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8.570277-78 - BACH, J.S.: Sonatas and Partitas for Solo Violin, BWV 1001-1006 (Kaler)
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Johann Sebastian BACH (1685–1750)

Sonate Nr. 1 g-moll BWV 1001
Partita Nr. 1 h-moll BWV 1002
Sonate Nr. 2 a-moll BWV 1003
Partita Nr. 2 d-moll BWV 1004
Sonate Nr. 3 C-dur BWV 1005
Partita Nr. 3 E-dur BWV 1006

 

Die berufliche Laufbahn von Johann Sebastian Bach, dem berühmtesten Mitglied einer äußerst produktiven Musikerfamilie, gliedert sich deutlich in drei ungleiche Teile. Der 1685 in Eisenach geborene Knabe lebte und lernte, nachdem er mit zehn Jahren beide Eltern verloren hatte, bei seinem älteren Bruder in Ohrdruf. Nachdem er verschiedentlich als Organist und kurzfristig auch als Hofmusiker gearbeitet hatte, wurde er 1708 Hoforganist und Kammermusiker des Herzogs Wilhelm Ernst von Weimar, dem älteren von zwei Brüdern, die ihr Herzogtum gemeinsam regierten. 1714 wurde er zum Konzertmeister des Herzogs befördert. Drei Jahre später verließ er Weimar, nachdem man ihn kurzfristig wegen seiner Vermessenheit, die Stelle von sich aus verlassen zu wollen, sogar in den Kerker geworfen hatte. Bis 1723 war Bach dann als Hofkapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Cöthen tätig, bevor er nach Leipzig ging, wo er bis zu seinem Tode im Jahre 1750 als Thomaskantor wirkte, für die Musik der fünf städtischen Hauptkirchen zuständig war und seit 1729 überdies das Collegium musicum der Universität leitete, das Georg Philipp Telemann 1702 gegründet hatte.

In Weimar war Bach vor allem als Organist tätig gewesen, und so gehören zu den damals entstandenen Kompositionen zahlreiche Stücke für das Instrument, auf dem er ein Virtuose war. Der Köthener Hof wurde in der pietistischen Tradition geführt, weshalb Bach hier keine kirchlichen Pflichten wahrzunehmen, sondern sich vor allem um die Hofmusik zu kümmern hatte. Demzufolge schrieb er damals viele Instrumentalwerke – wohingegen er die letzten 27 Jahre seines Lebens mit den verschiedensten Dingen beschäftigt war: Sein offizielles Amt verlangte die Lieferung von Kirchenmusik, doch er verfasste auch Musik für das bereits erwähnte Collegium Musicum und widmete sich überdies der Komposition neuer bzw. der Bearbeitung früherer Clavierwerke von großer Bedeutung.

Die je drei Sonaten und Partiten für Violine solo gehören in die Köthener Jahre und fußen auf der deutschen Tradition des Geigenspiels. Die frühesten mehrsätzigen Vorbilder stammen aus Dresden: Dabei handelt es sich zunächst um eine 1683 entstandene Suite von Johann Paul von Westhoff (1656-1705), der 1696 viersätzige Partiten folgten. In den letzten Lebensjahren war Westhoff Kammersekretär und Kammermusiker sowie Französisch- und Italienischlehrer am Weimarer Hofe. Weitere frühe Stücke für Solovioline gibt es bei Heinrich Ignaz Franz Biber, der eine bemerkenswerte Passacaglia in seine fünfzehn Rosenkranz-Sonaten integrierte, sowie bei Johann Jakob Walter, der auch einige Zeit in Dresden arbeitete. Einen direkten Einfluss könnte der Torelli- und Vivaldi-Schüler Johann Georg Pisendel ausgeübt haben, der am sächsischen Hof in Dresden wirkte und Bach 1709 in Weimar kennengelernt hatte. 1717 begegnete er ihm in Dresden wieder, als er seine neueste Sonate für Solovioline spielte.

Die drei Sonaten für Solovioline von Bach gehorchen der Form der sogenannten Kirchensonate. Die Sonate g-moll BWV 1001 beginnt mit einem langsamen Einleitungssatz und einer Fuge, die der Komponist später beide für Orgel arrangierte. Der dritte Satz, ein Siciliano, bringt vor dem schnellen Finale eine Ruhephase. Die Partita h-moll BWV 1002 ist in der Form der Kammersonate gehalten, die aus der Tanzsuite herrührt. Sie beginnt mit dem traditionellen deutschen Tanz, der Allemande, der sich eine eigene Variation sowie die variierte Corrente anschließen. Die langsame Sarabande nebst Variation führt zur abschließenden Bourrée mit Variation. Die wieder in Form einer Kirchensonate gestaltete Sonate a-moll beginnt mit einem langsamen, gehörig verzierten Einleitungssatz, worauf die gewohnte Fuge folgt, ein besonderes Charakteristikum der damaligen deutschen Geigenkunst. Der dritte Satz ist ein Andante in C-dur, dem sich das Allegro-Finale anschließt. Den Auftakt der Partita d-moll bildet, wie zu erwarten, eine Allemande; darauf folgen die üblichen Corrente, Sarabande und Gigue. Nachdem diese Grundbestandteile der Tanzsuite erklungen sind, bringt Bach eine monumentale und virtuose Chaconne, eine der traditionellen Tanzvariationen des Barock, die so viele Bearbeiter und Arrangeure fasziniert hat. Die Sonate C-dur entspricht der Form der beiden vorigen Sonaten: nach der Adagio- Einleitung gibt es eine kunstreiche Fuge, die im Laufe ihrer polyphonen Entwicklung die Umkehrung des Themas bringt; ein langsames Arioso und ein rasches Finale, in dem auf Doppelgriffe verzichtet wird, beenden das Werk. Die letzte der Partiten in E-dur beginnt mit dem bekannten Präludium, dessen Material Bach in seinen Kantaten wiederbenutzte und das dem Geiger Eugène Ysaÿe das Leitmotiv für eine seiner Soloviolinsonaten lieferte. Es folgen französische Tanzformen: eine Loure, eine Gavotte mit einem wiederholten Rondorefrain, zwei einander abwechselnde Menuette, eine Bourrée und endlich eine Gigue.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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