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8.660175-78 - WAGNER, R.: Siegfried (Ring Cycle 3)
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Richard Wagner (1813–1883)
Siegfried

 

Im August 1876 kam es im neuerbauten Bayreuther Festspielhaus zur ersten vollständigen Aufführung der Tetralogie Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Der Zyklus besteht aus dem Vorabend Das Rheingold, worauf sich an den beiden nächsten Tagen Die Walküre und Siegfried sowie am Ende die Götterdämmerung anschließen. 1851 hatte der Komponist damit begonnen, das Libretto des späteren dritten Teils zu skizzieren – zunächst unter dem Titel Jung-Siegfried, dann als Der junge Siegfried. Den Text der gesamten Tetralogie vollendete er in den unmittelbar darauf folgenden Jahren. Seit 1856 war Wagner dann mit der Arbeit an der Musik zu Siegfried beschäftigt, wobei es 1857 nach der Orchesterskizze des zweiten Aktes zu einer längeren Unterbrechung kam. Die beiden ersten Akte wurden 1864 und 1865 voll ausgeführt. Mit der Arbeit am dritten Akt begann Wagner erst 1869, und die Instrumentation des gesamten Werkes war 1871 beendet.

Siegfried wurde 1876 im Zuge der Ring-Premiere in Bayreuth uraufgeführt. Wieder sind die dramatischen Charaktere, Ereignisse und Ideen durch die Leitmotive miteinander verbunden, die immer wieder aufscheinen und der gesamten Tetralogie Zusammenhalt verleihen.

Die Quellen seines Dramas fand Wagner vornehmlich in der isländischen Saga, im mittel-hochdeutschen Nibelungenlied aus dem 13. Jahrhundert und der altnordischen Thidreks Saga af Bern. Daneben las er jedoch auch eine Vielzahl anderer Werke, indessen die Struktur der Tetralogie und das zu Grunde liegende Thema des Fluches in vieler Hinsicht Aischylos und der griechischen Tragödie verpflichtet sind. Auf einer Ebene stellt Siegfried die äußerst unpraktikable politische Vision Wagners dar. Der junge bayerische König Ludwig II. hätte demnach der neue Siegfried sein sollen, der das durch Brünnhilde verkörperte Deutschland befreite. Wagner hat den Monarchen freilich auch mit andern seiner Helden identifiziert – zunächst mit Lohengrin, später mit Parsifal. Die Partitur des Siegfried enthielt der Komponist seinem hohen Mäzen jedoch vor, da er sich inzwischen von seinen Berliner Beziehungen einiges versprach; zudem sah sich der König durch das geplante Bayreuther Festspielhaus seines Münchner Wagner-Zentrums beraubt. Ungeachtet dieses Doppelspiels unterstützte Ludwig den Komponisten auch weiterhin. Das Festspielhaus wurde freilich zum Teil mit Mitteln errichtet, um die der Bauherr seine Freunde im neuen deutschen Machtzentrum Berlin gebeten hatte (der Kaisermarsch von 1871 ist ein Dokument seiner neuen Orientierung).

 

Die Handlung

Erster Akt

Vorspiel

[CD 1 / Track 1] Das Vorspiel des ersten Aktes reflektiert die Gedanken des Nibelungen.

Szene 1

[1/2] Mime sitzt am Schmiedeherd seiner im Walde gelegenen Felsenhöhle. Er hämmert an einem Schwerte und beklagt sich über seine endlose Mühe. Er kann ein Schwert für Riesen machen, doch Siegfried knickt und schmeißt es entzwei, als sei es Kindergeschmeide! Wollte es ihm freilich gelingen, die Trümmer des Schwertes Nothung zu zwingen, dann könnte Siegfried den Lindwurm Fafner erschlagen und er, Mime, den Ring in seinen Besitz bringen. Er arbeitet und jammert fort.

[1/3] Siegfried kommt fröhlich vom Walde her und führt einen Bären mit sich, den er mit lustigem Übermute antreibt, Mime zu packen. Dieser flüchtet furchtsam hinter den Herd. Siegfried löst des Bären Zaum, und dieser läuft in den Wald zurück. Einen Gesellen, so singt Siegfried, habe er im Walde gesucht, und als sein Horn habe hallend tönen lassen, sei der Bär herbeigekommen. Mime hat ein Schwert für den Jüngling geschmiedet; der erfaßt es, prüft es kritisch mit der Hand, schlägt damit auf den Amboß – und die Klinge zerbricht. Er mißhandelt den Zwerg ob seiner schlechten Handwerkskunst; dieser schilt den Undankbaren.

[1/4] Wie er in seinem sogenannten Ammenlied darlegt, hat er Siegfried als zullendes Kind aufgezogen, und was er dafür erntet, ist bloßer Haß. Siegfried räumt ein, daß Mime ihn zwar viel gelehrt, er aber nie gelernt habe, diesen zu lieben. Mehr noch: Er kann seinen Ziehvater nicht ausstehen. Stets erkennt er das Übel in dem, was dieser tut, und teurer sind ihm die Tiere als er. Mime setzt sich ihm traulich gegenüber und sagt ihm, daß er, Siegfried, ihn in Wirklichkeit wohl liebte wie das Vöglein im Nest seine Mutter.

[1/5] Siegfried hat jedoch die Tiere des Waldes gesehen und fand, daß sie Männchen und Weibchen sind. Wo aber sei dann das Weibchen, das er Mutter nennen könne? Mime beansprucht, Vater und Mutter ihm zu sein, doch Siegfried hat in einem klaren Bache sein Spiegelbild gesehen und entdeckt, daß nichts in seinen Zügen an Mime erinnert. Er will wissen, wer seine wahren Eltern sind. Mime gesteht, daß er mit Siegfried nicht verwandt sei, sondern ihn aus Erbarmen bei sich aufnahm.

[1/6] Einst fand er ein wimmerndes Weib im wilden Wald, das er aus Mitleid in seine warme Höhle brachte, wo sie bald ein Kind gebar. Danach starb sie, und Mime kümmerte sich um das Neugeborene. Vor ihrem Tode habe ihm die Mutter noch aufgetragen, das Kind Siegfried zu nennen, sie selbst aber, verrät er auf Nachfragen, habe Sieglinde geheißen. Das Schwert hinterließ ihm die Mutter. Siegfried befiehlt Mime, die zerborstene Klinge sogleich zu schmieden und droht ihm: Er will mit dieser Waffe froh und frei in die Welt hinausziehen und nie wiederkehren. Er stürmt in den Wald hinein, indessen Mime hinter ihm her ruft und sich dann wieder dem Amboß zuwendet. Unmöglich, meint er, werde es sein, das Schwert zu zwingen, mit dem Siegfried den Riesen Fafner erlegen könne.

Szene 2

[1/7] Wotan, als Wanderer gekleidet, tritt aus dem Wald. Er trägt einen dunkelblauen langen Mantel; einen Speer führt er als Stab. Auf dem Haupte hat er einen großen Hut mit breiter runder Krempe, die über das fehlende eine Auge tief hereinhängt. Er bittet Mime um Gastfreundschaft, die dieser nur unwillig gewährt. Der Wanderer ist bereit, sich von Mime befragen zu lassen und setzt sein Haupt zum Pfand, sollte er die Antworten nicht wissen. Andernfalls aber verlangt er Gastfreundschaft.

[1/8] Mime will sich des unliebsamen Gastes gern entledigen und fragt zunächst, welches Geschlecht in der Erde Tiefe lebe? Der Wanderer versetzt, es seien die Nibelungen, die Schwarz-Alben, die gezwungen wurden, einen Zauberring zu schmieden, um Alberich einen reichen Schatz zu bringen, der die Welt damit beherrschen wollte. Zum zweiten will Mime wissen, welches Geschlecht auf der Erde Rücken ruhe? – Es sind dies die Riesen, antwortet der Wanderer. Die Riesen Fasolt und Fafner nahmen den gewaltigen Nibelungenhort für sich. Fafner erschlug seinen Bruder und nahm dann die Gestalt eines wilden Wurms an, den Schatz zu hüten. Die dritte Frage gilt dem Geschlecht auf wolkigen Höhen – und wieder weiß der Wanderer die Antwort: Die Götter, Licht-Alben, leben dort droben, und ihr Herrscher in Walhall ist Wotan. Er hat einen Speer, und in den Schaft sind die Runen der heiligen Verträge geschnitten, durch die die Nibelungen und Riesen für immer den Göttern gehorchen.

[1/9] Mimes Fragen waren kein Problem. Jetzt muß er selbst seinen Kopf gegen drei Fragen des Wanderers setzen.

[1/10] Dieser erfragt zunächst den Namen des Geschlechts, das sich den Zorn Wotans zugezogen hat, obwohl er es liebte. Mime antwortet richtig: die Wälsungen Siegmund, Sieglinde und Siegfried, ihr Sproß. Welches Schwert, will dann der Fragende wissen, müsse Siegfried schwingen, um Fafner zu töten – und Mime erwidert: Nothung. Hastig erzählt der Zwerg weiter, wie dieses Schwert an Wotans Speer zersprang, daß nun aber ein weiser Schmied die Stücke verwahre, auf daß es ein kühnes dummes Kind zu seinem, Mimes, Nutzen führe. Die dritte Frage des Wanderers: Wer wohl Nothung, das Schwert, schweißen werde – diese Frage vermag Mime nicht zu beantworten. Damit hat er sein Leben verwirkt und ist der Gnade dessen überlassen, der das Fürchten nicht gelernt und Nothung neu schmieden wird. Der Wanderer lacht und geht in den Wald. Mime ist, wie vernichtet, auf dem Schemel hinter dem Amboß zurückgesunken.

Szene 3

[2/1] Heftig zitternd schaut Mime in den Wald, in dem jetzt ein verfluchtes Licht flackert, das näher zu kommen scheint. Der Zwerg meint, Fafner der Wurm wolle ihn fangen, schreit laut auf und knickt hinter dem breiten Amboß zusammen. Frohgemut tritt Siegfried ein.

[2/2] Er schaut sich nach Mime um. Als er ihn erblickt, fragt er, was er hinter dem Amboß suche und wie’s um sein Schwert stehe. Mime erinnert sich still, daß nur der das Fürchten nicht erfuhr in der Lage sei, die Waffe zu schmieden – er will den Knabe also diese Lektion lehren und auf diese Weise sein eigenes Leben retten. Siegfried will wissen, was es mit dem Fürchten auf sich habe, und Mime entgegnet, er könne nicht in die Welt hinaus, bevor er das nicht gelernt habe.

[2/3] Mime beschreibt nun die Schrecken des dunklen Waldes, das wilde Brummen, das wirre Flackern, die einem in die Glieder fahren. Siegfried weiß nichts davon, weshalb ihn Mime zu Fafner bringen wird: Der wird’s ihn lehren. Das Schwert, so muß der Zwerg zugeben, weiß er nicht zu schmieden.

[2/4] Darauf nimmt Siegfried die Stücke, spannt sie in den Schraubstock und feilt sie zu Spänen, derweil er das Feuer schürt. Mime erkennt, daß Siegfried ihn töten wird, beschließt aber dennoch, ihn zunächst noch zu benutzen, um den Lindwurm Fafner zu erschlagen und ihm dann den Ring zu entwenden.

[2/5] Siegfried kennt nunmehr den Namen der Waffe, die er schmiedet, und besingt Nothung, das neidliche Schwert, während er rüstig draufzuhämmert: Eine braune Esche hat er im Forst gefällt und daraus die Kohle gebrannt, die jetzt das Schmiedefeuer nährt. Mime rüstet indes einen Betäubungstrank, mit dem er Siegfried nach dessen Kampf gegen Fafner „erquicken“ will. Der Held setzt seine Arbeit jubelnd fort.

[2/6] Siegfried ist mit Freude beschäftigt: Schmiede, mein Hammer, ein hartes Schwert, singt er, während Mime seinen eigenen Plänen nachgeht.

[2/7] Jetzt hat der Zwerg das Gift bereitet, und Siegfried ist mit seiner Arbeit fertig geworden: Er packt das wiederhergestellte Schwert, schwingt es und schlägt nun damit auf den Amboß: dieser zerspaltet in zwei Stücken, von oben bis unten. ... Siegfried hält jauchzend das Schwert in die Höhe.

Zweiter Akt

[2/8] Das Vorspiel beschreibt den tiefen, dunklen Wald bei Fafners Höhle. Gegen Ende erklingt Alberichs Nibelungen-Haß-Motiv.

Szene 1

[2/9] Vor Fafners Höhle betrachtet Alberich Wald und Nacht. Obwohl es noch finster ist, ahnt er bereits den Tagesanbruch.

[2/10] Im Mondschein erkennt er den Wanderer und will ihn wütend verscheuchen. Nur zu schauen sei er gekommen, antwortet Wotan, nicht zu schaffen – und Alberich erinnert seinerseits daran, daß er den Vertrag mit Fafner nicht brechen dürfe, der ja den Ring und den gesamten Schatz als Bezahlung für die Errichtung Walhalls und die Freilassung der Göttin Freia erhalten habe. Alberich droht Wotan, er habe vor, durch den Ring die Macht an sich zu bringen und Walhalls Höhen zu stürmen, um Herrscher der Welt zu werden. Wotan antwortet ruhig, daß ihn des Schwarz-Alben Vorhaben nicht sorge. Er erzählt von Siegfried, der nichts von dem Ring wisse, und von Mimes raffiniertem Plan: Alberichs Bruder suche nur den Ring zu erlangen, Siegfried hingegen sei sein eigener Herr, ob er steh’ oder fall’.

[2/11] Alberich müßte also nur mit Mime ringen, doch der Wanderer sagt ihm, daß der Held sich nahe: Wenn Fafner gewarnt würde, ließe er wohl freiwillig von dem Ring. Er ruft den Namen des Drachen, der in seiner Höhle erwacht; allerdings will er auf die Warnung nicht hören, da das Schicksal das Ergebnis bestimmen werde. Wotan verschwindet, und Alberich verbirgt sich mit einem Racheschwur zur Seite im Geklüft.

Szene 2

[3/1] Es ist Morgendämmerung. Mime und Siegfried nähern sich Fafners Höhle. Dort, so Mime, sei für Siegfried der Platz, wo er das Fürchten lernen werde. Er beschreibt den greulichen Wurm, doch Siegfried hat keine Sorge und beschreibt, wie er den Drachen töten wolle. Noch einmal will Mime wissen, ob Siegfried nun wohl das Fürchten ankäme? Der hält nichts von der Lektion und sträubt sich gegen Mimes vorgebliche Liebe, der ihm beschreibt, daß der Drache bei Tageslicht aus seiner Höhle herauskommen und an dem Quell trinken werde. Dann solle Mime nur dort bleiben, meint Siegfried, damit Fafner auch ihn wegsaufe. Besser freilich sei’s für den Zwerg, wenn er verschwände und nie wiederkehrte. Mime geht in den Wald zurück, während er hofft, daß Fafner und Siegfried sich gegenseitig umbringen.

[3/2] Siegfried streckt sich unter einer Linde aus, froh darüber, daß der Zwerg sein Vater nicht ist: Wär’ wo von Mime ein Sohn, müßt’ er nicht ganz Mime gleichen? Er fragt sich, wie wohl seine Mutter, wie sein Vater ausgesehen haben, und ob alle Menschenmütter sterben, wenn sie einen Sohn gebären? Er sehnt sich nach seiner eigenen Mutter. In der Stille des Morgens hört er die Vögel singen und fragt erneut nach seiner Mutter. Mime hatte ihm verraten, wie man den Vogelgesang verstehen könne, und er versucht’s, schneidet sich eine Rohrpfeife und imitiert, was er hört – doch der Ton der hurtig geschnitzten Flöte ist unschön. Wieder hört er den Vogel singen und wirft das Rohr weg.

[3/3] Siegfried nimmt sein Horn und spielt. Damit ruft er Fafner herbei, der sich langsam aus seiner Höhle herauswälzt und innehält, um Siegfried zu betrachten. Dieser läßt sich nicht schrecken und fragt, ob Fafner ihn wohl das Fürchten lehren könne. Er verspottet den Drohenden, packt sein Schwert, attackiert ihn und durchbohrt nach einem kurzen Kampf Fafners Herz.

[3/4] Im Sterben spricht der Lindwurm vom Fluch des Goldes und wie er seinen Bruder Fasolt erschlug. Jetzt sei er selbst, der letzte der Riesen, des Todes. Er warnt Siegfried: In Gefahr brächte ihn der, der zu dieser Tat ihn gereizt. Siegfried zieht das Schwert aus Fafners tödlicher Wunde. Dabei wird seine Hand vom Blute des Drachen benetzt. Es brennt wie Feuer.

[3/5] Er führt unwillkürlich die Finger zum Munde, um das Blut von ihnen abzusaugen. Auf einmal versteht er den Gesang des Vogels, der ihn anweist, in der Höhle das Nibelungengold, den Tarnhelm und den Ring zu suchen, der ihm Macht über die ganze Welt gäbe. Siegfried dankt dem Vogel für den Rat und steigt in die Höhle hinab.

Szene 3

[3/6] Mime schleicht heran, scheu umherblickend, um sich von Fafners Tod zu überzeugen. – Gleichzeitig kommt von der anderen Seite Alberich und vertritt ihm den Weg. Die beiden streiten darüber, wer den Schatz haben soll: Der eine beansprucht ihn, weil er den Ring, der andere, weil er den Tarnhelm geschaffen habe. Mime schlägt vor, sie sollten sich den Hort teilen, doch Alberich lehnt das Ansinnen wütend ab. Überrascht sehen sie Siegfried aus der Höhle kommen – mit dem Tarnhelm und dem Ring, den Mime ihm gleich abzunehmen hofft. Siegfried weiß nicht, welchen Nutzen die Sachen für ihn haben, beschließt aber, sie als Zeichen seines Kampfes gegen Fafner zu behalten, obwohl er noch immer nicht das Fürchten gelernt hat. Er hängt den Tarnhelm an seinen Gürtel und steckt den Ring an den Finger. Man hört erneut die Stimme des Waldvogels, die ihn warnt, Mime nicht zu vertrauen; durch das Blut des Drachen könne er verstehen, was dieser wirklich im Schilde führt.

[3/7] Er sieht Mime kommen, der ihn begrüßt und wissen will, ob er nunmehr das Fürchten gelernt? Siegfried antwortet, er habe keinen Lehrer gefunden. Mime ist freundlich zu Siegfried, muß aber erschreckt feststellen, daß dieser seine Gedanken hören kann, aus denen der Haß gegenüber dem Knaben spricht. Der Zwerg bietet seinem Ziehsohn den Trank, den er bereitet hat – und denkt inzwischen, daß er dann Siegfrieds Schwert und Schatz an sich nehmen will. Er müsse ihn wohl falsch verstanden haben, behauptet er dann, und drängt ihn erneut, zu trinken – damit er, wie er in Gedanken fortführt, die Besinnung verliert und er ihm den Kopf abhauen könne, um den Ring an sich zu nehmen. Verblüfft muß er feststellen, daß Siegfried auch diese Mordgedanken verstanden hat. Dieser streckt ihn mit einem Streiche nieder. Man hört Alberich aus dem Geklüft heraus ein höhnisches Gelächter aufschlagen.

[3/8] Siegfried schleudert Mimes Leichnam in die Höhle und schleift die Leiche des Wurms vor den Eingang derselben, damit er den gleißenden Hort und den beuterührigen Feind behüte.

[3/9] Ermüdet streckt er sich unter dem Lindenbaum aus. Dem Waldvogel gesteht er seine Einsamkeit: Nicht Bruder noch Schwester habe er, meine Mutter schwand, mein Vater fiel ... der einzige Gesell war ein garstiger Zwerg. Das Vöglein fragt er nun um Rat und Gesellschaft.

[3/10] Der Vogel singt, daß er das herrlichste Weib für ihn wisse, das auf hohem Felsen schläft, umringt von Flammen: Wenn Siegfried sie erwecke, werde Brünnhilde ihm gehören. Was dieses sehrende Gefühl in seiner Brust sei, will der Jüngling wissen, und er erfährt, es sei die Liebe. Er fragt, ob er wohl das Feuer werde durchbrechen können, und der Vogel sagt ihm, daß nur jemand, der das Fürchten nicht kennt, das zu tun vermöchte. Auf die Frage, wo der Felsen zu finden sei, flattert der Vogel auf, schwebt über Siegfried und fliegt davon. Dieser eilt dem Vogel nach.

Dritter Akt

[3/11] Das Vorspiel erinnert an den wandernden Wotan, der durch Verträge gebunden und zur Wanderschaft verurteilt ist.

[3/12] Nacht, Sturm und Wetter, Blitz und Donner. Vor einem gruftähnlichen Höhlentore im Felsen, auf dem Brünnhilde schläft, sieht man den Wanderer. Er ruft Erda, die Schicksalsgöttin: sie solle erwachen und sich aus den Tiefen erheben.

[3/13] Erda steigt langsam empor. Wotan sagt, er sei gekommen, ihren Rat zu suchen: Lang und weit sei er gewandert, doch sie wisse mehr als er.

[3/14] Sie meint, er solle sich von ihren Töchtern, den Nornen, raten lassen, die den Schicksalsfaden spinnen; doch Wotan will Erdas Wissen. Sie schlägt vor, Brünnhilde aufzusuchen, die Walküre, die sie ihm geboren hat. Er hadert mit der schlafenden Walküre, die nur von einem Sterblichen aufgeweckt werden könne.

[3/15] Erda ist wütend über Brünnhildes Los. Wotan will, daß sie ihm vom Ende der Götter künde, und sie antwortet, er sei nun kein Gott mehr.

[3/16] Wotan verfügt, daß auch ihr Wissen ein Ende habe: Siegfried soll sein Erbe sein, der Besitzer des Rings und in Sicherheit vor Alberich, da er keine Furcht kennt. Siegfried wird Brünnhilde erwecken und sie wird mit ihren Kenntnissen die Welt retten. Er befiehlt Erda, zu ewigem Schlaf zurückzukehren, und sie verschwindet wieder in den Tiefen der Erde.

Szene 2

[4/1] Der Morgen dämmert, und der Wanderer sieht Siegfried kommen, der dem Waldvogel nachläuft. Plötzlich hält der Vogel inne. Er sieht den Wanderer, flattert empor und verschwindet im Hintergrunde. Siegfried will seinen Weg fortsetzen, allein der Wanderer fragt ihn nach seinem Weg. Siegfried antwortet, daß er nach einem von Feuer umwaberten Felsen suche, worauf ein schlafendes Weib ruhe, das er aufwecken wolle. Ferner sagt er, daß ihn ein Vogel hergeführt habe, den er durch das Blut des Drachen, den er erschlug, verstehen konnte. Er führt aus, wie Mime ihn zu der Drachenhöhle gebracht und wie er das Schwert benutzt habe, das er sich selbst schuf. Er verlangt von dem alten Mann, er solle ihm den Weg zu dem Felsen weisen, doch der Wanderer fordert Geduld.

[4/2] Siegfried droht ihm, begierig, die Fahrt fortzusetzen, der sich der Fremde entgegenstellt. Der Wanderer tadelt den Mangel an Respekt gegenüber dem Älteren, doch Siegfried verspricht ihm dasselbe Schicksal, das Mime erlitt: Warum ihm der Hut so ins Gesicht hinge, will er wissen, und ob ihm das eine Auge ausgeschlagen wurde, weil er schon einmal wem den Weg vertrat?

[4/3] Siegfried bedrängt den Wanderer weiter, ihm den Weg zu der schlafenden Frau freizumachen, den ihm der Waldvogel gezeigt – der, so setzt der Alte hinzu, zu seinem eigenen Heil vor dem Herrn der Raben, sprich Wotan, geflohen sei. Er beschreibt dem Knaben, wie die Braut durch seinen Befehl von Flammen umringt sei, und daß, wer sie erweckte, ihn für immer seiner Macht beraubte. Er vertritt Siegfried den Weg und zeigt mit dem Speer zu den Felsenhöhen empor. Man sieht einen schwachen Schein, der nach und nach heller und glühender wird, doch Siegfried zeigt keine Furcht. Als der Wanderer seinen Speer gegen Nothung, das Schwert, richtet, ist es diesesmal der Speer, der zerbricht – und mit ihm Wotans Macht. Der Wanderer kann nicht länger Siegfrieds Weg versperren. Er verschwindet plötzlich.

[4/4] Der Schein der Flammen wird immer heller, und Siegfried, auf seinem Horne blasend, stürzt sich in das Feuer, das sich bald auch über den ganzen Vordergrund ergießt. Die Flammen erbleichen erst, als Siegfried sich dem Felsen naht, auf dem Brünnhilde neben ihrem Ross Grane schläft.

Szene 3

[4/5] Siegfried betrachtet staunend die Szene. Er sieht das Ross und Brünnhildes schimmernde Rüstung, hebt ihren Schild ab und erblickt das Gesicht der Schlafenden. Er ist erstaunt über ihre Schönheit, und zerschneidet mit seinem Schwert die Panzerringe, die ihre Rüstung halten.

[4/6] Er erbebt und meint, daß er jetzt vielleicht das Fürchten gelernt hat. Erschreckt ruft er seine Mutter an, ihm zu helfen. Er will Brünnhilde aufwecken und küßt sie.

[4/7] Brünnhilde schlägt die Augen auf, und beide blicken sich eine Zeitlang wortlos an.

[4/8] Nachdem sich Brünnhilde langsam aufgerichtet hat, grüßt sie die Sonne nach ihrem langen Schlaf und will wissen, wer es ist, der sie aufgeweckt hat. Verzaubert erzählt ihr Siegfried, wie er durch das Feuer kam, und er verrät ihr seinen Namen. Sie dankt den Göttern und grüßt Erde und Welt, da ihr Schlaf vorüber ist. Siegfried fällt in den freudigen Gesang ein.

[4/9] Sie sagt ihm, daß sie ihn liebe. Siegfried meint, er sähe seine Mutter, doch Brünnhilde klärt ihn auf, daß seine Mutter nicht zurückgekehrt sei: Sie verspricht ihm ihr Wissen, denn für ihn hat sie gekämpft und gestritten. Siegfried begreift noch nicht.

[4/10] Sie schaut nach ihrem Pferd und ihren Waffen, die sie nicht länger schützen. Glühend vor Liebe, will Siegfried sie umfangen, doch sie entflieht – eine selbst von Göttern unberührte Maid. Sie bemerkt, daß sie aufgrund ihrer Liebe zu ihm ihre Weisheit verlieren wird.

[4/11] Sie will Siegfried von sich fernhalten, da sie die Folgen für beide erkennt.

[4/12] Im Kampf mit ihren Gefühlen gibt sie schließlich seiner Liebe und ihren eigenen Empfindungen nach.

[4/13] Siegfried gesteht ihr seine Liebe. Beide spüren die Begeisterung ihrer Leidenschaft.

[4/14] Brünnhilde nimmt Abschied von Walhall und schaut bewußt auf die Götterdämmerung, da sie selbst für immer mit Siegfried vereint ist.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

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Die Handlung der Staatsoper Stuttgart

Erster Akt

Mime hat sich im Exil eine zweite Existenz aufgebaut: aufopferungsvoll hat er einen ihm anvertrauten Säugling aufgezogen. An diesem Knaben Siegfried hängt seine Hoffnung, in den Besitz eines maßlose Macht verheißenden Ringes zu gelangen, den sein Bruder Alberich geschmiedet und verflucht hat, und den derzeit der furchtbare Fafner hütet – ohne freilich dessen zerstörerisches Potential zu nutzen.

Siegfried genügen die Spiele der Kindheit nicht mehr. Als ehemaliger Goldschmied kann Mime ihm kein Stahlschwert schmieden, wie Siegfried es verlang. Auch könnte die Aggressivität des Jungen, die sich nun an Spielzeugschwert und Mittagessen entlädt, ihm selbst gefährlich werden.

Der überforderte Ziehvater weiß sich der drängenden Fragen Siegfrieds nach dem Geheimnis seiner Herkunft nicht länger zu erwehren. Er berichtet, wie dessen Mutter ihn auf der Flucht zur Welt brachte und starb, und übergibt Siegfried das Einzige, was sie ihm hinterlassen konnte: die Trümmer eines Schwertes. Bevor der aufgewühlte Junge hinausstürmt, verlangt er von Mime, ihm noch heute die Stücke zum Schwert zu schweißen, mit dem er n die Welt ziehen will.

Mime wird von einem Wanderer heimgesucht, der ihn zu einem Ratespiel zwingt: wer die jeweils drei Fragen des anderen nicht beantworten könne, habe seinen Kopf verwettet.

Die Fragen und ihre Antworten reißen alte Wunden auf: während Mime sich die Misshandlung durch seinen Bruder Alberich und die Furcht vor Fafner eingeschrieben hat, ist der Wanderer – in welchem Mime den ehemaligen Gott Wotan erkennt – mit seinem verbrecherischen Scheitern konfrontiert, das ihn zum Mörder des eigenen Sohnes – Siegfrieds Vater – werden ließ.

Doch während der Wanderer auf alle Fragen Antworten weiß, scheitert Mime an der letzten ihm gestellten: Wer es sei, der das Schwert Nothung, das in den Händen von Siegfrieds Vater an Wotans Speer zersprang, neu schmieden könne? Nur wer das Fürchten nicht gelernt habe, enthüllt ihm der Wanderer, und eben diesem solle auch Mimes Kopf verfallen sein.

Mime gerät in Panik. Die Schilderung seiner Angstzustände erregt im zurückgekehrten Siegfried Neugier, und so willigt dieser ein, sich von Mime zur Neidhöhle führen zu lassen, wo ihn Fafner das Fürchten lehren soll. Doch dann will er weiterziehen – allein mit seinem Schwert, das er nun selbst neu zu schmieden sich anschickt. Während Siegfried die Trümmer zu Spänen zerfeilt, diese zum Schmelzen bringt und sich ein neues Schwer gießt, realisiert Mime, dass er in jedem Fall verlieren wird: lehrt Fafner Siegfried das Fürchten, war alles umsonst, besiegt Siegfried Fafner, ist auch Mimes Leben ihm verfallen. Verzweiflung gibt ihm den Plan ein, ein Betäubungsmittel zu brauen, welches er Siegfried nach erfolgreichem Kampf reichen will, um ihn aus dem Weg zu räumen und sich der Schätze Fafners zu bemächtigen.

Zweiter Akt

Vor der Neidhöhle wartet Alberich auf seine Stunde: auch Fafner wird dem Fluch des Ringes irgendwann zum Opfer fallen.

Der Wanderer wird von Alberich mit Hohn empfangen: dieser durchschaut die Verzweiflung des Gottes, der sich jeden Anspruch auf den Ring versagen muss, seit er mit ihm seine Bauschulden bei Fafner zahlte, und nun von der Angst umgetrieben wird, dieser könne wieder in die Hände des rechtmäßigen Besitzers, seines Todfeindes Alberich gelangen. Doch dem Wanderer gelingt es, Alberich zu verwirren: er warnt ihn zunächst vor Mime und Siegfried, die nach er Neidhöhle unterwegs seien, um Fafner zu erlegen. Dann weckt er Fafner und fordert Alberich auf, dieses Wissen zu nutzen, um mit Fafner einen unblutigen Ausgleich auszuhandeln. Doch Fafners Lethargie – „ich lieg und besitz; lasst mich schlafen!“ – nacht diese Hoffnung zunichte.

Angesichts der Neidhöhle schlottert Mime vor Angst, Siegfried erscheint nur die Gegenwart seines ehemaligen Ziehvaters unerträglich, er verjagt ihn.

Er versucht, sich Vater und Mutter vorzustellen. Dann wird seine Neugier von einem Waldvogel gefesselt, mit dem er sich erfolglos zu verständigen versucht.

In seiner Einsamkeit bläst er mutwillig sein Horn und provoziert damit Fafner zum Zweikampf: Siegfried erschlägt Fafner. Der letzte Riese – der nun seinem Bruder Fasolt, den er vor langer Zeit um den Ring erschlug, in den Tod folgt – durchschaut Siegfrieds Fremdbestimmtheit, versucht, ihn zu warnen und stirbt in den Armen des zutiefst Verunsicherten.

Willenlos folgt dieser der Aufforderung des Waldvogels, sich aus dem Schatz Ring und Tarnhelm anzueignen, und unterbricht damit den Streit zwischen Alberich und Mime um Fafners Nachlass.

Der Waldvogel warnt Siegfried vor Mime. Die ehemals verbundenen stehen sich jetzt als Todfeinde gegenüber. Beide bekennen einander ihren Hass. Der sein Leben lang gedemütigte Mime gesteht Siegfried in scherzendem Ton solange seine geheimsten Racheträume, bis dieser ihn erschlägt.

Der Waldvogel weckt Siegfrieds erotische Begehren und lockt ihn durch das Versprechen, ihn zu einer schlafenden Frau zu führen.

Dritter Akt

Der Wanderer sucht Erda auf, seine frühere große Liebe, die Mutter seiner Lieblingstochter, der Walküre Brünnhilde, und Mitwisserin seiner Taten. Doch statt ihn zu bestätigen, verweist sie ihn auf die unbewältigte gemeinsame Vergangenheit, der sie sich zu stellen versucht. Gegen ihr Wissen um geschichtliche Schuld setzt er die emphatische Behauptung einer Zukunft, die mit Siegfrieds Gewinnung des Rings angebrochen sei und die sich mit der Erweckung Brünnhildes, die Wotan zur Strafe für ihren Verrat einst gewaltsam in den Schlaf versenkte, vollenden werde. Dass Erda das Spiel seiner narzistischen Selbstverkennung verweigert – „Du bist nicht, was du dich nennst!“ - verzeiht der Wanderer ihr nicht.

Dann stellt er sich Siegfried, der die Spur des Waldvogels verloren hat, in den Weg und verhört ihn über seine Taten und Absichten. Als sich der ungeduldige Junge mit der Frage nach dem Weg zur schlafenden Frau zu entziehen versucht, bedrängt er diesen aus Neid und Eifersucht psychisch und physisch solange, bis Siegfried ihm mit seinem Schwert den Speer zerschlägt.

Siegfried findet einen Schlafenden, der eine geheimnisvolle Attraktion auf ihn ausübt. Als er entdeckt, dass das kein Mann ist, lernt er das Fürchten. Er fleht seine Mutter um Beistand an und weckt die Schlafenden. Brünnhilde kennt Siegfried schon klang, doch nur als „Wotans Gedanken“, den sie mit ihm nicht teilen kann. Die schutzlos Erweckte leidet, der angstvolle Erwecker begehrt. Die Fremdheit scheint unüberbrückbar. Finden sie in der Liebe die Möglichkeit, ihre Fremdbestimmung zu durchbrechen?

 

Die gesungenen Texte sind online unter www.naxos.com/libretti/660175.htm

 


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