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8.660163-64 - ENESCU: Oedipe
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Gioacchino Rossini (1792-1868)
Il turco in Italia

Im Jahre 1788 schrieb der deutsche Komponist Franz Seydelmann, der seit 1772 am Hofe zu Dresden angestellt war, die Musik zu dem italienischen Libretto Il turco in Italia von Caterino Mazzolà. Zuvor hatte er bereits dessen Chinoiserie Il mostro ossia Da gratitudine amore vertont und mit diesem Abstecher in die Exotik Erfolg gehabt. Mazzolà hatte in Venedig Casanova und Lorenzo Da Ponte kennengelernt und war 1780 als Hofdichter nach Dresden berufen worden, wo sich damals auch Da Ponte einige Zeit aufhielt. Er arbeitete für Salieri in Wien und tat selbst 1791 kurze Zeit in der Donaumetropole Dienst. Möglicherweise kam er hier auch mit Wolfgang Amadeus Mozart zusammen, und es ist denkbar, dass dieser in seiner Zauberflöte von Mazzolàs früherem Freimaurer- Libretto Osiride beeinflusst wurde. In jedem Fall war es Mazzolà, der für Mozart Pietro Metastasios Libretto zu La clemenza di Tito einrichtete, die im September 1791 in Prag uraufgeführt wurde. Constanze Mozart sah Seydelmanns Turco in Italia 1789 in Wien, während ihr Ehemann seine Reise nach Berlin und Potsdam unternahm. 1794 benutzte auch Mozarts Schüler Franz Xaver Süßmayr das Libretto. Die Version, die Gioacchino Rossini benutzte, war eine 1814 entstandene Adaption von Felice Romani, der viele Jahre für die Mailänder Scala arbeitete und rund achtzig Textbücher verfasste, die allgemein wegen ihrer Klarheit und dem Verzicht auf alles Überflüssige gelobt wurden.

In Mailand fand die neue Oper allerdings keine sonderlich gute Aufnahme, da das Publikum in ihr nur die Umkehrung der Italiana in Algeri sah. Dennoch fanden zwölf Vorstellungen statt, und 1821 kam sie erneut in Mailand auf die Bühne. Ferner kam es zu Aufführungen in London und – noch im selben Jahrzehnt – in New York, wo sie Manuel Garcia mit seiner Truppe präsentierte und auf diese Weise den alten Lorenzo Da Ponte anregte, weitere Opernunternehmungen zu beginnen. 1827 fand das Werk auch seinen Weg nach Edinburgh. Als die Oper, nachdem sie an die einhundert Jahre beinahe vergessen war, im 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde, konnte Maria Callas ein geistreiches Portrait der leichtsinnigen Fiorilla zeichnen. Ohne ihre Mitwirkung erklang das Werk als geeigneter Beitrag zum Edinburgh Festival von 1957, das unter dem Motto Türkei stand. Damals wurde es bei einem Gastspiel der Piccola Scala gespielt.

In Il turco in Italia verwandte Rossini die verschiedensten Ensembles. Dazwischen fügte er – besonders im zweiten Akt – Arien für die Sänger(innen) ein, die er nicht allesamt selbst komponierte. Abgesehen davon, dass es seinerzeit üblich war, die Rezitative von einem andern Komponisten schreiben zu lassen, ist auch die Nummer für Albazar (Tenor) im zweiten Akt nicht von Rossini. Ferner wird angenommen, dass Geronios Cavatine sowie das Ende der Oper von Vincenzo Lavigna stammen. Dieser war maestro al cembalo der Scala, ein Protégé Paisiellos, den er vergötterte, und Verdis Kontrapunktlehrer. Wie Don Alfonso in Così fan tutte fungiert in diesem geistreichen Libretto der Dichter Prosdocimo als zynischer Beobachter der Narreteien, während die leichtsinnige Fiorilla im Laufe der Handlung charakterlich wächst. Auch das abschließende Verwechslungsspiel lässt an die letzte Koproduktion von Mozart und Da Ponte denken.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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