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8.660064 - GLUCK: Orfeo ed Euridice
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Christoph Willibald Gluck (1714-1787)

Orfeo ed Euridice

Christoph Willibald Gluck, 1714 in Erasbach in der Oberpfalz geboren, wuchs in Nordböhmen auf, wo sein Vater 1727 als Forstmeister in den Dienst des Fürsten Philipp Hyacinth von Lobkowitz trat. Nachdem er schon früh mit der böhmischen Musiktradition vertraut geworden war, führte ihn sein Weg über ein Studium an der Prager Universität 1734 zunächst nach Wien und später nach Italien, wo er hauptsächlich in Mailand verblieb. Hier begründete er seinen Ruf als Opernkomponist. Vermutlich mit Unterstützung des Hauses Lobkowitz ging er 1746 nach London und komponierte Werke für das dortige King’s Theatre. Es folgten verschiedene Stationen auf dem europäischen Kontinent. 1750 heiratete er in Wien die Kaufmannstochter Marianne Pergin und schrieb in den folgenden Jahren für diese Stadt, für Prag, Neapel und Rom Opern auf Libretti von Pietro Metastasio, während er zunächst als Konzertmeister und danach als Kapellmeister für den Prinzen von Sachsen-Hildburghausen arbeitete. Gluck war wesentlich an der Vorbereitung eines vom Prinzen veranstalteten großen Musik- und Theaterfestes beteiligt, für das er u.a. auch die Musik zu Metastasios Einakter Le cinesi schrieb. Es wurde ein glanzvolles Fest, das sein weiteres Fortkommen in Wien erleichterte und ihm Beziehungen zum kaiserlichen Hof verschaffte. Während dieses Jahrzehnts arbeitete er mit dem Grafen Durazzo zusammen, der ab 1754 die beiden großen Wiener Theater leitete; hier beschäftigte sich Gluck besonders mit der Bearbeitung der französischen opéra comique für die Wiener Bühne.

Die Zusammenarbeit mit Durazzo war von großer Bedeutung für Gluck und für die Geschichte der Oper schlechthin. 1755 wurde er Hofkomponist und 1759 Ballettkomponist, und im Jahre darauf war er auch für die Schauspielmusik verantwortlich. 1761 schuf er mit dem Tänzer und Ballettmeister Gasparo Angiolini das Ballett Don Juan ou Le festin de pierre (Don Juan oder Der Steinerne Gast), ein sog. ballet d’action; derartige „Handlungsballette" waren die Mode der Zeit. Im selben Jahr kam der Dichter und Literat Ranieri de’ Calzabigi nach Wien, wo er für einen Richtungswechsel auf dem Gebiet der Oper sorgte, indem er die Konventionen der metastasianischen opera seria zugunsten einer neuartigen Schlichtheit und eines gewissen dramatischen Realismus aufgab. Das erste Resultat der Gemeinschaftsarbeit von Calzabigi, Angiolini und Gluck war Orfeo ed Euridice. Es folgten noch zwei weitere sog. „Reformopern" mit Calzabigi: 1767 Alceste (Naxos 8.66066-68) und 1770 Paride ed Elena. Zwischen 1774 und 1779 feierte Gluck große Erfolge in Paris, wo im August 1774 eine französische Fassung des Orfeo und zwei Jahre später eine Bearbeitung der Alceste gespielt wurde. Doch nach dem Pariser Mißerfolg seiner Oper Echo et Narcisse, bei deren Proben er einen Schlaganfall erlitten hatte, kehrte Gluck nach Wien zurück, wo er bis zu seinem Tode im Jahre 1787 blieb.

Calzabigi nahm später für sich in Anspruch, Gluck durch seinen klassisch maßvollen Text wesentlich zur Komposition des Orfeo inspiriert zu haben; Gluck hat dem nie widersprochen. Besonderen Wert legte der Librettist auf die Beziehung zwischen Oper und Deklamation, in gewissem Sinne auf eine Rückkehr zu den ersten Anfängen der Gattung im späten 16. Jahrhundert in ihrer Verbindung mit der Rhetorik. In seiner Vorrede erklärt er, dass er den Schauplatz von Eurydikes Tod von Thrakien nach Kampanien verlegt habe, in die Nähe des vermeintlichen Eingangs zur Unterwelt nahe dem Averner See, um damit die von Aristoteles geforderte Einheit des Ortes zu gewährleisten. Weiterhin adaptierte er die Legende (nach der Orpheus Eurydike verliert, da er das Verbot, sich nach dem Verlassen der Unterwelt nach ihr umzuwenden, missachtet), indem er sich für das zeitübliche „lieto fine", das glückliche Ende, anstelle des härteren Schlusses der klassischen Vorlagen, Vergils 4. Georgica und des 6. Buchs der Äneis, entschied. — Bei der Uraufführung am 5. Oktober 1762 im Wiener Burgtheater sang der Kastrat Gaetano Guadagni den Orpheus; Marianna Bianchi war die Eurydike und Lucile Clavereau sang die Partie des Amor.

Die Handlung

[1] Die lebhafte Ouvertüre stimmt auf das folgende Geschehen ein.

Erster Akt

Szene 1

[2] Einsamer Hain von Lorbeerbäumen und Zypressen mit dem Grab Eurydikes. Zu feierlich-ernster Musik erklingen die Klagen der Nymphen und Schäfer sowie die Wehrufe des trauernden Orpheus.

[3] Orpheus bittet seine Begleiter, ihn in seiner Trauer allein zu lassen.

[4] Die Nymphen und Schäfer fahren mit ihrem Trauertanz fort.

[5] Sie beenden den Klagegesang und ziehen sich zurück.

[6]-[10] Orpheus ruft den Namen seiner geliebten Gattin und beweint ihren Tod.

[11] Voll Bitterkeit beklagt sich Orpheus über die erbarmungslosen Götter der Unterwelt.

Szene 2

[12] Amor, der Gott der Liebe, schwebt herab und bietet seine Hilfe an. Orpheus dürfe seine Gattin aus dem Totenreich entführen, wenn es ihm gelinge, die Furien und Geister des Hades durch die Macht seines Gesanges zu besänftigen. Auf ihrem Weg zurück zur Welt der Lebenden dürfe er sich aber nicht nach Eurydike umwenden und ihr den Grund seines Handelns mit keinem Wort erklären.

[13] Amor gemahnt Orpheus daran, dass sein Leid bald ein Ende haben werde, wenn er in seinem Vorhaben standhaft bleibe.

[14] Orpheus ist überglücklich, sieht aber Eurydikes Verzweiflung angesichts des von ihm verlangten Handelns voraus.

[15] Blitzen und Donner. Er geht ab.

Zweiter Akt

Szene 1

[16] Furchterregende Höhlengegend im Hades. Orpheus lässt seine Leier erklingen, während Furien und Geister ihn mit einem Höllentanz begrüßen.

[17] Die Geister verlangen zu erfahren, wer wie die Helden Herakles und Peiristhos zu ihnen hinabgestiegen sei.

[18] Die Geister setzen ihren Tanz fort.

[19] Die Geister beschwören die Eumeniden, Orpheus den Weg zu versperren.

[20] Die Geister setzen ihren Tanz fort.

[21] Orpheus versucht, die Furien und Geister mit seinem Gesang zu besänftigen.

[22] Der Widerstand der Geister lässt nach; sie fragen Orpheus nach dem Grund seines Kommens.

[23] Orpheus erklärt, dass er wie die Geister selbst tausend Qualen leide.

[24] Die Geister beginnen Mitleid zu fühlen.

[25] Orpheus fragt die Geister, ob ihnen das Sehnen eines liebenden Herzens bekannt sei.

[26] Der Gesang hat die Geister gerührt, die nun den Weg zu den Gefilden der Seligen freigeben.

Szene 2

[27] Landschaft mit grünen Hainen, blumigen Wiesen, Flüssen und Bächen. Orpheus sieht sich umgeben von den seligen Geistern der Verstorbenen.

[28] Elysische Heiterkeit umfängt ihn. Aber noch hat er Eurydike, das Ziel seiner Sehnsucht, nicht gefunden.

[29] Die seligen Geister preisen Orpheus’ Treue.

[30] Tanz der seligen Geister

[31] Orpheus erwartet voll Ungeduld Eurydike, die nun erscheint.

[32] Eine Schar von Heroinen geleitet Eurydike zu Orpheus. Er ergreift ihre Hand und führt sie eilig hinweg.

Dritter Akt

Szene 1

[33] Orpheus führt Eurydike an das Licht des Tages, ohne sich nach ihr umzuwenden. Sie ist zunächst entzückt, dann aber vermisst sie die Zärtlichkeit des Gatten. Doch Orpheus bleibt standhaft und führt sie weiter.

[34] Eurydike leidet unter der vermeintlichen Gefühllosigkeit ihres Gatten, Orpheus unter ihrem Zweifel an seiner Liebe.

[35] Eurydike fürchtet sich vor ihrem zukünftigen Los; nicht länger wähnt sie sich den Leiden der Menschen gewachsen.

[36] Eurydike glaubt, vom Frieden des Todes in ein Leben voll Schmerz zurückgekehrt zu sein.

[37] Orpheus kann die Vorwürfe Eurydikes nicht länger ertragen und wendet sich ihr zu. Als er sie anblickt, stirbt sie.

[38] Orpheus beklagt den erneuten Tod Eurydikes.

[39] Orpheus wird nur noch von einem Wunsch beseelt: Eurydike in den Hades zu folgen.

Szene 2

[40] Als Orpheus aus dem Leben scheiden will, eilt Amor herbei, entwendet ihm die Waffe und belohnt ihn für seine Liebe und Standhaftigkeit, indem er die Entschlafene noch einmal zu neuem Dasein erweckt.

Szene 3

[41] Auf ein Zeichen Amors verwandelt sich die Szene in den Tempel des Liebesgottes, wo Orpheus mit Nymphen und Schäfern die Macht Amors und die Rückkehr Eurydikes besingt.

Keith Anderson

Deutsche Fassung: Bernd Delfs


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