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8.660189-90 - ROSSINI: Torvaldo e Dorliska
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Gioachino Rossini (1792-1868)
Torvaldo e Dorliska

 

Im Oktober 1815 debütierte Rossini mit Elisabetta regina d’Inghilterra erfolgreich am Teatro San Carlo in Neapel. Zu dieser Zeit bestand bereits seit einigen Monaten eine Vereinbarung mit Rom, wie aus einem vom Mai 1815 datierten Brief Rossinis an den Librettisten Angelo Anelli hervorgeht. Rossini bat Anelli, mit dem er zuvor bei L’italiana in Algeri gearbeitet hatte, um den Text zu einer komischen Oper. Anelli zeigte sich nur mäßig interessiert und bot ein altes Libretto zur Neuvertonung an, was von Rossini wiederum abgelehnt wurde. Auch in finanzieller Hinsicht kam es zu keiner Einigung und so griff Rossini auf den jungen römischen Literaten Cesare Sterbini zurück, der zu diesem Zeitpunkt als Librettist noch sehr unerfahren war. Die Zusammenarbeit scheint jedoch positiv verlaufen zu sein, denn nur wenig später verfasste Sterbini den Text zum Barbiere di Siviglia, womit ihm Rossini den Vorzug vor dem erfahreneren Jacopo Ferretti, dem späteren Librettisten von La Cenerentola, gab.

Über die Frage, wann, durch wen und warum die Entscheidung fiel, statt einer Opera buffa eine Opera semiseria zu wählen, kann nur spekuliert werden. Der Stoff zu Torvaldo e Dorliska geht ursprünglich auf den französischen Roman Vie et amours du chevalier de Faublas von Jean-Baptiste de Coudray von 1790 zurück und war damals durch verschiedene Opernvertonungen unter anderem von Luigi Cherubini allgemein bekannt. Als unmittelbarer Vorgänger zu Rossinis Version kann das 1796 durch Giovanni Simone Mayr komponierte Libretto Lodoïska von Francesco Gonella gelten.

Torvaldo e Dorliska gehört dem Typus der aus Frankreich stammenden Rettungsoper an, deren Namen sich aus dem grundlegenden Handlungsmuster ableitet, das diesen Stücken, darunter Rossinis La gazza ladra ebenso wie Ludwig van Beethovens Fidelio, gemeinsam ist: die Hauptfigur(en) geraten ohne eigenes Verschulden, meist durch die Intrigen eines Bösewichts, in tödliche Gefahr und werden erst im letzten Augenblick errettet.

Die Personenkonstellation von Fidelio weist einige Parallelen zu der von Torvaldo e Dorliska auf, was sich mit der gemeinsamen Stoffgeschichte erklärt. In beiden Opern wird das Ideal der Gattenliebe gefeiert, die bei Beethoven aus politischen Gründen bedroht ist, bei Rossini durch die Eifersucht des Herzogs von Ordow. Ambivalent erscheinen der Kerkermeister Rocco und der Schlosswächter Giorgio, die beide trotz moralischer Bedenken im Dienste des Schurken stehen und zur Mithilfe bei dessen dunklen Plänen herangezogen werden. Während Beethovens Rocco jedoch insgesamt passiv bleibt, wird Giorgio bei Rossini zum positiven Helden, der sich gegen seinen Herren auf die Seite des Liebespaares stellt und dessen kluges Handeln letztlich das positive Ende des Stücks bewirkt. Die Nebenfiguren, Giorgios Schwester und Helferin Carlotta sowie der von den Aufträgen seines Herren nahezu ständig überforderte Hauptmann der Soldaten des Herzogs, Ormondo, sorgen für heitere Töne, ohne den insgesamt mehr ernsten als „halbernsten“ Charakter des Torvaldo nachhaltig zu verändern.

Torvaldo e Dorliska feierte seine Uraufführung in Rom am 26. Dezember 1815 als Eröffnungspremiere der Karnevalssaison. Die Direktion des relativ kleinen Teatro Valle konnte bei dieser Gelegenheit eine hochkarätige Besetzung aufweisen, an erster Stelle die beiden Bassisten Filippo Galli und Ranieri Remorini in den Rollen des Duca d’Ordow sowie des Giorgio. Dazu kamen der Tenor Domenico Donzelli und die junge Sopranistin Adelaide Sala in den beiden Titelpartien.

Trotz der guten Sänger konnte die Oper nicht den Erfolg erringen, den man sich in Rom von einem neuen Werk des dort sehr bekannten und beliebten Rossini erhoffte. Aus den Kritiken zur Uraufführung geht hervor, dass das Publikum den Torvaldo als zur Eröffnung der Karnevalsspielzeit nicht heiter genug empfand. Sterbini habe sich bemüht, gute Verse zu schreiben, es aber versäumt, zum Lachen zu bringen, heißt es in einer Zeitungskritik. Die Uraufführung war jedoch (anders als in der Rossiniliteratur häufig zu finden) kein ausgesprochener Misserfolg. Dies verhinderte allein schon die Präsenz Filippo Gallis, der aus Rom stammte, jedoch erstmals in seiner zum damaligen Zeitpunkt bereits etwa fünfzehn Jahre dauernden großen Karriere an den dortigen Theatern auftrat. Rossini kannte Gallis Stimme zum Zeitpunkt der Komposition von Torvaldo ganz genau, denn ihm hatte er die Partien des Conte Asdrubale in La pietra del paragone, des Selim in Il turco in Italia und die des Mustafa in L’italiana in Algeri auf den Leib geschrieben. Später sollten noch Fernando in Gazza ladra, die Titelfigur in Maometto II sowie Assur in Semiramide folgen, so dass Galli als der Rossini-Bass schlechthin gelten kann.

Kurz nach der Uraufführung reduzierte man Torvaldo e Dorliska auf einen Akt und spielte das Stück an einem Abend zusammen mit L’inganno felice. Diese Oper hatte Rossini einige Jahre zuvor für das Teatro San Moisè in Venedig komponiert und bei dieser Gelegenheit erstmals mit Galli zusammengearbeitet, der bei der Uraufführung die Rolle des Batone verkörperte, bei Wiederaufnahmen in anderen Städten jedoch die Partie des Tarabotto übernahm, den man vom Charakter her als den Vorgänger des Giorgio aus Torvaldo bezeichnen kann. L’inganno felice zählte zu Gallis favorisierten Opern und so liegt die Vermutung nahe, dass die Kombination mit diesem Werk auf seine Initiative zurückgeht. Nicht auszuschließen ist auch eine Beteiligung des Sängers an der Entscheidung für eine Opera semiseria. Rossini hatte schon im Brief an Angelo Anelli gefordert, die Rolle für Galli als „überspannten Charakter“ zu gestalten und die des zweiten Bassisten Remorini als das genaue Gegenteil. Bereits mit dem Mustafà in Italiana in Algeri hatte er die Karikatur eines Tyrannen geschaffen, der jedoch eines gewissen virilen Charmes keineswegs entbehrt. Die Figur des Duca d’Ordow bewegt sich hingegen an der Grenze zwischen Karikatur und echter Bedrohlichkeit, wodurch der Gestaltung des Konflikts mit Giorgio größere Bedeutung zukommt und Rossini in musikalischer Hinsicht mehr Spielraum hat als bei den gemeinsamen Auftritten der beiden konkurrierenden Bassisten Mustafà und Taddeo in der Italiana.

In mehreren Nummern des Torvaldo stellt der Komponist die beiden tiefen Stimmen gegeneinander, besonders wirkungsvoll zu Beginn des Stücks: dort präsentiert zunächst ein auf komische Weise ärgerlicher Giorgio das düstere Bild seines Herren, der sich anschließend mit seiner Cavatina persönlich vorstellt, schwankend zwischen Hochgefühl wegen der vermeintlich gelungenen Rache an dem Nebenbuhler Torvaldo sowie Trauer und Wut über die Flucht der vergeblich geliebten Dorliska. Die Introduktion mündet in eine brillante, vom Parlando-Ton der Opera buffa geprägte Stretta „Si cercherà, si troverà“, an der neben dem Duca auch Giorgio beteiligt ist und mit Ormondo sogar ein dritter Bass hinzutritt.

Die zweite Arie des Duca d’Ordow steht exponiert als letzte Solonummer vor dem Finale. Stendhal kommentierte dazu:„Der Tyrann singt ein wunderbares agitato; es ist eine der schönsten Arien für eine Baßstimme; Lablache und Galli versäumen es denn auch kaum je, sie in ihren Konzerten zu singen. Um diejenigen Leser, die diese Arie vielleicht nicht kennen, zu trösten, kann ich ihnen mitteilen, daß sie nichts anderes ist als das berühmte Brief-Duett [zwischen Otello und Jago] im zweiten Akt des Otello, Non m’inganno, al mio rivale“ – allerdings in stark veränderter Form, wie man ergänzen sollte.

An mehreren Stellen der Oper wird der Kenner ebenfalls Musik heraushören, die sich auch in anderen Werken Rossinis findet. Das Verfahren des Komponisten, alte Motive in neuer Gewandung zu präsentieren, bietet dabei ganz eigene Reize. Dies beginnt mit der Ouvertüre, deren zweites Thema in La Cenerentola wiederverwendet, dort jedoch in ganz anderer Weise fortgeführt wird. In der Arie Torvaldos im zweiten Akt taucht im ersten Teil (Allegro vivace) als Begleitung dieselbe Streicherfigur auf wie später in der Arie des Podestà aus dem zweiten Akt von La gazza ladra und im Finale schließlich verwendet Rossini musikalisches Material des Ensembles „I voti unanimi“ aus La scala di seta, um nur einige Beispiele zu nennen. In den Kritiken zur Uraufführung fand das Terzett „Ah! qual raggio di speranza“ zwischen Torvaldo (unter falscher Identität), dem Duca d’Ordow und Giorgio aus dem ersten Akt zu Recht besonders häufig lobende Erwähnung. Einmal mehr verbindet Rossini hier geschickt die Idiome von Seria und Buffa. Was beginnt wie ein ernstes Duett zwischen den Rivalen Ordow und Torvaldo, entwickelt sich zu einem mitreißenden Ensemble, in dem der Komponist ein für ihn charakteristisches Verfahren verwendet, das sich zum Beispiel auch in La gazza ladra oder in Il viaggio a Reims findet: die tiefen Männerstimmen singen im Parlando und werden dabei fast wie Orchesterstimmen eingesetzt. Über diesem Fundament erklingt die Kantilene einer höheren Stimme, in diesem Fall der klagende Torvaldo, der sich jedoch im abschließenden Allegro dem buffonesken Ton der beiden Bassisten anschließt und damit von der privaten Gefühlsäußerung ins Verstellungsspiel zurückkehrt.

In der älteren Rossiniliteratur wurde Torvaldo e Dorliska aufgrund der Selbstentlehnungen und vor allem wegen des vermeintlich misslungenen Librettos von Sterbini häufig negativ beurteilt, wobei selten die Stoffgeschichte und die Anforderungen der Rettungsoper hinreichend in Betracht gezogen wurden. Stendhal bezeichnete das Stück als „ziemlich mittelmäßige Opera semiseria“, die einem gewöhnlichen Komponisten zur Ehre gereichen würde, aber „kein besonderer Beitrag zu Rossinis Ruhm“ sei. Dabei stellte er die Stärken der Oper zutreffend heraus: die wirkungsvollen Nummern für die beiden Bassisten Remorini und vor allem Galli sowie die von warmem Gefühl getragenen Passagen der Liebenden Torvaldo und Dorliska, wie etwa ihre zwischen Hoffnung und Angst schwankende Auftrittsarie, in deren Musik zu den Worten „Torvaldo, dove sei?“ Stendhal „einen Aufschrei der Leidenschaft“ sah, die berührend gestaltete Verzweiflung Dorliskas auf die Nachricht vom vermeintlichen Tod des Gatten oder das kurze Duettino aus dem zweiten Akt, in dem die Liebenden Abschied voneinander nehmen.

Martina Grempler

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Die Handlung

Erster Akt

[CD 1 / Track 1] Nr. 1 Sinfonia

[1/2] Nr. 2 Introduktion: Ort der Handlung ist ein Wald bei dem Schlosse des Herzogs von Ordow. Auf einer Seite sieht man die Schlossmauer, darin eine Pforte. Giorgio, des Schlosses Hüter, befindet sich, so scheint es, auf Wacht. Hin und wieder schaut er nach dem Wald hinüber. Er leidet unter den tyrannischen Launen seines Herrn, des Herzogs: Wenn der einen anschaut, wird einem kalt; wenn er einen anspricht, kriegt man Angst; wenn er dich berührt, helf’ dir der Himmel; und wenn er lacht – o weh, o weh! Ein Sturm braut sich zusammen. Des Herzogs Diener treten zu Giorgio; sie kommen nach vergeblicher Suche aus dem Wald. Wonach sie Ausschau hielten, wird allmählich klar: Giorgio war in der vergangenen Nacht gerufen worden, um nach Torvaldo und Dorliska zu suchen und hatte von dem Anschlag auf Torvaldo gehört. Der Herzog hatte Dorliska und ihren frisch Angetrauten an deren Hochzeitstag mit dem Ziel überfallen, Dorliska für sich zu erobern. Bei dem Kampf war Torvaldo verletzt und für tot im Wald zurückgelassen worden. Dorliska hatte, wie man später erfährt, entfliehen können.

[1/3] Nr. 3 Cavatina: Der Herzog betritt die Szene – recht aufgeregt über die vergebliche Gefahr, der er sich beim Versuch, Dorliska zu entführen, ausgesetzt hatte. Giorgio spricht mit ihm, indes Ormondo, der Anführer der Wachen, und die Diener versuchen, ihren wütenden Herrn zu besänftigen.

[1/4] Nr. 4 Rezitativ: In seiner Wut befiehlt der Herzog Ormondo, die Suche fortzusetzen, wobei er über Torvaldos vermeintlichen Tod und Dorliskas Flucht spricht. Er selbst will an der neuen Suche teilnehmen. Giorgio droht er mit dem Tode, falls dieser verraten sollte, was er gehört hat. Dann stürzt er davon. Giorgio ergeht sich in den gewohnten Klagen über seinen Herrn, entriegelt das Schlosstor und verschwindet.

[1/5] Nr. 5 Szene und Cavatina: Dorliska kommt aus dem Wald und nähert sich dem Tor in der Hoffnung, dort Hilfe zu finden. Sie klopft. Keine Antwort. Sie versucht es noch einmal, indessen sie ihr Los beklagt und sich fragt, wo ihr Ehemann Torvaldo wohl sei.

[1/6] Nr. 6 Rezitativ: Als sie ein weiteres Mal klopfen will, tritt plötzlich Giorgios Schwester Carlotta heraus. Dorliska bittet sie um Hilfe und berichtet, wie sie von ihrem Gemahl getrennt wurde, der vielleicht inzwischen tot ist. Carlotta begrüßt sie. Giorgio hat inzwischen in einem Raum des Schlosses über das Geschehene nachgedacht, und Carlotta führt Dorliska zu ihm: Sie setzt ihm auseinander, dass die junge Frau im Wald das Opfer eines nächtlichen Angriffs geworden sei. Dorliska wiederholt, dass sie nicht wisse, ob ihr Ehemann noch lebe oder tot sei. Die junge Polin erzählt, wie sie erst tags zuvor vermählt wurden und ihr Mann von dem Rivalen überfallen wurde, der schon hundertmal um ihre Hand angehalten hatte. Giorgio geht auf, dass es sich bei dem Angreifer um den Herzog von Ordow handelt und verrät Dorliska, dass sie sich just auf dessen Schloss befinde. Die Geschwister bemühen sich, Dorliska in ihrem offenkundigen Unglück Trost zu spenden.

[1/7] Nr. 7 Szene: Da taucht der Herzog auf. Er erkennt Dorliska – zunächst erstaunt, dann erfreut. Er schickt Giorgio und Carlotta weg, begeistert sich an seinem Glück und versucht, Dorliska in Sicherheit zu wiegen. Das entsetzte Mädchen will entfliehen, doch der Herzog sagt ihr, dass die Tür wohlverriegelt und der Ehemann, den sie zu finden hofft, weit weg sei – unter den Toten. Dorliska schreit entsetzt auf, ruft um Hilfe und schmäht dann den Herzog: Lieber werde sie ihrem Mann in den Tod folgen. Sie geht ab, der Herzog hinterdrein.

[1/8] Nr. 8 Rezitativ: Der Herzog kommt zurück und schließt die Tür. Er schwört, dass ihm Dorliska nicht entkommen wird. Er ruft nach Carlotta und Giorgio. Ormondo tritt ein und erfährt von seinem Herrn, dass das Mädchen entdeckt wurde. Der Herzog befiehlt ihm, alle Spuren dessen zu verwischen, was in der letzten Nacht im Wald geschah und auch den Toten zu verscharren. Ormondo gehorcht mit hörbarem Missvergnügen. Der Herzog ruft noch einmal nach Giorgio und sagt ihm, dass es sich bei der Frau, die er gesehen habe, um die geliebte Person handle, die ihn aber hasse, da er in der Nacht ihren Ehemann getötet habe. Jetzt sei ihm Giorgios Hilfe vonnöten, wobei es gelte, dass dieser sich blind und taub stelle: Dorliska solle von Carlotta bewacht werden, indes er versuchen solle, sie zu trösten und zur Besinnung zu bringen. Als der Herzog hinausgeht, beschließt Giorgio, den Gouverneur schriftlich um Hilfe zu bitten.

[1/9] Nr. 9 Szene und Cavatina: Torvaldo nähert sich dem Schloss. Er erkennt, dass es sich um den Sitz seines Feindes handelt und dass sich sein unglückseliges Weib dorthin geflüchtet haben muss. Nachdem er den Angriff überlebt hat, ist er jetzt entschlossen, Dorliska gegen den verruchten Tyrannen beizustehen.

[1/10] Nr. 10 Rezitativ: Torvaldo tauscht die Kleider mit einem vorübergehenden Bauern und sinnt auf Dorliskas Rettung. Giorgio erscheint, nachdem er seine Botschaft abgeschickt hat, und Torvaldo stellt sich ihm als Holzfäller aus dem Nachbardorfe vor. Er habe einer gewissen Dame, die ins Schloss gekommen sei, einen Brief auszuhändigen. Giorgio meint, hier gäbe es nur eine Dame, und das sei seine Schwester. Darauf lässt der aufgeregte Torvaldo seinem Schmerz über den Verlust Dorliskas freien Lauf. Giorgio sagt ihm, sein Herr sei zwar ein Schurke, er selbst aber ein Ehrenmann. Erstaunt muss er bemerken, dass Torvaldo doch nicht umgekommen ist. Nachdem ihn der Herzog verwundete und für tot liegenließ, hat ihm ein Schäfer geholfen, und er kam auf die Idee, sich mit dem Brief Zugang zum Schloss zu verschaffen. Giorgio hat zu Torvaldos Freude einen Plan, wie Dorliska zu retten sei. Der Herzog kommt heraus und ruft nach Giorgio. Dieser nimmt Torvaldos Brief und übergibt ihn dem Herzog. Torvaldo führt aus, es habe ihm ein tödlich verwundeter, ihm unbekannter Herr diesen Brief für seine Gemahlin gegeben, von der er im Walde getrennt wurde. Der Herzog liest den Brief. Darin nimmt Torvaldo Abschied von seinem Weibe und versichert ihr, der Überbringer könne ihr von seinen letzten Stunden berichten. Er vergibt seinem Mörder und bittet sie, ihm gleichfalls zu verzeihen und sich in ihr Los zu ergeben.

[1/11] Nr. 11 Terzett: Der Herzog glaubt deshalb, auf die Erfüllung seiner Wünsche hoffen zu dürfen, während Torvaldo und Giorgio ihre Hoffnung in das geplante Täuschungsmanöver setzen. Beide versichern dem Herzog, dass Torvaldo tot ist und hängen dann ihren eigenen Gedanken nach. Der Herzog gestattet, den Brief Dorliska zu übergeben, und Giorgio sieht den Vogel bereits in der Schlinge. Sie gehen ins Schloss

[1/12] Nr. 12 Rezitativ und Arie: Ormondo kommt zurück. Die Suche nach Torvaldos Leichnam hat ihn ermüdet. Er sieht, dass die Sache nicht gut steht, und bemüht verschiedene Sprichworte, um seine Empfindungen zu beschreiben.

[2/1] Nr. 13 Finale des ersten Aktes: Duettino: In der Burg versucht Carlotta mit geringem Erfolg, Dorliska zu beruhigen. Die letztere wirft sich voller Verzweiflung in einen Sessel.

[2/2] Nr. 14 Finale des ersten Aktes: Terzettino: Torvaldo, Giorgio und der Herzog treten ein und beobachten schweigend Dorliska – der Herzog voller Hoffnung, die beiden andern voller Mitleid. Der Herzog tritt zu ihr hin und versichert sie seiner Liebe. Sie will ihn nicht hören, und Torvaldo kann sich kaum beherrschen. Nach kurzer Pause gibt der Herzog Torvaldo und Giorgio ein Zeichen, herbeizukommen. Das geschieht. Torvaldo ist sichtbar nervös.

[2/3] Nr. 15 Finale des ersten Aktes: Quartett: Um Dorliska aus ihrem Schmerz zu reißen, schreit ihr Giorgio schließlich ins Ohr, sie solle doch den Brief des Gatten lesen. Dorliska erhebt sich und schaut Giorgio an, nicht aber Torvaldo. Sie nimmt den Brief und fällt in Ohnmacht, worauf alle Anwesenden in eigener Weise reagieren.

[2/4] Nr. 16 Fortsetzung und Stretta des Finales: Torvaldo fordert sie auf, tapfer zu sein, da ihr Leid bald ein Ende habe. Beim Klang seiner Stimme schaut sie empor, und es entfährt ihr ein Ruf des Erkennens. Torvaldo bittet sie, still zu sein, doch der Herzog hat die Reaktion bemerkt und legt seine Hand an sein Schwert. Wütend muss er erkennen, dass Torvaldo vor ihm steht. Ormondo und des Herzogs Wachen treten ein. Sie erhalten den Befehl, Torvaldo gefangenzunehmen. Dieser zieht ein Schwert, das er unter seinem Mantel verborgen hatte. Dorliska hält den Herzog zurück, Giorgio fällt Torvaldo in den Arm: Aufgebracht stehen die beiden Streithähne einander gegenüber. Giorgio entwaffnet Torvaldo, Dorliska macht dem Herzog Vorhaltungen, und Carlotta ist in höchster Angst. Torvaldo stellt jetzt keine Bedrohung mehr dar.

Zweiter Akt

[2/5] Nr. 17 Introduktion: Eine Laterne in der Hand, kommt Giorgio mit einigen Wachen des Herzogs ins Burgverlies, wo man ungehindert sprechen kann. Er sagt ihnen, dass sie die beiden Opfer des Herzogs retten und selbst Rache an dem Schurken üben müssen. Die Männer sind sich einig. Diese Mal wird ihnen der Herzog nicht entgehen.

[2/6] Nr. 18 Rezitativ: Giorgio sucht Torvaldo auf und versichert ihn, dass er frei sprechen könne, da alle Anwesenden auf seiner Seite seien. Dorliska habe alles erfahren. Sechzig Grenadiere seien hierher unterwegs und würden bei Einbruch der Nacht eintreffen. Als Zeichen ihrer Ankunft sollen die Glocken läuten, worauf die Schlosstore für die Bauern und Soldaten offen ständen. Torvaldo will wissen, was geschehe, falls ihn der Herzog umzubringen versuche, worauf ihm Giorgio verspricht, die Schlüssel des Verlieses nicht aus der Hand zu geben. Um Dorliska, so fügt er hinzu, solle Torvaldo sich keine Sorgen machen.

[2/7] Nr. 19 Rezitativ und Arie: Als Giorgio ihn verlassen will, bittet ihn Torvaldo, Dorliska seiner Liebe zu versichern und ihr zu sagen, dass sie nichts fürchten solle. Giorgio und die Männer gehen ab.

[2/8] Nr. 20 und 21 Rezitativ: Inzwischen glaubt der Herzog, dass er seinen Willen werde durchsetzen können: Er hat Gold, und damit ist alles möglich. Soll man ihn doch einen Tyrannen nennen, einen Schurken – er ist das Beispiel eines Menschen, der mit seinen Missetaten glücklich ist. Er ruft nach Giorgio und verlangt, Dorliska zu bringen. Er befiehlt, das Gefängnis verschlossen zu halten, und will drohend wissen, warum sein Wächter den Kontrahenten für tot angesehen und nicht erkannt habe? Giorgio entschuldigt sich damit, dass er Torvaldo nie zuvor gesehen habe und der Mann so einnehmend gewesen sei. Er schafft Dorliska her, die von Carlotta begleitet wird. Der Herzog entlässt die Geschwister und wendet sich an Dorliska: Ihre Ehe könne aufgelöst werden, und wenn sie dazu bereit sei, wolle er Torvaldos Leben schonen; andernfalls werde er sterben. Dorliska macht dem Herzog wegen seiner Grausamkeit Vorwürfe.

[2/9] Nr. 21 Arie: Dorliska betont ihren unsterblichen Hass und ruft den Himmel an, ihr in ihrem Entschluss beizustehen. Der Herzog will sie zur Vernunft bringen, doch sie verspricht ihm erneut, eher sterben als sich beugen zu wollen. Dann zieht sie sich zurück.

[2/10] Nr. 22 und 23: Der Herzog hält ihren Widerstand für zwecklos. Er ruft Giorgio und befiehlt ihm, Ormondo in seine Gemächer zu bestellen und den Schlüssel des Gefängnisses nicht aus der Hand zu geben. Giorgio zeigt ihm den Schlüssel an seinem Gürtel. Mit neuerlichen Drohungen geht der Herzog ab. Dorliska und Carlotta treten ein. Dorliska bittet Giorgio, ihr zu helfen, und dieser erklärt ihr, dass Torvaldo in seinem Gefängnis sicher sei. Sie möchte einen Augenblick mit ihrem Gemahl zusammensein, und so überlässt Giorgio Carlotta die Schlüssel zum Verlies.

[2/11] Nr. 23 Arie: Carlotta fühlt Hoffnung in ihrem Herzen. Sie sagt Giorgio, man werde bald zurück sein. Zugleich versucht sie, Dorliska zu trösten, während sie selbst kaum die Tränen zurückzuhalten vermag.

[2/12] Nr. 24 Rezitativ und Duett: Giorgio weiß nicht, ob er das richtige tut. Alles ist bereit für den Anschlag auf seinen Herrn. Der Herzog ist, von Giorgio unbemerkt, eingetreten. Er zweifelt nicht an seinem endgültigen Triumph. Als sich Giorgio davonstehlen will, verlangt der Herzog nach dem Gefängnisschlüssel. Giorgio tut, als müsse er ihn suchen: Vielleicht habe er ihn in seinem Zimmer in den Schrank getan. Der Herzog hindert ihn am Weggehen und droht ihm, ihn umzubringen, worauf Giorgio um Gnade fleht und endlich zugibt, dass seine Schwester den Schlüssel habe. Der Herzog zerrt ihn mit sich fort und verspricht ihm alle erdenklichen Strafen.

[2/13] Nr. 25 Rezitativ und Duettino: Dorliska ist mit Torvaldo im Verlies. Sie will ihn nicht verlassen, derweil er sich um ihre Sicherheit sorgt.

[2/14] Nr. 26 Rezitativ und Sextett: Carlotta drängt Dorliska zum Aufbruch. Sie fürchtet den Herzog und hält ängstlich Ausschau nach drohender Gefahr. Torvaldo verspricht Dorliska, bis zum Sonnenuntergang werde alles sich gefügt haben. Da schreit Carlotta auf, denn sie sieht den Herzog kommen. Dieser stürzt herein und schleppt Giorgio mit sich. Dahinter folgen Ormondo und bewaffnete Männer. Der Herzog bezichtigt die Anwesenden des Verrats: Alle hätten den Tod verdient. Zunächst will Dorliska die Schuld auf sich nehmen, dann Torvaldo. Giorgio und seine Schwester bitten ihren Herrn um Gnade. Als Torvaldo dem Herzog gegenübertritt, hört man die Glocke. Daraufhin erklärt Giorgio, die Freunde seien gekommen. Der Herzog zieht sein Schwert und will Giorgio angreifen, worauf Ormondo seinem Herrn bedeutet, er müsse sich selbst verteidigen: Die Bauern hätten sich erhoben und drohten, den Herzog zu töten; die Diener hätten die Tore geöffnet, und einhundert Soldaten seien in die Burg eingedrungen. Der Herzog nimmt Carlotta die Schlüssel ab und gibt sie Ormondo, um dann mit diesem und den Männern davonzustürzen.

[2/15] Nr. 27 Rezitativ: Dorliska fragt sich, was mit ihnen geschehen wird. Ihr Gemahl tröstet sie. Ormondo kommt zurück und kniet vor Torvaldo nieder, übergibt ihm die Schlüssel und seinen Säbel und bittet für sich um Schonung, die ihm auch gewährt wird. Torvaldo gibt Giorgio ein Zeichen, sich um Dorliska zu kümmern, und geht hinaus. Ormondo erzählt, dass der Herzog versuche, sich in dem Durchgang zu verteidigen, der zum Gefängnis führt. Man hört die Stimmen der Bauern.

[2/16] Nr. 28 Szene und Arie: Der Herzog kommt herein und verteidigt sich gegen Torvaldo und eine Reihe von Bauern und Soldaten, die ihn verfolgen. Torvaldo entwaffnet den Herzog und befiehlt, ihn zu binden, während die Menge den Tod des grausamen Tyrannen verlangt. Der Herzog ist verzweifelt, da ihm keiner hilft: Giorgio hat ihn verraten und Torvaldo ist der Sieger; sein Schicksal ist schlimmer als der Tod. Die Soldaten schaffen ihn hinaus.

[2/17] Nr. 29 Finale des zweiten Aktes: Dorliska und Torvaldo, Giorgio und Carlotta freuen sich gemeinsam über das glückliche Ende.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 

Die Libretto sind online unter http://http://www.naxos.com/libretti/torvaldo.htm


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