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8.570397 - BOTTESINI COLLECTION (The), Vol. 1
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Giovanni Bottesini (1821–1889)
Gran Concerto in Fis-moll • Gran Duo Concertante

 

Giovanni Bottesini war als ‘der Paganini des Kontrabaß’ bekannt und es liegen viele Beweise dafür vor, das dieses Attribut wohl gerechtfertigt ist. Als Virtuose seines dreisaitigen Instruments war er ein gefragter vortragender Künstler auf beiden Seiten des Atlantik. Seit seiner ersten Konzertreise ins Ausland, von seinem heimatlichen Crema in Norditalien nach Havanna, reiste er sein ganzes Leben hindurch viel und wurde überall, einschließlich an den Höfen der Königin Viktoria, des Zaren Alexander von Rußland und des Kaisers Napoleon III., mit Begeisterung aufgenommen. Er besuchte die USA zum ersten Mal 1847 und Großbritannien 1848 und machte sein Debüt in London im Jahr 1849. Genau wie der Kontrabaß hatte auch Bottesini selbst drei ‘Saiten’ in seinem Leben: er war nicht nur der Virtuose, sondern auch Dirigent und Komponist. Sein spektakulärster Auftritt als Dirigent war zweifellos bei der Premiere von Aida in Kairo (1871) auf Verdis eigene Empfehlung hin, sondern hatte auch derart wichtige Posten wie Musikalischer Direktor und Dirigent in Covent Garden in London und der Italienischen Oper in Paris inne.

Eine volle Wertschätzung Bottesinis als Komponist wird, aufgrund des gegenwärtigen Interesses an seinen Kompositionen, die viel zu lange vernachlässigt wurden, zunehmend möglicher. Er schrieb nicht nur zahlreiche Werke für sein eigenes Instrument; er drückte sich zudem in den unterschiedlichsten musikalischen Formen aus, wie zum Beispiel Kunstliedern, Streichquartetten und großen Opern wie Colón en Cuba (Havanna 1847; gewöhnlich unter dem Titel Christoforo Colombo bekannt), L’assedio di Firenze (Paris 1856), Ali Baba (London 1870) und Ero e Leandro (Turin 1879, komponiert 1875).

Gran Duo Concertante für Kontrabaß, Violine und Orchester wurde zu einer der beliebtesten Kompositionen Bottesinis. Es begann als frühes Werk für zwei Kontrabässe, aber eine Kontrabaß Partitur wurde von Camillo Sivori, dem einzigen Schüler Paganinis’ und zeitweilig auch Bottesinis Begleiter auf Tournee, für die Violine umgeschrieben und erheblich erweitert. Sivori muß von seinem Beitrag eine hohe Meinung gehabt haben, denn er beansprucht die Violinpartie auf der Liste seiner eigenen Kompositionen. Bottesini trat hiernach mit solchen gefeierten Violinisten wie Vieuxtemps, Wieniawski und Papini auf. Ein zeitgenössischer Kritiker schrieb: “Man muß Bottesini mit diesem Stück hören, wenn man herausfinden möchte, welche Möglichkeiten im Riesen der Streichinstrumente stecken; um zu hören, was in Bezug auf Wohlklang, Ton, Leichtigkeit an Ausdruck und Anmut erreicht werden kann.”.

Andante sostenuto für Streicher wurde im April 1886 komponiert. Bottesini war während der ersten Monate dieses Jahres in London aufgetreten, komponierte das Werk jedoch in Neapel, wodurch sich das allgemeine Muster von Bottesinis Lebensweise zu dieser Zeit widerspiegelt: er tendierte dazu, seine Zeit zwischen Arbeit in London und Entspannung in Neapel zu teilen.

Duetto für Klarinette und Kontrabaß wurde bei einem denkwürdigen Anlaß im Royal Italian Opera House, Covent Garden, im September 1865 vorgeführt, bei dem die Klarinette von Herrn Lazarus, dem größten britischen Klarinettisten seiner Zeit gespielt wurde. Es bildete einen Teil eines populären Promenadenkonzerts mit vielen berühmten musikalischen Interpreten, einschließlich Mlle. Marie Krebs und Mlle. Carlotta Patti. Das Duetto folgt in der Hauptsache demselben Muster wie das Gran Duo Concertante, ist jedoch, obwohl es genauso unterhaltend ist und den Interpreten gleichermaßen viel abverlangt, nicht ganz von derselben Größenordnung. Bottesini war sicherlich mit der Klarinette vertraut, da sein Vater ein bekannter Klarinettist war.

Das Gran Concerto in Fis-moll für Kontrabaß und Orchester, wahrscheinlich ein späteres Werk, ist Bottesinis vollendetstes Werk für Kontrabaß. Das früheste Datum, das für eine Aufführung vorliegt, ist Mai 1878; eine Aufführung in London fand im März 1887, zwei Jahre vor Bottesinis Tod, statt. In seinem Gran Concerto gibt sich Bottesini nicht mit der Komposition eines virtuosen Schaustückes zufrieden. Während er die Ressourcen des Instruments völlig ausnutzt (eine Tatsache die dem vortragenden Künstler, jedoch nicht dem Zuhörer bewußt ist), adoptiert er hier einen komplizierteren Kompositionsstil: wir haben eine lange orchestrale Einführung. Die Modulationen sind viel gewagter und führen den Kontrabaß in Tonarten, die nicht so genau wie Klang und Dominante sind.

Bottesini blieb bei seinen Kompositionen der lieblichen italienischen Schule immer treu, jedoch weitere sich in seinen späteren Werken sein Bereich durch den Einfluß seiner ständigen Reisen in anderen musikalischen Klimas aus.

Yngve B. Olsson, 1968
Deutsche Fassung: Elke Davies


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