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8.660172-74 - WAGNER, R.: Walkure (Die) (Ring Cycle 2)
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Richard Wagner (1813–1883)
Die Walküre

Im August 1876 wurde Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen im neuerbauten Bayreuther Festspielhaus zum ersten Male vollständig aufgeführt. Der Zyklus besteht aus dem Vorabend Das Rheingold, worauf an den beiden nächsten Tagen Die Walküre und Siegfried sowie als Abschluß die Götterdämmerung folgen. Den Text zu Die Walküre vollendete Wagner 1854, und die komplette Partitur war 1856 abgeschlossen. Dennoch verstrichen vierzehn Jahre bis zur Erstaufführung des Werkes, und gar zwei Jahrzehnte mußten vergehen, bevor der gesamte Ring in dem neuartigen, eigens dafür erbauten Opernhaus seine Premiere erlebte. Das Unternehmen stellt einen Höhepunkt des schöpferischen Geistes und die Apotheose der deutschen Kunst dar. Mit den Charakteren, Ereignissen und Ideen des Dramas sind Leitmotive verbunden, die immer wieder aufscheinen und dem gesamten Werk Zusammenhalt verleihen.

Die Quellen seines Dramas fand Wagner vornehmlich in der isländischen Saga, im mittelhochdeutschen Nibelungenlied aus dem 13. Jahrhundert und der altnordischen Thidreks Saga af Bern. Daneben las er jedoch auch eine Vielzahl anderer Werke, indessen die Struktur der Tetralogie und das zu Grunde liegende Thema des Fluches in vieler Hinsicht Aischylos und der griechischen Tragödie verpflichtet sind. Wie Das Rheingold erlebte auch Die Walküre ihre Uraufführung am Münchner Hoftheater (1870) in Abwesenheit des Komponisten, den seine Beziehung zu Liszts Tochter und Hans von Bülows Ehefrau Cosima nebst Intrigen und Rivalitäten für Jahre ins Exil getrieben hatte. Während Wagner nun mit Cosima und den Kindern in Tribschen am Vierwaldstätter See residierte, hoffte er paradoxerweise auf einen Mißerfolg in München, da er seine Gegenwart bei der Inszenierung des Werkes für unverzichtbar hielt und es ihm überdies widerstrebte, einzelne Teile des Ring voneinander unabhängig aufgeführt zu sehen. Gleichzeitig entstand aus der Münchner Situation der Wunsch nach einem neuen Theater, in dem Wagner recht selbständig würde herrschen können. Dieser Traum erfüllte sich 1876 mit der Eröffnung des neuen Bayreuther Festspielhauses, das durch den nach wie vor von Wagner faszinierten, großzügigen Bayernkönig Ludwig II. sowie durch Freunde aus dem neuen deutschen Machtzentrum Berlin unterstützt worden war.

Die Handlung
Erster Akt

[CD 1 / Track 1] Während des Vorspiels tobt ein Gewitter, durch das gelegentliche Hornrufe zu hören sind. Wenn der Vorhang aufgeht, legt sich der Sturm.

Szene 1

[1/2] Ort der Handlung ist Hundings Heim, erbaut um einen Eschenstamm. Siegmund, Wotans Sohn, wankt erschöpft herein und sinkt bei dem Herd nieder. Sieglinde tritt aus der Türe des inneren Gemaches und sieht verwundert den Fremden liegen, der ihre Fragen nicht beantwortet, sondern schließlich nur um Wasser bittet. Nachdem er getrunken hat, haftet sein Blick länger auf ihr, und er möchte wissen, wer ihn labte. Sie sei Hundings Weib, läßt sie ihn wissen, und bald schüttelt er die Erinnerung an den Kampf ab, dem er – geschwächt und waffenlos zwar, doch unversehrt – entkommen ist. Sie reicht ihm Met, von dem er trinkt, und beide blicken sich, mit wachsender Ergriffenheit, eine Zeitlang stumm an.

[1/3] Siegmund weiß, daß ihm “Mißwende” folgt, wohin er auch geht, weshalb er sich davonmachen will, doch Sieglinde ruft ihn zurück: Nicht könne er Unheil dahin bringen, wo Unheil wohnt.

Szene 2

[1/4] Während beide einander schweigend betrachten, tritt Hunding ein, gewaffnet mit Schild und Speer. Unter der Tür hält er inne, als er Siegmund gewahrt. Sieglinde erklärt des Fremden Anwesenheit. Hunding bietet ihm, wie’s der Brauch, seine Gastfreundschaft und bemerkt verwundert, als sie sich zum Nachtmahl niedersetzen, die Ähnlichkeit zwischen Siegmund und Sieglinde.

[1/5] Von Hunding befragt, erklärt Siegmund, daß er Wehwalt heiße: Mit seinem Vater, den er Wolfe nennt, habe er die Wälder durchstreift, bis ihm eines Tages die Mutter erschlagen und seine Zwillingsschwester entführt worden sei. Bei der Verfolgung durch die Feinde habe er endlich auch des Vaters Spur verloren.

[1/6] Unheil habe fortan auf ihm gelegen, auch jüngst wieder, als ihn eine Maid um Hilfe angerufen, sein Versuch aber, sie vor ungewollter Heirat zu retten, in einer Katastrophe geendet habe.

[1/7] Hunding erkennt aufgrund des Berichts, daß er es mit dem Mörder seiner Verwandten zu tun hat, die zu rächen er vergebens ausgezogen war. Für heute will er dem Gast Obdach gewähren, morgen aber soll er Zoll für die Toten zahlen. Er befiehlt Sieglinde, ihm den Nachttrunk zu bereiten. Diese geht, zu tun, wie ihr geheißen, wirft aber zuvor noch einen Blick auf Siegmund und lenkt seine Aufmerksamkeit so auf den Eschenstamm. Hunding folgt seiner Frau und nimmt seine Waffen mit.

Szene 3

[1/8] Der waffenlose Siegfried erinnert sich, daß ihm sein Vater einst für Zeiten der Not ein Schwert verheißen habe. Er ruft den Vater bei dem Namen, den er kennt: “Wälse!” – und während das Feuer zusammenbricht, fällt aus der aufsprühenden Glut ein greller Schein auf die Stelle des Eschenstammes, welche Sieglindes Blick bezeichnet hatte. Das Herdfeuer verglimmt, Siegmund bleibt im Dunkeln.

[1/9] Sieglinde kommt zurück. Sie hat ihren Gemahl mit dem Schlaftrunk betäubt und zeigt Siegmund das Schwert, das bis zum Heft in der Esche steckt. Die Hochzeit mit der Frau, die ihn nicht liebte, hätten Hunding und seine Sippe gefeiert, als ein alter, einäugiger Mann eingetreten sei: Sein blitzender Blick habe den Männern Angst eingeflößt, sie aber, die Braut wider Willen, habe sich dadurch getröstet gefühlt. Dann habe er sein Schwert in den Baum gestoßen mit den Worten, es solle dem gehören, der es herauszuziehen vermöchte. Niemandem wollte das gelingen. Da habe sie den alten Mann erkannt, und jetzt hofft sie, daß Siegmund der Eine ist, der das Schwert ziehen und sie rächen kann: Sie umarmen sich.

[1/10] Die Tür springt auf: Der Vollmond leuchtet herein und wirft sein helles Licht auf das Paar. Der Winter ist dem Lenz und der Liebe gewichen

[1/11] Sieglinde sieht in Siegmund Lenz, Licht und Liebe, die sie erhoffte.

[1/12] Beide gestehen einander ihre Liebe. Sieglinde bemerkt, daß Siegmund ihr Spiegelbild sei, seine Stimme der Widerhall ihrer eigenen, sein Auge dem Blick des Greises gliche, der sie einst tröstete: Auf die Frage nach dem richtigen Namen seines Vaters antwortet Siegmund: “Wälse!”

[1/13] So will Sieglinde den Geliebten denn Siegmund nennen. Dieser, um seine Identität zu beweisen, ergreift das Schwert, dem er den Namen Nothung gibt, und zieht es aus dem Baum.

[1/14] Das Schwert soll die Brautgabe sein für die Frau, die er aus dem “Feindeshaus” entführen will. Da verrät ihm Sieglinde ihren Namen und gibt sich als seine Zwillingsschwester zu erkennen. Siegmund zieht sie mit wütender Glut an sich; sie sinkt mit einem Schrei an seine Brust.

Zweiter Akt
Szene 1

[2/1] Schwert-, Geschwisterliebe-, Wonne-, Hunding- und Walkürenmotiv erklingen im Vorspiel. Wotan steht auf einem Felsenjoch und befiehlt seiner Tochter Brünnhilde, für Siegmunds Sieg über Hunding Sorge zu tragen.

[2/2] Brünnhilde springt jauchzend von Fels zu Fels in die Höhe, blickt in die hintere Schlucht hinab und ruft Wotan zu, daß seine Frau Fricka auf dem Weg zu ihm sei.

[2/3] Fricka ist wütend. Hunding hat sie, “der Ehe Hüterin”, um Beistand angerufen, und sie hat ihm diesen versprochen: Der Ehebruch der Wälsungen soll gerächt werden. Wotan sieht die Lage anders und möchte, daß Siegmund und Sieglinde ihren Weg gehen dürfen – auch wenn sie Geschwister sind, ist ihre Verbindung doch glücklicher als die Sieglindes und Hundings.

[2/4] Fricka schilt Wotan ob dieser Ansicht und wirft ihm vor, die göttlichen Gesetze aufgehoben zu haben, seit er Wälsungen gezeugt habe. Schon der Walküren Schar habe sie ertragen müssen, doch die Wälsungen sind nicht einmal Götter, sondern “gemeine Menschen”. Wotan versetzt, es sei ein Held vonnöten, der – frei vom Gesetz und Schutz der Götter – eine Tat vollbrächte, die ihm selbst, dem Gott, aufgrund seiner Eide unmöglich sei. Fricka wendet ein, daß Siegmund nicht selbständig sei, da er Wotan das Schwert verdanke.

[2/5] Sie beharrt darauf, daß er Siegmund seinen Schutz entzieht, Brünnhilde verbietet, ihm beizustehen und dem Schwert die Zauberkraft nimmt.

[2/6] Wotan muß sich um Frickas Ehre willen fügen und Siegmund sterben lassen. Man hört Brünnhilde zurückkehren.

Szene 2

[2/7] Sie will wissen, was ihr der Vater zu sagen hat. Wotan ist verzweifelt ob der neuen Wendung. Machtlos beklagt er seine mißliche Lage. Brünnhilde will den Grund seines Kummers wissen: Wotan erzählt nun, daß er nach Macht und Minne gestrebt habe, indessen Alberich der Liebe entsagte und so den Ring schmiedete, der ihm “maßlose Macht” verlieh. Er habe ihm diesen zwar entrissen, um die Erbauer von Walhall damit zu bezahlen: Doch Erda habe ihn gewarnt, den Ring zu behalten und vor dem Ende der Götter gewarnt. Ihn drängte es, mehr über dieses Ende zu erfahren, und so folgte er der Weisen hinab in die Tiefen der Erde, wo er sie mit Liebes-Zauber dazu zwang, ihm ihr Wissen mitzuteilen. Der Beziehung entsprossen neun Töchter, die Walküren, die nun die Leichen der Helden zusammentragen, die bei der Verteidigung Walhalls fallen.

[2/8] Erda hat vorausgesehen, was geschehen werde, wenn Alberich den Ring aus dem Hort zurückbekäme, den nun der Riese Fafner bewacht, nachdem er einst seinen eigenen Bruder Fasolt erschlug. Wotan ist durch Verträge gebunden und kann den Ring nicht selbst holen; vielmehr bedarf es eines freien Helden, der das – “entgegen dem Gott” – vermag. Nun aber hat Fricka entdeckt, daß er machtlos ist und Siegmund seinen bisherigen Schutz entziehen muß.

[2/9] Brünnhilde fragt, was sie tun soll. Er antwortet, daß er den Ring berührt habe und seinem Fluch erlegen sei: “Was ich liebe, muß ich verlassen.” Er will nur noch das Ende: Sollte Alberich einen Sohn zeugen, so werde das dieses Ende sein.

[2/10] Dann wolle er dem Nibelungen-Sohn “der Gottheit nichtigen Glanz” übergeben. Brünnhilde soll für Fricka streiten und Siegmund fällen. Er stürmt davon.

[2/11] Brünnhilde ist erschrocken über den Befehl. Sie sieht Siegmund und Sieglinde; dann zieht sie sich zu ihrem Roß in eine Höhle zurück.

Szene 3

[2/12] Siegmund will Sieglinde aufhalten, die vorwärtsdrängt und sich Vorwürfe wegen ihres Verhaltens macht. Ihr Bruder verspricht, daß die Schande ein Ende habe, wenn er Hunding erschlägt, dessen Horn man in der Ferne hört. Sieglinde mahnt zur Flucht und malt sich aus, wie ihr Geliebter von Hundings Hunden zerfleischt wird. Wieder hört sie Hundings Horn, und sie sinkt mit einem Schrei ohnmächtig in Siegmunds Arme.

Szene 4

[2/13] Brünnhilde schreitet, ihr Roß am Zaume geleitend, aus der Höhle heraus. Sie spricht Siegmund an: Er sei dem Tode geweiht und werde sie nach Walhall begleiten, um dort mit den Göttern und Helden, seinem Vater und dessen Töchtern zusammen zu sein.

[2/14] Siegmund will Sieglinde nicht verlassen, muß aber von Brünnhilde hören, daß Hunding ihn töten wird. Als er ihr nicht glaubt, verrät sie ihm, daß das Schwert seine Macht verloren habe.

[2/15] Er flucht dem, der das Schwert ihm schuf, und will Sieglinde töten. Brünnhilde hält ihn jedoch zurück und verspricht schließlich, während sie davonstürmt, der Schlacht einen andern Ausgang zu geben.

Szene 5

[3/1] Die Bühne hat sich allmählich verfinstert; schwere Gewitterwolken senken sich herab. Siegmund beugt sich über die jetzt friedlich schlafende Sieglinde, küßt sie, zieht sein Schwert und geht Hunding kampfbereit entgegen.

[3/2] Sieglinde erwacht und ruft angstvoll nach Siegmund. Man hört Hunding nach Wehwalt rufen. Siegmund antwortet. Die Männer kämpfen auf dem Felsenjoch. Brünnhilde erscheint und bedeckt Siegmund mit ihrem Schild. Wie dieser eben zuschlagen will, sieht man Wotan über Hunding stehen: Nothung zerbricht an des Gottes Speer. Brünnhilde ist erschrocken zurückgewichen. Hunding stößt dem entwaffneten Siegmund sein Schwert in die Brust.

[3/3] Indessen hebt Brünnhilde Sieglinde auf ihr Roß und reitet mit ihr davon. Wotan betrachtet Siegmunds Leichnam, dann schickt er Hunding mit einem verächtlichen Handwink zu Fricka: Der Mann fällt tot zu Boden. Wotan verschwindet mit Donner und Blitz, um Brünnhilde zu bestrafen.

Dritter Akt
Szene 1 (Die Walküren)

[3/4] Die Walküren kehren aus der Schlacht zurück und treffen auf dem Gipfel eines Felsengebirges zusammen. Sie begrüßen einander während sie mit erschlagenen Kriegern herbeireiten. Als Brünnhilde eintrifft, sehen ihre Schwestern, daß sie anstelle eines Helden ein Weib mitbringt.

[3/5] Brünnhilde bittet um Hilfe, da Wotan ihr nachhetzt. Die Walküren weigern sich, ihr beizustehen. Sie erklärt, daß es sich bei der Frau um Sieglinde, die Schwester und Braut Siegmunds, handelt, und sie berichtet, wie letzterer durch Wotans Eingreifen zu Tode kam – doch keine will ihr helfen.

[3/6] Sieglinde kommt zu sich. Jetzt, da Siegmund tot ist, soll ihr Brünnhilde das Schwert ins Herz stoßen. Diese weiß aber, daß sie Siegmunds Kind im Schoß trägt, und will, daß sie lebe. Die Walküren drängen sie, sich vor Wotan, der sich naht, in Sicherheit zu bringen: Sie solle in die Wälder flüchten, dorthin, wo Fafner Alberichs Schatz bewache und Wotans Wut ihr nichts anhaben kann. Brünnhilde überreicht Sieglinde die Stücke des zerborstenen Nothung – für Siegfried, den Sohn, den sie gebären wird. Gewitterwolken ziehen sich zusammen, und man hört Wotans Ruf zwischen den Donnerschlägen: Er ruft Brünnhilde, die ihre Schwestern verstecken wollen.

Szene 2

[3/7] Wotan rast vor Wut und sucht seine Lieblingstochter Brünnhilde, die seinen Befehl mißachtete. Wohl wisse er, daß ihre Schwestern sie verbergen, sie, der er vertraut und die jetzt den “seligen Bund” zwischen ihnen zerrissen habe.

[3/8] Brünnhilde tritt vor und ist bereit, die Strafe anzunehmen, die sie sich – so Wotan – selbst schuf. Sie wird ihre Macht verlieren, keine Walküre mehr sein und keine toten Helden mehr nach Walhall bringen. Wotan wird sie verstoßen und aus seinem Angesicht verbannen. Auf diesem Berg soll sie schlafen, bis ein Mann sie findet und aufweckt. Brünnhilde sinkt schreiend vor seinen Füßen zu Boden, ihre Schwestern sind entsetzt über die strenge Bestrafung. Wotan ist unerbittlich. Brünnhilde gehört nicht mehr zu ihnen und wird nicht mehr durch die Lüfte reiten. Die andern sollen sich fern von ihr halten, wenn sie nicht denselben Jammer erleiden wollen. Zum Gebraus des Sturmwindes fahren die Walküren in die Lüfte.

Szene 3

[3/9] Der Sturm ist erstorben. Wotan und Brünnhilde sind allein. Lange herrscht feierliches Schweigen, während das Mädchen dem Vater zu Füßen liegt.

[3/10] Endlich fragt sie, ob ihr Verbrechen wirklich so schmählich gewesen sei: Sie habe nur seinem ersten Befehl gehorcht und seinen Wunsch erfüllt. Den aber, so versetzt er, habe er widerrufen – worauf Brünnhilde meint, er habe sich Fricka gebeugt und sei damit sein eigener Feind geworden. Sie aber, Brünnhilde, habe von Wotans Liebe zu dem Wälsung gewußt.

[3/11] Wotan versteht ihren Beweggrund: Sie sei ihrem Herzen gefolgt, während er “in den Trümmern der eigenen Welt” seine ewige Trauer enden müsse. Er muß sie jetzt allein lassen, nachdem sie die Liebe über ihre Pflichterfüllung gesetzt habe. Brünnhilde erwidert, sie sei nicht weise, habe aber seine wirklichen Absichten begriffen. Darauf Wotan: Sie sei der Liebe Macht gefolgt und solle nun dem folgen, den sie lieben müsse. Sie bittet ihn, sie nicht irgendeinem “feigen Prahler” auszuliefern; er aber, Wotan, werde nicht für sie entscheiden. Endlich sagt sie ihm, daß Sieglinde, die jetzt die Stücke von Siegmunds Schwert aufbewahrt, einen großen Wälsungen-Helden zur Welt bringen werde.

[3/12] Wotan läßt sich dennoch nicht umstimmen: Brünnhildes Los wird fallen, wie es fällt; ihre Strafe ist ein fester Schlaf, und wer sie erweckt, wird ihr Gatte sein. Brünnhilde bittet, daß sie im Schlaf wenigstens so geschützt ist, daß nur ein furchtloser Held zu ihr gelangen kann: Ein Feuer solle um den Felsen brennen, auf dem sie ruhen wird.

[3/13] Wotan hebt Brünnhilde auf und sagt ihr Lebewohl und wendet sich traurig von ihr, verspricht aber das Feuer, um das sie bat.

[3/14] Er küßt die Tochter, die er so liebte, auf die Augen, und sie sinkt sanft ermattend in seinen Armen zurück. Er bettet sie zart auf einen moosigen Hügel.

[3/15] Dann kehrt er die Spitze seines Speeres gegen einen mächtigen Felsstein. Er ruft Loge herbei, der die Lagerstatt mit Feuer umgeben soll. Bei der letzten Anrufung Loges schlägt er mit der Spitze des Speeres dreimal auf den Stein.

[3/16] Feuer züngelt empor und umringt den Felsen: “Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!” gebietet Wotan. Er wirft einen letzten traurigen Blick auf Brünnhilde und verschwindet in der Glut nach dem Hintergrunde zu.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

Die Libretto sind online unter http://www.naxos.com/libretti/walkure.htm


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