About this Recording
8.570378 - DOPPLER, F. / DOPPLER, K.: Music for Flutes and Orchestra
English  French  German 

Franz Doppler (1821-1883) • Karl Doppler (1825-1900)
Musik für Flöten und Orchester

 

Die Komponisten der Romantik beschäftigten sich vornehmlich mit der Oper, der Symphonik und dem Klavier und haben anscheinend gewisse Instrumente vernachlässigt. So haben die Bläser, obwohl sie doch so bedeutende Orchesterfarben liefern, seinerzeit keine markanten Werke inspiriert, wohingegen sie im 18. Jahrhundert unzähligen Musikfreunden Freude geschenkt hatten. Das Phänomen ist zum Teil auf wichtige Veränderungen im Bau dieser Instrumente zurückzuführen – besonders im Falle der Flöte, für die etliche Jahrzehnte zwei Systeme nebeneinander existierten.

Im Jahre 1814 endete mit Carl Maria von Webers Sonate op. 39 ein Goldenes Zeitalter. Neuheiten kamen dann von Künstlern, die – der Tradition und dem Beispiele Paganinis folgend – zugleich Komponisten und ausübende Musiker waren. Dazu gehörten ganz ohne Zweifel auch die Brüder Doppler, die sich damit Geigern wie Henryk Wieniawski oder Cellisten wie David Popper zugesellten.

Beide Dopplers wurden in Lemberg (dem heutigen Lwow in der Ukraine) geboren – Franz im Jahre 1821, Karl 1825. Ihr Vater war Komponist, wirkte als Oboist an der Warschauer Oper und verhalf seinen Söhnen zu einer soliden musikalischen Grundlage. Franz debütierte als Dreizehnjähriger in Wien, bevor er mit seinem Bruder im Duo auftrat. 1838 wurde er Erster Flötist am Deutschen Theater in Pest, und drei Jahre später am Ungarischen Nationaltheater. In dieser Zeit gab Franz mit mehreren Opern seinen Einstand als Komponist, und so wurde er gemeinsam mit Ferenc Erkel zum Geburtshelfer der ungarischen Nationalmusik. Zusammen mit dem Bruder Karl und mit dem Kollegen Erkel gehörte er 1853 überdies zu den Gründern des ersten ungarischen Symphonieorchesters. Danach gingen die beiden Brüder wieder auf Reisen: Sie konzertierten in Weimar, wo sie Liszt begegneten, und traten 1856 zusammen mit Karl Hubay, dem Vater des berühmten Geigers Jenő Hubay, in London auf. Es sei bemerkt, dass sie stets Adepten der französischen Klappenflöte und des Systems Tulou blieben.

Franz wurde 1858 Erster Flötist an der Wiener Hofoper, wirkte als Dirigent und seit 1865 als Lehrer am Konservatorium der Donaumetropole. Auch hat er die Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt orchestriert.

Karl Doppler folgte dem Beispiel seines Bruders: Er bekleidete verschiedene Posten als Erster Flötist und schuf als Komponist neben einem Singspiel einiges an Bühnenmusik. Sein Honfi dal („Patriotisches Lied”) ist nach wie vor in Ungarn sehr populär. 1865 kam Karl Doppler nach Stuttgart, wo er 33 Jahre lang als Kapellmeister tätig war. Die mitunter als Gemeinschaftsarbeiten entstandenen Kompositionen der Dopplers reflektieren den Geschmack der Zeit. Häufig werden darin ungarische Themen verwendet – ob in den Variations sur un air hongrois, der Fantaisie sur des motifs hongrois oder auch in der berühmten, schönen Fantaisie pastorale hongroise, die dem Geiste der Lisztschen Rhapsodien nahe kommt.

Transkriptionen und Potpourris über Opernmelodien standen beim Publikum sehr hoch im Kurs: Liszt, Glinka und viele andere Komponisten haben ihre Beiträge zu diesen Genres geleistet. Instrumentalvirtuosen teilten sich oft ihre Konzertprogramme mit Sängern. Rigoletto und La Sonnambula gehörten zu den vielfach bearbeiteten Opern. Die Rigoletto fantaisie op. 38 für zwei Flöten ist ein Musterbeispiel: Die Gemeinschaftskomposition von Karl und Franz Doppler nahm in den Konzerten der Brüder zwischen Salonstücken, Variationen und Duetten einen wichtigen Platz ein. Das berühmte Duettino sur des motifs américains op. 37 zitiert Hail Columbia, Boatman Dance und The Star-spangled Banner und endet mit dem unvermeidlichen Yankee Doodle.

Das von Jean-Pierre Rampal und Andras Adorjan wiederentdeckte Konzert für zwei Flöten und Orchester ist ein anspruchsvolleres Werk. Es ist klassischdreisätzig angelegt und erinnert an den jungen Felix Mendelssohn oder an Carl Maria von Weber und überlässt den Solisten eindeutig die Hauptrolle.

Die zur kammermusikalischen Aufführung gedachten Duos sind, anders als das Doppelkonzert, ursprünglich mit einer Klavierbegleitung versehen. Im Auftrag von Patrick Gallois erstellten Risto Keinänen, Jukka-Pekka Lehto und Jani Killönen die vorliegenden Orchesterfassungen, die die Virtuosität der Solisten noch deutlicher zutage treten lassen.

Die Brüder Doppler waren Vorläufer des modernen Flötenspiels, obwohl sie mit der Tradition nicht gebrochen haben. Die französische Schule – man denkt zunächst an Borne und Génin – verdankt ihnen starke Anregungen.

Georges Boyer
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


Close the window