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8.579001 - DORMAN: Piano Sonatas 1-3 / Moments Musicaux / Azerbaijani Dance
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Avner Dorman (geb. 1975)
Klaviermusik

 

Der 1975 in Israel geborene israelisch-amerikanische Komponist Avner Dorman wurde binnen kurzer Zeit zu einem der meistgespielten Komponisten Israels. Mit 25 Jahren war er seinerzeit der jüngste Komponist, der den angesehenen israelischen Prime Minister's Award erhielt. Seither wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem von der American Society of Composers and Publishers (ASCAP), dem Asiatischen Komponistenverband, von ACUM (der israelischen GEMA) und der Amerikanisch-Israelischen Kulturstiftung. Zubin Mehta und das Israel Philharmonic Orchestra, das Jerusalemer Symphonieorchester, das Jerusalem Quartet, der Tanglewood Festival Choir, die New Fromm Players, das Young Israel Philharmonic Orchestra, das Percadu Ensemble, das Orchester des Staatlichen Musiktheaters Rostov, die Bat Dor Dance Company, das Peridance Ensemble, die Israel Camerata, die Seraphim Singers, die Tel-Aviv Soloists und das Musica Nova Ensemble haben an Dorman Aufträge vergeben und seine Musik aufgeführt. Seine Werke erscheinen exklusiv bei G. Schirmer.

Avner Dorman promovierte an der Juilliard School of Music, wo er bei John Corigliano studierte, nachdem ihn zuvor hauptsächlich der georgisch-israelische Komponist Josef Bardanashvili unterrichtet hatte. Von 2001 bis 2003 war Dorman Composer-in-residence der Israel Camerata.

Das Prelude Nr. 1 (1992), ein expressives Liebeslied, ist das erste Stück, das Dorman geschrieben hat. Er war damals siebzehn Jahre alt, hatte noch keinen regulären Kompositionsunterricht erhalten und schrieb das Stück für die Recitals, die er damals als Pianist gab. In diesem Prelude Nr. 1 verwandelt Dorman das erste Präludium aus Bachs Wohltemperiertem Clavier in eine weiche Jazz-Melodie, indem er den durchgehenden Arpeggien zwei dissonante Töne hinzufügt.

Die Klaviersonate Nr. 1 (Klassische) von 1998 entfaltet eine jugendliche Lebensfreude und ist die erste Komposition, die Dorman als Schüler von Josef Bardanashvili schrieb. Das Stück ist „neoklassizistisch“ in dem Sinne, dass es bei der Klassik, beim klassischen Rock, bei den Klassikern des Broadway und andern Klassikern des 20. Jahrhunderts Anleihen macht. Der zweite Satz klingt für den Hörer zunächst wie eine Pop- Ballade, offenbart aber bei näherer Betrachtung eine Struktur und Entwicklung, die von Beethovens späten Klaviersonaten inspiriert sind. Der Schluss-Satz besteht aus einem Thema, das eine Reihe humoristischer, virtuoser Variationen erlebt.

Bei den israelischen Aviv-Wettbewerben 2001 hob die Pianistin Einav Yarden die im selben Jahr entstandene Klaviersonate Nr. 2 von Avner Dorman aus der Taufe. Diese Darbietung brachte ihr den Ersten Preis für die Interpretation einer israelischen Komposition ein. Formal sind alle Sätze des Werkes zwar recht traditionell, gleichwohl finden sich darin Elemente des Jazz und der Folklore. Im ersten Satz hat Dorman einen Pianisten vor Augen, der spät in der Nacht in einem Club sitzt und versucht, aus dem Gedächtnis eine Melodie zu spielen. Das Geschehen des Satzes kreist um den Kampf des Pianisten mit seinen Erinnerungen: Immer, wenn er die Melodie glaubt gefunden zu haben, verliert er den Faden. Im Mittelpunkt steht der Konflikt zwischen dem, woran man sich wirklich erinnert, und den Empfindungen, die mit diesen Erinnerungen verbunden sind. Der zweite Satz ist bravouröser gehalten und imitiert gelegentlich den Stil des legendären Jazzpianisten Art Tatum. Die linke Hand wiederholt ein kurzes Schema, während die rechte Hand zunehmend schnellere und komplexere Muster spielt.

Während des gemeinsamen Studiums an der Juilliard School bat Eliran Avni seinen Kommilitonen Dorman um einige kurze Klavierstücke. Dorman nannte diese Stücke Moments Musicaux(2003), was sowohl ein Tribut an Franz Schubert wie auch die Aufforderung an die Interpreten ist, sich mehr mit den musikalischen als den technischen Momenten zu befassen. Dorman konstruierte die beiden Sätze unter Verwendung strenger mathematischer Modelle, und doch vermittelt jeder Satz eigene Emotionen. Die polytonalen Arpeggien des ersten Moment erzeugen eine traurige, depressive Stim- mung, wobei die Dissonanzen in den extremen Registern glockenartige Klänge nachahmen. Moment Nr. 2 befasst sich mit den Wechselwirkungen eines kurzen zyklischen Rhythmus, der an die Salsa erinnert, und eines lyrischen zweiten Themas. Im ersten takt wird das rhythmische Motiv vorgestellt – Dorman unterteilt dabei den 4/4-Takt in 4+3+2+3+4 Sechzehntel. Das zweite, lyrische Thema spielt auf den Stil der Broadway-Melodien an. Moments Musicaux ist das erste Stück, das Dorman als Schüler von John Corigliano in Amerika komponierte.

Dance Suite (2005) schildert mit dramatischen Mitteln die Klangreise eines blinden Ìd-Spielers. (Der Ìd ist die traditionelle Kurzhalslaute des Nahen Ostens.) Das Stück beginnt mit einem leidenschaftlichen Präludium, das den inneren Konflikt des Musikers darstellt. Der nächste Satz, Oud and Kanun, basiert auf einem traditionellen arabischen maqam und enthält verschiedene Tänze. Der Satz ist wie ein taqsim gebaut, ein improvisatorisches Stück, das auf einem einzigen maqam beruht. Während dieses Satzes dringen allmählich moderne Klänge in die klassische arabische Musik ein. Der Ìd-Spieler ist von diesen neuen Klängen fasziniert und beginnt ihnen mit seiner Musik instinktiv zu folgen. Der Schluss-Satz, Techno, fängt in dem Augenblick an, wenn sich die heitere Atmosphäre unerwartet auflöst. Die Klänge der modernen Welt bringen das Stück zu einem überschwenglichen Ende. Die Tanzsuite entstand im Auftrag von Soheil Nasseri und wurde in der Alice Tully Hall, Lincoln Center uraufgeführt.

Der Aserbaidschanische Tanz (2005) ist von einer aserbaidschanischen Volksmelodie inspiriert. Dorman gibt der traditionellen Melodie entsprechend den metrischen Prinzipien türkischer und zentralasiatischer Musik eine neue Struktur, verwendet Harmonien und Texturen, die für den modernen Jazz typisch sind und verflicht die verschiedenen Elemente mit einem prächtigen Kontrapunkt. Die Kombination ist elektrisierend. Das Stück erkundet die Farben des Klaviers, das auf Volksinstrumente wie Handglocken, Flöten und Handtrommeln anspielt. Der Aserbaidschanische Tanz ist wie ein kurzes, dramatisches Virtuosenstück in der Tradition von Liszt, Ravel, Rachmaninoff, Prokofieff und andern gehalten. Dorman schrieb das Stück für Eliran Avni und diese Naxos-Veröffentlichung.

Deutsche Fassung: Cris Posslac


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