About this Recording
8.570305 - LUNDS STUDENTSANGARE: Stralande Jul (Radiant Christmas)
German 

Miklós Rózsa (1907-1995)
Violinkonzert op. 24 • Sinfonia Concertante für Violine, Violoncello und Orchester op. 29

 

In der Musik von Miklós Rózsa mischt sich tiefste Romantik mit ureigenstem Klassizismus, was eine Folge der Tatsache sein könnte, dass er zwar in Ungarn geboren, jedoch am Leipziger Konservatorium ausgebildet wurde. Diese charakteristische Mischung findet man sowohl in seiner Filmmusik, in der das romantische Element im Vordergrund steht, als auch in seinen Werken für den Konzertsaal.

Im Jahre 1940 kam Rózsa nach Hollywood. Davor hatte er zunächst in Paris gelebt, wo ihn Arthur Honegger anregte, Musik für den Film zu schreiben, und ging dann nach London. Dort schrieb er für Alexander Kordas Knight without Armour (Tatjana) seine erste Spielfilm- Musik. In Hollywood traf er auf eine blühende Gemeinde von emigrierten Musikern – darunter Komponisten wie Ernst Toch, Igor Strawinsky, Arnold Schönberg und Erich Wolfgang Korngold, aber auch Instrumentalisten wie Gregor Piatigorsky und Jascha Heifetz. Rasch etablierte er sich als einer der meistgefragten Filmkomponisten. 1952 genoss er bereits eine solche Reputation, dass er bei der Erneuerung seines MGM-Vertrages auf einer noch nicht dagewesenen Klausel bestehen und jeden Sommer einen dreimonatigen Urlaub nehmen konnte, in dem er sich dann ausschließlich mit seinen Werken für den Konzertsaal befasste. Das Violinkonzert op. 24 ist das erste Resultat dieses glücklichen Umstands.

In der Leipziger Studienzeit hatte Rózsa bereits ein Violinkonzert geschrieben, das jedoch unveröffentlicht blieb. Als er nun seinen ersten Sommerurlaub von MGM nahm, fühlte er sich zu einem reifen Stück in der Lage. Er erinnerte sich, dass viele große Konzerte für ganz bestimmte Künstler entstanden waren – so hatte Brahms sein Violinkonzert op. 77 für Joseph Joachim komponiert –, und er beschloss, Jascha Heifetz darauf anzusprechen. Er war dem großen Geiger nur ein einziges Mal begegnet, doch er kannte Emmanuel Bay, den Begleiter des Virtuosen. Durch ihn erfuhr er, dass Heifetz zwar interessiert sei, zunächst aber einen ersten Satz als Probestück haben wolle, den er vor einer endgültigen Entscheidung mit dem Komponisten durchzuarbeiten gedenke. Rózsa wusste um das damit verbundene Risiko – Heifetz hatte schon den Anfang des Schönberg- Konzerts gebilligt und sich dann doch geweigert, das fertige Stück zu spielen. Doch beschloss er, mit der Arbeit zu beginnen. Er verließ Hollywood und bezog mit seiner Familie eine herrliche Villa in Rapallo (Italien), wo er den ersten Satz in Angriff nahm, und er war so inspiriert, dass er in nur sechs Wochen das gesamte Werk vollendete. Heifetz gefiel das Stück, und er nahm gemeinsam mit dem Komponisten einige Veränderungen vor. Rózsa arrangierte ein privates Probespiel, um die Balance zwischen Orchester und Solostimme zu kontrollieren, worauf er die Orchestration deutlich ausdünnte. Endlich brachte Heifetz das Stück am 15. Januar 1956 in Dallas zur Uraufführung. Die Begeisterung war groß. Kurze Zeit später entstand die RCA-Einspielung von Heifetz, zu der es mehr als vierzig Jahre weder eine Konkurrenz noch eine Alternative gab.

Der erste Satz beginnt zwar zart, flackert aber unruhig zwischen D-Dur und d-Moll, zwischen Zweier- und Dreiertakt. Der Solist setzt sofort mit einem aufschwingenden Thema ein, das virtuos ins hohe Register des Instruments emporfliegt; nach einer kurzen Überleitung mit Doppelgriffen wird dieser Gedanke kurz vom gesamten Orchester übernommen, bevor ein lyrischeres und weniger bewegtes Thema im Dialog von Solovioline und Solohorn erscheint. In der Durchführung, die eine eindrucksvolle Solokadenz enthält, werden die beiden Themen dann ausführlich verarbeitet.

Der gesangliche zweite Satz ist eines von vielen ungarisch getönten Nocturnes, die Miklós Rózsa geschrieben hat. Es beginnt mit einem Thema, das einen sehr zigeunerischen „lombardischen Rhythmus“ – eine rhythmische Figur der Form kurz-lang mit Betonung auf der ersten kurzen Note – enthält. Darauf folgen ein schlichteres, von einer wiegenden Klarinettenbegleitung getragenes Motiv mit denselben Lombardismen und ein Nachklang des ersten Themas in der Oboe.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Sätzen beginnt das Finale mit einer langen Orchesterpassage. Der Solist setzt mit einem knappen, streitlustigen Motiv ein, das sich bald zu einem verspielten Thema erweitert und rasch von einem weiteren Gedanken abgelöst wird. Diese beiden Themen werden nun mit großer rhythmischer Verve verarbeitet, bevor ein lyrischer Kontrast einen Moment der Ruhe bringt. Bald jedoch gewinnt das Orchester wieder die Oberhand, und wenn der Solist erneut eingreift, kann nichts mehr den rhythmischen Drive aufhalten, der das Konzert einem schwindelerregend virtuosen Schluss entgegen treibt.

Lange nach seiner Entstehung bildete das Violinkonzert die Basis einer Filmmusik – und zwar für The Private Life of Sherlock Holmes (Das Privatleben des Sherlock Holmes) von 1970, einen Streifen von Billy Wilder, mit dem Miklós Rózsa befreundet war und häufig zusammenarbeitete. Da der Titelheld Hobbygeiger war, kam Wilder auf die Idee, Rózsa sollte sein Konzert nach einigen Themen für den Film durchsuchen. So wurde aus dem lyrischen Thema des zweiten Satzes das „Liebesthema“ des Films, und der stürmische Anfang des Finales diente als musikalische Beschreibung des Ungeheuers von Loch Ness.

Weniger glückliche Erfahrungen mit Jascha Heifetz machte Miklós Rózsa, als er seine Sinfonia Concertante op. 29 schrieb. Sein langjähriger Freund, der Cellist Gregor Piatigorsky, machte ihm den Vorschlag, für ihn und Heifetz ein Doppelkonzert zu schreiben. Rózsa war von der Vorstellung begeistert und vollendete während der drei Sommermonate des Jahres 1958 das Werk in seinem geliebten Rapallo. Als er den Solisten in Hollywood dann den Entwurf zeigte, war Heifetz nicht zufrieden: Er beschwerte sich über die Ungleichwertigkeit der beiden Solostimmen und die gewichtigere Rolle, die das Cello zu spielen hatte. Rózsa versuchte, diesem Einwand zu entsprechen, erweiterte das Werk und schrieb sogar einen völlig neuen Satz.

Am Ende gefiel Heifetz dieser neue Satz nicht; er erklärte sich aber bereit, den ursprünglichen Mittelsatz (Thema und Variationen) in einer Version mit reduziertem Kammerorchester zu spielen, die der Komponist widerstrebend einrichtete. Heifetz und Piatigorsky machten von diesem Ausschnitt aus dem Konzert sogar eine Aufnahme, doch war das auch der einzige Teil, den sie je spielten. Das gesamte Werk erlebte schließlich in Chicago unter Jean Martinon seine Premiere. Die Kritik fand es zu lang, und der frustrierte Komponist schloss sich dieser Meinung an: Er nahm zahlreiche Striche vor, bevor die Sinfonia concertante endlich ihre druckreife Form erhielt.

Der Cellist eröffnet das Geschehen mit einem kraftvollen Thema, das bald vom Geiger reflektiert wird. Sanft wiegende Terzen der Klarinetten kündigen das Nebenthema an, das zuerst von der Solovioline exponiert wird. Die anschließende Durchführung setzt sich gründlich mit beiden Gedanken auseinander; Höhepunkt ist eine Doppelkadenz, die sich zu einer feurigen Klimax steigert, bevor die Musik in sich zusammensinkt und dem zweiten Thema weicht, das den Beginn der Reprise markiert.

Das Thema des zweiten Satzes wird vom Cellisten exponiert – ein Grund für Heifetz'Verärgerung – und dann zum Gegenstand von fünf teils lyrischen, teils verspielten Variationen. Der Satz endet in einem Augenblick exquisiter Ruhe, doch sogleich wird diese Stimmung von der langen, rhythmisch komplexen Orchestereinleitung des Finales gestört. Die Solisten setzen mit einem lebhaften ungarischen Volkstanz ein, dem Rózsa ein gesanglicheres, einprägsames zweites Thema zur Seite stellt. Die Durchführung enthält eine weitere Doppelkadenz, die Rózsa nach der Uraufführung beträchtlich kürzte, und endlich treibt die Musik unerbittlich dem flüchtigen und atemlosen Vivace zu, mit dem das Werk zu Ende geht.

Frank K. DeWald
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


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