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8.660096-98 - VERDI: Don Carlos
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Giuseppe Verdi (1813-1901)

Giuseppe Verdi (1813-1901)

Don Carlos

 

Friedrich Schiller gehörte zu Verdis bevorzugten Autoren. In den 1840er Jahren hatte er drei Opern komponiert, die auf Dramen von Schiller beruhen: Giovanna d’Arco (Die Jungfrau von Orléans) 1844, I masnadieri (Die Räuber) 1847 und Luisa Miller (Kabale und Liebe) 1849. Es war daher wenig überraschend, dass die Autoren der Oper Jérusalem, Gustave Vaëz und Alphonse Royer, 1850 vorschlugen, für ihr nächstes Projekt auf Schillers Drama Don Carlos aus dem Jahr 1797 zurückzugreifen. Zu dieser Zeit hatte Verdi bereits Francesco Maria Piaves Libretto über das gleiche Thema studiert, das als Vorlage für Antonio Buzzollas Oper Elisabeth di Valois gedient hatte, die im Teatro La Fenice in Venedig uraufgeführt worden war. Doch Verdi komponierte erst neun weitere große Opern, bevor sich sein Interesse am Schicksal des spanischen Infanten in einer Oper niederschlagen sollte.

 

Schon vor Don Carlos hatten drei Opern von Verdi ihre Uraufführung in Paris erlebt: 1847 Jérusalem, 1855 Les vêpres siciliennes und 1865 eine überarbeitete Fassung von Macbeth. Und auch andere Verdi-Opern wurden kurz nach ihrer Premiere in Italien auf den Bühnen der französischen Hauptstadt aufgeführt.

 

Im Sommer 1864 wandte sich der Direktor der Pariser Opéra Emile-César-Victor Perrin wegen einer neuen Oper für die Weltausstellung 1867 an Verdi. Seit es bei den Proben zu Les vêpres siciliennes fast zu einem „Krieg“ zwischen dem Komponisten und dem Opernorchester gekommen war, hatte Verdi geschwiegen. Er widmete sich der Bewirtschaftung seines italianischen Guts Sant’ Agata, baute hydraulische Maschinen, pflanzte Bäume, züchtete Pferde und ging auf die Jagd. Im Sommer 1865 schrieb er an seinen Verleger Leon Escudier, dass er wegen des früheren Debakels über das Angebot der Oper sehr überrascht gewesen sei. Er würde jedoch gerne eine Oper schreiben, wenn sich ein geeignetes Libretto finden ließe.

 

Perrin sandte Escudier sofort mit zwei Texten nach Sant’ Agata: Cleopatra und ein Szenario nach Schillers Don Carlos. Verdi zeigte bereits großes Interesse an Schillers Drama, denn auch Don Carlos beschäftigte sich mit der komplizierten Beziehung eines Vater zu seinem Kind, dem zentralen Thema seiner Opern Luisa Miller, Rigoletto, Simon Boccanegra, Aida, I due Foscari und Don Carlos. Verdi hatte ein sehr schlechtes Verhältnis zu seinem Vater gehabt, der während der Proben zu Don Carlos starb. Nach vier Jahren Ehe waren seine erste Frau, seine Tochter und sein Sohn gestorben, und er bedauerte es zutiefst, dass er mit seiner zweiten Frau, Giuseppina Strepponi, keine Kinder hatte. Ein weiterer Grund für Verdis wachsendes Interesse an Schillers Drama war seine Reise nach Spanien im Jahr 1862 und der Besuch des Palasts von König Philipp im Escorial. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der spärlich eingerichteten kleinen Kammer, in der der König auch gestorben sein soll.

 

Der französische Text des Don Carlos wurde von Joseph Méry verfasst, der La bataille de Toulouse, den Stoff für Verdis frühere Oper La battaglia di Legnano, geschrieben hatte. Méry starb jedoch während der Arbeit am Libretto, und der Text wurde von Camille Du Locle vollendet. Verdi komponierte den ersten Akt in Paris und kehrte im März 1866 nach Sant’ Agata zurück, wo er con furore drei weitere Akte vollendete. Da sich die politische Situation jedoch zunehmend verschlechterte, übernahm Verdi eine aktive Rolle im Kampf für ein vereinigtes Italien. Im April unterzeichnete Italien einen Vertrag mit Preußen, und beide Staaten bereiteten sich auf einen Krieg mit Österreich vor. Nach dem Ende der Kriegshandlungen fiel gemäß der Bestimmungen des Friedensvertrags Venedig und das Veneto an Preußens Verbündeten Frankreich, das es seinerseits an Italien abtrat. Auf diese Weise hatte Venedig freilich nicht italienisch werden sollen. Verdi schäumte vor Wut und wollte den Vertrag für Don Carlos kündigen, die Pariser Oper lehnte jedoch ab. Krieg reiche für die nötige force majeur nicht aus. Den letzten Akt komponierte Verdi schließlich in dem pyrenäischen Badeort Cauterets von Mitte August bis Mitte September 1866. Don Carlos ist Verdis längste Oper - in fünf Akten. Das französische Publikum hatte eine Grand opéra im Stil von Meyerbeer erwartet: mit großartigen Szenen, aufwändigen Kostümen, musikalischem Drama sowie ausgearbeiteten Ensembles, Ballett und Massenszenen, und Verdi komponierte ein zwanzigminütiges Ballett und zwei Massenszenen. Viel wurde über Verdis Ungeduld mit der Pariser Opéra geschrieben. Er bewunderte die Sorgfalt, mit der Produktionen an der Opéra im Vergleich zu den niedrigen Standards in Italien auf die Bühne gebracht wurden. Allerdings befürchtete er auch, dass sich angesichts der außergewöhnliche Größe und Länge des Projekts die Proben langwierig und mühselig gestalten könnten. Don Carlos wurde mehrmals revidiert (siehe unten!).

 

Don Carlos ist jedoch kein unzusammenhängendes Flickwerk. Mit dieser Oper machte Verdi einen großen Schritt in Richtung auf Aida, Otello und Falstaff.

Eine Innovation in Don Carlos ist die „Konversationsmusik“. Es gibt keine Rezitative, sondern eine zusammenhängende lyrisch-dramatische Deklamation, die eine neue Form von durchkomponiertem Dialog ergeben. Auch die musikalischen Porträts der Figuren und das intensive Zusammenspiel von Orchester und Gesangsstimmen zeigen eine neue Bandbreite, Tiefe und Vielseitigkeit. Das Orchester beteiligt sich durch die Schaffung einer speziellen Atmosphäre und eines psychologischen Ausdrucks an der inneren und äußeren Handlung. Don Carlos besteht als Oper in erster Linie aus Duetten, aber die Duette sind als dramatische Dialoge in einem Fluss der Melodien und der Psychologie der Stimmen eingebettet. Darüber hinaus ist Don Carlos aber auch eine Oper mit großen Monologen, Terzetten, Märschen und Chören, deren ungewöhnliche Klangfarbe durch den spanischen Kontext angeregt wurde.

 

Die Premiere am 11. März 1867 war nur ein mäßiger Erfolg. Verdis neuer Stil stieß bei Publikum und Kritik auf Unverständnis. Er wurde des Wagnerianismus bezichtigt, obwohl er vor der Komposition von Don Carlos nur eine von Wagners Ouvertüren gehört hatte. Für uns ist es schwer nachzuvollziehen, worin der Einfluss Wagners bestanden haben soll. Es gibt keine Leitmotive, sondern lediglich einige kleine, wiederkehrende Motive, die der Erinnerung an eine bestimmte Figur dienen.

 

Don Carlos erlebte in Paris 43 Aufführungen nach der Premiere, und die Neugier des Publikums hielt an. Die Oper wurde in einer Reihe von Ländern in verschiedenen Sprachen und Fassungen auf die Bühne gebracht, konnte sich aber bis 1920 oder 1930 nicht fest im Repertoire etablieren. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde Verdis „Opera-poema“ eines seiner beliebtesten Werke. Der darin formulierte Ruf nach Freiheit und der Kampf gegen Unterdrückung sind heute nach wie vor ein brennendes Thema.

 

Gunilla Petersén

Redakteur, Königlich Schwedische Oper Stockholm

 

Deutsche Übersetzung: Peter Noëlke

Vier Fassungen, sieben Adaptionen

 

Heute wird Don Carlos ebenso häufig in Französisch wie in Italienisch aufgeführt. Einzelne Produktionen bzw. CD- und Schallplatteneinspielungen variieren jedoch erheblich hinsichtlich der Auswahl der Szenen und der Musik. Der Umfang des originalen Materials ist so groß, dass Regisseure, Dramaturgen und Dirigenten dazu neigen, das Werk auf äußerst individuelle Weise auf die Bühne zu bringen, manchmal ohne ihre Absichten wirklich deutlich zu machen. Auch wenn mitunter von einer französischen und einer "italienischen" Fassung von Don Carlos gesprochen wird, gibt es keine "italienische" Fassung, sondern lediglich eine italienische Übersetzung, denn Verdi komponierte fast die gesamte Musik auf der Grundlage eines Librettos in französischer Sprache. Zwar hat Verdi vier verschiedene Fassungen genehmigt, doch wird Don Carlos häufig in einer Mischform aufgeführt, die er selbst nur schwer wieder erkannt hätte.

 

1. Paris 1866-67

 

A. Die französische Oper in fünf Akten, die Verdi 1866 für die Pariser Opéra komponiert hat.

 

B. Die gekürzte Oper in fünf Akten mit Ballett wird bei der Generalprobe am 24. Februar 1867 aufgeführt. Das Material wurde vor allem im 4. Akt stark gekürzt, insbesondere Ebolis Geständnis an die Königin vor der Arie ’O don fatal’ und die Kerker-Szene.

 

C. Die Oper, weiter gekürzt, jedoch immer noch fünf Akte umfassend, wird am 11. März uraufgeführt. Zu den Passagen, die gestrichen wurden, gehören die Szenen mit Elisabeth und dem hungernden Volk im 1. Akt und die Beschreibung der Verhältnisse in Flandern, wie sie Carlos vom Marquis de Posa im 2. Akt geschildert werden.

 

D. Die zweite Aufführung vom 13. März ist mit der Uraufführung identisch, jedoch endete die Kerker-Szene des 4. Aktes nun mit dem Tod Posas. In dieser Adaption, die noch weiter gekürzt und ins Italienische übersetzt wurde, erlebte Don Carlos seine Erstaufführung 1867 in London. Die italienische Erstaufführung fand im selben Jahr in Bologna statt.

 

2. Neapel 1872

 

E. Die neue italienische Übersetzung einer leicht gekürzten Adaption D, nun mit neuer Musik für das Duett von Philipp und Posa im 2. Akt, die einzige Passage in Don Carlos, für die Verdi Musik auf einen italienischen Text komponierte.

 

3. Mailand, La Scala, 1884

 

F. Eine umfassende Überarbeitung kürzte die Oper auf vier Akte, teilweise mit neuer Musik, die auf der Basis eines überarbeiteten französischen Librettos komponiert und dann ins Italienische übersetzt wurde. Nun wurde der 1. Akt entfernt, ebenso der Maskenball und das Ballett, das in dem früheren 3. Akt enthalten war. Die großen Duette von Carlos und Posa, Posa und Philipp, und Carlos und Elisabeth weichen erheblich von früheren Adaptionen ab. Das selbe trifft auf die Aufruhszene und das abschließende Finale zu.

 

4. Modena 1886

 

G. Fünf Akte in Italienisch. Jetzt geht ein gekürzter 1. Akt (= Paris) einer überarbeiteten Adaption F der Akte 2 – 5 (= Mailand) voraus.

Welcher Don Carlos?

 

Das Bestreben, das hinter der Fassung steht, die die Königlich Schwedische Oper seit Dezember 1999 aufführt, soll so verständlich wie möglich Schillers und Verdis Geschichte erzählen, die von der tragischen Einfluss des Machtkampfs zwischen Kirche und Staat auf das Schicksal von fünf Menschen handelt. Dabei sollte vermieden werden, zu abrupt zwischen den verschiedenen Fassungen hin und her zu springen.

 

Von Anfang an wollte der Regisseur Friedrich Meyer Oertel einen Großteil des 1. Akts bewahren, die Szene in Fontainebleau, in der sich Carlos und Elisabeth begegnen und ineinander verlieben, die seit 1930 in Stockholm nicht mehr aufgeführt worden war. Zudem wollte er die Oper mit dem frühen geheimnisvollen gedämpften Finale des 5. Aktes enden lassen. Der Dirigent Alberto Hold-Garrido bestand auf der Klage Philipps und des Männerchors über Posas Erschießung - Linien, die im Requiem von Verdi wiederkehren.

 

Aus dramaturgischer Sicht ist das französische Libretto des Don Carlos gut konstruiert und lässt keinen wichtigen Schritt der Handlung unerklärt. Es gibt daher keinen triftigen Grund für das Auslassen der kurzen Szene des 3. Aktes, das so oft zu finden ist, in der die Königin und die Prinzessin Eboli mit fatalen Konsequenzen die Kostüme tauschen, in denen sie auf dem Maskenball erscheinen. Darüber hinaus geben wir der Aufruhrszene im 4. Akt (wo Carlos sich im Gefängnis befindet), genügend Raum, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben zu begreifen, wer hinter dem Aufstand steckt - wiederum Eboli - und wie dadurch die Grundlage für das Treffen der Liebenden im letzten Akt geschaffen wird. Die Fassung, die hier von der Königlich Schwedischen Oper auf Italienisch gesungen wird, hat daher große Ähnlichkeit mit der Modena-Fassung von 1886, die um einige wichtige Elemente der Pariser Fassung von 1867 ergänzt wurde.

 

Stefan Johansson

Chefdramaturg der

Königlich Schwedische Oper Stockholm

Deutsche Übersetzung: Peter Noëlke

CD 1

 

[1] – [8]  AKT I

 

Der Wald von Schloss Fontainebleau vor den Toren von Paris

 

Im Schloss von Fontainebleau werden die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und Spanien geführt. Don Carlos, Sohn des spanischen Königs Philipp II., hat sich heimlich den spanischen Gesandten angeschlossen, um unerkannt seine zukünftige Braut, die französische Prinzessin Elisabeth de Valois, kennen lernen zu können. Als er ihr zufällig im Park begegnet, verliebt er sich sofort in sie und zeigt ihr ein Medaillon mit seinem Porträt. Elisabeth erkennt zu ihrer großen Freude, dass der Mann, den sie gerade getroffen hat, der für sie ausgewählte Ehemann ist. Die beiden gestehen sich ihre Liebe.

            Elisabeths Page Tebaldo erscheint, um ihr mitzuteilen, dass ihr Vater aus politischen Gründen beschlossen hat, sie statt mit Don Carlos mit dessen Vater Philipp II. zu vermählen. Das Volk bittet sie, in die Ehe einzuwilligen und dadurch den Krieg zu beenden. Elisabeth sieht keine Möglichkeit, sich ihrer Pflicht zu entziehen, und die beiden Liebenden beklagen ihr Schicksal.

 

AKT II

 

[9] – [13]  Szene 1: Das spanische Kloster St Just

 

Don Carlos sucht Trost am Grab seines Großvaters Karl V. In einer Vision sieht er, wie der Monarch auf den Thron verzichtet, um Mönch zu werden.

 

Don Carlos’ Jugendfreund Rodrigo, Marquis von Posa, der erst kürzlich aus den Niederlanden zurückgekehrt ist, berichtet, wie die Protestanten in Flandern unter dem Joch der Inquisition leiden. Nur mit der Hilfe Don Carlos’ kann er darauf hoffen, seinen Plan zur Befreiung der Niederlande verwirklichen zu können. Don Carlos gesteht ihm seine Liebe zu seiner Stiefmutter Elisabeth. Entsetzt versucht Rodrigo die Gedanken seines Freundes auf die Politik zu lenken - Don Carlos soll seinen Vater bitten, ihn zum Statthalter von Flandern zu ernennen. Philipp und Elisabeth kommen zum Kloster, um das Grab Karls V. zu besuchen. Als Don Carlos Elisabeth wieder sieht, ergreift ihn erneut tiefe Verzweiflung. Er und Rodrigo schwören sich ewige Freundschaft.

 

[14] – [26]  Szene 2: Vor den Toren von St Just

 

Die Hofdamen Elisabeths vertreiben sich die Zeit, während sie auf ihre Königin warten. Prinzessin Eboli unterhält die Gesellschaft mit einem maurischen Liebeslied, dem „Lied vom Schleier“. Als Elisabeth erscheint, überreicht ihr Rodrigo einen Brief von ihrer Mutter aus Frankreich, und zusammen mit dem Brief erhält sie eine Nachricht von Don Carlos, in der er sie um eine Unterredung bittet. Prinzessin Eboli glaubt aber, dass Don Carlos heimlich in sie verliebt ist, es jedoch nicht wagt, sich seine Liebe einzugestehen.

 

Don Carlos bittet Elisabeth, sich bei seinem Vater für seine Entsendung nach Flandern einzusetzen, um dort die Krone repräsentieren zu können. Er versichert ihr erneut, dass er sie nicht als Mutter, sondern nur als Geliebte sehen könne, doch Elisabeth widersteht aus Rücksicht auf ihre Stellung. Ihre kühle Haltung stürzt Don Carlos in tiefe Verzweiflung, und er flieht aus ihrer Gegenwart. Als König Philipp erscheint und die Königin ohne ihr Gefolge antrifft, ist er empört und schickt die verantwortliche Hofdame, Gräfin Aremberg, wegen der Vernachlässigung ihrer Pflichten nach Frankreich in die Verbannung.

 

Rodrigo, der nur selten unter den Höflingen von Spanien anzutreffen ist, bleibt mit dem König allein, und Philipp bittet ihn um ein Gespräch. Rodrigo berichtet ihm von den Gräueltaten, die die Inquisition unter den Bewohnern Flanderns anrichtet, und er bittet Philipp, dem Leiden der Bevölkerung ein Ende zu setzen. Philipp jedoch bezichtigt die Protestanten der Blasphemie und der Ketzerei und ermahnt Rodrigo, sich vor dem Großinquisitor in Acht zu nehmen. Andererseits ist er von dem Mut des jungen Mannes beeindruckt und macht ihn zu seinem persönlichen Berater.

 

CD 2

 

AKT III

 

[1] – [7]  Szene 1: Die Gärten der Königin

 

Im Palast der Königin findet ein Maskenball statt. Elisabeth, die es vorzieht, sich zurückzuziehen und ihre Zeit im Gebet zu verbringen, bittet Eboli, die königlichen Gewänder anzulegen und sich zu maskieren, um die Gäste glauben zu lassen, dass sie noch immer unter ihnen weile.

 

Don Carlos hat ein Billett erhalten, in dem er um ein mitternächtliches Stelldichein im Garten gebeten wird. Da er glaubt, dass die Nachricht von Elisabeth stammt, bemerkt er nicht, dass es sich bei der Gestalt, die erscheint, um Prinzessin Eboli handelt, die sich ihm in den Gewändern der Königin nähert. Als Don Carlos das Geheimnis seiner Liebe preisgibt, schwört Prinzessin Eboli tief enttäuscht, sich sowohl an dem Infanten, als auch an der Königin zu rächen. Rodrigo, der die ganze Szene beobachtet hat, will Eboli töten, doch er wird von Don Carlos daran gehindert.

 

[8] – [13]  Szene 2: Vor der Kathedrale von Valladolid

 

Auf dem Platz vor der Kathedrale hat sich eine große Menschenmenge versammelt, um dem grausamen Schauspiel einer Ketzerverbrennung beizuwohnen. Die Mönche führen die Gefangenen vor, die bei lebendigem Leibe verbrannt werden sollen, um anderen als Warnung zu dienen und die Macht des Königs und der Inquisition zu festigen. Don Carlos erscheint mit einer Gruppe flandrischer Deputierter die für ihr Volk um Gnade bitten. Don Carlos erhebt erneut seine Forderung, zum Statthalter von Flandern ernannt zu werden. Als der König sein Ansinnen harsch zurückweist, zieht Don Carlos seinen Degen und schwört, Flandern zu retten. Philipp befiehlt, seinen Sohn zu entwaffnen, doch keiner wagt, seine Hand gegen den Infanten zu erheben. Nur Rodrigo fordert den Freund auf, ihm seinen Degen zu übergeben. Don Carlos, der sich von Rodrigo verraten glaubt, lässt allen Widerstand fahren. Das Autodafé nimmt seinen Lauf, und eine scraphische Stimme verheißt den Opfern der Inquisition den Frieden des Himmels.

 

AKT IV

 

[14] – [26]  Szene 1: Im Arbeitszimmer des Königs

 

Misstrauen und Zweifel quälen den König, der immer noch keine Entscheidung über das Schicksal seines Sohns getroffen hat. Er hat den Großinquisitor zu sich gerufen, um von ihm Rat und Absolution zu erhalten. Der Großinquisitor bleibt jedoch unversöhnlich und fordert nicht nur Don Carlos’ Tod, sondern auch, Rodrigo der Inquisition zu übergeben, da er als Bedrohung für die Autorität der Kirche angesehen wird.

 

Elisabeth betritt das Arbeitszimmer und bittet ihren Ehemann, ihr bei der Suche nach ihrer Schmuckschatulle behilflich zu sein, die anscheinend gestohlen wurde. Die Schatulle ist jedoch bereits im Besitz des Königs, und darin findet sich auch ein Bild des Infanten. Der König bezichtigt Elisabeth der Untreue und stößt sie zu Boden. Rodrigo und Eboli eilen herbei, um ihr zu helfen. Eboli gesteht Elisabeth, dass sie es in ihrer Eifersucht gewesen sei, die dem König die Schatulle übergeben habe, und als sie auch enthüllt, dass sie die Mätresse des Königs ist, verbannt Elisabeth sie ins Kloster. Allein gelassen beschließt sie, einen Aufstand zu organisieren und Don Carlos aus dem Kerker zu befreien.

 

CD 3

 

[1] – [9]  Szene 2: Im Kerker

 

Um Carlos zu befreien, hat sich Posa beim König als Aufrührer Flanderns bezichtigt und die entsprechenden schriftlichen Beweise vorgelegt. Don Carlos im Kerker auf und fleht ihn an, sich für die Sache Flanderns einzusetzen, da er selbst nun sterben müsse. Als aus dem Hinterhalt wird ein Schuss abgefeuert, und Rodrigo sinkt tödlich getroffen zu Boden. Philipp betritt den Kerker, um seinem Sohn mitzuteilen, dass er frei sei, doch Don Carlos beschuldigt ihn des Mordes an seinem Freund und offenbart die wahren Hintergründe von Rodrigos Tod. Nun muss Philipp erkennen, dass sich Rodrigo für Don Carlos und seine politischen Ideen geopfert hat.

 

Graf Lerma erscheint, um den König vor der aufrührerischen Menge zu warnen, die von Eboli angestachelt wurde, um das Gefängnis zu stürmen und Don Carlos zu befreien. Der König gestattet den Rebellen den Zutritt, doch der Großinquisitor zwingt sie, vor ihrem König niederzuknien. Elisabeth sieht, in welchem Maß Eboli bereit ist, sich für Don Carlos einzusetzen, und erkennt die Stärke ihrer Gefühle.

 

[10] – [17]  AKT V

 

Das Kloster St Just

 

Als Elisabeth am Grab Karls V. betet, erscheint Don Carlos, um ein letztes Mal von ihr Abschied zu nehmen, da er nach Flandern abreisen und sein Versprechen an Rodrigo einlösen wird. Sie werden jedoch vom König und dem Großinquisitor überrascht, die Don Carlos ergreifen wollen. Da ertönt die Stimme des Kaisers Karl V.. Don Carlos nimmt sich das Leben und stirbt in Philipps Armen.

 

Deutsche Übersetzung: Peter Noëlke


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