bei seiner frühen Wiener Laufbahn kamen Beethoven die Umstände seiner Übersiedlung zugute. Der Erzbischof war ein Sohn der Kaiserin Maria Theresia, und er wurde bei vielen führenden Persönlichkeiten der Kaiserstadt eingeführt. Hier konnte er sich schon früh als bemerkenswert begabter Pianist pro-filieren, womit sich seine eindeutig genialen Fertig-keiten auf den verwandten Gebieten der Improvisation und Komposition verbanden. Als sich um die Jahr-hundertwende die ersten Anzeichen der kommenden Ertaubung zeigten, schien das wie eine Ironie des Schicksals. Die Krankheit bewirkte, dass Beethoven nach und nach seine Tätigkeit als virtuoser Musiker aufgab und auf den Bereich der Komposition verlegte, dessen herkömmliche Verfahrensweise er bemerkens-wert zu verändern und zu erweitern verstand. Die Taubheit verstärkte nur noch sein exzentrisches Verhalten und seine Paranoia, die im Laufe der Zeit extreme Züge annahmen. Zugleich entwickelte er dadurch seine kontrapunktischen Fähigkeiten. Er revolutionierte auch weiterhin die Formen, die er von seinen Vorgängern, namentlich von Haydn und Mozart übernommen hatte, erweiterte sie, bis sie beinahe zerbarsten und führte mit zunehmendem Alter immer mehr Neuerungen ein. Auf seinen Tod im März 1827 reagierte die Wiener Öffentlichkeit mit großen Trauerfeierlichkeiten.

Seine ersten drei Klaviertrios op. 1 veröffentlichte Beethoven im Jahre 1795 mit einer Widmung an den Fürsten Carl Lichnowsky, der den Komponisten in seinem Hause in Wien aufgenommen hatte und ihn auch weiterhin unterstützte, wobei er die Launen des Genies geduldig ertrug. Das erste Trio des Opus 1 scheint deutlich älter als die andern zu sein und könnte noch aus der letzten Bonner Zeit stammen. Die Uraufführung der drei Werke fand dann jedoch bei Lichnowsky statt. Joseph Haydn wohnte dieser Premiere bei und äußerte sich insgesamt vorteilhaft über die Musik. Allerdings riet er Beethoven, das dritte Trio nicht zu publizieren, was dieser wiederum als versteckte, neidische Kritik auffasste. Haydn erklärte später allerdings gegenüber Dritten, er habe sich nur deshalb gegen eine Ver-öffentlichung des Trios c-moll ausgesprochen, weil er das Unverständnis des großen Publikums befürchtet habe.

Seine Sorge war durchaus begreiflich, denn neben den starken dynamischen Kontrasten, die ein Kennzeichen des Beethovenschen Stils werden sollten, finden sich in dem c-moll-Trio etliche harmonische Neuerungen—insbesondere in der Reprise des Kopfsatzes. Die erste Phrase der Exposition wird von allen drei Instrumenten gemeinsam gespielt und wird dann sowohl als Bindeglied zu den nächsten Gedanken wie auch als Substanz der Durchführung verwendet. Der zweite Satz besteht aus fünf Variationen über ein Thema in Es-dur, dessen Präsentation und erste Veränderung dem Klavier überlassen sind. Die zweite Variation wird vornehmlich von den beiden Streichern bestritten, die danach die ausgezierte Melodielinie des Klaviers mit ihren Pizzikati begleiten. Darauf folgen eine vierte Variation in es-moll sowie die letzte Veränderung (un poco più andante) mit triolischen Figuren des Klaviers. Der Satz endet mit einer kurzen Coda. Der dritte Satz ist ein Menuett mit einem zentralen Trio in C-dur. Den Abschluss bildet ein Prestissimo- Finale. Nach einer kurzen Einleitung beginnt die Exposition, in der die Violine das Hauptthema vorstellt, das dann das Klavier aufgreift, ehe sich das Violoncello in Es-dur meldet. Die Violine stellt das zweite Thema vor, und über eine Klavierkadenz führt der Weg in die Reprise, nachdem das thematische Material im Mittelteil des Satzes gehörig durchgeführt wurde.

Seine Symphonie Nr. 2 D-dur op. 36 vollendete Beethoven im Jahre 1802, und zwar vermutlich in dem Dorfe Heiligenstadt, wo er sich auf Anraten seines Arztes erholte und schließlich mit der Tragödie seiner zunehmenden Ertaubung abzufinden begann. Auch dieses neue Werk ist dem Fürsten Lichnowsky gewidmet. Die Uraufführung fand im April 1803 statt. Im selben Jahr richtete Beethoven das Werk, entsprechend dem damaligen Interesse weiter musikalischer Kreise, für Klaviertrio ein. Die Veröffentlichung dieser Bearbeitung erfolgte zwei Jahre später.

Nach der langsamen Einleitung übernimmt das Klavier den Beginn des Allegro con brio, das in der originalen Orchesterfassung für Streicher geschrieben ist. Das Violoncello meldet sich an der Stelle zu Worte, wo eigentlich die Kontrabässe einsetzen. Das zweite Thema wird gleichfalls vom Klavier exponiert und von der Violine aufgegriffen, bevor das Tasteninstrument in der Durchführung wieder die Hauptrolle übernimmt. Die charaktervolle, singende Melodie des Larghetto quasi andante A-dur erklingt im Klavier, wozu die Streichinstrumente—wie auch im zweiten Teil des Themas ihre Echos intonieren. Die Violine stellt das Nebenthema vor, das bald in das rasche Figurenwerk übergeht, das Beethoven von den ersten Orchestergeigen aufs Klavier übertragen hat. Beide Themen erfahren im Verlaufe des Satzes ihre ordnungsgemäßen Wiederholungen. Das Scherzo hält an den starken dynamischen Gegensätzen des Originalwerkes fest, wobei Violine und Violoncello zunächst die Antworten der Hörner und dann die Stimmen der Oboen übernehmen. Das Klavier spielt die ersten Takte des Trio. Nach dem ersten Abschnitt setzen Violine und Violoncello ein, und das Klavier steht auch am Anfang des Allegro molto, mit dem das Werk zu Ende geht. Bei der zweiten Hälfte des Hauptthemas wird auch die Violine bemüht. Wenngleich der Bearbeitung auch etwas vom Farbenreichtum der eigentlichen Symphonie fehlt, so klingt die Bearbeitung doch wie ein echtes Klaviertrio.

Das Allegretto Es-dur Hess 48 scheint zwischen 1790 und 1792 entstanden zu sein und gehört somit in die letzten Jahre des Bonner Hofmusikers Beethoven, der sein Handwerk bei dem Hoforganisten Christian Gottlieb Neefe gelernt hatte. Die Erstveröffentlichung erfolgte 1955, wobei man damals noch von einem wesentlich früheren Kompositionsdatum ausging. Der Satz beginnt mit einfachsten Mitteln: Der Violine antwortet als Echo das Violoncello, das die punktierte Arpeggiofigur wiederholt, mit der das Klavier angefangen hatte. Nach einer kurzen Durchführung folgt die Wiederholung des Hauptthemas.


Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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