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8.660161-62 - DONIZETTI: Figlia del reggimento (La) (The Daughter of the Regiment)
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Gaëtano Donizetti (1797–1848)
La figlia del reggimento (Die Regimentstochter)

 

Nachdem sich Gioacchino Rossini zu Beginn der 1830er Jahre zurückgezogen hatte und Vincenzo Bellini 1835 verstorben war, galt Gaëtano Donizetti als der führende Opernkomponist Italiens – jedenfalls bis zu dem durchschlagenden Erfolg des Nabucco, mit dem der junge Giuseppe Verdi 1842 die Bühne betrat. Am 29. November 1797 hatte Donizetti in Bergamo das Licht der Welt erblickt. Seine frühe musikalische Ausbildung erhielt er ebendort bei dem Komponisten Simon Mayr, und zwar als Chorist an S Maria Maggiore. Nach dem gründlichen Unterricht durch seinen Lehrer und weiteren Studien in Bologna konnte er im Januar 1822 in Rom seine erste Oper Zoraida di Granata herausbringen. Einige Zeit lebte er dann in Neapel, wo er Bühnenwerke für das dortige Teatro Nuovo und für die Mailänder Scala komponierte. Hier begründete er 1830 mit Anna Bolena seinen internationalen Ruf, und als er zwei Jahre später im selben Hause die Komödie L’elisir d’amore (Der Liebestrank) präsentierte, bestätigte sich dieser Erfolg.

Donizetti arbeitete auch weiterhin für Neapel und andere italienische Opernhäuser. Die besten Aussichten bot ihm allerdings Paris, und zwar sowohl in finanzieller Hinsicht als auch sein Renommee betreffend. Nachdem das dortige Théâtre-Italien bereits vier seiner Opern aufgeführt hatte, kam man 1838 nach einigen Jahren indirekter Verhandlungen zu einem Abkommen, und schon im Oktober desselben Jahres reiste Gaëtano Donizetti an die Seine, um – wie vertraglich vereinbart – zwei neue Werke für die Pariser Opéra zu schaffen. Überdies waren zwei ältere Stücke, Roberto Devereux und L’elisir d’amore, für das Théâtre-Italien geplant. Die Oper Poliuto nach Corneilles Schauspiel Polyeucte war von der Zensur in Neapel verboten worden, worauf er das Stück mit einem von Eugène Scribe erweiterten französischen Libretto zu Les martyrs umarbeitete. Inzwischen fand er Zeit, für das private Théâtre de la Renaissance seine Lucia di Lammermoor (nach einer der Waverley Novels von Sir Walter Scott) zu adaptieren. Diese kam im August 1839 mit überragendem Erfolg heraus.

Les martyrs wurden im April 1840 erstmals aufgeführt. Die Aufnahme war recht vorteilhaft, obwohl das Werk nur zwanzig Vorstellungen erlebte. Im Dezember desselben Jahres erfüllte Donizetti den nächsten Auftrag der Opéra mit La favorite, und während all dieser fieberhaften Arbeiten hatte der Komponist auch noch die Zeit gefunden, für die Opéra- Comique seine Fille du régiment zu schreiben, die bereits am 11. Februar 1840 auf die Bühne kam. Ihr Erfolg war ein allgemeiner, wenngleich Hector Berlioz die Allgegenwart Donizettis in Paris ablehnte und meinte, er habe wohl den Platz französischer Komponisten erobert, der es einem einzigen erlaubte, mehr als ein halbes Dutzend Opern pro Jahr zu offerieren.

Donizetti hatte offenbar immer vorgehabt, sich nach dem Vorbild Rossinis in Italien zur Ruhe zu setzen. Daraus wurde jedoch nichts. Er schrieb zunächst noch weitere Opern für italienische Bühnen, wirkte zeitweilig in Wien und inszenierte 1843 schließlich noch am Pariser Théâtre-Italien seinen Don Pasquale sowie an der Opéra den Dom Sébastien, roi de Portugal. Unter dem Druck der Arbeit brach er zusammen, außerdem zeigten sich die ersten Symptome der Paralyse. Donizetti wurde einige Zeit in einem Irrenhaus bei Paris versorgt und im September 1847 nach Bergamo zurückgebracht, wo er am 8. April 1848 starb.

Das Originaltextbuch zu La fille du régiment stammt von Jules-Henri Vernoy de Saint-Georges und Jean-François-Alfred Bayard. In einer italienischen Übersetzung von Calisto Bassi kam das revidierte Werk im Oktober 1840 dann auch auf die Bühne der Mailänder Scala. Diese Version fand seinerzeit eine größere internationale Verbreitung, wobei eine Reihe führender Sängerinnen die Rolle der Marie übernahmen.

 

Die Handlung

Die Oper spielt um 1805 zur Zeit der napoleonischen Kriege in den Tiroler Bergen.

[CD 1 / Track 1] Sinfonia. Die langsame Einleitung der Ouvertüre entwirft die Szene in den Tiroler Bergen. Im Allegro- Teil erscheint Marias patriotisches Ciascun lo dice, das Lied vom 11. Regiment, als zweites Thema.

Erster Akt

[1/2] Introduktion. Wenn der Vorhang aufgeht, halten die Männer nach dem Feinde Ausschau, indessen die Frauen im Gebete knien. Zur rechten Seite sieht man eine Hütte, links die ersten Häuser eines Dorfes. Die Marchesa von Maggiorivoglio fühlt sich unpässlich und hat sich, gestützt von ihrem Haushofmeister Hortensio, beiseite niedergesetzt. Sie fürchtet das schlimmste. Die Männer fordern sie zum Schweigen auf, doch die Frauen setzen ihre Gebete fort. Bauern bringen die Kunde, dass der Feind die Berge verlassen habe. Man reagiert mit allgemeiner Freude auf die Rettung der Heimat. Einige Landleute bleiben bei der Marchesa und bei Hortensio, derweil sich die andern entfernen.

[1/3] Rezitativ. In einem Rezitativ bittet die Marchesa die Männer um Hilfe. Sie vermutet eine List des Feindes und schickt Hortensio davon, die Lage zu untersuchen und zu sehen, ob sich die Reise gefahrlos wird fortsetzen lassen. Sie selbst verschwindet in der Hütte.

[1/4] Auftritt des Sulpiz. Sulpiz ist Feldwebel im elften österreichischen Regiment. Er empfiehlt den Feinden, sich auf ihren langen Beinen davonzumachen. Zu den Dorfbewohnern gewandt meint er, jetzt sei Frieden, und wem das nicht passe, der könne ja gehen. Marie tritt auf, die Zierde des Regiments: Sie ist stolz auf diese Truppe von Grenadieren, die ihr Vater und Mutter ersetzt haben. Auch sie will Ehre für die Soldaten einlegen und sich ebenso beherzt zeigen wie diese. Ihr einziges Vergnügen ist der Klang der Trommel, die zum Kampfe+ ruft und den Sieg verkündet, und sie freut sich über den Tag, an dem sie zu ihren „Vätern“ kam.

[1/5] Duett. Sie berichtet, wie sie unter den Soldaten aufwuchs und schließlich die Marketenderin des Regiments wurde. Gemeinsam mit Sulpiz besingt sie den Trommelklang.

[1/6] Rezitativ. Sulpiz hat mit Marie zu reden: Sie sei jetzt schließlich erwachsen und müsse ans Heiraten denken. Er hat sie im Gespräch mit einem hübschen jungen Mann beobachtet, und sie gesteht, dass dieser ein Tiroler sei (mithin ein Freiheitskämpfer), der ihr allerdings das Leben gerettet habe. Eben will sie sich näher erklären, als ein Tumult ausbricht.

[1/7] Chor und Szene. Überrascht sieht Marie, wie die Soldaten „ihren“ Tonio herbeischleppen, den sie als Spion ergriffen haben und deshalb mit dem Tod bestrafen wollen. Marie klärt sie auf: Er habe sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, um sie zu retten, als sie beinahe von einem hohen Felsen gestürzt wäre. Die Österreicher lassen ihn los und akzeptieren ihn als ihren Kameraden. Sulpiz schlägt vor, auf den Retter ihrer „Tochter“ zu trinken. Tonio gelobt Savoyen und seinen neuen Freunden seine Treue. Die Männer bitten Marie, ihnen eins zu singen.

[1/8] Kavatine. Das Mädchen entspricht dem Wunsch der Soldaten mit dem berühmten Lied auf das unvergleichliche elfte Regiment.

[1/9] In der Ferne schlägt eine Trommel, die auf Befehl von Sulpiz die Soldaten versammelt. Marie möchte bei Tonio bleiben, doch Sulpiz überantwortet ihn zwei Grenadieren, die mit ihm auf den Berg zugehen. Die Soldaten folgen dem Trommelschlag.

[1/10] Rezitativ und Duett. Nachdem Tonio sein Leben gewagt hat, um Marie wiederzusehen, wurde er von ihr getrennt. Doch da taucht er wieder auf – von Fels zu Felsen hüpfend. Der Feldwebel brülle wie ein Bär, meint er, doch Marie setzt ihm auseinander, dass Sulpiz ihr Vater sei, und zwar wie alle andern Kameraden: Das Regiment habe sie seinerzeit adoptiert. Damit ändert sich für Tonio die Sachlage, und er gesteht Marie seine Liebe: Tag und Nacht habe ihn ihr Bild verfolgt, und er sei bereit, für sie seine Freunde zu verlassen, da er ohne sie nicht mehr leben könne. Bald hat er sie überzeugt, und sie gesteht ihrerseits, ihn zu lieben. Sie umarmen einander.

[1/11] Rezitativ. Sulpiz kommt zurück und sieht den geflohenen Gefangenen in Maries Armen. Der junge Mann zieht sich hinter das Mädchen zurück, versichert aber, sich mit ihr verlobt zu haben. Darauf versetzt Sulpiz, dass Marie nur einen Angehörigen des eigenen Regiments heiraten könne. Er zieht den Säbel, und Tonio entflieht – nicht, ohne Marie zuvor versichert zu haben, dass er sie bald wiedersehen werde. Sulpiz wendet sich um und stellt fest, dass sich auch Marie inzwischen davongemacht hat.

In diesem Augenblick erscheint Hortensio mit der Marchesa. Er wendet sich an Sulpiz, den er voller Ehrfurcht als Hauptmann tituliert. Dieser korrigiert seinen Rang und bringt ihn zum Schweigen. Die Marchesa tritt hinzu. Sie will die Reise nach ihrem in der Nähe gelegenen Schloss Birkenfeld fortsetzen, doch der Weg dorthin ist vom Militär besetzt. Als Sulpiz den Namen des Schlosses hört, erschrickt er: Dort sei, so erinnert er sich, ein Hauptmann namens Robert daheim gewesen. Die Marchesa erklärt, bewusster Robert sei insgeheim mit ihrer Schwester verheiratet gewesen, die ihm eine Tochter namens Marie geboren habe. Sulpiz realisiert, dass es sich bei diesem Mädchen um die „Regimentstochter“ handeln muss; er holt einen Brief hervor, den er seit langem bei sich hat: Darin hat der Hauptmann kurz vor der Schlacht, in der er fiel, seine Tochter und einen inzwischen verstorbenen Diener der Fürsorge seiner Kameraden empfohlen. Die Marchesa will wissen, ob man das Kind gut erzogen habe, und Sulpiz versichert soeben, dass Marie die besten Manieren habe, als diese mit einem derben Soldatenfluch auf den Lippen die Behauptung ihres „Vaters“ Lügen straft.

Sulpiz teilt ihr mit, dass fortan nicht mehr das Regiment, sondern die Marchesa ihre Familie sei. Diese begrüßt ihre Nichte, die sich – einer Ohnmacht nahe – mit einem neuerlichen Fluch zusammenreißt. Das Soldatenleben, so Sulpiz, sei für sie vorbei. Er zeigt ihr Roberts Brief. Marie weigert sich zu gehen und bricht in Tränen aus, indessen die Marchesa anzuspannen befiehlt. Ein Korporal sieht Tonio kommen, der jetzt die französische Kokarde trägt.

[1/12] Chor. Man hört Trommelschlag, und die Soldaten eilen mit ihrem Korporal herbei. Sie besingen den Krieg, den Sieg und die Plünderung.

[1/13] Finale I. Tonio grüßt die Soldaten als Freunde: Nur der Liebe wegen sei er zurückgekommen und fest entschlossen, ein Held zu werden. Die Soldaten halten ihn für verrückt, doch er versichert, dass er Marie liebt, und bittet die „Väter“ um ihre Einwilligung. Die zögern zunächst, sind aber schließlich einverstanden.

[1/14] Als Sulpiz auftritt, läuft Tonio zu ihm hin, um ihm von dem Einverständnis der Kameraden zu berichten. Doch der Feldwebel hat andere Neuigkeiten: Eine Tante sei aufgetaucht und werde Marie mit sich nehmen. Die Soldaten und Tonio sind überrascht, und Marie beklagt ihre erzwungene Abreise. Tonio fleht sie an, dazubleiben.

[1/15] Verließe sie ihn, so müsse auch er gehen, meint er – worauf ihn Sulpiz erinnert, dass er nun Soldat geworden sei. Marie ist zutiefst betrübt, weil sie Tonio und ihre Freunde verlassen muss. Sie nimmt Abschied, derweil die Marchesa zur Eile drängt und Hortensio meldet, dass die Kutsche bereit sei. Die Soldaten verfluchen die Marchesa und nehmen in zwei Gruppen Aufstellung, um vor Marie ihre Waffen zu präsentieren. Sie durchschreitet die Reihen und trocknet ihre Tränen – betrübt vor allem, weil Sulpiz zurückbleibt. Tonio nimmt die Kokarde von seiner Mütze und wirft sie verzweifelt auf die Erde.

Zweiter Akt

[2/1] Introduktion. Drei Monate später in einem Salon auf Schloss Birkenfeld. Musiker spielen einen Tiroler Tanz.

[2/2] Rezitativ. Hortensio befasst sich mit den Dokumenten für die Hochzeit, denn man erwartet die Herzogin von Craquitorpi und ihren Sohn Scipio, der als Maries Ehemann auserkoren wurde. Hortensio geht ab, um nach dem rechten zu sehen. Sulpiz fühlt sich unwohl: Er wurde in einem Gefecht verwundet, ist jetzt Invalide, darf sich auf Drängen Maries seither auf dem Schlosse nützlich machen und bemüht sich, seine Blessuren herunterzuspielen. Marie tut ihm leid, denn nach dem freien Leben im Regiment hat sie jetzt in vier Stunden nichts gelernt als ein Menuett zu tanzen. Das Mädchen kommt zu ihm und hat genug von alledem. Sulpiz bittet sie um Geduld. Sie will wissen, was seine Verletzung macht und hofft, dass er so bald nicht wieder diensttauglich ist. Er verspricht ihr, zu bleiben und die Entwicklung der Dinge im Auge zu behalten. Marie ist der Förmlichkeiten müde, in die sie jetzt verstrickt ist. Sie will Tonio zum Mann, keinen Baron und keinen Herzog. Sie bedauert, dass der Geliebte sich ihretwegen verpflichtet hat. Sulpiz erinnert, dass auch Tonio verwundet wurde und beide schwerlich ins Regiment zurückkehren könnten. Der alte Feldwebel schreit auf, als Maries Tante eine altmodische Romanze anbringt, die Marie jetzt singen soll.

[2/3] Szene. „Venus kommt herab“ heißt das Lied, das die Marchesa ihrer Nichte beibringen will – und „die Wut geht hoch,“ ergänzt Sulpiz. In dem Stück mit der Musik von Caffariello geht es um die Liebesgöttin, die in der dunklen Nacht herniedersteigt, um ihren Geliebten zu suchen. Die Marchesa gibt Anweisung, zu beginnen, und spielt selbst auf dem Klaviere das Akkompagnement.

[2/4] Terzett. Marie fängt an, indessen sie offensichtlich die Takte mitzählt. Sie hasst das Stück. Sulpiz flüstert ihr zu, das Regimentslied sei doch was ganz anderes – und beiden legen los: „Rataplan! Rataplan!“ Die Marchesa befiehlt, von vorn zu beginnen. Marie folgt denkbar unwillig und ungeschickt. Sulpiz möchte lieber die Trommeln hören, und wieder stimmen sie das Soldatenlied an. Die Marchesa rauscht indigniert ab, worauf sich Marie in ihr Gemacht zurückzieht.

[2/5] Rezitativ. Sulpiz will eben gehen, als er Hortensio trifft, der ihm mitteilt, unten sei eine militärische Person mit goldenen Epauletten. Darauf stürzt der Alte davon, der Haushofmeister hinterdrein, den der Wirbel im Schlosse aufregt: Es ging ja zu wie in einer Kaserne, meint er.

[2/6] Szene und Arie. Marie sieht keinen Ausweg. Die Reichtümer vermögen sie nicht umzustimmen: Sie wird ihre wahren Empfindungen verbergen müssen. Juwelen und schöne Garderobe sind kein Trost. In diesem Moment hört sie zu ihrer Freude einen Militärmarsch mit Trommeln und Trompeten. Die Soldaten erblicken sie und freuen sich mit ihr.

[2/7] Rezitativ. Sulpiz und Tonio, der es inzwischen zum Leutnant gebracht hat, treten hinzu. Sulpiz begrüßt die Kameraden, und Marie stürzt auf Tonio zu. Als Sulpiz vorschlägt, man sollte erst einmal anstoßen, gibt es keine Einwände: Wenn die Tante kommen sollte, könne man sich ja im Park verstecken.

[2/8] Szene. Sulpiz befiehlt Hortensio, Wein zu bringen. Als der nicht recht will, nehmen die Soldaten die Sache selbst in die Hand und nehmen ihn mit sich.

[2/9] Terzett. Sulpiz, Tonio und Marie freuen sich, nach allem wieder zusammen zu sein.

[2/10] Rezitativ. Sie werden von der Marchesa unterbrochen, die, als sie den Offizier sieht, von Sulpiz wissen will, was geschehen ist. Marie klärt sie auf: Tonio sei es, der sie seinerzeit vor dem sichern Tod gerettet habe und seither ihr Geliebter sei. Die Marchesa versetzt, dass Marie bestimmt sei, die Frau des Herzogs von Craquitorpi zu werden. Darauf antwortet Sulpiz, man benötige einen neuen Ehekontrakt, weil Tonio ja inzwischen Offizier geworden sei. Als die Marchesa Tonio auffordert, er solle sich wegscheren, verlässt der die Szene mit der empörten Versicherung, dass er Marie heiraten werde.

Ihrer Nichte befiehlt die Marchesa, die Tränen zu trocknen und ihr Zimmer aufzusuchen. Dann lässt sie Sulpiz die Tür schließen. Beide setzen sich, und sie erklärt, dass Marie nach dem getroffenen Arrangement werde heiraten müssen. Sie überreicht Sulpiz einen Brief, aus dem dieser erfährt, dass die Marchesa, streng und weltfremd erzogen, sich vor langen Jahren in einen jungen Offizier verliebt hatte und mit ihm davongelaufen war. Dieser Verbindung entstammte eine Tochter. Als sich der junge Mann mit dem Kind vor dem Feind in Sicherheit bringen musste, wurden die Liebenden voneinander getrennt. Nie habe sie, die Marchesa, wieder von den beiden gehört. Jetzt habe ihr die Hand des Himmels die Tochter zurückgebracht – was aber ein Geheimnis bleiben müsse: Den Tränen nahe, wirft sich die Marchesa Sulpiz zu Füßen und bittet ihn, Marie zur Ehe mit dem Herzog zu bewegen, zugleich aber das, was sie ihm eben erzählt hat, für sich zu behalten.

[2/11] Ein Tiroler Tanz vermeldet das Eintreffen der Herzogin. Die Marchesa begrüßt den Notar.

[2/12] Rezitativ. Die Gäste sind versammelt. Die Herzogin bittet, die Abwesenheit ihres Sohnes zu entschuldigen, der sich dringender Geschäfte wegen bei Hofe aufhalte. Die Marchesa ist nervös, denn sie weiß, dass Marie sich noch immer weigert, den Herzog zu heiraten – obwohl Sulpiz scheinbar versucht hat, sie umzustimmen und der Marchesa gegenüber bedeutet, Marie werde ihrer Mutter schon gehorsam sein. Der Notar erklärt, dass er des Herzogs Vollmacht habe und nur die Unterschrift der Braut benötige.

[2/13] Finale II. Marie tritt ein. Sie weiß inzwischen, dass die Marchesa nicht ihre Tante, sondern ihre Mutter ist. Als sie gerade ihre Unterschrift unter den Vertrag setzen will, entsteht plötzlicher Lärm. Tonio führt einen Trupp Regimentssoldaten herein, die bereit sind, ihre geliebte „Tochter“ und Marketenderin zu beschützen und zu entführen. Die Herzogin ist entsetzt, als sie hört, was Marie früher war.

[2/14] Die Marchesa hingegen bereut ihren bisherigen Widerstand. Sie gibt ihren Stolz auf: Marie und Tonio dürfen Hochzeit feiern.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 

Die Libretto sind online unter http://www.naxos.com/libretti/lafiglia.htm

 


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