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8.660179-82 - WAGNER, R.: Gotterdammerung (Ring Cycle 4)
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Richard Wagner (1813–1883)
Götterdämmerung

 

Im August 1876 wurde Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen im neuerbauten Bayreuther Festspielhaus zum ersten Male vollständig aufgeführt. Der Zyklus besteht aus dem Vorabend Das Rheingold, worauf an den beiden nächsten Tagen Die Walküre und Siegfried sowie als Abschluß die Götterdämmerung folgen. Die ersten Textskizzen zur vierten der geplanten Opern – anfangs Siegfrieds Tod, später Götterdämmerung genannt – stammen aus dem Jahre 1848. Wagner hielt einen erläuternden Prolog für erforderlich, zu dem er 1850 die ersten musikalischen Entwürfe niederschrieb. Diese Arbeit unterbrach er dann, um die drei früheren Opern des Zyklus zu skizzieren. Erst danach wandte er sich wieder der Götterdämmerung zu, an der er nun beträchtliche Änderungen vornahm. Der erste vollständige Entwurf des Werkes entstand zwischen 1869 und 1872, und die komplette Partitur wurde 1874 abgeschlossen. Die Uraufführung des Werkes fand 1876 in Bayreuth im Zusammenhang mit der Premiere der gesamten Tetralogie statt. Wie bisher, so sind auch hier mit den Charakteren, Ereignissen und Ideen des Dramas Leitmotive verbunden, die immer wieder aufscheinen und dem gesamten Werk Zusammenhalt verleihen. Die Quellen seines Dramas fand Wagner vornehmlich in der isländischen Saga, im mittelhochdeutschen Nibelungenlied aus dem 13. Jahrhundert und der altnordischen Thidreks Saga af Bern. Daneben las er eine Vielzahl anderer Werke, indessen die Struktur der Tetralogie und das zu Grunde liegende Thema des Fluches in vieler Hinsicht Aischylos und der griechischen Tragödie verpflichtet sind.

Die Handlung

Prolog

[CD 1 / Track 1] Erwachens-, Erda- und Wellen-Motiv lassen sich als erstes im Orchestervorspiel zur Götterdämmerung vernehmen. Dann erscheint auch das aus der Walküre bekannte Schicksalsmotiv wieder, das hier auf Siegfrieds Tod hindeutet. [1/2] Nacht ist, wenn sich der Vorhang hebt. Man sieht die drei Nornen, die sich in der Nähe des Brünnhilde-Felsens gelagert haben und dort beim Eingang eines Felsengemaches ihren Schicksalsfaden spinnen, den sie an der Welt-Esche festgeknüpft haben. Singend berichtet die erste Norn, wie einst ein kühner Gott zu der heiligen Esche kam und, um aus dem Quell der Weisheit trinken zu können, eins seiner Augen dafür als ewigen Zoll zahlte. Einen Ast habe er sich von dem Baume gebrochen, der ihm als Schaft eines Speeres diente. (Hier erinnern Walhall- und Vertragsmotiv an Wotans Versprechen, den neuen Bau der Götterburg vereinbarungsgemäß zu bezahlen.) Der Baum verdorrte daraufhin. Die Norn beendet ihre Erzählung und wirft das Seil ihrer jüngeren Schwester zu, die dieses wie auch die Geschichte fortspinnt: Wotan habe berath'ner Verträge Runen in des Speeres Schaft geschnitten, den ihm ein kühner Held im Kampfe zerhau'n – worauf der Göttervater die Helden Walhalls angewiesen habe, die Welt-Esche in Stücke zu fällen. Die dritte und jüngste Norn berichtet schließlich, die Scheite seien um den Saal von Walhall aufgeschichtet worden, und wenn man das Holz in Brand setzte, werde die Götterburg ihr Ende finden. Vor der Zeit, so scheint's, will der Tag dämmern, doch dann erkennt die älteste Norn, daß es Gott Loge ist, den Wotan bannte, als Feuer Brünnhilde's Fels zu umbrennen. Später wird er, der Brünstige, des zerschlag'nen Speeres stechende Splitter entzünden, die Wotan dann in den Scheiterhaufen schleudern wird. Wann das sein und was aus dem Rheingold, aus dem Ring werden wird, soll das Seil des Schicksals verraten. Allein, dasselbe verwirrt sich plötzlich und zerreißt – die Nornen wissen, daß ihre Zeit gekommen ist, daß sie hinunter müssen zu Erda, ihrer Mutter, der Göttin des Schicksals.

[1/3] Der Tag, der zuletzt immer heller gedämmert, bricht vollends ganz an, und dämpft den Feuerschein in der Tiefe. Siegfried und Brünnhilde treten aus dem Steingemach auf. Letztere führt ihr Ross Grane am Zaume. Neben Helden- und Brünnhilde-Motiv hören wir eine Erinnerung an den Walkürenritt, mit dem das Pferd symbolisiert wird. [1/4] Brünnhilde überläßt Siegfried ihr Wissen und ihre Kraft und schickt ihn aus, neue Heldentaten zu vollbringen. [1/5] Durch sie hat Siegfried vor allem gelernt, was die Liebe ist – und sie beide besingen diese Macht, indessen Entzückungs- und Gattenliebe-Motiv erklingen. Siegfried übergibt Brünnhilde als Zeichen seiner Treue den Ring, das Symbol all dessen, was er erreicht hat, und sie läßt ihm ihr Pferd. Durch ihre Kraft wird Siegfried jetzt als Teil von ihr handeln. [1/6] Er nimmt Abschied und begibt sich auf seine Rheinfahrt, wobei sich sein eigenes, kühnes Motiv mit Loge-, Rheintöchter-, Rheingold- und Ring- Motiv vermischen.

Erster Akt

Szene 1 [1 / 7] Die Szene zeigt die Halle der Gibichungen am Rhein. Man sieht Gunther und Gutrune auf dem Hochsitze, vor dem ein Tisch mit Trinkgeräth steht; sein Halbbruder Hagen sitzt davor. Von diesem will Gunther wissen, ob er selbst wohl zu Recht als wahrer Ruhm der Gibichungen am Rheine sitze. Hagen zollt ihm zwar seinen Respekt, meint aber, er könne Größeres gewinnen: Er solle sich verehelichen, wie auch die Schwester Gutrune. Für ihn, Gunther, wäre Brünnhilde in ihrem vom Feuer umbrannten Saal gewiß die Rechte; sie sei aber die Braut Siegfrieds, der den Drachen erschlagen und so Schatz und Zauber der Nibelungen erlangt habe. [1/8] Gleichwohl könne Siegfried Gunthern Brünnhilde gewinnen, so man ihm im Gegenzuge die Hand Gutrunes gäbe. Dieser scheint es unmöglich, den Helden zu binden; Hagen jedoch erinnert sie des Trankes im Schrein, der Siegfried sogleich jede Erinnerung an andere Frauen nehmen könne. [1/9] Siegfrieds Horn lässt sich von Ferne vernehmen. Hagen ist an das Ufer gegangen, späht den Fluss hinab und begrüßt Siegfried mit dem unheilvollen Motiv des Fluches, mit dem Hagens Vater Alberich den Ring belegte, nachdem er ihm entrissen ward.

Szene 2 [2 / 1] Während Hagen nach dem Pferde sieht, heißt Gunther Siegfried willkommen, der wissen will, ob jener Freund oder Feind sei. [2/2] Sie schwören einander Freundschaft, und Gunther gelobt, daß sein Land, sein Leib und sein Schwert dem neuen Freunde gehören. Hagen kommt zurück. Er erwähnt den Schatz, der Siegfried wenig bedeutet – mitgenommen habe er lediglich den Tarnhelm, von dem er nicht weiß, wozu er dient. Hagen verrät ihm, daß man damit in der Lage sei, jegliche Gestalt anzunehmen, und fragt weiter: Sonst nichts entnahm'st du dem Hort? Doch, einen Ring, den er einem hehren Weib gegeben habe. Hagen weiß, wer das ist: Brünnhild' flüstert er beiseite. [2/ 3] Gutrune bringt ein Trinkhorn, den Gast zu begrüßen. Siegfried trinkt auf Brünnhilde. Der Trank tut seine Wirkung: Siegfried schaut Gutrune an und spürt Begehren. Das Mädchen geht ab, und Siegfried fragt Gunther, wie sie heiße. [2/4] Dann will er von seinem Gastgeber wissen, ob er ein Weib habe, und dieser spricht von seinem Verlangen, Brünnhilde zu ehelichen, die – von Feuer umschlossen – auf einem Felsen lebe und den zum Weibe nehmen werde, der sie errette. Siegfried macht sich sogleich erbötig, durch das Feuer zu brechen, um Brünnhilde Gunthern als Braut zuzuführen. Dazu wolle er vermittels des Tarnhelms Gunthers Gestalt annehmen. Im Gegenzug soll er selbst Gutrune zur Frau erhalten. [2/5] Die beiden Männer schließen daher Blut-Brüderschaft und vermischen ihr Blut in einem weingefüllten Trinkhorn, das Hagen für sie hält: Man gelobt einander Treue oder Tod und trinkt. Hagen zerschlägt das leere Horn mit seinem Schwerte in zwei Stücke. Siegfried will wissen, warum Hagen nicht am Eide Theil genommen, worauf der versetzt, sein Blut fließe nicht so ächt und edel und hätte ihnen den Trank verdorben. Siegfried begibt sich zu seinem Schiff, um mit Gunther aufzubrechen. Während sie zur Abfahrt rüsten, belehrt Hagen Gutrune, daß die beiden Brünnhilde aufsuchen werden. [2/6] Reglos bewacht er die Halle, um darüber nachzudenken, was nunmehr geschieht: Gunther wird Brünnhilde heimführen, und er selbst – Hagen – wird den Ring bekommen. [2/7] In der Musik spiegeln sich seine Gedanken, ferner hört man das Brünnhilde-Motiv und eine Reihe weiterer Motive – nicht zuletzt diejenigen der beiden Männern, die sich eben auf ihren Weg gemacht haben.

Szene 3 [2/ 8] Wie im Vorspiel, so befinden wir uns auch jetzt an der Felsenhöhle. Brünnhilde sitzt am Eingange des Steingemaches, und betrachtet in stummem Sinnen Siegfried's Ring; von wonniger Erinnerung überwältigt, bedeckt sie ihn dann mit Küssen. In den Lüften hört sie, wie sich die Walküre Waltraute nähert, und sie will wissen, ob diese gegen des Vaters Befehl gehandelt habe oder Wotan's Sinn erweicht sei, nachdem er ja auch zugelassen habe, daß Siegfried sie entdecke … ? Oder ob am Ende gar Waltraute verurteilt sei, ihr eigenes, der Schwester Schicksal zu teilen? Waltraute hat jedoch das Gebot übertreten, weil sie beängstigende Kunde bringt. [2/9] Seit Wotan Brünnhilde verlassen hat, schickt er die Walküren nicht mehr zur Schlacht: einsam zu Ross ohne Ruh' und Rast durchschweift er als Wand'rer die Welt. Jüngst sei er heimgekehrt, in der Hand seines Speeres Splitter, die ihm ein Held geschlagen hatte. Dann habe er befohlen, die Welt-Esche zu fällen und des Stammes Scheite um den Seligen Saal aufzuschichten. Jetzt sitzt er in Walhall, so Waltraute weiter, ohne zu sprechen oder sich zu rühren, umringt von den Göttern, hält des Speeres Splitter fest in der Faust, taub gegenüber dem Flehen der Walküren. Einmal allerdings habe er seufzend von Brünnhilde gesprochen, wie im Traume, und gesagt: Des tiefen Rheines Töchtern, gäbe den Ring sie wieder zurück, von des Fluches Last erlös't wär' Gott und Welt! [2/1 0] Da habe sie ihr Pferd bestiegen, um zu Brünnhilde zu reiten. Sie wolle ihr helfen, sich des Ringes zu entledigen. Doch Brünnhilde gäbe nie Siegfried's Liebespfand aus der Hand, mag Waltraute auch noch so um die Rettung Walhalls flehen. Sie klammert sich an dieses Symbol ihres eigenen Glücks und gibt ihrer Schwester den Befehl, sich fortzuschwingen. [2/11] Brünnhilde ist wieder allein. Gewitterwolken ziehen sich zusammen, indessen sie ihrer Schwester nachschaut und hofft, sie hier nie wiederzusehen. Es wird Abend, aus der Tiefe leuchtet der Feuerschein stärker auf. Immer näher ertönt Siegfrieds Hornruf, und eine Gestalt tritt durch die Flammen – Siegfried, der durch den Tarnhelm Gunthers Aussehen angenommen hat und sich auch als dieser Gibichung vorstellt, der gekommen sei, sie zu befreien und zum Weibe zu nehmen. Brünnhilde verflucht Wotan ob dieser vermeintlichen neuen Strafe. [2/12] Siegfried befiehlt ihr, in die Höhle zu gehen. Da hält sie ihm drohend den Ring entgegen. Er zwingt sie zu Boden und zieht ihr den Reif vom Finger. Auf dem Weg in die Höhle schwört er, den Gunther gegebenen Eid zu halten: Sein Schwert Nothung wird beim Schlafe zwischen ihm und Brünnhilde liegen.

Zweiter Akt

Szene 1 [3/ 1] Ein Orchestervorspiel steht am Anfang der nächsten Szene, die vor der Halle der Gibichungen spielt. [3/2] Alberich kauert zu Füßen Hagens, der zwar zu schlummern scheint, dennoch aber hört, wie sein Vater von der Macht spricht, die sie besitzen werden, und daran erinnert, wie Siegfried Wotan besiegte. Jetzt sei es an Hagen, Siegfried zu bezwingen, den seine Unschuld vor dem Fluch des Ringes schütze. Hagen muß schwören, daß er Siegfried den Ring abnimmt, denn wenn Brünnhilde ihn den Rheintöchtern wiedergäbe, wäre er den Nibelungen für immer verloren. Hagen tut den gewünschten Schwur, und Alberich verschwindet im Dunkel. [3/3] Das Tageslicht beginnt die Fluten des Rheines zu färben.

Szene 2 [3/ 4] Unversehens und geräuschvoll tritt Siegfried hinter einem Busche hervor, um Hagen zu begrüßen: In Windeseile hat ihn der Zauber des Tarnhelms hergebracht, während Gunther und Brünnhilde langsamer nachfolgen. Er ruft nach Gutrune und berichtet, wie er Brünnhilde für Gunther gerettet habe, indessen er ihr selbst treu geblieben. Gutrune bittet Hagen, die Mannen zur Feier ihrer Hochzeit mit Siegfried zusammenzurufen, während sie die Frauen versammelt. Hagen erklimmt einen Felsen und stößt dort in sein Horn.

Szene 3 [3/ 5] Hagen ruft die Mannen der Gibichungen, die sich versammeln und wissen wollen, worum und gegen welchen Feind es geht. Sie erfahren, daß es eine Hochzeit mit Speis' und Trank zu feiern gelte.

Szene 4 [3/ 6] Als Gunther und Brünnhilde eintreffen, werden sie von den Mannen willkommen geheißen. [3/7] Gunther stellt seine Braut Brünnhilde vor und führt sie zu der Halle, wo er Siegfried und seine Schwester Gutrune begrüßt. [3/8] Als Brünnhilde das Paar sieht, wollen ihr schier die Sinne schwinden, und da sie den Ring an Siegfrieds Finger erblickt, begreift sie, daß man sie betrogen hat: Wie anders käme der Ring, den ihr (der vermeintliche) Gunther entwand, an die Hand dessen, dem sie sich vermählt glaubte? Siegfried weiß nur, daß er den Ring gewann, als er den Drachen erschlug. Hagen tritt dazwischen und bezichtigt Siegfried des Verrats. Brünnhilde schließt sich seinem Vorwurf an. In ihrem Schmerz ruft sie die Götter an und behauptet, selbst das Weib Siegfrieds zu sein. [3/9] Dieser hingegen erklärt, den Eid gehalten zu haben, den er seinem Blut-Bruder Gunther geleistet, und von ihr durch das Schwert, das zwischen ihnen in der Höhle lag, getrennt gewesen zu sein. Brünnhilde und Gunther heißen ihn einen Lügner. [3/10] Im allgemeinen Tumult schwört Siegfried auf Hagens Waffe den heiligen Speer-Eid, wonach ihn der Tod treffen soll, wenn er gelogen habe. Brünnhilde beschwört auf denselben Speer ihre Rache und den Tod Siegfrieds. Dieser hinwiederum beharrt gegenüber Gunther darauf, daß Brünnhilde die Unwahrheit sagt. Er bedauert, daß die Täuschung vermöge des Tarnhelms fehlgeschlagen sei. Er wendet sich wieder zu den Mannen und lädt sie zu dem Hochzeitsfest ein, schlingt in ausgelassenem Uebermuthe seinen Arm um Gutrune, und zieht sie mit sich in die Halle ; die Mannen und Frauen folgen ihm nach.

Szene 5 [3/11] Hagen, Gunther und Brünnhilde bleiben zurück. Letztere fragt sich, welcher Zauber diesen Wandel verursacht, welches Unhold's List hier verhohlen liege. Sie bereut, Siegfried all ihr Wissen überlassen zu haben. Hagen verspricht Rache, worauf sie ihm sagt, daß Siegfried – durch ihre Macht geschützt – nicht besiegt werden könne. Einzig sein Rücken sei verletzlich: Hier habe sie den Zauber gespart, wohl wissend, daß er nie einem Feinde fliehend den Rücken zeigen würde. [3/12] Dort will ihn Hagen also mit seinem Speer treffen. Er dringt in Gunther, den Betrüger und Betrogenen, ihm bei der Ermordung zu helfen. Der aber zaudert, den Bund zu brechen. Brünnhilde schließt sich Hagens Meinung an und besteht gleichfalls darauf: Siegfried habe sie ja beide verraten. Hagen versichert ihm, daß es der einzige Weg sei, den Ring des Nibelungen zurückzubekommen. Die drei verabreden eine Jagdgesellschaft, wobei Gutrune das wirkliche Geschehen vorzuenthalten sei: Ein Eber bracht' ihn da um, schlägt Hagen als Erklärung vor. Man schwört Rache. Indessen Gunther und Brünnhilde sich der Halle nähern, tritt der Brautzug eben heraus. Siegfried wird auf einem Schilde, Gutrune auf einem Sessel von den Männern getragen. Man schreitet auf die Höhe zu, wo die Zeremonie stattfinden soll.

Dritter Akt

Szene 1 [4/ 1] Ein Orchestervorspiel beschreibt die Jagdgesellschaft. Man hört Hörner erschallen und widerhallen, während der Rhein im Hintergrund an einem steilen Abhange vorbei fliesst. [4/ 2] Zu sehen ist ein Wildes Wald- und Felsenthal. Die drei Rheintöchter Woglinde, Wellgunde und Flosshilde tauchen auf und beklagen den Verlust des Rheingoldes. [4/3] Sie erwarten Siegfried, dessen Hornruf sie hören. Er tritt auf – anscheinend von einem Geist in die Irre geführt. Die Rheintöchter lachen ihn aus und wollen, daß er den Ring vom Finger zieht. Er will ihnen denselben beinahe schon geben. [4/4] Er hält ihn hoch, um sie herbeizulocken. Sie warnen ihn vor der Gefahr, die von dem Ringe ausgeht. Da fällt ihm die Warnung des Drachen wieder ein, doch der hatte es auch nicht vermocht, ihn das Fürchten zu lehren. Die Rheintöchter verlassen den Verblendeten, der gegenüber dem drohenden Unheil blind ist: Eine Frau wird den Ring erben und ihnen bess'res Gehör schenken. Sie schwimmen davon.

Szene 2 [4/ 5] Siegfried nimmt sich zusammen, als er den Hornruf der Gibichungen hört (eine Inversion seines eigenen). Er gibt Antwort. Die Männer rufen nach ihm. Sie treten mitsamt Gunther und Hagen hinzu, um zu rasten und sich zu erquicken. Siegfried erzählt Hagen, er habe zwar nichts erlegt, dafür aber drei wilde Wasservögel getroffen, die für ihn gesungen hätten. Hagen füllt Siegfried das Trinkhorn und fragt ihn, ob er tatsächlich die Sprache der Vögel verstehe. Dieser reicht Gunthern das Horn und antwortet, er habe sie lange nicht mehr reden hören. [4/6] Dann spricht er von früheren Taten (woran entsprechende Motive erinnern): Er erzählt von dem Zwerg Mime, der ihn die Schmiedekunst lehrte, so daß er durch eigenes Vermögen Nothung, das Schwert des Vaters, neu schaffen und den Drachen Fafner töten konnte. Nachdem er seinen Finger in das Blut des Drachen getaucht und seinen Mund berührt habe, sei es ihm möglich gewesen, den Vogel zu verstehen, der ihm Tarnhelm und Ring empfahl und ihn dann, da er sich beider Gegenstände versichert hatte, vor Mime warnte – der seinen Versuch, ihn verräterisch zu vergiften, mit dem Leben bezahlt habe. Hagen füllt das Horn erneut und gibt jetzt ein Mittel hinzu. Er nötigt Siegfried zum Trinken. Dieser berichtet nun, wie ihm der Vogel von Brünnhilde und ihrem feuerumbrannten Felsen erzählte. In diesem Moment erinnert er sich daran, sie gefunden und durch einen Kuß aufgeweckt zu haben. [4/7] Gunther ist entsetzt über das Gehörte. Zwei Raben fliegen aus dem benachbarten Busch empor, kreisen über Siegfried und fliegen dann zum Rhein. Hagen fragt, ob er auch deren Geraun' errät. Siegfried erhebt sich, also seinen Rücken Hagen zukehrend, der ihn mit seinem Speer durchbohrt. Er will noch seinen Schild nach Hagen schleudern, ist aber schon zu schwach und sinkt zu Boden. Die Mannen sind entsetzt über Hagen, der gelassen davongeht. [4/8] Gunther beugt sich zu Siegfried nieder. Dieser stirbt mit Brünnhildes Namen auf den Lippen. [4/9] Zu dem Klang des Trauermarsches tragen die Mannen auf einen Wink Gunthers den Leichnam hinfort. Ein Nebel steigt auf und verbirgt allmählich die Prozession.

Szene 3 [4/1 0] Die Nebel teilen sich und zeigen die Halle der Gibichungen im Mondschein, der sich im Rhein spiegelt. Gutrune tritt ins Freie und glaubt, Siegfrieds Hornruf zu vernehmen: Ein Alptraum hat sie geweckt. Sie sucht Brünnhilde, die, wie sie zu sehen glaubte, zum Rhein hinabgegangen ist. Da hört sie Hagens Stimme, der nach Licht verlangt. Als er auftritt, fordert er von Gutrune, Siegfried zu begrüßen. Der tote Held wird hereingetragen, und Hagen erklärt, er sei von einem wilden Eber getötet worden, worauf Gutrune schmerzerfüllt über den Toten hinstürzt. Gunther will sie trösten, doch sie schimpft ihn einen Mörder. Der erwidert, sie habe Hagen anzuklagen, der die Tat auch eingesteht und den Ring für sich beansprucht. Gunther erhebt sich, um Gutrunes Erbe zu verteidigen und wird nach kurzem Kampf von Hagen getötet. Der will den Ring an sich nehmen, schreckt aber zurück, als sich zu allseitigem Entsetzen Siegfrieds Hand drohend emporreckt. [4/11] Jetzt erscheint Brünnhilde, um die letzte Rache an denen zu nehmen, die sie betrogen haben. Gutrune wirft ihr vor, sie habe diese Not über das Haus gebracht, worauf Brünnhilde versetzt, sie – Gutrune – sei nie Siegfrieds Weib gewesen wie sie selbst. Gutrune wendet sich an Hagen und merkt nun, daß Siegfried durch den Zaubertrank Brünnhilde vergessen hatte. [4/12] In der Opferungsszene befiehlt Brünnhilde den Männern, für Siegfried starke Scheite zu schichten und ihr Ross für die Trauerzeremonie herbeizubringen. Sie spricht von der Reinheit Siegfrieds, des Treuesten, der dennoch jeden Eid und Schwur gebrochen habe. Sie ruft Wotan: Jetzt, da sie ihr Wissen wiedererlangt habe, solle er sie hören – seine Raben brächten ihm eine Friedensbotschaft. [4/13] Sie gibt den Männern ein Zeichen, Siegfrieds Leichnam auf den Scheiterhaufen zu tragen und den Ring von seinem Finger zu nehmen, den sie jetzt dem Rhein mit ihrer Asche zurückgeben wird. [4/14] Sie nimmt einen Feuerbrand, bittet die Raben, heim zu fliegen und auf ihrem Wege Loge nach Walhall zu weisen, um dorthin das Feuer zu bringen. Sie schleudert den Brand in den Scheiterhaufen und besteigt das Ross Grane, mit dem sie in die Flammen stürmt, die desto heftiger emporschlagen. [4/15] Der Rhein schwillt an und tritt über die Ufer; er löscht das Feuer, indessen die Rheintöchter heraustreten. Hagen wirft Speer, Schild und Helm von sich und stürzt ins Wasser, um den Ring zu ergreifen. Er wird von den Rheintöchtern hinabgezogen, die den Ring jetzt im Triumph hochhalten. Am Himmel sieht man Walhall. Die Götter und Göttinnen sitzen reglos im großen Saal, der von hellen Flammen verschlungen wird. So endet die Herrschaft der Götter und Helden.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

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Die Handlung der Staatsoper Stuttgart

Vorspiel

Heimatlos ziehen die Nornen durch die Welt. Sie können das Seil der Geschichte nicht mehr an die Weltesche knüpfen: Seit Wotan einen Ast der Esche abbrach, um daraus seinen Speer zu fertigen, ist sie verdorrt, und der Quell der Weisheit ist versiegt. Nun machen sie Rast und erzählen sich von Wotans Verträgen, die er in seinen Speer schnitt, von dem Helden, der den Speer zerschlagen hat, und von dem Befehl des obersten Gottes, die Weltesche zu fällen und deren Scheite um Walhall zu schichten. Loge wird einst diesen Scheiterhaufen entzünden. Als die Nornen auf den Ring kommen, reißt das Seil. Die Nornen haben der Welt nichts mehr zu sagen und kehren zu ihrer Mutter Erda zurück.

Siegfried nimmt Abschied von Brünnhilde und bricht in die Welt auf, um neue Taten zu vollbringen. Zum Zeichen seiner Treue gibt er Brünnhilde den Ring, sie schenkt ihm zur Erinnerung ihr Pferd Grane.

I. Aufzug

König Gunther genießt seinen Ruhm. Sein Halbbruder Hagen verdirbt ihm die Freude mit dem Hinweis darauf, dass weder Gunther noch seine Schwester Gutrune verheiratet sind. Er schlägt Brünnhilde als geeignete Gattin vor. Aber nur Siegfried kann durch das Feuer gehen und zu Brünnhilde gelangen. Darum entwickelt Hagen den Plan, den Helden durch einen Zaubertrank an Gutrune zu binden und ihn dann Brünnhilde für Gunther gewinnen zu lassen.

Siegfried kommt zur Halle der Gibichungen, und Gutrune reicht ihm Hagens Zaubertrank. Sofort vergisst er Brünnhilde, in deren Angedenken er eben noch getrunken hatte, und verliebt sich in Gutrune. Er bittet Gunther um die Hand seiner Schwester und verspricht, ihm zur Verbindung mit Brünnhilde zu verhelfen, indem er mit dem Tarnhelm Gunthers Gestalt annimmt. Gunther und Siegfried schwören Blutsbrüderschaft, dann brechen sie auf.

Die Walküre Waltraute hat sich gegen Wotans Willen aus Walhall fortgeschlichen und sucht ihre Schwester auf. Sie will Brünnhilde überreden, den fluchbeladenen Ring an die Rheintöchter zurückzugeben, um so die Not der Götter zu beenden. Doch für Brünnhilde ist der Ring nicht Zeichen des Fluches, sondern das Liebespfand Siegfrieds, das sie nicht für die Götter opfern will. Bestürzt kehrt Waltraute nach Walhall zurück.

Brünnhilde hofft auf die Rückkehr Siegfrieds, doch statt seiner erscheint ein Fremder, der sich als Gunther ausgibt und sie zwingt, ihm zu folgen, ihr den Ring abnimmt und sie zu seiner Frau erklärt.

Es ist Siegfried, der zum Zeichen der Treue zu seinem Blutsbruder sein Schwert zwischen sich und die Frau legen will.

II. Aufzug

Alberich sucht seinen Sohn Hagen auf, um ihn erneut auf die Aufgabe einzuschwören, für die er ihn gezeugt hat: die Rückeroberung des Ringes. Hagen verspricht, dass er den Ring erbeuten wird.

Siegfried hat Brünnhilde an Gunther übergeben und ist mit Hilfe des Tarnhelms schnell zur Gibichung-ennhalle zurückgekehrt und berichtet Gutrune und Hagen von der gelungenen Eroberung Brünnhildes.

Hagen ruft die Nannen herbei, doch nicht zum Krieg, wie sie glauben, sondern zum Hochzeitsfest der beiden Paare. Sie verspotten Hagen, der sich als ewiger Junggeselle zum Hochzeitsrufer machen lässt. Dann empfangen sie Gunther und seine Braut, die ihnen merkwürdig erscheint.

Als Brünnhilde Siegfried an der Seite Gutrunes und an seiner hand den Ring erblickt, begreift sie, wie sie betrogen worden ist. Sie bezichtigt Siegfried der Lüge: er habe sich ihr verbunden, sie sei nicht Gunthers sondern seine Frau. Siegfried streitet alles ab. Um den aufflammenden Zorn der Menge zu beschwichtigen, beschwärt er seine Aussage auf Hagens Speer. Brünnhilde reißt ihm den Speer aus der Hand und schwört ihrerseits, dass Siegfried den Blutsbruder betrogen hat. Siegfried erklärt die Verwirrung als weibliche Hysterie und lädt alle zum Hochzeitsfest.

Gunther, Hagen und Brünnhilde bleiben zurück. Brünnhilde fordert Siegfrieds Tod. Sie verrät Hagen, dass Siegfried im Rücken nicht durch die Zaubersprüche geschützt und daher verwundbar sei. Hagen kann auch Gunther für seinen Mordplan gewinnen. Sie beschließen Siegfrieds Ermordung auf der bevorstehenden Jagd.

III. Aufzug

Siegfried verirrt sich auf der Jagd zum Ufer des Flusses, wo er auf die Rheintöchter trifft. Die schönen Wassermädchen versuchen, dem Helden den Ringe abzuschmeicheln. Fast ist er bereit, ihnen das Schmuckstück zu überlassen, als ihre Warnung, der Ring würde ihm den Tod bringen, seinen Trotz weckt: Angst lässt er sich nicht einjagen. erst als die Rheintöchter davonschwimmen, um Brünnhilde aufzusuchen, bedauert er seine Ablehnung.

Gunther, Hagen und die Mannen finden Siegfried. Hagen bringt das Gespräch auf Siegfrieds früheres Leben. Siegfried berichtet von Mime, vom siegreichen Kampf gegen Fafner, von der Eroberung des Hortes und vom Waldvogel, der ihm von Tarnhelm und Ring erzählte. Als er ein von Hagen präpariertes Getränk zu sich nimmt, erinnert er sich wieder an Brünnhilde, und erzählt Gunther selig von seinem Liebeserlebnis. Zu spät erkennt Gunther das ganze Ausmaß von Hagens Intrige. Er kann nicht mehr verhindern, dass Hagen Siegfried als meineidig erschlägt. Siegfried stirbt im Gedenken an Brünnhilde.

Gutrune ist vor Angst von Sinnen. Sehnlichst erwartet sie Siegfrieds Rückkehr, doch statt seiner kommt Hagen und verkündet, Siegfried sei von einem wilden Eber getötet worden. Als er den Ring als Beutestück fordert, tritt ihm Gunther entgegen und reklamiert diesen als Gutrunes Erbe. Hagen erschlägt Gunther und greift erneut nach dem Ring.

In dem Moment, da er ihn von Siegfrieds hand abziehen will, erscheint Brünnhilde und setzt dem Geschehen ein Ende. Sie hat die Zusammenhänge des Vorgefallenen von den Rheintöchtern erfahren. Sie, die nun alles weiß, muss die Geschichte beenden.

 

Die gesungenen Texte sind online unter www.naxos.com/libretti/660179.htm

 


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