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8.570926 - MAYR, S.: Te Deum / MOZART, W.A.: Missa solemnis (Simon Mayr Choir, Ingolstadt Georgian Chamber Orchestra, Hauk)
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Simon Mayr (1763–1845): Te Deum D-dur

 

Simon Mayr wurde 1763 in Mendorf bei Ingolstadt als Sohn eines Schulmeisters geboren und ließ schon früh gewisse musikalische Fähigkeiten erkennen. Nachdem er das Jesuitenkollegium von Ingolstadt besucht hatte, ging er zum Theologiestudium an die Universität. Inzwischen demonstrierte er auch weiterhin seine große musikalische Vielseitigkeit und Begabung. Die eigentliche Ausbildung zum Musiker begann aber erst im Jahre 1787, als ein Mäzen auf sein Talent aufmerksam wurde und ihn mit nach Italien nahm. Hier unterrichtete ihn seit 1789 Carlo Lenzi, der Musikdirektor am Dom von Bergamo. Die Großzügigkeit eines anderen Gönners ermöglichte ihm anschließend ein weiterführendes Studium bei Fernando Gasparo Bertoni in Venedig.

Simon Mayrs frühe Auftragskompositionen bestanden vor allem in geistlichen Oratorien, doch 1794 kam dann in Venedig seine Oper Saffo auf die Bühne. Die Hinwendung zur Oper war in vieler Hinsicht der Förderung zu verdanken, die ihm durch Nicola Piccinni und Peter von Winter zuteil wurde. Weitere Bühnenwerke schlossen sich an—zunächst für Venedig, dann für die Mailänder Scala und andere italienische Theater. Auch die Zahl an Auslandsaufführungen nahm kontinuierlich zu. 1802 trat Mayr als maestro di cappella von Santa Maria Maggiore in die Fußstapfen seines Lehrers und Vorgängers Lenzi, und drei Jahre später übernahm er auch die Leitung des Bergameser Domschulchores. Diese Positionen bekleidete er bis zu seinem Tode im Jahre 1845.

Als Lehrer hat sich Simon Mayr die ganz besondere Hochachtung seines Schülers Gaëtano Donizetti erworben. Er setzte sich in Italien nachdrücklich für die Aufführung der Wiener Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven ein. Dieser Stil ist auch in seinen eigenen Kompositionen zu spüren, die sich wesensmäßig aber ganz in italienischen Bahnen bewegen. Simon Mayr war selbstredend ein enorm fleißiger Komponist. Zwischen 1794 und 1824 verfasste er allein um die siebzig Opern, zu denen weiterhin etwa sechshundert Werke geistlichen Inhalts kamen.

Mayrs Biograph Girolamo Calvi behauptet, das festliche Te Deum sei komponiert worden, um die Krönung Napoleon Bonapartes zum König von Italien zu begleiten. Diese Zeremonie fand am 26. Mai 1805 im Mailänder Dom statt. Calvi preist die effektvolle Musik in den höchsten Tönen und bezeichnet es als ein wunderbares Meisterwerk. Es ist freilich nicht gesichert, ob das Te Deum tatsächlich bei den Krönungsfeierlichkeiten gegeben wurde: Anderen Auffassungen zufolge könnte es sich um eine Komposition aus den 1820-er Jahren handeln, in denen Simon Mayr auch seine Messe für Einsiedeln und die letzten Opern schrieb.

Missa solemnis C-dur KV C1.20 (Mozart zugeschrieben)

Simon Mayr gab auf seiner Abschrift der Messe C-dur den Namen „Mozart“ als Verfasser des Werkes an, das in vielen anderen Kopien überliefert und in diesen nicht allein Mozart, sondern auch Komponisten wie Franz Xaver Brixi, Abbé Georg Vogler oder Cajetan Vogel zugeschrieben ist. Neue Untersuchungen scheinen die Annahme zu bestätigen, dass es sich wirklich um eine Schöpfung aus dem Hause Mozart handelt—entweder von Vater Leopold oder gar von Wolfgang Amadeus.

Verschiedene Eigentümlichkeiten in Mayrs Abschrift sprechen dafür, dass diese um 1802 entstanden ist, vielleicht sogar zu der Zeit, als er bei einem Aufenthalt in Wien mit Mozarts Witwe Constanze zusammentraf. Mayr hat das Werk, von dem sowohl die Partitur wie auch große Stimmensätze erhalten sind, selbst aufgeführt. Auf einer Salzburger Kopie wurde der ursprünglich angegebene Komponistenname Wolfgang Amadeus Mozart ausgestrichen und durch Leopold Mozart ersetzt; auf jeden Fall spricht die Tatsache, dass sich in diversen österreichischen Sammlungen mancherlei Abschriften des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts finden, für die damalige Beliebtheit des Werkes, das für vier Singstimmen und ein Orchester aus je zwei Oboen, Hörnern, Trompeten und Pauken mit Streichern und Orgel geschrieben ist. Das Benedictus soll identisch sein mit einem Salve Regina, das Mozart früher als KV 92 zugeschrieben wurde.


Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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