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8.570897 - MOZART, W.A.: Masonic Music (Complete) (Heo Young-Hoon, Kassel Spohr Chamber Orchestra, Paternostro)
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Maurerische Musik

 

Bis heute pflegt die Freimaurerei in ihrem weltweiten Erscheinungsbild verschiedene, ja gegensätzliche Prioritäten: In den katholisch beherrschten Ländern des romanischen und des lateinamerikanischen Raums verstand sie sich als republikanische und antiklerikale Reformbewegung, war verboten und stand unter Kirchenbann. In protestantischen Ländern wie Deutschland, England, Schweden oder den USA agierte sie meist legitimistisch und zählte Könige, Bischöfe und Präsidenten zu ihren Mitgliedern. Das hat sich in bald 300 Jahren maurerischer Geschichte—ihr Beginn wird mit 24. Juni 1717, dem Tag des Zusammenschlusses von fünf Londoner Logen zur ersten Großloge, angenommen—zumindest tendenziell nicht geändert. Allen gemeinsam aber ist das Ziel: die Veredelung des Menschen vom rauen zum geschliffenen Stein, der sich in den Tempel der allgemeinen Menschenliebe fügt und die Welt so den Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit um den Bruchteil eines Millimeters näher bringt. Dieser Vorgang vollzieht sich in drei Graden: Lehrling, Geselle und Meister, der allerdings nach Erreichung des  dritten Grades erst recht wieder als lebenslanger Lehrling die Arbeit an sich selbst und seiner Umwelt aufzunehmen hat.

Unter dem Dach der jeweiligen Großloge arbeiten die Logen (in Österreich heute 67 mit durchschnittlich je 42 Mitgliedern) nach alten symbolischen Ritualen: Die Brüder treten in den Tempel ein. In vielen Systemen folgt ein Vortrag zu einem gesellschaftlich relevanten (aber nie parteipolitischen oder konfessionsfeindlichen) Thema. Beim gemeinsamen Mahl wird das Thema des Vortrags diskutiert.

 

Musik der Freimaurer

Diese emotionalen und spirituellen Vorgänge wurden—und werden heute naturgemäß weitgehend über Tonträger—durch Musik verstärkt. Gesungen wurde schon in der Vorzeit der Freimaurerei, die sich aus den Dombauhütten des Mittelalters herleitet: Eine intellektuelle und künstlerische Elite errichtete damals mit den Instrumentarien der Ästhetik und der Naturwissenschaften Bauwerke, die alle temporären Verfinsterungen des Aberglaubens überdauerten. Der Auftraggeber, die Kirche, war allerdings paradoxerweise zugleich Hauptverursacher des Dunkels, das über der mittelalterlichen Welt lag. Und so fanden sich die Dombaumeister mit ihren Gesellen und Lehrlingen an geheimen Orten zusammen, um ihr besseres Wissen zu pflegen und weiterzugeben. Später, als man einander in den Hinterzimmern von Wirtsstuben traf, war das gemeinsam gesungene Lied schon fester Bestandteil des Ablaufs. Bücher mit maurerischen Texten, meist auf bekannte Melodien zu singen, wurden in großer Zahl aufgelegt. Auch in den Militärlogen, die sich im 18. Jahrhundert von England bis Asien und Amerika ausbreiteten, war die Musik bedeutsam. Die Brüder achteten auf die humanitäre Grundausstattung des barbarischen Kriegshandwerks, und die Musik sollte das Ihre tun: Statt Stimulans für kollektives Töten und Sterben zu sein sollte sie die Restanbindung an die Zivilisation gewährleisten.

Aus der Stimmung der militärischen Blasinstrumente ergaben sich wohl die ersten Ansätze zur maurerischen Tonartensymbolik. Und die hat vorrangig mit der Zahl 3 und dem Vorzeichen b zu tun. Drei ist in der Freimaurerei die wichtigste Zahl, der Konsonant „B“ steht in der Bibel im Zusammenhang mit dem Salomonischen Tempel, der das ideale Menschheitsgebäude symbolisiert. Die Tonarten mit drei „b“ aber sind Es-Dur und c-Moll: die freimaurerischen Tonarten, wie sich an Mozarts berühmtesten einschlägigen Werken exemplifizieren lässt. Es-Dur ist die Grundtonart der „Zauberflöte“. Und die „Maurerische Trauermusik“ führt von c-Moll über Es-Dur nach C-Dur: zur reinen, weil vorzeichenlosen Erlösungs- und Verklärungstonart.

Es-Dur bezeichnet dabei die sozusagen offizielle maurerische Erkennungstonart, c-Moll steht für das symbolische Sterben und C-Dur für das Auferstehen als besserer Mensch im Meistergrad. Mozart hat die maurerische Tonartensymbolik noch erweitert: Geht es um den ersten Grad, den des Lehrlings, wählt er gern F-Dur mit nur einem b (etwa in Sarastros Arie „O Isis und Osiris“ ganz zu Beginn von Taminos Inititationsweg). Den zweiten Grad, den des Gesellen, bezeichnet B-Dur mit den beiden b (etwa die Fanfare, wenn Tamino und der einschlägige Versager Papageno schon mitten in den Prüfungen stehen).

Außerdem bezog Mozart die Tonart A-Dur (mit den drei Kreuzen) in seinen maurerischen Kosmos ein. In ihr stehen einige der wichtigsten Werke für die Brüder Stadler, die bedeutendsten Klarinettisten ihrer Zeit. Beide waren Freimaurer, und für sie entstanden das Klarinettenkonzert und das Klarinettenquinett, die in der Loge aufgeführt wurden. Und schließlich finden sich in Mozarts freimaurerischem Schaffen auch G-Dur und das extreme g-Moll – vermutlich, weil auch der Konsonant „g“ in der Freimaurerei starke symbolische Bedeutung genießt. G-Moll ist in der „Zauberflöte“ die Tonart der existentiellen Bedrängnis: In g-Moll werden die Selbstmordversuche Paminas (Arie „Ach, ich fühl’s“) und Papagenos („Nun wohlan, es bleibt dabei“, ehe er sich erhängen will) angebahnt, und die Königin der Nacht artikuliert in dieser Tonart die Verzweiflung über den Verlust der Tochter („Zum Leiden bin ich auserkoren“).

An Mozarts Werk lassen sich die drei Formen freimaurerischer Musik gut darstellen:

O Die Logengesänge – Chöre oder Soli, meist mit Klavier- oder Orgelbegleitung – waren früher starke Bestandteile des Rituals: In der Loge wurde zu Beginn und am Ende der Arbeit wie beim anschließenden Mahl gesungen. Die Lieder sind naturgemäß von einfacher Beschaffenheit, weil sie für jedermann singbar sein mussten. Mozart schrieb dreizehn Logengesänge zu verschiedenen Anlässen, fünf der Partituren sind verschollen.  Weitere Beispiele stammen etwa von Rameau, von Goethe und dem Komponisten Johann Nepomuk Hummel für die Amalienloge in Weimar, vom Dichter Matthias Claudius sowie vom Opernkomponisten Albert Lortzing. Aufträge für Logenlieder wurden auch an Nicht-Freimaurer vergeben. So schrieb Schiller die wesentlich radikalere Urfassung der „Ode an die Freude“ (später vom wahrscheinlichen Freimaurer Beethoven in die Neunte integriert) für eine Loge.

O O Die instrumentalen Ritualmusiken begleiten symbolische Vorgänge in der Loge. Beispiele sind die „Maurerische Trauermusik“ oder die Adagios KV 410 und 411. 
Der einzige Namhafte, der einen ganzen deklarierten Zyklus von Ritualmusiken für alle maurerischen Grade schuf, war Jean Sibelius. Bruder Duke Ellington schrieb sich die Musik für seine Aufnahmezeremonie selbst.

O Ein nur spekulativ zu behandelndes Thema ist die maurerische Symbolik in Werken, die nicht für die Loge gedacht sind. So besteht die Vermutung, Mozarts drei letzte Symphonien gäben das maurerische Leben in den drei Graden wieder, zumal sie tatsächlich einen Bogen zu spannen scheinen: von Es-Dur, der maurerischen Grundtonart, über g-Moll, die Todestonart, nach C-Dur, der Verklärungstonart. Den Weg der Initiation mit historischen Signalen bezeichnet Beethovens „Chorphantasie“ (c-Moll, Es-Dur, C-Dur!). Und auch im dritten Satz der Neunten tauchen, noch dazu in der maurerisch relevanten Zahl sieben, Signale aus dem damaligen Ritual auf.

 

Mozart und die Freimaurerei

 Als Wolfgang Amadeus Mozart am  Dienstag, dem 14. Dezember 1784, in die Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit“ aufgenommen wurde, war die österreichische Freimaurerei 42 Jahre alt und seit ihrem Bestehen mit dem Kirchenbann belegt. Den hatte Papst Clemens XII. schon 1738 über den Bund verhängt. Da der Vatikan allerdings eher als machtpolitische denn als theologische Institution eingeschätzt wurde, oblag die Umsetzung des Banns dem Gutdünken des jeweiligen Herrschers. In Österreich war das bis zu seinem Tod im Jahr 1765 Kaiser Franz I. gewesen—ein Freimaurer seit 1731 und damit Bruder des Preußenkönigs Friedrich II., genannt: der Große. Er war der Todfeind von Franz’ Gattin und Nachfolgerin Maria Theresia. Die Kaiserin  begegnete dem Bund auch insofern feindselig, als sie hinter den regelmäßigen unüberprüfbaren Abwesenheiten ihres Ehemanns eher erotische als selbstveredelnde Motive vermutete. Mehrfach verbot sie die Freimaurerei, doch das war bloß ein formaler Akt. Im Gegenteil: An Maria Theresias Hof begann der Bund sachte das Kommando zu übernehmen. Nach ihrem Tod 1780  trat ihr Sohn Joseph II. ins Amt: ein  Aufklärer par excellence, aber auch das, was man heute einen Kontroll-Freak nennt. In Österreich herrschte damals das Chaos der Systeme. Allein in Wien arbeiteten vierzehn Logen, unter ihnen mehrere esoterisch-rosenkreuzerischer Prägung. An Josephs Hof aber hatte die radikal rationalistische Gegenfraktion die Macht übernommen: die Illuminaten, ein in Bayern u. a. vom bis heute geläufigen Freiherrn von Knigge begründeter Geheimorden, der die mächtige Freimaurerei unterwandern wollte, um antiklerikale und republikanische Ziele zu verwirklichen. Tatsächlich wurden in Österreich auf Betreiben von Freimaurer-Illuminaten Folter und Hexenverfolgung abgeschafft, die Schulreform auf den Weg gebracht und Klöster geschlossen. Heimliches Zentrum der österreichischen Illuminaten war die Wiener Elite-Loge „Zur wahren Eintracht“ unter dem Mineralogen Ignaz von Born (der für Sarastros Vorbild gehalten wird, woran allerdings zu zweifeln ist, da er zum Zeitpunkt der Uraufführung den Bund schon seit vier Jahren verlassen hatte). Mozart war bald ständiger Gast der „Wahren Eintracht“, wurde ebendort auch zum Gesellen befördert und zum Meister erhoben. 1785 aber begingen die einflussreichen Illuminaten an Josephs Hof einen verhängnisvollen Fehler: Sie bewogen den Kaiser, die Zahl der Logen zu begrenzen, um andere Richtungen zu eliminieren. Das Ergebnis des „Freimaurerpatents“ war allerdings umfassende staatliche Kontrolle und das alsbaldige Erlöschen aller Aktivitäten. Um 1800 wurde der Bund  von Franz II., einem Gegenreformer mit paranoider Verschwörungsfurcht, dann praktisch verboten, und das Verbot endete de facto erst mit der Ausrufung der Republik im Jahr 1918.

Mozarts freimaurerisches Leben begann also in einer Zeit des sich anbahnenden Verfalls am Ende einer Hochblüte. Im April 1785 hatte er seinen Vater Leopold Mozart zum Bund geholt. Schon seit Februar 1785 war Joseph Haydn Mitglied der „Wahren Eintracht“. Er besuchte aber wegen der beschwerlichen Anreise vom Dienstort Eisenstadt die Loge nie wieder und starb als Lehrling. Mozart hingegen war in seinen sieben maurerischen Jahren ein eifriger und leidenschaftlicher Bruder, und das verwundert nicht, denn er hatte bei seiner Aufnahme schon eine lange passive Praxis hinter sich: Der Hofangestellte Leopold Mozart hatte im katholisch-fundamentalistischen Fürsterzbistum Salzburg, aus dem noch 1730 Tausende Protestanten vertrieben worden waren, unter existenziellen Risken Kontakte zur Freimaurerei gepflogen. Der sechzehnjährige Wolfgang schrieb im Auftrag der Münchner Loge „Zur Behutsamkeit“ den „Lobgesang auf die feyerliche Johannis-Loge“. Während des Mannheimer Aufenthalts 1777 unterstützte ihn Otto Freiherr von Gemmingen, später in Wien sein erster Meister vom Stuhl in der „Wohltätigkeit“, und vermittelte für die folgende Konzertreise nach Paris Kontakte zu örtlichen Logen.

In der radikal demokratischen und toleranten Wiener Eliteloge „Zur wahren Eintracht“, wo der jüdische Universitätsrektor Joseph von Sonnenfels und der schwarze Gelehrte Angelo Soliman neben Spitzen der Aristokratie in hohe Ämter gelangen konnten, fand Mozart die maurerische Heimat. Dass er dort vorwiegend Linderung seiner finanziellen Probleme gesucht hätte, ist definitiv unrichtig – sein geduldiger Kreditgeber Puchberg hatte den Bund schon verlassen, als Mozart ihn um Geld bat. Mit dem Abstieg der Freimaurerei wollte sich Mozart nicht abfinden: Nach Angaben seiner Witwe erwog er den Neubeginn durch Gründung eines Geheimbundes mit dem Namen „Die Grotte“.

 

DIE WERKE

[1]–[2] Kantatenfragment „Dir Seele des Weltalls“ für Chor, Tenor-Solo, Streicher, Flöte, 2 Oboen, Klarinette, Fagott und 2 Hörner Es-Dur, KV 429

Das Werk, von fremder Hand mit 1783 datiert, dürfte in Wahrheit aus der Spätzeit stammen. Der Textdichter Lorenz Leopold Haschka hat sich seine bescheidene Unsterblichkeit als Autor der von Haydn vertonten Kaiserhymne „Gott erhalte ...“ (heute die deutsche Hymne) erworben. Er war ein Konjunkturfreimaurer, der sich in der Verbotszeit zum beflissenen Denunzianten und Gegner des Bundes wendete. Der einleitende Chor in der maurerischen Grundtonart Es-Dur ist ein Sonnenhymnus aus dem Geist der Ägyptomanie, die auch die „Zauberflöte“ kennzeichnet (deren Bedeutung für die Freimaurerei aber nicht überschätzt werden sollte). Am Ende steht eine Tenorarie in der Gesellentonart B-Dur, deren schlichte Innigkeit auf die speziell in diesem Grad  zu erlernende Tugend der Demut verweist. Die genaue Funktion der Kantate innerhalb der Loge ist unbekannt.

 

Chor:
Dir, Seele des Weltalls, o Sonne,
sei heut' das erste
der festlichen Lieder geweiht!
O Mächtige! ohne dich lebten wir nicht;
von dir nur kommt Fruchtbarkeit, Wärme und Licht!

 

Arie (Tenor):
Dir danken wir die Freude,
daß wir im Frühlingskleide
die Erde wieder seh'n;
daß laue Zephiretten
aus süßen Blumenketten
uns Duft entgegenweh'n.

Dir danken wir,
daß alle Schätze spendet
und jeden Reiz verschwendet
die gütige Natur,
daß alle Lust erwachet
und alles hüpft und lachet
auf segenvoller Flur.

 

[3] Adagio F-Dur für zwei Bassetthörner und Fagott, KV 410

[4] Adagio B-Dur für zwei Klarinetten und drei Bassetthörner, KV 411

Das  nur 27 Takte umfassende Adagio in F-Dur und das folgende Adagio B-Dur, beide vermutlich in Mozarts erstem Maurer-Jahr 1785 entstanden, werden von den führenden Forschern Roger Cotte, Guy Wagner, Heinz Schuler und Harald Strebel als Teile einer vielleicht größer angelegten Ritualmusik qualifiziert. Die im maurerischen Sinn aufsteigenden Tonarten F-Dur und B-Dur und der schreitende Rhythmus könnten auf die Umrundungen des Tempels  während der Aufnahmezeremonie hinweisen. Am Ende dieser Reisen ist der Suchende Freimaurer mit allen Rechten und Pflichten. Es gibt die Theorie, Mozart habe die beiden Werke für das Aufnahmeritual des Klarinettisten Anton Stadler verfasst.

Allgemein dominierten seit der Militärlogenzeit die Blasinstrumente die maurerische Musik. Eine Pointe mit realem Hintergrund besagt, daß (wie auch in der Kirchenmusik) die Streichinstrumente wegen ihrer weiblichen Form in der Loge nicht geschätzt wurden. Die Klarinette hingegen war auch wegen der engen Beziehung zu den Brüdern Stadler Mozarts bevorzugtes Logeninstrument. Das Bassetthorn, eine Tenorklarinette, steht mit seiner dunklen, mystischen Klangfarbe in Mozarts Kosmos für die letzten Dinge. Es findet sich in der „Zauberflöte“, in der „Maurerischen Trauermusik“ und im „Requiem“.

Das Adagio F-Dur ist als Kanon geführt, das geläufige Symbol für die maurerische Bruderkette ohne Anfang und Ende. Sieht man es als Einheit mit dem Adagio B-Dur, so führt der Weg aus vergrübeltem, verunsichertem Beginn in ein zuversichtlicheres Finale. Das B-Dur-Stück fällt durch Pausen auf, möglicherweise, um den Logenbeamten  Zeit zum Sprechen  ritueller Texte zu lassen. In der Coda wird das Thema des Finales der Jupiter-Symphonie vorweg genommen.

 

[5] Lied zur Gesellenreise für Singstimme und Klavier B-Dur, KV 468

Dieses Lied schrieb Mozart anlässlich seiner eigenen Beförderung in den Gesellengrad am 7. Januar 1785 in der „Wahren Eintracht“. Den Text verfasste der Staatsrat, Herausgeber, Dichter und Freimaurer Joseph Franz Ratschky. Mozart und der Infanteriehauptmann Vinzenz Marquis Canarisi taten in Anwesenheit von 30 Logenmitgliedern Arm in Arm die drei vorgeschriebenen Reisen. Nach jeder Strophe zogen die Aufseher Bilanz des Gelingens. Am Ende wurden Mozart und Canarisi feierlich zu Gesellen befördert.

Die ihr einem neuen Grade
der Erkenntnis nun euch naht,
wandert fest auf eurem Pfade,
wißt, es ist der Weisheit Pfad.
Nur der unverdross'ne Mann
mag dem Quell des Lichts sich nahn.

Nehmt, o Pilger, zum Geleite
eurer Brüder Segen mit!
Vorsicht sei euch stets zur Seite;
Wißgier leite euren Schritt!
Prüft und werdet nie dem Wahn
träger Blindheit untertan!

Rauh ist zwar des Lebens Reise,
aber süß ist auch der Preis,
der des Wand'rers harrt, der weise
seine Fahrt zu nützen weiß.
Glücklich, wer einst sagen kann:
es ist Licht auf meiner Bahn!

 

[6] „Zerfließet heut, geliebte Brüder“ in B-Dur, KV 483

[7] „Ihr unsre neuen Leiter“ in G-Dur, KV 484

Am 14. Jänner 1786 (nach maurerischer Zeitrechnung von Mozart mit 5786 datiert) trug das Wirken der Illuminaten bei Joseph II. Früchte: Das kreative Gewirr der Wiener Logen war in zwei problemlos überwachbaren Sammellogen gebündelt worden, „Zur Wahrheit“ und „Zur neugekrönten Hoffnung“. Mozart, Mitglied der „Neugekrönten Hoffnung“, schrieb zur Eröffnung auf Texte vermutlich des  böhmischen Ex-Jesuiten und Staatsbeamten Augustin Veith von Schittlersberg zwei dreistimmige Chöre. Es wäre gelogen zu behaupten, Mozart hätte große Emphase in die Komposition investiert. Er trug die Chöre auch nicht in sein Werkverzeichnis ein. In die Texte sind einige Namen der liquidierten Logen verwoben. Leicht möglich übrigens, dass Schittlersberg schuldlos in den zweifelhaften Nachruhm der Verfasserschaft gelangt ist: Der Text stammt laut Autograph von einem „Bruder Sch...g“, was ebenso auf die Logenmitglieder Schilling und Schisling zuträfe.

Ignaz von Born war nicht mehr Mozarts Meister vom Stuhl: Er übernahm die Sammelloge „Zur Wahrheit“. Mozarts „Neugekrönte Hoffnung“ wurde nach Ausbootung seines alten Gönners Gemmingen von Tobias Freiherr von Gebler geleitet. Für dessen Schauspiel „Thamos, König von Ägypten“ hatte Mozart die Zwischenaktmusik geschrieben, auch thematisch eine Vorstufe zur „Zauberflöte“, zumal „Tamino“ nichts anderes bedeutet als „kleiner Thamos“. Born aber legte schon im September 1786 alle Ämter nieder und verließ 1787 den Freimaurerbund.

Speziell der erste der beiden Chöre ist eine unterwürfige Eloge auf die Weisheit Josephs II., die Mozart ganz und gar gegen die Natur gegangen sein muss. Und so placiert er unvergleichliche Revanchefouls: Der Lobgesang gerät (ein unerhörtes Vorkommnis beim Perfektionisten Mozart) in der zweiten Zeile ins Stolpern, Text und Musik streben unbeholfen auseinander – und zwar bei „Joseph“, dem Namen des Kaisers, und „Wohltätigkeit“ mit allen Ableitungen, dem Namen von Mozarts liquidierter Mutterloge.

Zur Öffnung der Freimaurerloge

Tenor
Zerfließet heut' geliebte Brüder,
in Wonn' und Jubellieder,
Josephs Wohltätigkeit
hat uns, in deren Brust ein dreifach Feuer brennt,
hat unsre Hoffnung neu gekrönt.

Chor
Vereineter Herzen und Zungen
sei Joseph dies Loblied gesungen,
dem Vater, der enger uns band.
Wohltun ist die schönste der Pflichten;
er sah sie uns feurig verrichten
und krönt' uns mit liebvoller Hand.

Tenor
Dank auch der Schar, die eh uns wachte,
der Tugend Flamm' entfachte
und uns zum Beispiel war,
aus deren jedem Tritt
auf ihrem Maurergang
ein Quell des Bruderwohls entsprang.

Chor
Das innigste, tätigste Streben,
zu ihnen empor sich zu heben,
ist allen der herzlichste Dank.
Drum laßt uns, verdreifacht die Kräfte,
beginnen die hohen Geschäfte
und schweigen den frohen Gesang.

Zum Schluß der Freimaurerloge

Tenor
Ihr, unsre neuen Leiter,
nun danken wir auch eurer Treue;
führt stets am Tugendpfad uns weiter,
daß jeder sich der Kette freue,
die ihn an bess're Menschen schließt
und ihm des Lebenskelch versüßt.

Chor
Beim heiligen Eide geloben auch wir,
am großen Gebäude zu bauen wie ihr.

Tenor
Hebt auf der Wahrheit Schwingen
uns höher zu der Weisheit Throne,
daß wir ihr Heiligtum erringen
und würdig werden ihrer Krone,
wenn ihr wohltätig für den Neid
Profaner selbst durch uns verscheut.

Chor
Beim heiligen Eide geloben auch wir,
am großen Gebäude zu bauen wie ihr.

 

[8] „Die Maurerfreude“ für Tenor und Männerchor, Streicher, zwei Oboen, zwei Klarinetten und zwei Hörner Es-Dur, KV 471.

Abermals eine Eloge auf Joseph II., doch aus einer Zeit, da die maurerische Welt noch in Ordnung war. Am 24. April 1785 hielt die Loge „Zur gekrönten Hoffnung“ eine feierliche Versammlung für Ignaz von Born, dessen Einfluss beim Kaiser den Höhepunkt erreicht hat. Auch Mozarts Vater Leopold war anwesend. Die hier uraufgeführte Kantate nach einem Text des böhmischen Weltgeistlichen Franz Petran (vor allem nicht in Orden organisierte Priester setzten sich über den päpstlichen Bann hinweg und waren Mitglieder des Bundes!) dankt dem Kaiser vorsorglich für seine maurerfreundliche Gesinnung.
 

Arie
Sehen, wie dem starren Forscherauge
die Natur ihr Anlitz nach und nach enthüllet;
wie sie ihm mit hoher Weisheit
voll den Sinn und voll das Herz mit Tugend füllet:
das ist Maureraugenweide,
wahre, heiße Mauerfreude.

Rezitativ

Sehen, wie die Weisheit und die Tugend
an den Maurer, ihren Jünger,
hold sich wenden, sprechen:
Nimm, Geliebter, diese Kron'
aus unsers ält'sten Sohns,
aus Josephs Händen.
Das ist das Jubelfest der Maurer,
das der Triumph der Maurer.

Arie mit Chor
Drum singet und jauchzet, ihr Brüder!
Laßt bis in die innersten Hallen
des Tempels den Jubel der Lieder,
laßt bis an die Wolken ihn schallen!
Singt, Lorbeer hat Joseph,
der Weise, zusammengebunden,
mit Lorbeer die Schläfe
dem Weisen der Maurer umwunden.

 

[9] Maurerische Trauermusik für Streicher, 2 Oboen, Klarinette, Bassetthorn, Kontrafagott und 2 Waldhörner (später gegen 2 weitere Bassetthörner ausgetauscht) in c-Moll, KV 477

Die 69 Takte des mit Juli 1785 datierten Werks zählen zu den sublimsten Hervorbringungen in der Geschichte des menschlichen Geistes. Sie haben Historiker gleichermaßen verstört und verunsichert wie sensible Zuhörer: Denn die Brüder Herzog Georg August von Mecklenburg-Strelitz und Graf Franz Esterházy von Galantha, zu deren Begräbnis das Werk am 17. November 1785 in der Loge zur „Gekrönten Hoffnung“ aufgeführt wurde, waren zum Zeitpunkt der Komposition noch am Leben.

Heute gibt es wenig Zweifel, dass das Werk in  Wahrheit zum Ritual des Höhepunkts im Leben jedes Freimaurers geschrieben wurde, der Erhebung in den Meistergrad, die symbolisches Sterben durch die Auferstehung als besserer Mensch krönt. Das drei(!)teilige Werk geht den wahrhaft maurerischen Weg von c-Moll über Es-Dur nach C-Dur. Es beginnt mit den unheimlichen, das Herz zerreißenden Rufen der Holzbläser in c-Moll. Dann führt es in einen Choral in Es-Dur, beruhend auf den Klageliedern des Jeremias, die in der Kirche während der Karwoche und in der Synagoge zur Erinnerung an die Zerstörung des salomonischen Tempels gesungen werden. Mozart entlehnte das Zitat aus dem Jeremias-Choral unzweifelhaft vom Requiem in c-Moll, das Haydns Bruder Michael 1771 zum Begräbnis des Salzburger Fürsterzbischofs Sigismund von Schrattenbach geschrieben hatte. Doch auch die Bedeutung für die jüdische Liturgie kann Mozart bekannt gewesen sein, denn sein Bruder in der „Wahren Eintracht’ war der Sozialreformer Joseph von Sonnenfels, der Enkel des Landesrabbiners von Brandenburg.

Der Tempel Salomos jedenfalls ist das symbolische Ideal des maurerischen Lebens und die Ermordung seines Architekten ein bedeutendes Mysterium des Bundes. Am Ende kehrt das c-Moll des Anfangs wieder, endet aber in einem sekundenkurzen C-Dur-Akkord, der an Verstörungskraft nicht zu übertreffen ist, zumal sein höchster Ton nicht das finale c, sondern das e ist: Die Erhebung ist nicht das stolze Ziel, sondern der Beginn des nächsten Weges durch Dunkel ins Licht, denn die Arbeit endet erst, wenn der „größte Baumeister aller Welten“ den Bruder in den „ewigen Osten“ abberufen hat. Mozart schrieb für den Meistergrad auch zwei Logenlieder mit expliziter Todesthematik. Die Texte sind erhalten, die Partituren verschollen.

 

[10] „Die ihr des unermesslichen Weltalls Schöpfer ehrt“ für eine Singstimme und Klavierbegleitung in C-Dur, KV 619

Als Mozart die Kantate am 12. Juli seines Todesjahrs 1791 abschloss, stand er mitten in der Arbeit an der „Zauberflöte“. Das Projekt des Hamburger Bruders Franz-Heinrich Ziegenhagen aber fesselte ihn. Ziegenhagen hatte um ein ergänzendes Werk zu seinem Traktat „Vom richtigen Verhältnisse zu den Schöpfungswerken“ gebeten, einer Morallehre über das Gemeinschaftsleben junger Menschen, für deren Umsetzung der Anhänger Rousseaus schon ein Stück Land im Elsaß erworben hatte. Das Elsaß war damals französisches Revolutionsgebiet und das Ganze ein revolutionäres Unternehmen, an dem sich Mozart bewusst beteiligte. Auch der Text Ziegenhagens argumentiert in seiner Gleichordnung der Religionen radikal und provokant gegen das katholische Dogma.

Rezitativ
Die ihr des unermeßlichen Weltalls
Schöpfer ehrt,
Jehova nennt ihn, oder Gott,
nennt Fu ihn, oder Brama,
Hört! hört Worte aus der Posaune
des Allherrschers!
Laut tönt durch Erden, Monden, Sonnen
ihr ewiger Schall.
Hört, Menschen, ihn auch ihr.

Andante

Liebt mich in meinen Werken!
Liebt Ordnung, Ebenmaß und Einklang!
Liebt euch selbst und eure Brüder!
Körperkraft und Schönheit sei eure Zierd',
Verstandeshelle euer Adel!
Reicht euch der ew'gen Freundschaft Bruderhand,
die nur ein Wahn, nie Wahrheit
euch so lang entzog.

Allegro
Zerbrechet dieses Wahnes Bande!
Zerreißet dieses Vorurteiles Schleier!
Enthüllt euch vom Gewand,
das Menschheit in Sektiererei verkleidet!
In Kolter schmiedet um das Eisen,
das Menschen, das Bruderblut bisher vergoß!
Zersprenget Felsen mit dem schwarzen Staube,
der mordend Blei in Bruderherz oft schnellte!

Andante
Wähnt nicht, daß wahres Unglück
sei auf meiner Erde,
Belehrung ist es nur, die wohltut,
wenn sie euch zu bessern Taten spornt;
Die, Menschen, ihr in Unglück wandelt,
wenn töricht blind ihr rückwärts
in den Stachel schlagt,
der vorwärts euch antreiben sollte.
Seid weise nur, seid kraftvoll und seid Brüder!
Dann ruht auf euch mein ganzes Wohlgefallen;
dann netzen Freudenzähren nur die Wangen;
dann werden eure Klagen Jubeltöne;
dann schaffet ihr zu Edenstälern Wüsten;
dann lachet alles euch in der Natur.

Allegro
Dann ist's erreicht, des Lebens wahres Glück.


[11] Lobegesang auf die feierliche Johannisloge, KV 148, “O heiliges Band der Freundschaft” für eine Singstimme mit Klavierbegleitung in D-Dur, KV 148

Die erste Berührung des Sechzehnjährigen mit der Freimaurerei, geschrieben 1772 in Salzburg nach einem Text des Bruders Ludwig Friedrich Lenz auf Bestellung der Münchner Loge „Zur Behutsamkeit“, ist ein solch sublimes Werk, dass manche Forscher an der Datierung zweifeln. Doch mit der dürfte es schon seine Richtigkeit haben: Erstens fällt das Werk aus Mozarts maurerischem Tonartenkanon. Und zweitens war im Schaffen des jungen Mozart schon der Kosmos seines gesamten Werks angelegt, wie der große Dirigent Nikolaus Harnoncourt lehrt.

O heiliges Band der Freundschaft treuer Brüder,
dem höchsten Glück und Edens Wonne gleich,
dem Glauben freund, doch nimmermehr zuwider,
der Welt bekannt und doch geheimnisreich.

Auf, Maurer! singt; laßt heut den Erdkreis hören,
es sei der Tag, dem dieses Lied geweiht,
ein herrlicher, ein großer Tag der Ehren,
ein hohes Fest der Treu' und Einigkeit.

Sie macht uns groß; sie bringt uns hoch zu Ehren,
daß unser Preis vom Nord- zum Südpol blüht,
und Phöbus' Aug' auf beiden Hemisphären
nichts Herrlicher's als unsre Logen sieht.

Ist's Eitelkeit? sagt, oder ist es gründlich,
das stille Glück, dem sich die Maurer weih'n?
Kann ein Gesetz, das töricht oder sündlich,
so fest besteh'n, von solcher Dauer sein?

Nein! Denn ist's wahr, daß Gott selbst in uns allen
den edlen Trieb, sich zu gesellen, nährt,
so muß gewiß ihm ein Gesetz gefallen,
das Freundschaft heißt und Menschen lieben lehrt.


[12]-[13] Adagio und Fuge in c-Moll, KV 546, Bearbeitung für Streichorchester

Die Entstehungsgeschichte des Werks ist kompliziert und seine maurerische Bestimmung rätselvoll. Das Hauptthema der Fuge entspricht einem damals gebrauchten anapästischen Signal, das auch Beethoven in der „Chorphantasie“ und der Neunten anwendet. Die Fuge (die Form symbolisiert häufig die Bruderkette) entstand 1783 in der Fassung für zwei Klaviere. Mozart wurde erst im folgenden Jahr Freimaurer, doch seit seiner Übersiedlung nach Wien im Jahr 1781 bestanden engste Kontakte. Die Anregung zur Komposition der Fuge empfing er vom vermutlich führenden Illuminaten Gottfried van Swieten, dem Librettisten der genuin freimaurerischen Haydn-Oratorien „Die Schöpfung“ und „Die Jahreszeiten“. Das Werk in der Geheimnistonart c-Moll ist von unheimlicher, avantgardistisch anmutender Abstraktion. Dass es, wie manchmal vermutet, der Finalsatz einer nie entstandenen Sonate wäre, ist anzuzweifeln. 1788 bearbeitete Mozart das Stück für Streichquartett oder Streichorchester und stellte ihm ein Adagio voran.

[14]-[17] „Eine kleine Freimaurer-Kantate“ für 2 Tenöre und eine Bassstimme, Streicher, Flöte, 2 Oboen und 2 Hörner in C-Dur, KV 623

In einigen Interpretationen des Mozartschen Spätestwerks schwingt ein unausgesprochener Vorwurf: Wie konnte er die „Kleine Freimaurer-Kantate“ vollenden und das Requiem als Fragment hinterlassen? Nun: Er konnte eben, und er hatte seine Prioritäten, abgesehen davon, dass das Requiem auch im Fragmentarischen vollendet ist. Am 15. November 1791 trug Mozart die Kantate (auf einen Text Emanuel Schikaneders, vielleicht eher seines auch an der „Zauberflöte“ aktiven Ghostwriters Gieseke) in sein Werkverzeichnis ein. Drei Tage später wurde sie zur Einweihung des neuen Tempels der Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“ uraufgeführt. Nicht einmal drei Wochen später war Mozart tot. Sein Abschiedswerk – das letzte in seinem eigenhändigen Verzeichnis – durchmisst den hellen Bereich seines maurerischen Tonartenkanons. Obwohl es längst nicht mehr opportun war, Freimaurer zu sein, wusste er sich hier offenbar in Sicherheit, während er sein profanes Leben mit dem „Requiem“ in der Schreckenstonart d-Moll unter Qualen beendete. Auf den Jubelchor mit Soli „Laut verkünde unsere Freude“ in C-Dur folgen Rezitativ und Arie für Tenor in G-Dur, dann Rezitativ und Duett für Tenor und Bariton in F-Dur, ehe der Chor des Beginns wiederkehrt und das Werk gleich einer Kette ohne Anfang und Ende beschließt. In der Erlösungstonart C-Dur, euphorisch und ruhig, erfüllt vom Feuer der Zuversicht, nimmt Mozart Abschied. 

Chor; mit Soli

Laut verkünde unsre Freude
froher Instrumentenschall,
jedes Bruders Herz empfinde
dieser Mauern Widerhall.

Denn wir weihen diese Stätte
durch die goldne Bruderkette
und den echten Herzverein
heut' zu unserm Tempel ein.

Rezitativ; Tenor II
Zum ersten Mal, edle Brüder,
schließt uns dieser neue Sitz
der Weisheit und der Tugend ein.
Wir weihen diesen Ort
zum Heiligtum unserer Arbeit,
die uns das große Geheimnis entziffern soll.
Süß ist die Empfindung des Maurers
an so einem festlichen Tage,
der die Bruderkette neu und enger schließt;
süß der Gedanke, daß nun die Menschheit
wieder einen Platz unter Menschen gewann;
süß die Erinnerung an die Stätte,
wo jedes Bruderherz
ihm, was er war, und was er ist,
und was er werden kann,
so ganz bestimmt, wo Beispiel ihn belehrt,
wo echte Bruderliebe seiner pflegt
und wo aller Tugenden heiligste, erste,
aller Tugenden Königin, Wohltätigkeit
in stillem Glanze thront.

Arie; Tenor II
Dieser Gottheit Allmacht ruhet
nicht auf Lärmen, Pracht und Saus,
nein, im Stillen wiegt und spendet sie der Menschheit Segen aus.

Stille Gottheit, deinem Bilde
huldigt ganz des Maurers Brust.
Denn du wärmst mit Sonnenmilde
stets sein Herz in süßer Lust.

Rezitativ; Tenor I, Baß
Wohlan, ihr Brüder, überlaßt euch ganz
der Seligkeit eurer Empfindungen,
da ihr nie, daß ihr Maurer seid,
vergeßt.
Diese heut'ge Feier sei ein Denkmal
des wieder neu und festgeschloss'nen Bunds.
Verbannet sei auf immer
Neid, Habsucht und Verleumdung
aus unsrer Maurerbrust.
Und Eintracht knüpfe fest das teuere Band,
das reine Bruderliebe webte.

Duett, Tenor I, Baß
Lange sollen diese Mauern
Zeuge unsrer Arbeit sein,
und damit sie ewig daure,
weiht sie heute Eintracht ein.

Laßt uns teilen jede Bürde
mit der Liebe Vollgewicht,
dann empfangen wir mit Würde
hier aus Osten wahres Licht.

Diesen Vorteil zu erlangen,
fanget froh die Arbeit an.
Und auch der schon angefangen,
fange heute wieder an.

Haben wir an diesem Orte
unser Herz und unsre Worte
an die Tugend ganz gewöhnt,
o dann ist der Neid gestillet,
und der Wunsch so ganz erfüllet,
welcher unsre Hoffnung krönt.

 

Musiker, die Freimaurer waren

Louis Armstrong (1901 – 1971)
Johann Christian Bach (1735 – 1782)
Count Basie (1904 – 1984)
Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (1732 – 1799)
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827, nicht durch Dokumente belegbar, aber sehr wahrscheinlich)
Irving Berlin (1888 – 1889)
Francois Adrien  Boieldieu (1775 – 1834)
Arrigo Boito (1842 – 1918)
Luigi Cherubini (1760 – 1842)
Muzio Clementi (1752 – 1832)
Gottfried von Einem (1918 – 1996)
Duke Ellington (1899 – 1974)
Leo Fall (1873 – 1925)
Friedrich II. von Preußen (1712 – 1786)
George Gershwin (1898 – 1937)
Alfred Grünfeld (1852 – 1924)
Joseph Haydn (1732 – 1809)
Joseph Hellmesberger (1855 – 1907)
Johann Nepomuk Hummel (1778 – 1837)
Joseph Joachim (1831 – 1907)
Friedrich Daniel Ludwig Kuhlau (1786 – 1832)
Franz Liszt (1811 – 1886)
Carl Löwe (1796 – 1869)
Albert Lortzing (1801 – 1851)
Heinrich Marschner (1795 – 1861)
Etienne-Nicolas Mehul (1763 – 1817)
Giacomo Meyerbeer (1791 – 1864)
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Oskar Nedbal (1874 – 1930)
Carlos d’Ordonez (1734 – 1786)
Oscar Peterson (1925 – 2007)
Ignaz Pleyel (1757 – 1831)
Giacomo Puccini (1858 -­ 1924)
Sergej Rachmaninoff (1837 – 1943)
Jean-Philippe Rameau (1683 – 1764)
Camille Saint-Saens (1835 – 1921)
Jean Sibelius (1865 – 1957)
Leo Slezak (1873 – 1946)
John Philip Sousa (1854 – 1932)
Louis Spohr (1784 – 1859)
Gaspare Spontini (1774 – 1851)
Sir Arthur Sullivan (1842 – 1900)
Alexander Zemlinsky (1872 – 1942)

 

Literatur

Roger Cotte, Die Symbolik der Musik (1992)
Otto Erich Deutsch, Mozart und die Wiener Logen (1932)
Alfred Einstein, Mozart (1968)
H. C. Robbins Landon, Mozarts letztes Jahr (1988)
Paul Nettl, Mozart und die Königliche Kunst (1932)
Heinz Schuler, Mozart und die Freimaurerei (1992)
Heinz Schuler, Musik und Freimaurerei (2000)
Harald Strebel, Der Freimaurer Mozart (1991)
Guy Wagner, Bruder Mozart (1996)

 

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Roberto Paternostro

Geboren in Wien. Studium an der Hochschule für Musik in Wien u.a. bei Hans Swarowsky. Studium in Hamburg bei György Ligeti und Christoph von Dohnanyi.1978 bis 1984 Assistent von Herbert von Karajan.  Erstes internationales Auftreten 1985 in der Arena von Verona. 1991 bis 2000 Generalmusikdirektor der Württembergischen Philharmonie. 1997 bis 2007 Generalmusikdirektor des Staatstheaters Kassel und künstlerischer Leiter der Gustav-Mahler Festtage Kassel. Dort u.a. vielbeachtete Neuproduktionen von Werken Wagners, Verdis, Puccinis und Richard Strauss’. Auftritte an der Bayerischen Staatsoper München, Deutsche Staatsoper Berlin, Semperoper Dresden, Teatro La Fenice Venedig, Teatro Liceu Barcelona, Volksoper Wien, den Opernhäusern von Madrid, Genua, Parma, Teatro San Carlo Neapel, Oslo, Sevilla, Budapest etc. Im symphonischen Bereich: Dirigate und Aufnahmen mit dem HR-Symphonieorchester Frankfurt, WDR-Symphonieorchester Köln, Münchner Philharmoniker, SWR- Symphonieorchester Stuttgart, NHK-Symphonieorchester Tokyo, NDR Philharmonie Hannover, MDR-Symphonieorchester Leipzig, Konzerthausorchester Berlin, Wiener Symphoniker, Israel Chamber Orchestra, Brucknerorchester Linz, DSO Berlin u.a. CDs (u. a . kompletter „Ring“) und Fernsehaufnahmen.

Das Spohr-Kammerorchester Kassel widmet sich neben der Pflege der Kultur eines klassischen Streichorchesters insbesondere der Förderung junger, hochbegabter Instrumentalisten. Es wurde im 2005 auf Initiative von Katalin Hercegh, Wolfram Geiss und Joachim Schwarz gegründet, mit dem Ziel, die Klangkultur eines Streicherensembles zu pflegen und junge Musiker einzubeziehen. In vielen Projekten wird das Orchester von Bläsern des Staatsorchesters Kassel unterstützt. Der berühmte Namensgeber Louis Spohr lebte und wirkte viele Jahrzehnte in Kassel.

 

Available sung texts can be accessed at www.naxos.com/sharedfiles/PDF/8.570897_sungtext.pdf


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