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8.660080-82 - MOZART: Don Giovanni
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Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Il dissoluto punito ossia Don Giovanni

Dramma giocoso

Libretto von Lorenzo Da Ponte

Don Giovanni, ein leichtfertiger junger Edelmann

Der Komtur

Donna Anna, seine Tochter

Don Ottavio, ihr Verlobter

Donna Elvira, eine von Don Giovanni verlassene Dame aus Burgos

Leporello, Don Giovannis Diener

Zerlina, ein Bauernmädchen

Masetto, ihr Verlobter

Edelleute und Hofdamen, Bauern und Bäuerinnen, Musiker, Dienerschaft

Die Handlung spielt in einer Stadt in Spanien

In Wien, wo er die letzten zehn Jahre seines Lebens verbrachte, konnte sich Mozart endlich wieder seiner geliebten Form der Oper widmen. Er hatte lange Zeit auf eine Gelegenheit gewartet; seine Heimatstadt Salzburg hatte sie ihm nicht bieten können. Die Hochzeit des Figaro, geschrieben auf ein Libretto des Italieners Lorenzo Da Ponte, wurde 1786 in Wien ein großer Erfolg, in Prag allerdings ein wahrer Triumph - Mozart und Da Ponte erhielten den Auftrag für eine neue Oper, die in der kommenden Wintersaison aufgeführt werden sollte. Da Ponte hatte somit drei Libretti gleichzeitig zu schreiben - L’arbore di Diana für Martin y Soler (ein eigenes Werk Da Pontes), eine italienische Bearbeitung von Beaumarchais’ Tarare für Antonio Salieri (daraus wurde Axus, ré d’Ormus) und Don Giovanni für Mozart. Da Ponte stellte dem Kaiser seine Situation so dar, daß er vormittags für Martin im Geiste Petrarcas schreibe, abends für Salieri als „Tasso", und nachts für Mozart, wobei er sich Dantes „Inferno" vorstelle. Ob das wirklich so war, sei dahingestellt; jedenfalls konnte er sich im Falle von Don Giovanni auf eine Vorlage stützen, die erst vor kurzem in Venedig aufgeführt worden war, und die Geschichte von Don Giovanni und dem Steinernen Gast war allgemein bekannt, durch das Theaterstück von Tirso de Molina aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Für die Proben in Prag hatte Mozart zehn Tage angesetzt, was sich allerdings als zu optimistisch erwies. Zwei weitere Wochen waren nötig, ehe die Oper am 29. Oktober 1787 aufgeführt werden konnte; zu spät für die Feierlichkeiten zur Hochzeit von Erzherzogin Maria Theresia und Prinz Clemens von Sachsen, für die das Werk ursprünglich in Auftrag gegeben worden war. Dennoch war Don Giovanni in Prag überaus erfolgreich; für den Mai des kommenden Jahres wurde eine Aufführung in Wien anbefohlen. Hier war man wiederum geteilter Meinung über das Werk, so mancher hielt die Musik für zu schwer zu singen, wenn nicht gar unsingbar. Auch der Kaiser äußerte sich in dieser Weise, wie aus seinen Aufzeichnungen hervorgeht. Da Ponte hingegen berichtete, der Kaiser hätte das Werk ausgesprochen schön gefunden, es sei aber wohl „kein Bissen" für seine Wiener. Mozart selbst hatte keinerlei Zweifel am Wert seiner Oper, mußte sich aber mit der Überzeugung zufrieden geben, daß die Zeit das ihrige tun und die Geschichte das letzte Wort über sein Werk sprechen wird.

Die Oper Don Giovanni ist von daher ungewöhnlich, daß es zwei authentische Fassungen gibt, die Prager Fassung der Uraufführung und eine Bearbeitung für Wien; beide stammen von Mozart und Da Ponte. Für die letztere hatte Mozart die Tenorarie Il mio tesoro durch Dalla sua pace ersetzt, die den stimmlichen Fähigkeiten Francesco Morellas, des Wiener Don Ottavio, besser angepaßt war. Für Donna Elvira, die in Wien von Salieris Schützling Caterina Cavalieri gesungen wurde, wurde eine ganze Szene hinzugefügt. Im Laufe der Jahre sind vielfältige Aufführungsvarianten entstanden, darunter auch einige unglückliche Versuche, beide Fassungen miteinander zu verbinden. Die vorliegende Aufnahme bringt zunächst die Prager Fassung; die Änderungen bzw. Ergänzungen der Wiener Fassung erscheinen (ohne Rezitative) in einem Anhang: Die Tenorarie Dalla sua pace, das Duett für Leporello und Zerlina Per queste tue manine sowie Donna Elviras (accompagnato-) Rezitativ und Arie Mi tradi quell’alma ingrata.

Überblick über den Verlauf der Oper

CD 1

<1> Die Ouvertüre deutet mit ihrer unheilverkündenden d-Moll-Einleitung auf das gespenstische Ende der Oper hin; eine Stimmung, die bald vom Beginn des D-Dur-Allegros verdrängt wird.

I. Akt

1. Szene <2> Es ist Nacht. In einem Garten in Sevilla, vor dem Haus von Donna Anna, geht Don Giovannis Diener Leporello auf und ab und beklagt sich über sein Leben, über zu wenig Essen, zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit. Wie gern wäre er auch ein Edelmann, anstatt hier Wache halten zu müssen, während sich sein Herr bei einem Rendezvous vergnügt. Man hört Stimmen, er versteckt sich. Donna Anna kommt heraus, sie hält Don Giovanni am Arm gepackt, während dieser versucht sich zu verbergen - sie soll keinesfalls sehen, wer er ist. Er tut sein Bestes, um ihre Schreie zu ersticken, wie Leporello die Szene kommentiert. Als ihr Vater aus dem Haus tritt, läßt sie Don Giovanni los und eilt ins Haus zurück. Der Komtur fordert Don Giovanni zum Duell, dieser weigert sich zunächst, mit ihm zu kämpfen, muß aber schließlich nachgeben. Sie fechten; der alte Mann stürzt tödlich getroffen zu Boden und ruft um Hilfe.

2. Szene <3> Don Giovanni ruft Leporello, der ihn fragt, wer eigentlich tot sei - Don Giovanni oder der alte Mann. Als er begriffen hat, was sich abgespielt hat, beglückwünscht er seinen Herrn, die Tochter verführt und gleichzeitig den Vater getötet zu haben. Don Giovanni droht ihm mit Ohrfeigen, Leporello ist still, während sie sich gemeinsam davonmachen.

3. Szene <4> Im Hause gehen die Lichter an, Donna Anna, Don Ottavio (mit gezogenem Schwert) und Diener kommen heraus, um dem Komtur zu Hilfe zu eilen. <5> Donna Anna sieht ihn am Boden liegen, zu ihrem Entsetzen muß sie feststellen, daß er tot ist. Sie beklagt den Verlust ihres Vaters, Don Ottavio versucht sie zu trösten. <6> Donna Anna läßt ihrem Schmerz freien Lauf, während Don Ottavio, ihr Verlobter, Trost spendet, so gut er kann. Sie schwören, sich an dem unbekannten Mörder zu rächen.

4. Szene <7> Don Giovanni und Leporello sind auf einer Straße ganz in der Nähe; Leporello würde seinem Herrn gern etwas sagen, wenn dieser nur nicht böse auf ihn wäre. Don Giovanni verspricht, sich zu beherrschen, braust aber auf, als Leporello ihm ins Ohr schreit, er würde nun das Leben eines Schurken führen. Er beruhigt sich wieder und erzählt seinem Diener, er sei auf eine andere Eroberung aus, eine Frau, die er bereits getroffen hat. Er spürt Frauenparfüm in der Luft, beide ziehen sich ein wenig zurück. <8> Donna Elvira, die von Don Giovanni sitzen gelassen wurde, ist auf der Suche nach ihrem ehemaligen Liebhaber und beklagt sich darüber, wie sie von diesem behandelt worden ist. Don Giovanni, der sie zunächst nicht erkennt, macht zur Seite spitze Bemerkungen und schlägt vor, er könne ihr ja ein wenig Trost bringen, was von Leporello zynisch beantwortet wird. <9> Schließlich tritt Don Giovanni vor - er und Donna Elvira erkennen einander, er ist derjenige, der sie betrogen hat. Sie überhäuft ihn mit Vorwürfen, während er versucht sie zu beruhigen, aber ohne Erfolg; er überläßt es Leporello zu erklären, was geschehen ist, und macht sich aus dem Staub. <10> Leporello glaubt sie damit trösten zu können, daß er in seiner „Katalogarie" alle Eroberungen seines Herrn aufzählt - 640 Frauen in Italien, 231 in Deutschland, 100 in Frankreich, 91 in der Türkei, und mittlerweile 1003 in Spanien; Frauen aus allen Klassen und Schichten, Frauen aller Altersgruppen und von unterschiedlichem Schönheitsgrad.

6. Szene <11> Donna Elvira ist außer sich angesichts dieser Offenbarung der Untreue und schwört Rache.

7. Szene <12> Auf dem Lande haben sich Bauern und Bäuerinnen versammelt, um die Hochzeit von Zerlina und Masetto zu feiern. Die Jugend ist die Zeit für die Liebe, singt Zerlina; Masetto ergänzt, Heirat ist die Antwort darauf.

8. Szene <13> Don Giovanni und Leporello kommen hinzu. Don Giovanni bietet dem Hochzeitspaar seine Freundschaft an und lädt die Gesellschaft auf sein Schloß ein, nicht ohne Leporello angewiesen zu haben, Masetto irgendwie abzulenken, während er sich um Zerlina kümmert. In Masetto regen sich Zweifel und Eifersucht. <14> In seiner Arie sagt er, er habe begriffen, was hier vor sich geht; er dankt Don Giovanni und macht Zerlina in Gedanken Vorwürfe, sie sei ohne Zögern bereit, Don Giovannis zu willen zu sein. Leporello versucht unterdessen, die Befehle seines Herrn auszuführen; schließlich gelingt es ihn, Masetto wegzuführen.

9. Szene <15> Don Giovanni, allein mit Zerlina, sagt zu ihr, sie sei für Masetto zu schade und für Besseres gemacht - er trägt ihr die Heirat an. <16> Er nimmt sie bei der Hand, um sie in sein Schloß zu führen; sie jedoch glaubt nicht daran, daß er es ernst meint, außerdem sei sie bereits an Masetto vergeben. Schließlich wenden sie sich zum gehen, Arm in Arm.

10. Szene <17> Don Giovannis beabsichtigte Verführung Zerlinas wird durch den wütenden Auftritt Donna Elviras gestört; sie überhäuft ihren ehemaligen Liebhaber mit Vorwürfen und will Zerlina retten. Don Giovanni beteuert, Donna Elvira habe den Verstand verloren, durch ihre Liebe zu ihm, und er müsse so tun, als ob er auf sie eingeht, damit sie ihren Willen hat. <18> Donna Elvira fleht Zerlina an, aus ihrem Beispiel zu lernen, und sich aus Don Giovannis Umstrickung zu befreien, solange sie noch kann. Sie nimmt Zerlina mit sich fort.

11. Szene <19> Nun allein, beklagt sich Don Giovanni über sein Pech. Don Ottavio und Donna Anna kommen hinzu; sie wissen noch nicht, welche Rolle er bei der Verführung Donna Annas und beim Tod ihres Vaters gespielt hat. Sie bitten ihn um Hilfe, welche er verspricht.

12. Szene Sie werden durch die Rückkehr Donna Elviras gestört. <20> Donna Elvira warnt Don Ottavio und Donna Anna vor Don Giovanni. Dieser erklärt den beiden, die Frau sei wahnsinnig geworden, nachdem sie in der Liebe enttäuscht wurde. Donna Elvira ergeht sich weiter in Schimpfreden gegen Don Giovanni; er drängt die beiden, ihn allein zu lassen, damit er sie beruhigen kann. Donna Elvira scheint es immer mehr zu gelingen, die beiden davon zu überzeugen, daß sie bei klarem Verstand ist. Schließlich kann Don Giovanni Donna Elvira zum Gehen überreden. <21> Er heuchelt Mitleid für die arme Frau und verläßt Don Ottavio und Donna Anna, um ihr nachzugehen.

13. Szene <22> An seinen letzten Worten erkennt Donna Anna, daß Don Giovanni der Mann ist, der ihren Vater getötet hat. Sie erklärt, sie habe damals den Mann, der ihr Zimmer eingedrungen ist, fälschlicherweise für Don Ottavio gehalten. Als sie ihren Irrtum bemerkt hat, habe sie sich gegen den Mann gewehrt und um Hilfe gerufen. Als ihr Vater ihr zu Hilfe eilen wollte, sei er umgebracht worden. <23> Donna Anna hat seine Stimme erkannt und weiß nun, wer der Mann war, der ihre Ehre verletzen wollte, und der ihren Vater ermordet hat. Sie fleht Don Ottavio an, Rache zu nehmen.

14. Szene <24> Don Ottavio, nun allein, kann nicht recht glauben, daß sich ein Edelmann jemals so benommen hätte; er beschließt jedoch, die Wahrheit herauszufinden und seine Geliebte und deren Vater zu rächen.

CD 2

15. Szene <1> Als Don Ottavio abgeht, kehren Leporello und Don Giovanni zurück. Der erstere berichtet, wie er für die Unterhaltung der Bauern und Masettos im Schloß gesorgt hat, und wie es ihm gelungen ist, Donna Elvira, die unglücklicherweise aufgetaucht war, aus dem Schloß auszusperren. <2> Don Giovanni plant, ein Fest zu geben für alle Mädchen, die Leporello nur finden kann. Es soll getanzt und getrunken werden, und er will in seine Liste der Eroberungen weitere zehn aufgenommen haben, bevor die Sonne aufgegangen ist.

16. Szene <3> Im Garten versucht Zerlina Masetto davon zu überzeugen, daß Don Giovanni nicht einmal ihre Fingerspitzen berührt hat. <4> Sie möchte unter allen Umständen, daß sie sich wieder vertragen; sie sagt, er könne sie schlagen, wenn er will, und sie würde seine Hände küssen. <5> Masetto bewundert Zerlinas „Zauberkräfte", mit denen sie die Versöhnung zustande bringt. Man hört die Stimme Don Giovannis, der Anordnungen gibt für das große Amüsement, das er vorhat. Zerlina drängt Masetto zu gehen, bevor Don Giovanni ihn findet, was seinen Verdacht von neuem erregt. <6> Masetto muß nachgeben, er versteckt sich und plant, ihre Treue auf die Probe zu stellen.

17. Szene Don Giovanni tritt auf, begleitet von vier Dienern in Livree, denen er die Befehle für das Festgelage gibt.

18. Szene <7> Zerlina will sich ebenfalls verstecken, wird aber von Don Giovanni erwischt, dem sie zu entkommen versucht. Er entdeckt auch Masetto. In diesem Augenblick setzt die Tanzmusik ein, alle drei machen sich auf den Weg zum Fest.

19. Szene <8> Don Ottavio, Donna Anna und Donna Elvira erscheinen maskiert. Donna Elvira mahnt, Mut zu fassen, da sie den Übeltäter entlarven wollen, Don Ottavio stimmt ein, während Donna Anna ihre Angst ausdrückt. Leporello öffnet das Fenster und macht Don Giovanni auf die drei ankommenden Gäste aufmerksam; sie werden eingeladen, an dem Fest teilzunehmen. <9> Die drei maskierten Gäste geben ihren Gefühlen Ausdruck, da sie Rache nehmen wollen, und flehen um himmlischen Beistand bei ihrem Unterfangen.

20. Szene <10> In dem prachtvollen Ballsaal bieten Don Giovanni und Leporello den Bauern Unterhaltung, Tanz und Erfrischungen, Kaffee, Schokolade, Sorbets und Leckereien. Zerlina und Masetto ahnen Schlimmes, als sich Don Giovanni ihnen nähert; zu Recht, wie sich herausstellen wird. <11> Don Ottavio und seine zwei Begleiter, immer noch maskiert, werden in den Ballsaal geführt, sie entbieten Don Giovanni höflich ihren Gruß; dieser bringt einen Toast aus auf die Freiheit. Die Musik hebt wieder an; Don Ottavio tanzt mit Donna Anna Menuett, Don Giovanni mit Zerlina einen Contredanse; Leporello hat Masetto gefaßt, ehe er es sich versieht, und tanzt mit ihm. Don Giovanni führt Zerlina hinweg, gefolgt von Masetto, der sich von Leporello losmachen konnte. Man hört Zerlina um Hilfe schreien, dazwischen Masettos Rufe, die drei maskierten Gäste eilen ihr zu Hilfe. <12> Schließlich kehrt Don Giovanni zurück, mit dem Schwert in der Hand; er zerrt Leporello hinter sich her und tut so, als ob er ihn schlagen würde, um ihn als den Übeltäter hinzustellen. Don Ottavio und seine Begleiter nehmen ihre Masken ab und klagen Don Giovanni an. <13> Gemeinsam mit Masetto wollen sie Don Giovanni damit überwältigen, daß sie ihn an seine heimtückischen und grausamen Tat erinnern. Don Giovanni ist zunächst fassungslos, gewinnt aber schließlich seine Beherrschung zurück.

II. Akt

1. Szene <14> Auf einer Straße streiten Don Giovanni und Leporello miteinander; Leporello will nicht länger in Don Giovannis Diensten bleiben, dieser jedoch befiehlt ihm, mit diesem Unsinn aufzuhören. <15> Letzten Endes kann Don Giovanni seinen Diener mit Geld für den Moment ruhigstellen. Leporello ist bereit zu gehorchen, wenn sein Herr von den Frauen abläßt; Don Giovanni protestiert aber, er brauche die Frauen zum Leben, so wie er Speis und Trank und Luft zum Atmen braucht. Er hat bereits etwas neues vor: Er will Donna Elviras Kammerzofe den Hof machen, und tauscht zu diesem Zweck mit Leporello die Kleider.

2. Szene <16> Der Abend bricht herein, als sie an Donna Elviras Haus ankommen. Donna Elvira ist am Fenster zu sehen, sie kämpft mit ihren Gefühlen für Don Giovanni. Don Giovanni schiebt Leporello nach vorn und spricht sie an, während Leporello, in den Kleidern seines Herrn, die passenden Gesten dazu macht. Sie wird überredet herunterzukommen, um ihren Geliebten zu treffen. <17> Don Giovanni befiehlt seinem Diener, Donna Elvira in die Arme zu schließen, sobald sie kommt, und so zu tun, als wäre er Don Giovanni. Leporello gehorcht, als er die Pistole in der Hand seines Herrn sieht.

3. Szene <18> Leporello spielt seine Rolle und umarmt Donna Elvira; plötzlich springt Don Giovanni mit gezogenem Schwert auf sie zu, Leporello und Donna Elvira ergreifen die Flucht. <19> Don Giovanni singt Donna Elviras Zofe ein Ständchen und begleitet sich selbst auf der Mandoline. <20> Er sieht jemanden am Fenster erscheinen.

4. Szene Don Giovanni wird von Masetto gestört, der eine Gruppe bewaffneter Bauern anführt. Masetto fordert die Gestalt heraus, die er in der Dunkelheit ausmachen kann; Don Giovanni antwortet mit der Stimme von Leporello. Masetto erklärt, er sei auf der Suche nach Don Giovanni; dieser, in der Rolle von Leporello, verspricht ihm zu helfen. <21> Don Giovanni schickt eine Gruppe nach links und eine nach rechts, er befiehlt ihnen loszuschlagen, sobald sie einen Mann und eine Frau zusammen sehen; sie müßten ganz in der Nähe sein. Er gibt ihnen eine Beschreibung des Mannes; Leporello in der Verkleidung Don Giovannis. Die Bauern gehen los, Don Giovanni und Masetto folgen ihnen etwas später.

5. Szene <22> Die beiden kehren zurück, Don Giovanni führt Masetto an der Hand. Masetto übergibt seine Waffen an Don Giovanni, der sich die Gelegenheit zunutze macht und Masetto mit der flachen Seite seines Schwerts verprügelt. Masetto ruft um Hilfe, während Don Giovanni entflieht.

6. Szene <23> Zerlina kommt herzu geeilt, sie kümmert sich um die blauen Flecken ihres stöhnenden und jammernden Masetto. <24> Zerlina sagt, sie habe die beste Kur für ihn; sie läßt ihn spüren, wie ihr Herz pocht.

7. Szene <25> Leporello hat Donna Elvira in einen dunklen Hof geführt (in denjenigen von Donna Annas Haus), wobei er auf der Hut war, immer im Dunkel zu bleiben, um nicht erkannt zu werden. Nun überlegt er, wie er sie am besten loswerden kann. <26> Donna Elvira fürchtet sich, allein gelassen zu werden von ihrem vermeintlichen Geliebten, der nach einer Tür Ausschau hält, durch die er sich davonmachen kann. Don Ottavio und die verzweifelte Donna Anna kommen aus dem Haus; er fleht sie an, sich zu beruhigen, um ihres Vaters willen, während sie nur einen Ausweg sieht, ihren Tod.

8. Szene Donna Elvira ruft nach ihrem Geliebten, sie sieht die Tür und will gerade heraustreten, als Masetto und Zerlina hinzukommen. Sie sehen, wie Leporello beinahe von Don Ottavio zu Tode geprügelt wird, Donna Elvira bittet um Gnade für ihren Geliebten. Leporello kniet nieder, bittet um Vergebung und gibt sich zu erkennen, zum großen Erstaunen aller. Die Verfolger Don Giovannis verleihen ihrer Verwunderung über die Geschehnisse Ausdruck, während Leporello nach einem Ausweg aus seinem Dilemma sucht.

CD 3

9. Szene <1> Zerlina wirft Leporello vor, er habe Masetto angegriffen, Donna Elvira beschuldigt ihn, sie betrogen zu haben, Don Ottavio bezichtigt ihn der Arglist, wegen seiner Verkleidung. <2> Leporello bleibt nichts anderes übrig als um Gnade zu flehen und seine Unschuld zu beteuern; er wendet sich an Donna Elvira, dann an Zerlina, über deren Geliebten er gar nichts weiß, schließlich an Don Ottavio. Dabei hat er sich nach und nach zur Tür geschlichen, durch die er entwischt.

10. Szene <3> Don Ottavio schlägt vor, da Don Giovanni eindeutig des Mordes an Donna Annas Vater schuldig ist, daß sich alle wieder ins Haus begeben. <4> Er bittet sie, Donna Anna zu trösten, während er Anklage gegen den Mörder erheben will.

11. Szene <5> Don Giovanni ist auf einem Friedhof angekommen, wo Reiterstatuen und andere Grabmäler zu sehen sind, unter anderem auch das Standbild des Komturs. Don Giovanni genießt die Dunkelheit, die so passend für seine Jagd auf Mädchen ist. Er sieht, daß es kaum zwei Uhr ist und fragt sich, wie es Leporello wohl mit Donna Elvira ergangen sein möge. Er hört ihn kommen und ruft ihn zu sich. Leporello erzählt die Ereignisse dieser Nacht, nicht ohne hervorzuheben, wie er anstelle seines Herrn verprügelt worden ist. Don Giovanni erzählt, wie er, in Verkleidung seines Dieners, ein Mädchen getroffen hat, und wie vorteilhaft die falsche Identität dabei war. Ihr Gespräch wird durch eine ernste Stimme unterbrochen, die verkündet, daß Don Giovanni, noch bevor der Morgen graut, nicht mehr lachen wird. Leporello ist zu Tode erschrocken, er fürchtet, es sei eine Stimme aus einer anderen Welt. Don Giovanni hingegen zieht sein Schwert, schlägt auf die Grabsteine ein und hält nach dem Sprecher Ausschau. Wieder ist die Stimme zu hören, sie bittet Don Giovanni, die Toten ruhen zu lassen. Don Giovanni vermutet irgendeinen Trick; wie er sich umschaut, erblickt er die Statue des Komturs. Er läßt Leporello die Grabinschrift vorlesen; sie droht dem Mörder des Komturs mit Rache. Daraufhin befiehlt Don Giovanni seinem Diener, die Statue zum Abendessen einzuladen. <6> Wie es Don Giovanni befohlen hat, spricht Leporello die Einladung mit den höflichsten und ehrfürchtigsten Worten aus. Zu seinem größten Entsetzen nickt die Statue als Zeichen, daß sie annimmt, und antwortet schließlich, da Don Giovanni auf ein Wort besteht, mit „Ja".

12. Szene <7> In einem abgedunkelten Raum versucht Don Ottavio Donna Anna damit zu trösten, daß er eine Bestrafung Don Giovannis erwirken will. Er hofft so ihr Einverständnis zu ihrer baldigen Hochzeit zu gewinnen. <8> Sie bittet ihn, sie nicht für grausam zu halten. <9> Wie kann sie grausam zu ihm sein, da sie ihn doch so sehr liebt? Vielleicht wird eines Tages der Himmel Erbarmen mit ihr haben. - Don Ottavio gibt sein Drängen auf und teilt ihren Schmerz. <10> Er verspricht ihr beizustehen.

13. Szene <11> In Don Giovannis Schloß ist alles für das Abendessen vorbereitet worden, auch für Musik ist gesorgt. Kein Geld ist ihm zu schade, wenn es nur dem Vergnügen dient. Don Giovanni befiehlt den Musikern zu spielen, während er beginnt zu speisen. Leporello fragt sich, wie sein Herr nur einen solchen Appetit haben kann; ihm selbst ist unheimlich zumute, am liebsten wäre er gar nicht hier. Das hindert ihn jedoch nicht, beim Servieren so viel er kann heimlich in den Mund zu stecken. Don Giovanni, dem das nicht entgangen ist, foppt seinen Diener; als dieser wieder einmal den Mund voll hat, befiehlt er ihm zu pfeifen.

14. Szene <12> Donna Elvira stürzt herein, ein letztes Mal will sie Don Giovanni ihre Liebe beweisen. Sie kniet vor ihm nieder; er scheint sie nachäffen zu wollen und kniet ebenfalls. Sie fleht ihn an, sein Leben zu ändern; er jedoch setzt sich wieder an den Tisch und ißt weiter. Er trinkt auf die Frauen und auf den Wein; schließlich gibt sie auf und überläßt ihn seinem Laster. <13> Sie geht hinaus, plötzlich schreit sie auf und kommt zurück, um durch die Tür gegenüber zu flüchten. Don Giovanni befiehlt Leporello nachzusehen, was los ist; dieser schreit ebenfalls auf und stürzt ins Zimmer zurück. Am ganzen Körper zitternd sagt er seinem Herrn, er solle ja nicht dort hinausgehen, dort stehe ein Mann aus Stein, ganz weiß und furchtbar anzusehen. Feierlich klopft es an der Tür, Don Giovanni befiehlt seinem Diener zu öffnen. Leporello jedoch weigert sich, so steht er selbst auf, nimmt ein Licht in die Hand und geht zur Tür. Leporello unterdessen versteckt sich unter dem Tisch.

15. Szene <14> An der Tür steht die steinerne Statue des Komturs, die gekommen ist, um mit Don Giovanni zu speisen. Leporello wird befohlen, ein weiteres Gedeck aufzulegen. Der eigentliche Grund für das Erscheinen des steinernen Gastes ist jedoch nicht zu essen, sondern Don Giovanni wiederum zu sich zum Essen einzuladen. Da dieser akzeptiert, nimmt die Statue seine Hand und hält sie fest, während Don Giovanni aufschreit und versucht sich loszumachen. Er weigert sich hartnäckig, seine Sünden zu bereuen, so sehr ihn auch die Statue und Leporello drängen. Die Erde beginnt zu beben, ein feuriger Abgrund tut sich auf. Die Statue versinkt, Stimmen aus der Hölle drohen mit ewiger Verdammnis, Don Giovanni wird hinabgezogen.

Schlußszene <15> Als alles vorüber ist, treten Donna Anna, Donna Elvira, Don Ottavio, Zerlina und Masetto ins Zimmer, sie suchen Don Giovanni. Leporello erscheint und erzählt ihnen, was geschehen ist. <16> Nun, da der Himmel für die Rache gesorgt hat, kann Don Ottavio Donna Anna das Versprechen abgewinnen, daß sie nach einem Jahr heiraten werden. Donna Elvira will sich für den Rest ihres Lebens von der Welt zurückziehen, während Masetto und Zerlina beschließen, nach Hause zu gehen und zusammen zu essen. Leporello will sich auf die Suche nach einem besseren Herrn begeben; er und die anderen überlassen Don Giovanni den Göttern der Unterwelt. <17> Alle stimmen in die Schlußmoral ein: Das ist das Ende des Übeltäters; wie ein Mensch lebt, so soll er sterben.

Anhang

<18> In einer neuen Arie, die für die Wiener Aufführung geschrieben wurde, singt Don Ottavio von seiner Liebe zu Donna Anna, und wie sehr sein Seelenfrieden von dem ihren abhängt. Die Arie folgt seinem Rezitativ in der 14. Szene des ersten Akts. <19> In der Wiener Fassung erscheint das Duett zwischen Leporello und Zerlina in der 10. Szene des zweiten Akts, aus der die Tenorarie Il mio tesoro herausgenommen wurde. Leporello ist gefangen genommen und an einen Stuhl gebunden worden, er bittet Zerlina um Gnade. Zerlina wünscht, sie hätte auch schon Don Giovanni in ihrer Gewalt. Als sie sich entfernt, um Masetto zu suchen, gelingt es ihm zu entkommen. <20> Die Szene geht weiter mit der Rückkehr Masettos, er erzählt, wie er einen Mann, anscheinend Don Giovanni, dabei gestört hat, ein Mädchen zu verführen. Donna Elvira ist entrüstet über diese neuerliche Ausschweifung Don Giovannis, den sie immer noch liebt, obwohl er ihr untreu geworden war und sie verlassen hatte. Sie prophezeit, es werde noch ein schlimmes Ende mit ihm nehmen.

Deutsche Fassung: Tilo Kittel


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