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8.570369 - PAVLOVA, A.: Symphony No. 5 / Elegy (Moscow Radio Tchaikovsky Symphony, Ziva)
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Alla Pawlowa (geb. 1952)
Symphonie Nr. 5 fis-moll/d-moll (2006)

 

Die Komponistin und Musikwissenschaftlerin Alla Pawlowa erwarb 1983 an der Moskauer Gnessin-Musikschule ihren Magistergrad. Anschließend lebte sie bis 1986 in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, wo sie für den bulgarischen Komponistenverband und die bulgarische Nationaloper arbeitete. Von 1986 bis 1989 arbeitete sie in Moskau für den Vorstand der russischen Musikgesellschaft. Seit 1990 lebt sie in New York (sie ist Mitglied der dortigen Komponistinnengesellschaft). Alla Pawlowa hat eine Reihe von Orchesterwerken geschrieben, darunter fünf Symphonien und das Ballett Sulamith (2003-05) nach der 1908 entstandenen Erzählung des berühmten russischen Schriftstellers Alexander Kuprin über die Liebe König Salomons zu Sulamith, einer Arbeiterin aus seinen Weingärten. Dazu kommen weitere Instrumental- und Vokalwerke, die in den USA, Europa und Kanada aufgeführt wurden.

Anmerkungen der Komponistin

Meine fünfte Symphonie entstand im Spätherbst und Winter 2005/06. Auch sie wurde in der altmodischen Weise geschrieben – von Hand. Im Frühjahr arbeitete ich dann an den Orchesterstimmen, und im Juni entstand die Aufnahme mit dem Tschaikowsky-Symphonie-Orchester des Moskauer Rundfunks.

Die fünfte Symphonie hat ein spirituelles Programm. Man kann sich die ganze Symphonie wie eine Sonatenform vorstellen. Der erste Satz ist das Hauptthema, der zweite das Nebenthema, der dritte die Durchführung, und die Sätze vier und fünf erfüllen die spirituelle Rolle einer Reprise. Tatsächlich sind es zwei unterschiedliche „Finales“ – eins subjektiv, eins objektiv.

Der erste Satz bringt mein persönliches Gefühl über das Leben zum Ausdruck. Er steht in fis-moll und hat drei Themen: eine Introduktion (Adagio), ein erstes (Vivace) und ein zweites (Adagio). Nach der Exposition wird das zweite Thema durchgeführt. Man kann sagen, dass der Durchführungsabschnitt auf dem zweiten Thema basiert, aus dem dann Schritt für Schritt der Charakter, das Tempo und das musikalische Material des ersten Themas regeneriert werden. Die Reprise bringt eine weitere Durchführung des ersten Themas. Es gibt viele Modulationen – die wichtigste führt durch die Molltonarten fis – f – b – e – d – fis.

Im zweiten Satz entflieht der Geist der Realität, in dem er über den schönen, prächtigen Mikrokosmos einer weißen Lotos-Blüte meditiert. Es handelt sich dabei um ein Adagio in f-moll, das sich auf neues, selbständiges Material gründet. Ganz am Anfang findet sich ein Kompromiss zwischen den Tonarten f-moll und e-moll. Das ist ein Hinweis auf den kommenden Tonartenplan der Symphonie. Es gibt etliche wichtige Modulationen, wenngleich der Satz in f-moll beginnt und endet. Von großer Wichtigkeit sind in den drei Binnensätzen die Soli der Violine.

Mit einem einsamen Aufschrei kehrt im dritten Satz die reale Welt zurück. Adagio - Vivace lautet die Bezeichnung dieses Teils, der eine weitere Durchführung der Introduktion und des ersten Themas aus dem Kopfsatz darstellt, allerdings auch einige neue Materialien enthält. Er beginnt in f-moll und endet in E-dur, nachdem er verschiedene Modulationen durchlaufen hat (unter anderem: f – c – es – cis – fis und e-moll). Das Violinsolo markiert den tragisch-emotionalen Höhepunkt der Symphonie.

Der vierte und fünfte Satz, ein Largoin e-moll, sowie ein Vivace in d-moll, führen neues Material ein. Diese Musik ist so kostbar wie die letzten Augenblicke des Lebens, in denen man mit dem Herrn spricht. Und im fünften Satz kommt schließlich die Erkenntnis, dass das Wunder des Lebens größer ist als unsere Emotionen und Theorien, weshalb auch der Pfad des Lebens das Ziel ist.

Die Instrumentation der Symphonie ist einfacher und weniger gewichtig als die der vorigen Symphonien für großes Orchester. Die einzigen Blechbläser sind zwei Hörner. Es gibt weit weniger Schlagzeug. Die Streicher bilden das Fundament der Partitur, und die Violinsoli sind besonders wichtig.

Die Elegy für Klavier und Streichorchester entstand als Entwurf für die Titelmelodie des Films The American Healys (1998). Dieser erzählt die tragische Liebesgeschichte von Michael Healy, der seine schwarze Sklavin heiratete und so die Gesetze von Georgia brach. 1999 wurde das Stück zusammen mit anderen Orchesterwerken von Alla Pawlowa von dem Pianisten Peter Izotov und dem Internationalen Symphonieorchester Globalis unter Konstantin Krimets in Moskau aufgenommen. Im nächsten Jahr erschien die Produktion bei Albany.

Alla Pawlowa
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


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