About this Recording
8.572089 - WITT, F.: Symphony in C Major, "Jena" / Flute Concerto in G Major / Symphony in A Major (P. Gallois, Sinfonia Finlandia Jyvaskyla)
English  German 

Friedrich Witt (1770–1836)
Symphonie C-dur und A-dur • Flötenkonzert G-dur

 

Wie auch immer das lokale Ansehen des Komponisten und Cellisten Friedrich Witt zu Lebzeiten auch gewesen sein mag—er wäre der Nachwelt sicherlich verloren gegangen, wenn man nicht seine Symphonie C-dur einige Zeit irrtümlich für ein Werk Beethovens gehalten hätte. Im Jahre 1909 hatte Fritz Stein, der damalige Musikdirektor der Universität Jena, unter den Papieren der dortigen akademischen Konzerte das komplette Aufführungsmaterial dieser nämlichen Cdur- Symphonie entdeckt. Auf der Stimme der zweiten Violine war »par Louis van Beethoven« zu lesen, und auf der Cellostimme stand »Symphonie von Bethoven«, und da es zu dem Werk kein Titelblatt gab, kam man zu dem Schluss, ein frühes Werk Beethovens vor sich zu haben. Die Annahme wurde durch eine Äußerung des vermeintlichen Urhebers gestützt, der sich nach eigenen Worten einst an einer Symphonie in C-dur nach dem Muster der Symphonie Nr. 97 von Haydn versucht hatte. Die in Jena aufgefundene Symphonie ließ nun tatsächlich einige Ähnlichkeiten mit dem Londoner Werk Haydns erkennen. In der Abtei Göttweig entdeckte der Wissenschaftler H.C. Robbins Landon später einen weiteren Stimmensatz des Stückes, der die Sache ins rechte Licht rückte: Hier wird Friedrich Witt ordnungsgemäß als Autor der Komposition genannt, und dieser Sachverhalt wurde seither nicht mehr ernsthaft in Zweifel gezogen.

Friedrich Witt wurde am 8. November 1770 im württembergischen Niederstetten als Sohn eines Kantors und Hofbeamten geboren. Ende der achtziger Jahre trat er als Cellist in die Dienste des Fürsten von Oettingen-Wallerstein, dessen damaliger Hofkapellmeister Antonio Rosetti (Anton Rösler) dem jungen Musiker Kompositionsunterricht gab. 1792 oder 1793 übersandte Joseph Haydn dem Fürsten vier seiner neuesten Londoner Symphonien (die Nummern 93, 96, 97 und 98), womit er zugleich die Vorlage für Witts eigene Arbeit lieferte—insbesondere für die sogenannte Jenaer Symphonie. In den Jahren 1793 und 1794 unternahm Witt gemeinsam mit dem Klarinettisten Franz Joseph Beer verschiedene Konzertreisen, die nach Thüringen sowie an die Höfe von Ludwigslust und Potsdam führten. 1796 begab sich das Duo nach Wien, wo Beer ein Klarinettenkonzert vortrug, das Witt für ihn geschrieben hatte. Im Augarten war fernerhin eine Symphonie des Komponisten zu hören, der nicht mehr nach Wallerstein zurückkehren sollte. Nach dem Erfolg seines Oratoriums Der leidende Heiland übernahm er vielmehr 1802 die Leitung der Fürstbischöflichen Kapelle von Würzburg. Nach der Säkularisation (1803) blieb der regierende Fürst als Bischof im Amte, indessen Ferdinand von Toskana das Gebiet 1806 bis 1814 als Großherzogtum führte. 1815 fiel Würzburg endlich an Bayern.

Von diesen mehrfachen Veränderungen war auch die städtische Musikpflege beeinträchtigt. 1814 kam es zur Auflösung der Kapelle, und Friedrich Witt übernahm die musikalische Leitung des Würzburger Theaters, für das er etliche, heute weitgehend verschollene Opern komponierte. 1824 verließ er die Stadt. Während seiner letzten Lebensjahre wirkte er unter anderem einige Zeit als Hofkomponist des Fürsten Carl Friedrich zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg.

Witts Symphonie C-dur wird nach 1792 und vor 1796 entstanden sein—in jedem Falle aber, nachdem Haydns neueste Orchesterwerke in Wallerstein verfügbar waren. Die Partitur verlangt eine Flöte, je zwei Oboen, Fagotte, Hörner, Trompeten, Pauken und die üblichen Streicher.

Der Adagio-Einleitung folgt ein Sonatenhauptsatz mit wiederholter Exposition, worauf die kurze Durchführung zur Reprise führt. Das Adagio cantabile F-dur bewegt sich im Sechsachteltakt und enthält, dem harmonischen Plan der Haydn’schen Symphonie Nr. Friedrich WITT Symphony in C major ‘Jena’ Flute Concerto in G major Patrick Gallois, Flute and Conductor Sinfonia Finlandia Jyväskylä 97 C-dur folgend, einen Mittelteil in f-moll. Der dritte Satz, ein Menuett mit Trio, kehrt zur Grundtonart zurück, bevor das Werk von einem Allegro-Finale gekrönt wird, in dem die Bläser sich recht selbständig bewegen dürfen.

Die Symphonie A-dur entstand um 1790. Sie ist für Flöte, je zwei Oboen, Fagotte und Hörner sowie das gewohnte Streicherensemble geschrieben. Sie beginnt mit einer 16-taktigen Adagio-Einleitung, worauf im Allegro vivace die Streicher mit der Exposition des ersten Themas betraut sind. Die Exposition wird auch hier wiederholt, von einer kurzen Durchführung abgelöst und der Sonatenhauptsatzform entsprechend in der Reprise aufgegriffen. Der zweite Satz ist ein Menuett mit einem Trio, im dem die erste Violine zur Oktavverdopplung des Fagotts die Melodie vorträgt. Das an dritter Stelle stehende Andante D-dur lässt das Hauptthema der Streicher im Verlaufe des Satzes in verschiedenen Figurationen wiederkehren. Die Symphonie endet mit einem weiteren Sonatensatz—einem Opera buffa-Finale mit vorschriftsmäßig wiederholter Exposition, kurzer Durchführung und ordentlicher Reprise.

Das für den Solisten äußerst anspruchsvolle Flötenkonzert G-dur op. 8 wurde 1806 von Breitkopf und Härtel in Leipzig veröffentlicht. Neben den Streichern werden je zwei Oboen, Fagotte, Hörner, Trompeten und Pauken verlangt. Nach der Orchesterexposition mit ihren zwei gegensätzlichen Themen meldet sich die Soloflöte mit dem kunstvollen Hauptthema, dem Nebengedanken in A-dur und weiteren Materialien, die keinen virtuosen Wunsch offenlassen. Der langsame Satz, ein Adagio cantabile in D-dur, beginnt mit Akkorden der Fagotte und Hörner, wozu Violoncelli und Kontrabässe ihre Pizzikati spielen. Die höheren Streicher fallen ein und leiten zum ersten Soloeinsatz über. Im abschließenden Rondo darf der Solist das lebhafte Hauptthema exponieren. Zu den kontrastierenden Episoden gehört ein Abschnitt in Cdur, der zu einer Polonoise [!] in E-dur führt, die vor der letzten Wiederholung des Hauptthemas und der Coda auch die Regionen von e-moll erkundet.


Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window