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8.572877 - SCHUMANN, R.: Arrangements for Piano Duet, Vol. 1 (Eckerle Piano Duo) - String Quartet No. 3 / Piano Quintet
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Robert Schumann (1810–1856)
Bearbei tungen für Klavier zu 4 Händen • 1

 

In einer Zeit ohne die Möglichkeiten der Tonaufzeichnung boten Arrangements für Klavier zu zwei Händen, seit dem frühen 19. Jahrhundert immer öfter für Klavier zu vier Händen (was durch die Erweiterung der Tastatur und des Klangvolumens der Klaviere be dingt war), in der zweiten Jahrhunderthälfte auch gelegentlich für zwei Klaviere die einzige Möglichkeit, größer besetzte Werke, z.B. für Orchester mit oder ohne Singstimmen, oder solche, deren Instrumente, z.B. Or gel, gerade nicht zur Ver fügung standen, kennen zu lernen, zu spielen oder zu hören. Die Anzahl der vierhän digen Bearbeitungen, die im Druck erschienen, übertraf schon früh die der vierhändi gen Originalkompositionen um ein Vielfaches. Gelegentlich wur den sie vom Kompo nisten selbst erstellt, auch von dessen Freunden oder Schülern, in den meisten Fäl len aber von mehr oder weniger guten professionellen Arrangeu ren, die in oder für die Verlage arbeiteten.

Dies gilt auch für Robert Schumann, der selbst sehr gerne vierhändig spielte und eine Reihe von bedeutenden Werken für diese Besetzung schuf, an erster Stelle die „Bilder aus Osten“ op. 66 (1848). Diese Werke hatten ihren Platz allerdings nicht im öffentli chen Konzert, sondern im Haus und im kultivierten Salon. Die vierhändigen Bearbei tungen schrieb Schumann nur in den wenigsten Fällen (z.B. der Ouvertüre zu „Her mann und Dorothea“ op. 136) selbst oder in Zusammenarbeit mit seiner Frau Clara, er überwachte aber fast immer das Arrangement, meist durch von ihm ge schätzte Musiker aus seinem Umfeld, z.B. seinen Schwager Woldemar Bargiel oder seinen getreuen Adepten Carl Reinecke („Rheinische“ Symphonie Es-Dur op. 97), da auch von der Qualität der Bearbeitung der Erfolg und die Verbreitung des Werks ab hängig waren. In einigen Fällen schlug er sogar Bearbeiter vor, lehnte andere ab und griff korrigierend in die Noten ein.

Die von dem Schumann-Forscher und -Preisträger (2003) Joachim Draheim konzi pierte, auf sieben CDs angelegte Reihe enthält alle Orchesterwerke, die von Schu mann selbst oder unter seiner Aufsicht für Klavier zu vier Händen bearbeitet wurden, sowie eine repräsentative Auswahl weiterer Orchester- und zentraler Kammermusik werke, bei denen eine Bearbeitung, die z. T. erst nach Schumanns Tod erfolgte, mu sikalisch sinn voll und klanglich überzeugend erschien.

Streichquartett A-Dur op. 41, Nr. 3 (1842)
Bearbeitung für Klavier zu 4 Händen von Otto Dresel, revidiert vom Komponisten (1852)

Mit der ihm eigenen Systematik und Konsequenz erschloss sich Robert Schumann nach den revolutionären Klavierwerken der 1830er Jahre alle weiteren, auch für sein Ansehen als Komponist wichtigen mu si ka lischen Gattungen: 1840 das Lied, 1841 die Symphonik und 1842 die Kammermusik, die die höchsten Ansprüche an Komponis ten, Interpreten und Hörer stellte. Er begann denn auch gleich mit der „Königsgat tung“, dem Streichquartett, und nach einem nochmaligen gründlichen Studium der Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven, die er zum Teil schon gut kannte und schätzte, schrieb er in der Zeit vom 2. Juni bis 22. Juli 1842 in Leipzig drei Streich quartette in a-moll, F-Dur und A-Dur. Ihre Beendigung und eine erste private Probe am 8. September bereitete ihm sehr viel Freude. Clara Schumann erhielt die Quartet te als Geschenk zu ihrem 23. Geburtstag am 13. September 1842 und äußerte ihr Entzücken über „all das Herrliche“ und fand „Alles neu, dabei klar, fein durchgearbei tet und immer quartettmäßig“. Da auch Mendelssohn, der die Quartette bei einer wei - teren Probe hörte, sich mehrfach lobend dazu äußerte, wagte es Schumann, die drei Quartette als op. 41 im Erstdruck in Stimmen im Februar 1843 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig dem verehrten Freund und angesehensten Komponisten Europas zu sei nem 34. Geburtstag zu widmen.

Erst nach Mendelssohns frühem Tod am 4. November 1847, der Schumann tief er schütterte, gelang es ihm, auch eine für die Verbreitung und das Studium dieser Werke förderliche Partitur (September 1848) herausbringen zu lassen. In diesem Zusammenhang durfte auch an das übliche vierhändige Arrangement gedacht werden. Mitte 1848 schickte der damals 21jährige Otto Dresel, der als Absolvent des Leipziger Konservatoriums Mendelssohn und Schumann kannte und bewunderte, seine vierhändige Bearbeitung der drei Quartette an den Verlag Breitkopf & Härtel, der aber erst die Erlaubnis des Komponisten einholen wollte. Als Schumann darauf zunächst nicht reagierte, fragte Dresel bei ihm am 9. Oktober 1848 nach; noch am selben Tag erhielt der Verlag Schumanns Zustimmung; er nannte das Arrangement „sehr gut“. Dennoch verzögerte sich die Drucklegung bis zum Mai 1852; Dresel hatte übrigens auf ein Honorar verzichtet und Schumann die Bearbeitung noch einmal revidiert und dabei aus klanglichen Gründen langsamere Metronomangaben gegenüber dem Original eintragen lassen, was durch einen autographen Zettel bestätigt wird. Schumann nahm die Druckausgabe in die Sammlung seiner Originalwerke auf und autorisierte sie damit.

Schumanns Streichquartette gehörten weder im 19. Jahrhundert noch heute zu sei nen beliebtesten Werken, obwohl es sich um singuläre Meisterwerke handelt, in de - nen die klassische Form zugleich bewahrt und weiterentwickelt und mit romanti schem Geist erfüllt wird. Das A-Dur-Quartett, das längste und wirkungsvollste der drei, zeichnet sich durch formale Originalität (Variationssatz an Stelle des Scherzo) und eine große Spannweite zwischen Lyrismus, polyphonen Verflechtungen von gro ßer Expression und vitalem Schwung aus. Ein solches Werk für Klavier zu vier Hän den zu bearbeiten war aufgrund der Unterschiedlichkeit von Klavier- und Streich quar tettsatz extrem schwierig. Otto Dresel hat diese Aufgabe durch Ausweitung und Spreizung des Klanges nach oben und nach unten, d. h. Oktavversetzungen und -ver doppelungen, Füllstimmen und pianistische Modifikation von Begleitfiguren glän zend gelöst, da er eben nicht nur ein berufsmäßiger Arrangeur, sondern auch ein profilierter Komponist war, dem u. a. Franz Liszt Beifall zollte. Von seinen Werken (u.a. Kammermusik, Klavierstücke und viele Lieder) ist allerdings nur ein sehr kleiner Teil im Druck erschienen. Der am 20. Dezember 1826 in Geisenheim am Rhein geborene Sohn eines Weinhändlers wanderte 1848 nach Amerika aus, prägte seit 1852 das Musikleben von Boston ent scheidend und starb in Beverly bei Boston am 26. Juli 1890. Er kehrte allerdings wie derholt nach Deutschland zurück und errang auch durch seine Bearbeitungen von Wer ken Bachs, Händels und Beethovens sowie englische Übersetzungen der Lieder des mit ihm befreundeten Robert Franz große Anerkennung.

Klavierquintett Es-Dur op. 44 (1842)
Bearbeitung für Klavier zu 4 Händen von Clara Schumann (1858)

Das Streichquartett, dessen Möglichkeiten Schumann erfolgreich erprobt hatte, mit dem Klavier, „seinem“ Instrument, zu kombinieren, lag nahe. So schrieb Schumann zwischen dem 23. September und dem 16. Oktober 1842 ein Quintett für Klavier und Streichquartett, mit dem die Gattung „Klavierquintett“ einen glanzvollen Anfang nahm. Auf Schumanns Spuren folgten u. a. Brahms, Dvořák, César Franck und Béla Bartók. Schumann erfüllte damit zugleich den Wunsch seiner Frau Clara nach einem wirkungsvollen Werk für den Konzertsaal, das zunächst als Ersatz für das noch nicht vollendete Klavierkonzert a-moll op. 54 diente und später das von ihr in ihrer langen Karriere am häufigsten gespielte Kammermusikwerk ihres Mannes war. Es ist im Druck (Breitkopf & Härtel, Leipzig, September 1843) ihr gewidmet und wurde natür lich auch von ihr am 8. Januar 1843 im Leipziger Gewandhaus zur erfolgreichen Ur aufführung ge - bracht, „ein Werk voll Kraft und Frische“, wie sie im „Ehetagebuch“ schon Ende September 1842 urteilte.

Aber auch Mendelssohn und selbst der Schumann nicht freundlich gesonnene Ri chard Wagner lobten das Klavierquintett, dessen Wertschätzung seit der Entstehung ungebrochen ist. In seiner gelungenen Mischung von konzertanten und kammermusi kalischen Elementen, in der thematischen Vernetzung der vier Sätze, wohl am deut lichsten in der fulminanten Schlussstretta des Finales, in dem die Hauptthemen des Kopfsatzes und des zwischen g-moll und Es-Dur pendelnden Satzes in einem Fugato kombiniert werden, und in seiner ungewöhnlichen formalen Anlage (ein ergreifender Trauermarsch mit zwei kontrastierenden Trios steht an der Stelle des langsamen Satzes im Zentrum) fasziniert es immer wieder.

Ein solches Werk für Klavier zu vier Händen zu bearbeiten war zugleich leichter als bei den Streichquartetten, da man einzelne Passagen im Secondo gelegentlich unver än dert übernehmen konnte, und sehr viel schwieriger, da sich das Klavier und die Strei cher meist in der selben Lage bewegen. Schon 1845 schlug Schumann dem Verlag vor, ein vierhändiges Arrangement von dem später als Musikschriftsteller hervor getretenen Alfred Dörffel (1821–1905) erstellen zu lassen, was der Verlag ablehnte. Johannes Brahms schenkte Clara Schumann zu ihrem 35. Geburtstag am 13. Sep tember 1854—Schumann war damals bereits in der Heilanstalt in Endenich—eine vierhändige Bearbeitung des ganzen Quintetts und eine zweihändige, fast unspiel ba re (und erst 1983 veröffentlichte) des klangmächtigen Scherzos, worüber sie sich sehr freute. Am 30. Januar 1855 bot er die vierhändige Bearbeitung dem Verlag Breitkopf & Härtel an, der sie wegen zu großer technischer Schwierigkeiten ablehnte. Das Manuskript ist inzwischen verschollen; es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Cla ra Schumann für ihre Bearbeitung, die im Herbst 1857 entstand und im Juli 1858 bei Breitkopf & Härtel erschien, auf die Vorlage von Brahms zurückgegriffen hat. Das Arrangement ist immer noch sehr schwierig, aber nicht unspielbar, und zeigt einmal mehr Clara Schumanns tiefe Vertrautheit mit den Werken ihres Mannes, die sie zu vor und danach immer wieder kongenial bearbeitet (u. a. Klavierauszug der Oper „Ge noveva“, weitere vierhändige Arrangements, 30 Lieder für Klavier) und z. T. zum ers ten Mal herausgegeben hat.


Joachim Draheim


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