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8.570291 - BACH: Chromatic Fantasia and Fugue / Aria variata / French Overture
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Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Werke für Clavier

 

Johann Sebastian Bach entstammte einer Familie, die sich seit Generationen beruflich mit Musik befasste. Seine Söhne setzten diese Tradition fort und schufen die Grundlagen eines neuen Stils, der die Musik des späteren 18. Jahrhunderts dominierte. Johann Sebastian Bach selbst repräsentierte Gipfel und Endpunkt des Barockzeitalters: In einer großartigen Synthese verband er die melodische Erfindung Italiens mit der Rhythmik der französischen Tanzformen und der kontrapunktischen Meisterschaft Deutschlands.

Geboren wurde Johann Sebastian Bach am 21. März 1685 in Eisenach. Nach dem frühen Tod der Eltern kam er in die Obhut des ältesten Bruders, der sich auch vornehmlich um seine Ausbildung kümmerte. Mit achtzehn Jahren begann seine musikalische Laufbahn. Zunächst war er Geiger am Hof von Weimar. Kurz darauf kam er als Organist nach Arnstadt und 1707 in gleicher Eigenschaft nach Mühlhausen. Nur ein Jahr später wurde er Organist und Kammermusiker des Herzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar. Nachdem es ihm unter einigen Schwierigkeiten gelungen war, dieses Dienstverhältnis aufzulösen, trat er 1717 als Kapellmeister in den Dienst des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, wo er bis 1723 wirkte. In diesem Jahr ging er nach Leipzig, wo er als Kantor der Thomasschule und musikalischer Leiter der fünf städtischen Hauptkirchen bis zu seinem Tode am 28. Juli 1750 tätig war.

Bach war gewissermaßen ein Kunsthandwerker und hatte gemäß seinen jeweiligen Verträgen Musik zu den verschiedensten Anlässen zu liefern. Dass sich seine frühe Tätigkeit als Organist und Orgel-Sachverständiger in eigenen Werken für das Instrument niederschlug, ist nur natürlich. Am pietistisch orientierten Hof von Köthen war die Kirchenmusik unnötig; dafür entstand hier eine Reihe von Instrumentalwerken für das Hoforchester und dessen Mitglieder. In Leipzig begann Bach dann mit einer Reihe von Kantaten für das Kirchenjahr, und später widmete er sich der Instrumentalmusik für das Collegium musicum der Universität. Außerdem sammelte und ordnete er seine eigenen Werke. Während seines gesamten Lebens schrieb er Musik für Cembalo oder Clavichord, die nicht selten dazu diente, die eigenen Familienmitglieder oder andere Schüler zu unterrichten.

Die Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903 dürfte Bach um 1720 in Köthen komponiert haben. Etwa zehn Jahre später unterzog er sie in Leipzig einer Revision. Die eigentliche Fantasie, von der auch zwei ältere Versionen erhalten sind, beginnt in der Art einer Improvisation und erreicht eine Folge arpeggierter Akkorde, an die sich ein rezitativischer Abschnitt und die Wiederholung der Anfangsfiguren anschließen. Die Fuge exponiert ein längeres Thema, das zunächst vom Alt und dann in der untersten ihrer drei Stimmen beantwortet wird; nach einer umfassenden Durchführung kommt es über einem Orgelpunkt auf der Dominante zu einem letzten grandiosen Einsatz des Themas.

Die Aria variata alla maniera italiana a-Moll BWV 989 hat man auf die Zeit vor 1714 datiert. Dem Thema im Vierertakt folgt zunächst eine als Largomarkierte Variation. Die zweite Variation benutzt Triolenfiguren in einer transparenten zweistimmigen Textur, die in der nächsten Veränderung fortgesetzt wird. Die vierte Variation ist als Allegro bezeichnet und fällt unter anderem durch ihre Synkopierungen auf. Im anschließenden Un poco allegro bewegen sich die Sechzehntel der Oberstimme über einem gemesseneren Bass. Die sechste Verwandlung des Themas (Andante) lässt die Oberstimme in einem punktierten Rhythmus vorangehen, die siebte – wiederum Un poco allegro – steht im 12/8-Takt, und die achte Variation mit der Markierung Allegro bringt die beiden Stimmen im antiphonischen Wechsel. Die neunte Veränderung besteht in beiden Stimmen vornehmlich aus Sechzehnteln, worauf die zehnte Variation die Schlichtheit des Themas und der harmonischen Ausgangsstruktur wieder aufgreift.

Fantasie und Fuge a-Moll BWV 904 hat man auf Bachs frühe Leipziger Jahre datiert, wenngleich die beiden Sätze erst um 1800 gemeinsam auftraten. Diskutiert wurde nicht nur das Entstehungsdatum, sondern auch das Instrument, für das Bach diese Stücke geschrieben hat. Die Fantasie bewegt sich in einer recht formellen Struktur ohne jene improvisatorischen Elemente, die man beispielsweise in der Chromatischen Fantasie und Fuge findet. Das Fugenthema wird in der Oberstimme exponiert, vom Alt beantwortet und erscheint dann im Tenor und schließlich im Bass, der danach ein kürzeres, chromatisch absteigendes zweites Thema einführt, das zunächst der Alt und dann der Diskant beantworten. Am Ende erklingen beide Themen gemeinsam.

Präludium und Fuge a-Moll BWV 894 schrieb Bach in Weimar. Nach 1730 benutzte er das Material dann in dem Konzert a-Moll für Flöte, Violine, Cembalo und Streicher BWV 1044 („Tripelkonzert“), das er zur Aufführung in Leipzig einrichtete. Es erübrigt sich zu sagen, dass das Entstehungsdatum und die Art des Stückes diskutiert wurden: Einige Wissenschaftler nehmen sogar an, dass es ein noch älteres Cembalokonzert gab, nach dem das hier vorliegende Werk entstanden ist. Das Präludium ist in zwei Fassungen erhalten. Es macht ausgedehnten Gebrauch von Triolenfiguren und enthält kurze, improvisatorisch-virtuose Passagen. Die Fuge im 12/16-Takt exponiert das Sechzehntel-Thema in der Unterstimme, worauf zunächst der von einem Gegenthema begleitete Alt und dann der Diskant antworten. Die Fuge wird von einer durchgängigen Bewegung angetrieben, die dem Thema innewohnt und erst in den Schlusstakten zur Ruhe kommt.

Die Ouvertüre nach französischer Art h-Moll BWV 831 bildet zusammen mit dem Concerto nach italienischem Gusto, dem sogenannten „Italienischen Konzert“ BWV971, den zweiten Teil der Clavier-Übung, deren insgesamt vier Bände ein Kompendium dessen darstellen, was Bach als Komponist und ausübender Musiker zu leisten imstande war. Der zweyte Theil der Clavier-Übung stellt musikalische Beispiele aus Italien und Frankreich, mithin aus zwei einander komplementär ergänzenden Quellen, nebeneinander und zeigt die monumentale deutsche Synthese, zu denen Bach diese zeitgenössischen Stile führte. Die Suite, von der es auch eine etwas ältere c-moll-Fassung gibt, beginnt mit einer französischen Ouverture, deren feierliche Einleitung mit ihren punktierten Rhythmen zu einer dreistimmigen Fuge führt, an die sich ein Rückgriff auf den Anfang anschließt. Die Tanzfolge beginnt mit einer Courante. Die erste Gavotte umrahmt eine zweite in der parallelen Tonart D-Dur. Das zweite der beiden Passepieds steht in H-Dur, wozu das erste in h-moll den Rahmen bildet. Die Sarabande führt zunächst zu zwei Bourrées, die gleichfalls alternativement gespielt werden, und dann zu einer Gigue. Beschlossen wird die Suite von einem Echo, dessen Titel auf die dynamischen Gegensätze hinweist, die in der Partitur deutlich markiert sind.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


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