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8.660105-06 - KALMAN: Csardasfurstin (Die) (The Gypsy Princess)
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Emmerich Kálmán (1882–1953)
Die Csárdásfürstin

Emmerich Kálmán wurde am 24. Oktober 1882 in der ungarischen Stadt Siofok geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Geschäftsmann. Noch als Kind musste Emmerich allerdings den Bankrott seines Vaters erleben, und diese Erfahrung hinterließ dauerhafte Spuren in der Vorstellungswelt des jungen Kálmán. Die Familie übersiedelte nach Budapest, eine der beiden Hauptstädte des österreich-ungarischen Reiches. Vater Kálmán hatte für seinen Sohn zwar die Juristenlaufbahn bestimmt, doch bald zeigte sich, daß man den nachdrücklichen Ruf der Musik nicht ignorieren konnte. Eigentlich wollte Emmerich Kálmán Konzertpianist werden, doch diesen Plan vereitelte eine Schwäche seiner Armmuskulatur: „Es war, als sei ich aus allen Wolken gefallen. Ich war ein sehr ernster und trauriger junger Mann,“ gestand er. Nach den Worten des großen Historikers der Wiener Operette, Bernard Grun, neigte Kálmán sein Leben lang zur Schwermut: „Selbst in den Zeiten seiner größten Triumphe,“ so Grun, „schaute der untersetzte Mann mit den freundlichen blauen Augen normalerweise sehr ernst und sehr traurig drein. Begeisterung und Feuer waren seinem Wesen ebenso fremd wie schlechtes, ungehobeltes Benehmen. Der Csárdás-Kavalier war ein nüchterner, sorgfältiger Bürger, der seine Arbeit tat, seine Finanzen in Ordnung hielt und ruhig seines Weges ging.“

Doch kommen wir zu Kálmáns Jugend zurück. Sein Budapester Kompositionslehrer war Hans Koeßler, bei dem auch Bartók und Kodály studierten. 1907 wurde Kálmán für einige ernste Kompositionen mit dem Franz-Joseph-Preis der Stadt Budapest ausgezeichnet, doch schon binnen des nächsten Jahres hatte er einen ersten überragenden Erfolg als Operettenkomponist errungen – und zwar mit Herbstmanöver, einem Werk, das nicht nur die Aufmerksamkeit der Wiener Operettenmogule weckte, sondern auch die Bühnen von London und New York erreichte. Einige Jahre später finden wir Kálmán bereits in Wien, einer Stadt, die von einem wahrhaft epidemischen Operettenfieber gepackt war, seit die Gattung durch Lehárs unwiderstehliche Lustige Witwe im Jahre 1905 ihre Wiedergeburt erlebt hatte. Mit Der Zigeunerprimás (1912) schuf Kálmán dann ein Werk, das er selbst für seine beste Leistung hielt. Der einflussreiche Kritiker Richard Specht bemerkte dazu, daß er nach den Erfahrungen der zurückliegenden Saison von allen Operetten-Meistern Emmerich Kálmán für den talentiertesten und hoffnungsvollsten hielt. Seine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht, als Kálmán 1915 mit Die Csárdásfürstin seinen größten und unvergänglichsten Publikumserfolg herausbrachte. Aus seinem späteren Schaffen ragen besonders die bezaubernde Gräfin Maritza (1924) und Die Zirkusprinzessin (1926) hervor; ferner waren wenigstens vier weitere Operetten alles andere als vorübergehende Erfolge. 1938 floh Kálmán vor den Nazis in die USA. Nach dem Krieg kehrte er nach Europa zurück. Er starb am 30. Oktober 1953 in Paris.

Kálmán hat die Tonsprache der Wiener Operette um einen bedeutenden Beitrag bereichert – um die brillanten Farben, die berauschenden Rhythmen und die dynamische Energie seiner ungarischen Heimat, die er, anders als viele andere Komponisten, nicht imitierte, sondern als musikalische Muttersprache beherrschte. Als er Die Csárdásfürstin komponierte, gelang ihm eine ideale Mischung aus ungarischer Seele, Wiener Eleganz und internationaler Raffinesse. Für das Publikum, das dem Werk im Johann-Strauß-Theater zu einer alle Rekorde brechenden Laufzeit verhalf, spiegelte und bewahrte das Werk in den finsteren Tagen des Ersten Weltkrieges eine Lebensart, die ein für allemal dahin war, wie man allmählich feststellen musste. Wenn man das Theater verließ, ging es einem besser als zuvor – und das ist bis heute eine der hervorstechenden Qualitäten dieser Operette.

Neben der wunderbar abwechslungsreichen Partitur, in der es nicht eine einzige schwache Nummer gibt, kommt der Csárdásfürstin auch das geschickt konstruierte Libretto von Leo Stein und Béla Jenbach zugute. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, der komische Dialog ist wirklich noch lustig, und die Wendung, die von Pessimismus und Niedergeschlagenheit zum Happy End führt, ist auf ihre Weise ein Klassiker. Der hauptsächliche Antrieb der Handlung, die Mésalliance zwischen einem Aristokraten und einer Varieté-Sängerin, könnte uns heute wie eine reine Operettengeschichte erscheinen – doch das ist sie keineswegs: So reagierte beispielsweise die Londoner Gesellschaft recht befremdet, als der Marquis von Headfort ein Chormädchen namens Rosie Boote ehelichte. Grundlegend spielt die Csárdásfürstin in der Welt der Roués, und man könnte sehr wohl versucht sein, sie als einen Haufen eitler Müßiggänger zu bezeichnen. Doch man sollte nicht vergessen, wie viele von ihnen bis zum Ende des Krieges im November 1918 ihr Leben geopfert hatten – ob sie nun aus London, Wien oder Budapest stammten.

Nigel Douglas
Deutsche Fassung: Cris Posslac

Kálmáns Dorfkinder sind eine Walzerfolge nach Melodien aus der 1912 uraufgeführten Operette Der Zigeunerprimás. In diesem Werk geht es um den einst berühmten Geiger Rácz Pali, der inzwischen unter verkrüppelten Händen leidet und seine Kunst an seine Söhne weitergibt. Mit Laczi, dem Ältesten, ist er nicht zufrieden, weil dieser seine eigenen musikalischen Vorstellungen hat und überdies ein Auge auf seine Cousine Juliska geworfen hat, die Rácz selbst zu seiner vierten Frau erkoren hat. Graf Gaston kommt aus Paris, um Rácz zu einem Auftritt an der Seine zu überreden. Bei dieser Gelegenheit lernt er Ráczs Tochter Sári kennen, und er verliebt sich in das Mädchen. Rácz weigert sich, nach Paris zu reisen; doch als Laczi anbietet, an der Stelle seines Vaters zu gehen, beschimpft ihn der Alte. Der verärgerte Laczi verlässt sein Elternhaus. Rácz entschließt sich nun doch, das Risiko auf sich zu nehmen und macht sich mit Juliska und Sári nach Paris auf, wo Laczi inzwischen als Dirigent eine Anstellung gefunden hat. Die ganze Geschichte nimmt einen glücklichen Ausgang: Rácz gibt zu, daß er zu alt ist, nachdem er Laczis Triumph erlebt hat. Die Großmutter des Grafen Gaston erkennt in Rácz ihren früheren Geliebten wieder, Gaston bekommt seine Sári, Laczi seine Juliska – und Rácz überreicht seinem Sohn feierlich seine eigene Stradivari. Auch das Quartett Vive le roi stammt aus dieser Operette.

Die Faschingsfee wurde 1917 in Wien uraufgeführt. Viktor Ronai, ein junger Maler, hat einen Preis von 50.000 Mark gewonnen und feiert den Erfolg mit seinen Freunden. Als ein Gast ein hübsches Mädchen molestiert, schreitet Viktor ein: Dabei entpuppt sich der Mann als der Stifter des Preises, den er natürlich prompt zurückzieht! Das ritterliche Betragen hat Viktor um sein Geld gebracht, doch er wird dafür durch einen Kuss der unbekannten Schönheit entschädigt. Am nächsten Tag gibt Viktor in seinem Atelier ein Fest, und alles scheint vergessen, denn das Geld ist dennoch angekommen. Als Wohltäterin erweist sich am Ende allerdings die junge Dame, bei der es sich um keine andere als die Prinzessin Alexandra Maria handelt.

Das Hollandweibchen wurde 1920 uraufgeführt. Die Handlung spielt in dem kleinen deutschen Fürstentum Sonnenburg-Glücksberg, wo Prinzessin Jutta auf die Hochzeit mit Kronprinz Paul Roderich wartet. Sie hat ihn zwar noch nie gesehen, doch seine Briefe haben es ihr angetan.

Der Bräutigam will sich aber nicht einstellen, und Jutta schwört Rache. Sie spürt Paul in einem Hotel auf, wo er sich beim Glücksspiel amüsiert, schleicht sich als Kellnerin in seinen Lieblingsclub ein, erobert ihn, gibt sich ihm zu erkennen – und lässt ihn dann abblitzen. Paul Roderich muss seinen ganzen Charme aufbringen, um sie zurückzugewinnen.

Die ungarische Tanzsuite Grand Palotás de la Reine stammt aus Der Teufelsreiter, einem viel später entstandenen, 1932 in Wien uraufgeführten Werk. Der ungarische Rittmeister Graf Sándor liebt die Tochter seines politischen Gegners Metternich. Leontine soll aber den Prinzen Karl ehelichen, den Sohn des bankrotten Fürsten Honorius von Monaco. Karl seinerseits liebt eine Tänzerin. Man kann sich denken, daß alles glücklich ausgeht. Die Tanzsuite stammt aus dem dritten Akt der Operette.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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