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8.572667 - HAYDN, J.: Flute Trios Nos. 15-17 (Grodd, Rummel, Hinterhuber)
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Joseph Haydn (1732–1809)
Drei Trios für Flöte, Violoncello und Klavier

 

Joseph Haydns drei Trios für Flöte, Violoncello und Klavier Hob. XV:15–17 (seine einzigen für diese Besetzung) geben aus heutiger Sicht vielerlei Anlass zur Spekulation. Wie bei so vielen seiner Werke sind die Manuskripte verloren. Bei vielen angeblichen Kompositionen Haydns kommt in einem solchen Falle die Tatsache, dass zahlreiche seiner Zeitgenossen unter Haydns Namen publizierten, um von dessen Ruhm zu profitieren, hinzu und wirft damit oft die Echtheitsfrage auf. Im Falle der hier eingespielten Werke stellt sich diese zwar nicht, wohl aber ergibt sich in Bezug auf Quellenlage und Entstehungszeit eine andere Schwierigkeit: Der geschäftstüchtige Joseph Haydn hat sie gleich zwei Verlegern verkauft, nämlich dem Engländer John Bland, der ihn im November 1789 besucht hatte, und seinem „Hausverlag“ Artaria in Wien. Eindeutig mit Daten belegt ist das vor allem für das Trio in F-Dur Hob. XV:17, das am 22. Februar 1792 im Morning Herald als bei Bland und am 22. November desselben Jahres in der Wiener Zeitung als bei Artaria verlegt gemeldet wurde. Das Trio in G-Dur Hob. XV:15 wurde im Juni 1790 bei Bland als „Second Trio for the Harpsichord or Piano Forte, German Flute & Violoncello” registriert und verlegt, jenes in D-Dur Hob. XV:16 im selben Jahr als das erste. Das Titelblatt versah Bland aus heutiger Sicht geradezu ironischerweise mit dem Zusatz: „This & the Two following Trios were wrote at the particular Request of the Publisher, when he was with M.r Haydn in Nov.r last, at which time he settled a Connection with him, Mess.rs Hoffmeister, Kozeluch, Mozart, Vanhall &c&c. whose Works will come out in this manner with all possible expedition; they are absolute property and Enter’d as such; J. Bland thinks this sufficient notice to other Publishers not to pirate the same.“ Am 20. Oktober 1790 meldete die Wiener Zeitung das Erscheinen der beiden Werke bei Artaria.

Nach dem Tod von Nikolaus I. Joseph Fürst Esterházy de Galantha am 28. September 1790 wurde Haydns Orchester in dessen Diensten aufgelöst, und Haydn übersiedelte nach Wien. 1791/92 unternahm er die erste, 1794/95 die zweite Reise nach England. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Wahl der Flöte anstatt der sonst üblichen Violine in der Klaviertriobesetzung bereits ein Zugeständnis an die englische Mode war, wo die Flöte ein beliebtes Instrument des Adels und vornehmen Bürgertums darstellte (während seiner zweiten England-Reise entstanden die „Londoner Trios” Hob. IV:1–4 für zwei adelige Amateur-Flötisten). Bereits andere Komponisten wie Vanhal und Stamitz hatten für die Flöte erfolgreich geschrieben. Dennoch sollten die insgesamt sieben Werke die einzigen bleiben, in denen Haydn der Flöte eine zentrale Rolle zuteilt.

Die Trios in D-Dur und G-Dur folgen der klassischen Sonatenform: Einem schwungvollen Kopfsatz folgt zunächst jeweils ein lyrischer Mittelsatz, in dem Flöte und Klavier gleichermaßen um die Gunst des Zuhörers buhlen, während das Violoncello dezent begleitet. Die Finalsätze beider Trios sind typische Beispiele für Haydns unerschöpflichen Reichtum an überraschenden Einfällen und seine Kunst, seine Zuhörer zum Narren zu halten. Am anschaulichsten wird das durch zahllose verschiedene Arten der mehr oder weniger plötzlichen Rückführung in das jeweilige Hauptthema oder, im GDur- Trio, die humorvoll prolongierten Klavierkadenzen.

Nicht nur unter diesem Aspekt scheint die etwas ungewöhnliche Form des dritten Trios in F-Dur schlüssig: Der erste Satz ist von eher ernsthaftem Charakter und erinnert, anders als die instrumental-spielerischen Kopfsätze der beiden anderen Trios, eher an so manches symphonische oder konzertante Werk aus Haydns OEuvre. Der Tempobezeichnung des zweiten Satzes ist unmissverständlich das Wort „Finale” vorangestellt, und anders als in den beiden virtuosmusikantischen Schlusssätzen der ersten Werke verabschiedet sich „Papa Haydn” hier, am Ende des „ernsthaften” Trios, mit einem musikalischen Augenzwinkern.


Martin Rummel


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