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8.570583 - FROLOV: Concert Fantasy on themes from Gershwin's Porgy and Bess / Divertissement / Romance / Spanish Fantasy
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Igor Alexandrowitsch Frolov (geb. 1937)
Kompositionen und Arrangements für Violine und Klavier

 

Igor Alexandrowitsch Frolov wurde 1937 in Moskau geboren. Sein Vater war Geigenlehrer, Dirigent und Erster Geiger beim Staatlichen Rundfunksymphonieorchester, seine Mutter arbeitete als Klavierbegleiterin der Violinklassen von David Oistrach und Abram Yampolsky am Moskauer Konservatorium. Igor wuchs vom ersten Tag seines Lebens an mit Musik auf. Wenn er erwachte und wenn er einschlief, hörte er seine Eltern und deren Schüler auf dem Klavier und der Geige spielen. Diese häusliche Umgebung mit ihrer Fülle an Musik ließ es nur natürlich erscheinen, dass das Kind ein Instrument lernen wollte – und wie so oft in Musikerfamilien wurde Vater Frolov der erste Lehrer seines Sohnes, der noch heute als Erinnerung an seine Eltern die kleine Geige aufbewahrt, auf der er angefangen hat. Mit fünf Jahren wurde er Schüler des bekannten sowjetischen Pädagogen Boris Belenky, und 1955 kam er ans Moskauer Konservatorium, wo er sein Studium zunächst bei Abram Yampolsky, einem der Gründer der sowjetischen Violinschule, fortsetzte. 1965 schloss er seine musikalische Ausbildung in der Klasse von David Oistrach ab.

Frolovs musikalische Berufslaufbahn begann 1957, als er – im zweiten Jahr am Konservatorium – den Wettbewerb des Internationalen Jugend- und Studentenfestivals gewann. In den nächsten Jahren beteiligte er sich mit Erfolg an nationalen und internationalen Wettbewerben: Er war einer der Finalisten im Allunions-Violinwettbewerb von 1959, beim Internationalen Enescu-Wettbewerb in Bukarest (1961) und beim Internationalen Wettbewerb Marguerite Long-Jacques Thibaud in Paris (1969). Seit jener Zeit hat Frolov seine Karriere als ausübender Musiker fortgesetzt. Verschiedene Tourneen durch die Sowjetunion bzw. Russland führten ihn von den renommiertesten Moskauer Konzertsälen bis in die kleinsten Städte Sibiriens. Oft gastiert der Künstler auch in Spanien, Indien, Schweden, der Schweiz, Finnland, Großbritannien und den Ländern des ehemaligen Warschauer Pakts. Er tritt mit anderen Künstlern, als Solist und mit vielen Orchestern und Kammermusik- Ensembles auf. Er ist künstlerischer Leiter und Dirigent der Moskauer Camerata, die Igor Shukov in den neunziger Jahren gründete. Obwohl Frolov gern auf Reisen geht und Konzerte gibt, freut er sich doch immer wieder auf seine Heimkehr nach Moskau und seine Arbeit als Professor am Konservatorium.

Frolov hat nie offiziell Komposition studiert. Die Anregung kam von David Oistrach, der ihm vorschlug, zu Mozarts fünftem Violinkonzert eine neue Kadenz zu schreiben. Frolov brachte gleich drei Kadenzen, doch dieser Versuch war für viele Jahre der einzige: Seine erste Komposition erschien erst 1989. Trotz der klassischen Tradition, in der er aufwuchs, hatte er schon in seiner Kindheit ein Faible für den Jazz, der freilich während seines Studiums am Moskauer Konservatorium verboten war. Es war praktisch nicht möglich, irgendwelche Aufnahmen zu bekommen, weshalb Frolov sich ausländische Kinofilme ansah und zu Hause versuchte, die Harmonien und Improvisationen seiner Lieblingsmelodien nachzuahmen. Das Interesse an dieser Art von Musik hat er sein ganzes Leben lang behalten, und in vielen seiner Werke findet man Jazz- Elemente. Da er als Geiger über gründliche praktische Kenntnisse verfügt, ist seine gesamte Musik gut für das Instrument geschrieben. Seine Kompositionen und Arrangements für ein oder zwei Violinen werden in Russland und im Ausland häufig von Geigern wie Maxim Vengerov, Vadim Repin und anderen gespielt.

In der Etüde Nr. 1 für Violine und Klavier griff Frolov auf Kreislers Studie für die rechte Hand zurück, um dazu eine Klavierbegleitung zu schreiben. Die einzige Veränderung, die er an der Violinstimme vornahm, betrifft das Tempo: Er will das Stück zweimal so schnell wie das Original gespielt wissen, so dass die Aufführung kaum mehr als dreißig Sekunden dauert. Das atemberaubende Tempo und der virtuose Satz bieten dem Spieler erhebliche Aufgaben, während es das Publikum gern als Zugabe hört.

Das Liebeslied stammt von Hermínio de Almeida, einem brasilianischen Forscher, Komponisten und Arrangeur klassischer und populärer Musik. Die romantische und leidenschaftliche Melodie ist in Frolovs eigener Wiedergabe zu hören.

Die Spanische Fantasie für Violine und Klavier entstand während einer Tournee in Barcelona. Spanien gehört zu den Lieblingsländern des Komponisten, und in diesem Stück schildert er seine Eindrücke von der Stadt und ihrer energiegeladenen, optimistischen, überschäumend lebensfrohen Musik.

Dym für zwei Violinen und Klavier nach dem Song Smoke Gets in Your Eyes aus Jerome Kern Musical Roberta beginnt mit den ersten acht Takte der Originalmelodie, die dann entwickelt werden. Die Klavierstimme und der neue Mittelteil stammen von Frolov selbst. Den Mittelteil und die Klavierbegleitung hat er selbst komponiert. Hier wechseln lyrische Episoden der Solovioline mit einem leidenschaftlichen Duo der Violinen, und am Ende zergeht die Musik im Nichts – wie eine Rauchwolke, die sich in der Luft auflöst.

Scherzo-Souvenir für zwei Violinen und Klavier entstand für einen Wettbewerb der Moskauer Musikschulen. Das lebhafte, verspielte und funkelnde Stück wird nach zwei Dritteln seines Weges langsamer, um dann neue Kraft zu sammeln und mit einer überraschend verhaltenen Coda einen spannenden Schlusspunkt zu setzen.

Das Stück im Stil eines Blues für Violine und Klavier schrieb Frolov während einer USA-Tournee. Darin hat er seine melodischen Einfälle in der entspannten Atmosphäre eines mäßigen Tempos entfaltet.

Das Divertissement für zwei Violinen und Klavier schrieb Frolov 1979 für seine Tochter, die an einer Moskauer Musikschule Geigenunterricht bekam. Der Anfang des Werkes erinnert an die Musik der alten Meister, insbesondere an Johann Sebastian Bach. In der ersten Minute bewegt sich das Stück sehr allmählich und unerwartet auf einen energischen, lebhaften Jazz- Abschnitt zu, und dieser Impuls bleibt bis zum Ende erhalten, obwohl es einige wenige Versuche gibt, zur Stimmung der Anfangstakte zurückzukehren. Die schön gesetzte Komposition ist ein witziges, unterhaltsames und funkelndes Juwel.

Das Duett im alten Stil für zwei Violinen komponierte Frolov bei einer Tournee durch Irland, und zwar wiederum für seine Tochter. Auch hier gibt es ein Thema im Stile Bachs mitsamt Trillern und Verzierungen, das die klassische Ausbildung des Verfassers reflektiert. Langsam, gemessen und ernst entfaltet sich der lyrische Dialog der beiden Geigen, bevor ein rascherer, rhythmisch kräftigerer Mittelteil erklingt.

The Easy Winners – Ragtime ist ein Arrangement des Stückes von Scott Joplin für zwei Violinen und Klavier. Joplins Anfangstakte sind sehr lebhaft und unterhaltend eingerichtet, der Mittelteil und die Klavierbegleitung stammen wieder von Frolov.

Die Melodie stammt von Hermínio de Almeida. In seinem Arrangement für Violine und Klavier präsentiert Frolov die schöne, verträumte und romantische Melodie mit transparenten Texturen und einem lyrischatmosphärischen Satz.

Der Schwedische Abschiedswalzer für Violine und Klavier ist die Einrichtung eines Stückes von Serge Gais. Nach einem Konzert in Stockholm entdeckte Frolov bei einem Bankett auf der letzten Seite der Speisekarte ein Fragment der Melodie, die er in der kommenden Nacht für Klavier und Violine bearbeitete. Bei seinem Konzert am nächsten Abend spielte er das neue Stück als Zugabe. Als er mit einer stehenden Ovation geehrt wurde, war der Komponist sehr überrascht, da er nicht wusste, dass er eine der beliebtesten Melodien Schwedens arrangiert hatte. Er gab der Bearbeitung den Namen Schwedischer Abschiedswalzer.

Die Romanze für Violine und Klavier aus dem Jahre 1989 ist Frolovs erstes eigenes Werk. Sie wurde sehr populär und ist oft in Russland und im Ausland zu hören. Das leidenschaftliche, körpervolle und expressive Stück erkundet die gesanglichen Qualitäten des Instruments.

Die Konzertfantasie über Themen aus Gershwins „Porgy and Bess“ op. 19 für Violine und Klavier datiert von 1991. Das Stück entstand in der kurzen Zeit von drei Wochen und ließ den Komponisten keinen Schlaf finden. Frolov nennt die Kreation „ein Gedicht über die Liebe“. Es ist die Geschichte zweier sehr verschiedener Menschen, die sich trotz aller Hindernisse ineinander verlieben. Am Anfang steht eine kurze Klaviereinleitung, worauf ein Thema von Porgy in der Violine erscheint. Verwendet werden außerdem Serena’s Lament, Sportin’ Life und Summertime. Das Werk bringt mehrere Stimmungswechsel und eine Vielzahl virtuoser Passagen für die Geige, bevor die anspruchsvolle, bei Musikern und Publikum gleichermaßen beliebte Fantasie von einer brillanten Coda beendet wird.

Das populäre For Heaven’s Sake („Um Himmels Willen“) der Songschreiber Don Meyer, Elise Bretton und Sherman Edwards ist hier Konstantin Dyubenkos Arrangement für Violine und Klavier zu hören.

Anastasia Belina
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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