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8.570469 - RODE, P.: Violin Concertos Nos. 7, 10, 13 (Eichhorn, SWR Kaiserslautern Orchestra, Pasquet)
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Pierre Rode (1774–1830)
Violinkonzerte Nr. 7, 10 und 13

 

Jacques Pierre Joseph Rode wurde am 16. Februar 1774 in Bordeaux geboren. Der Sohn eines Parfümeurs zeigte musikalische Frühreife und wurde im Alter von 13 Jahren von seinem Lehrer André-Joseph Flauvel nach Paris gebracht. Kurz nach seiner Ankunft in Paris wurde er der Meisterschüler von Giovanni Battista Viotti (1755–1824), führender Violinist jener Zeit und Begründer der modernen französischen Violinschule. 1790 bestritt er mit Viottis Violinkonzert Nr. 13 sein Solodebüt. Zugleich wurde er Mitglied im Orchester des Théâtre de Monsieur, wo er seinen langjährigen Weggefährten Pierre Baillot (1771–1842) traf. Rodes Durchbruch erfolgte im Jahr 1792: Während der traditionellen Konzerte in der Karwoche trat er zwischen 1. und 13. April sechsmal auf und spielte unter anderem zwei Viotti-Konzerte, eines davon eine Premiere. Die nächsten sechzehn Jahre führte Rode das Leben eines reisenden Virtuosen, trat aber zugleich in die Violinabteilung des neu organisierten Pariser Conservatoire ein. Dort arbeitete er zusammen mit Baillot und Kreutzer an einem Violin-Lehrplan. Rode wurde zum Soloviolinisten der musique particulière des Ersten Konsuls Napoleon ernannt und war kurzzeitig Soloviolinist an der Opéra. Die Jahre von 1804 bis 1808 verbrachte er in Russland, wo er zum Hofviolinisten des Zaren ernannt wurde. Seine Rückkehr nach Paris markiert eine Schicksalswende: Statt der Welle des Erfolgs, die ihn getragen hatte, seit er mit dreizehn von Bordeaux weggegangen war, reagierte das Publikum auf sein Spiel nur noch lauwarm. Louis Spohr, der ihn vor und nach dem russischen Abenteuer gehört hatte, fand Rodes Spiel nun „kalt und voller Manierismen“. 1811 begann Rode wieder durch Europa zu reisen. Ende 1812 gab er in Wien zusammen mit Erzherzog Rudolph die Premiere von Beethovens Violinsonate op. 96. Die Jahre 1814 bis 1821 verbrachte er in Berlin, wo er seine Frau kennen lernte und heiratete und ein enger Freund der Familie Mendelssohn wurde. Die Mutter von Felix und Fanny Mendelssohn schrieb, nachdem Rodes und seine Frau weggezogen waren, sei der „Charme unserer musikalischen Winterabende ... völlig verschwunden“. 1821 kehrte Rode in die Gegend von Bordeaux zurück, wo er nun in einer Art Halbruhestand lebte. Im Jahr 1828 unternahm er den letzten Versuch eines öffentlichen Konzertes in Paris. Es geriet zu einem solchen Fiasko, dass einige Kommentatoren glauben, es habe seinen Tod am 25. November 1830 mit herbeigeführt.

Rodes Konzerte entstanden in einer Zeit sozialen und musikalischen Umbruchs. Die Ära seines größten Ruhmes fällt zusammen mit der Enthauptung König Ludwigs XVI., der Gewalt und dem Aufruhr der Französischen Revolution, Napoleons Aufstieg und den folgenden napoleonischen Kriegen. Selbst ein verhältnismäßig unpolitischer Musiker wie Viotti fand sein Leben in den 1790er Jahren völlig verändert: Als Ausländer erregte er den Argwohn sowohl der Royalisten als auch der Revolutionäre und musste Paris 1792 verlassen. Rode und seine von Viotti beeinflussten Kollegen hatten gut aufgepasst—Stil und Technik der Konzerte französischer Schule beeinflussten Beethoven und die gesamte Konzerttradition. Zu diesem Stil gehörte eine herausgehobenere Rolle des Solisten und größere Expressivität, die sich teilweise den Möglichkeiten des neuen Tourte-Bogens verdankte. Nach der Ausschaltung Ludwigs XVI. und der Errichtung der Republik wurden in einem Ausbruch von Enthusiasmus und Energie alte royalistische Institutionen neu eingerichtet. Eine der neuen Institutionen, die alte königliche oder kirchliche Einrichtungen ersetzen sollten, war das Pariser Conservatoire, formell gegründet per Gesetz im Jahr 1795. Rode gehörte zu den ersten Violinprofessoren; eine seiner ersten Aufgaben war es, zusammen mit seinen Kollegen einen Lehrplan zu erstellen. Das pädagogische Moment war nie weit weg für Rode und die anderen, denn es war ein wesentlicher Bestandteil der Energie, welche die Revolution freigesetzt hatte. Rodes 24 Capricen und Kreutzers 40 (später 42) Etüden gehören bis heute zu den am meisten studierten Lehrstücken für Violine aller Zeiten. Neben dem pädagogischen Element, das Hand in Hand ging mit dem von der Revolution gewollten Neuanfang, war Rodes Ära ein eminentes Zeitalter der Oper. Seine Konzerte mit ihrer Betonung der Gesangslinie spiegeln das wider. Sein Solodebüt im Jahr 1790 gab er angeblich zwischen Opernakten, und die Karwochen-Konzerte 1792 wurden in jener Zeit des Jahres gegeben, als die Theater per Gesetz geschlossen waren. Die letzten Jahre des 18. Jahrhunderts sahen schließlich das Aufblühen der Romantik. So klassisch die Konzerte von Rode und seinen Kollegen für unsere heutigen Ohren auch klingen, das Bestreben der Komponisten französischer Schule war durch und durch romantisch. Das wird deutlich in Baillots Zusammenfassung von Theorie und Technik der französischen Schule „L’Art du violon“ (1834); die Einfälle des Violinisten entsprängen „dem Herzen des kreativen Enthusiasmus für die Natur“, heißt es darin. Rodes Musik ist Ausdruck einer neuen romantischen Sensibilität, die den Solisten als Virtuosen und als Hauptperson betrachtet. Seine Musik wurde in Tumult und Revolution geboren, und seine Konzerte sind Marksteine in der Entwicklung des Geigenspiels und speziell des Violinkonzertes.

Rodes dreizehn Violinkonzerte sind nach dem Interesse, das ihnen das 19. Jahrhundert entgegengebracht hat—Wieniawski schrieb für das Violinkonzert Nr. 7 eine Kadenz –, in Vergessenheit geraten. Seine bekannteste Komposition ist jenes Violinkonzert Nr. 7 in a-Moll, geschrieben wahrscheinlich 1803. Zusammen mit dem Violinkonzert Nr. 1 ist es eines der wenigen fremden Werke, die Paganini neben seinen eigenen zu spielen bereit war. Die ersten Sätze von Rode-Konzerten sind typischerweise moderato oder in einem vergleichbaren Tempo gehalten und enthalten drei Solo- Abschnitte. Das erste Solo ist das längste und gewichtigste, das zweite hat üblicherweise eher kontrastierenden Charakter als dass es vorheriges thematisches Material entwickelt. Der dritte Solo-Abschnitt wiederholt in der Regel thematisches Material aus dem ersten, wobei Rode in diesem Abschnitt manchmal auch neues Material einführt. Im ersten Satz des Konzertes Nr. 7 mit der Bezeichnung Moderato beginnt der Solist nach der Orchester-Einleitung mit einem Thema, das mit einem absteigenden a-Moll-Dreiklang anhebt. Nach Passagenwerk und einem Wechsel zu Dur spielt der Solist ein liebliches dolce-Thema, das bereits in der Orchester-Einleitung zu hören war. Der Satz bearbeitet diese Elemente neu, eine Kadenz dient als Brücke zwischen dem zweiten und dritten Solo-Abschnitt. Das Adagio ist ein Lied in ABA-Form, während das Rondo ein lebhaftes Stück in Rodes bester humorvoller Manier ist.

Der erste Satz Moderato von Rodes Violinkonzert Nr. 10 in b-Moll, geschrieben wahrscheinlich zwischen 1804 und 1808, beginnt mit einer martialischen Äußerung des Orchesters, das anders als im Konzert Nr. 7 Trompeten enthält. Nach den üblichen Abläufen tritt der Solist mit einer dramatisch-lyrischen Äußerung auf, die nach Passagenwerk in eines der für Rode kennzeichnenden dolce-Themen übergeht. Das erste Solo endet in einer Welle von Passagenwerk mit einem Triller am Schluss. Der nächste Auftritt des Solisten bringt eine Passage mit Doppelgriffen—verhältnismäßig selten bei Rode—und später Triolen. Von seinem achten Konzert an verknüpft Rode den zweiten und dritten Satz oft durch eine Kadenz der Solo-Violine, so auch im Adagio seines zehnten Konzertes. Das folgende Tempo di polacca ist ein fröhlich-spritziger Abschluss.

Das Violinkonzert Nr. 13 in fis-Moll / A-Dur wurde posthum publiziert und ist Rodes altem Mitstreiter Baillot gewidmet. Das eröffnende Allegro comodo beginnt leise mit einem Thema, das mit einer Halben anhebt; es wird vom Solisten aufgegriffen und formt dann ein Muster: Halbe, gefolgt von Vierteln, Achteln und Triolen, die den Satz zusammenhalten. Das schöne Adagio führt wie im Konzert Nr. 10 über eine Kadenz zum Finale, hier einem 6/8-Allegretto, welches das dreizehnte Konzert effektvoll und freudig abschließt.


Bruce R. Schueneman
Deutsche Fassung: Thomas Theise


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