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8.570726 - SYMPHONIC BRASS
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Symphonische Blasmusik
Verdi • Bizet • Gershwin • Elgar • Brahms • Williams • Holst • Tschaikovskij • Walton

 

Verbindungen zwischen britischen Brass Bands und der übrigen Musikwelt sind nichts Neues, auch wenn es um diese Beziehungen mit der stetig steigenden Zahl guter Transkriptionen heute besser denn je bestellt ist. Der Trend nahm seinen Anfang in den 1930er Jahren, als Denis Wright eine Reihe von Werken von Komponisten wie Bach, Händel, Tschaikovskij, Grieg und Elgar bearbeitete, die dann auch, gespielt von führenden Bands, bei der BBC erklangen, zu jener Zeit, als Wright innerhalb der Musikabteilung der BBC die Band Section gegründet hatte. Die Beziehungen wurden dann in den 1940er Jahren nochmals enger, als sinfonische Dirigenten wie Boult, Barbirolli und Sargent Aufführungen dieser Werke leiteten, wobei namentlich die in der Royal Albert Hall und anderen bedeutenden Konzertsälen organisierten Großanlässe hervorzuheben sind. Sargent steuerte sogar selbst einige Transkriptionen bei, von denen er dann einige auch mit Harry Mortimer’s Men o’Brass aufnahm.

Das Gegenstück zur Transkription ist das Arrangement, auch wenn manch’ einer hier einwenden mag, dass dort, wo die Transkription sich möglichst genau an das Original hält, das Arrangement eher von diesem abzuweichen pflegt, da eben auch musikalische Ideen des Arrangeurs miteinfließen. Gleichwohl hat es sich heutzutage eingebürgert, den Begriff des Arrangeurs zu verwenden, unabhängig davon, ob es sich bei der Arbeit um eine Transkription oder ein Arrangement handelt. Die Kunst der Transkription hat sich dann in den nachfolgenden Jahren wiederum weiterentwickelt, etwa mit Transkriptionen größer angelegter Werke wie Elgars Enigma Variations durch Eric Ball, einen der führenden Brass Band Komponisten, Dirigenten und Juroren, oder auch Mussorgskijs kolossalen Bilder einer Ausstellung durch den Trompeter, Komponisten und international renommierten Dirigenten Elgar Howarth. Ursprünglich für das Philip Jones Brass Ensemble gesetzt, entstand später dann auch eine Fassung für Standard Brass Band. Gustav Holsts Orchestersuite The Planets erschloss dann Stephen Roberts den Brass Bands, ein bekannter Dirigent und Juror, der zudem 20 Jahre als ausgezeichneter Hornist im Fine Arts Brass Ensemble gewirkt hat.

Viele weitere hervorragende Transkriptionen wurden zu dieser Zeit von ehemals professionellen Trompetern erstellt, unter ihnen Howard Shell, der viele Jahre als Solotrompeter im London Symphony Orchestra wirkte, und Ray Farr, der im BBC Radio Orchestra spielte. Bram Gay, eine weitere Koriphäe in der Brass Band Welt, war ebenfalls zuerst Trompeter, ehe er später dann Orchestermanager am Royal Opera House, Covent Garden wurde. Er transkribierte die kompletten Orchesterstimmen zu Mozarts Zauberflöte. Die vorliegende Aufnahme bietet einen Querschnitt von hervorragenden Transkriptionen, von denen einige aus früheren Tagen stammen, eine ganze Reihe anderer aber auch in Fortsetzung dieser Tradition in jüngerer Zeit entstanden sind.

Der 2. Titel führt uns zurück ins Jahr 1936, jenem Jahr, in dem Denis Wright seine bemerkenswerte Transkription von Brahms’ Akademischer Fest- Ouvertüre ‚modernisierte’. Brahms selbst hatte sein Werk als „ein sehr lebhaftes Potpourri von Studentenliedern im Stile Suppés“ bezeichnet.

Titel 11, jene wohl einprägsamste musikalische Dichtung Elgars, Nimrod, stammt aus den monumentalen, 1899 entstandenen Enigma Variations, die Eric Ball – so etwas wie der Elgar der Brass Band Welt – 1983 transkribiert hat.

Aus Gustav Holsts Suite The Planets erklingt hier Jupiter, the Bringer of Jollity, der vierte der von Holst musikalisch 1916 porträtierten Planeten. Der Satz, der gemeinhin auch unter dem Titel I Vow to Thee My Country bekannt ist, erklingt hier in einem 1996 von Stephen Roberts erstellten Arrangement.

Bei Alan Fernie handelt es sich um einen der gegenwärtig produktivsten Komponisten für Brass Bands. Und so nimmt sein Werk hier denn auch einigen Raum ein, beginnend mit seinem Arrangement des spektakulären Triumph-Marsches aus Verdis Aida. Verdis Oper entstand als Auftragsarbeit im Rahmen der Festlichkeiten zur Eröffnung des Opernhauses zu Kairo. Die Uraufführung fand mit großem Erfolg am Weihnachtsabend des Jahre 1871 statt. Der Triumph- Marsch ist das Zentrum des 2. Aktes, für den Verdi eigens sogenannte Aida-Trompeten herstellen ließ, die sich äußerlich an historischen, altägyptischen Vorbildern orientierten.

Fernies nächster Beitrag ist seine Suite aus Bizets Carmen. Obschon das Werk heute zu den beliebtesten Opern überhaupt zählt, fiel sie bei ihrer Pariser Uraufführung im Jahre 1875 beim Publikum durch. Tragischerweise starb der Komponist bereits drei Monate darauf und konnte den später einsetzenden enormen Erfolg seiner Oper nicht mehr selbst erleben. Die fünf wohlbekannten Opernausschnitte dieser Suite stehen in wunderbarem Kontrast zueinander und spiegeln deutlich den spanischen Charakter des Werkes wider. Am Schluss der Suite steht der berühmte Chanson du Toréador.

Auch die zweite hier aufgenommene Suite ist ein Werk Fernies, wobei als Quelle diesmal George Gershwins bahnbrechende, erstmals 1935 in New York gegebene ‚American Folk Opera’ Porgy and Bess diente. In seinem Werk verwendete Gershwin Idiome aus Jazz und Blues im Rahmen einer großen Oper. Es gab zahlreiche Wiederaufnahmen dieser Oper, unter ihnen im Rahmen einer Europatournee von 1950-52 auch ein überaus erfolgreiches 17-wöchiges Gastspiel in London. Im Zentrum der Oper, die 1959 auch verfilmt wurde, steht der verkrüppelte Bettler Porgy und seine Liebe zu Bess, einer umschwärmten Schönheit aus den Slums. Die Suite besteht aus vier bekannten Liedern der Oper, die durchweg bewundernswert auf das Idiom der Brass Band abgestimmt sind.

Der letzte Beitrag Fernies ist eine Transkription von Sir William Waltons Spitfire Fugue aus dem Soundtrack zum Film The First of the Few. In diesem 1942 entstandenen Film geht es um die Geschichte des R. J. Mitchell, dem Designer jenes legendären Kampfflugzeugs, das die Royal Air Force so wirkungsvoll in der Luftschlacht um England eingesetzt hat. Die Transkription trägt Waltons Vorliebe für Blechbläser Rechnung.

Die Musik der übrigen Titel wurde von einer jüngeren Gruppe prominenter Arrangeure beziehungsweise Komponisten geschaffen. Zuerst hören wir aus Bizets 1863 uraufgeführten Oper Les Pêcheurs De Perles das berühmte Duett Au Fond du Temple Saint in einem Arrangement von Goff Richards, einem außerordentlich produktiven Brass Band Komponisten, wobei namentlich die beiden Euphonien der Band sehr effektvoll eingesetzt werden.

Bleiben wir bei Bizet: im 10. Titel hören wir die quirlige Farandole aus der Schauspielmusik zu Alphonse Daudets Stück L’arlésienne. Das Arrangement stammt von Howard Lorriman, der in jüngerer Zeit mit verschiedenen hervorragenden Transkriptionen Erfolge feiern konnte. Dabei ist Lorriman eigentlich Lehrer und derzeit Musikdirektor an der Batley Grammar School in Yorkshire.

Der vorletzte Titel entstammt der Musik zum Film Saving Private Ryan von 1998 – einer von über 100 Filmmusiken des legendären John Williams. Regie führte ein anderer Gigant des Films, Steven Spielberg, der die tragische Geschichte von vier Brüdern erzählt, die während des 2. Weltkrieges in der US-Army dienten. Die hochemotionale Hymn to the Fallen erklingt während des Filmabspanns und wurde von Klaas van der Woude arrangiert, einem Lehrer und Arrangeur, der die belgische Brassband De Bazuin Oenkerk leitet.

Zum Abschluss dieser CD hat Nicholas Childs eine der wohl populärsten Transkriptionen des sinfonischen Repertoires ausgewählt: Tschaikovskijs Festouvertüre 1812. Das Werk entstand 1880 in Erinnerung an den abgeschlagenen Feldzug Napoleons, wobei die läutenden Glocken Moskaus die Niederlage Napoleons feiern. Diese Aufnahme vereint noch einmal die berühmten Gebrüder Childs, die jahrelang gleichsam als Rawicz und Landauer des Euphoniums galten, hier nun aber als Dirigent und Arrangeur zusammenarbeiten, wobei Robert Childs das Arrangement besorgte, das sein Bruder Nicholas dirigiert.

Roy Newsome (2007)
Deutsche Fassung: Matthias Lehmann

 


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