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8.660216-17 - STRAUSS II, J.: Jabuka (Das Apfelfest)
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Johann Strauß Sohn (1825–1899)
Jabuka

 

Jabuka ist das vierzehnte Bühnenwerk von Johann Strauß. Es wurde am 12. Oktober 1894 im Rahmen einer Festwoche uraufgeführt, die dem 50jährigen Berufsjubiläum des „Walzerkönigs“ gewidmet war. Die Premiere mit dem großen Alexander Girardi in einer der Hauptrollen war ein Glanzpunkt der Festivitäten und für Johann Strauß ein Triumph. Der anfängliche Erfolg und die erste Begeisterung jedoch konnten nicht über die Schwächen des Librettos hinwegtäuschen.

Man nimmt an, dass sich Strauß für das slawische Thema seiner Jabuka zu interessieren begann, nachdem er 1892 bei der Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen in Wien den Erfolg der Verkauften Braut von Smetana miterlebt hatte. Jabuka hatte zwei Librettisten: Von Max Kalbeck stammte die Handlung, während Gustav Davis die Gesangstexte verfasste. Max Kalbeck war ein geachteter Musikkritiker und hatte Die verkaufte Braut zum Zwecke ihrer Wiener Erstaufführung ins Deutsche übersetzt. Hier nun sollte er zum ersten Male selbst für die Bühne schreiben. Gustav Davis andererseits war ein erfahrener Librettist.

Zwischen den beiden Librettisten kam es schon bald zum Zwist. Max Kalbeck versuchte, Johann Strauß auf eine Oper hinzulenken, während sich Gustav Davis bemühte, den Komponisten auf klassischem Operettenkurs zu halten. Schließlich war es mit der Zusammenarbeit der beiden Textdichter vorbei, und Strauß saß zwischen zwei Stühlen. Das Resultat war einerseits zwar ein schwaches Libretto, andererseits aber in musikalischer Hinsicht ein äußerst interessantes Werk – teils Oper, teils Operette. Nach der Ansicht von Professor Christian Pollack handelt es sich dabei um ein exzellentes Stück: Nach seinen Worten hätte man nach der Entfernung der Couplets eine ausgewachsene Oper mit großen Ensembles und den schönsten Chören, die Strauß je geschrieben hat. Was nun wiederum die Couplets angeht: Sie müssen für Girardi das pure Vergnügen gewesen sein, denn sie sind schlicht unwiderstehlich.

So verpasste Max Kalbeck seine einzige Chance, für das Theater zu schreiben. Es ist typisch für Strauß, dass die Probleme mit dem Libretto keinerlei negative Auswirkungen auf seine vorzügliche Beziehung zu Kalbeck hatten; die beiden blieben auch nach Jabuka gute Freunde.

Im Jahre 2003 beschloss die tschechische Johann Strauß-Gesellschaft die Aufführung einer selten gespielten Strauß-Operette. Diese sollte im Rahmen des Europäischen Johann Strauss Bühnenwerke Festivals inszeniert werden, das – einer Idee von Dr. Eduard Strauß aus Wien folgend – sämtliche Bühnenwerke des Komponisten vorstellen wird. Schon bald hatte man sich aufgrund der unwiderstehlichen Musik und des slawischen Flairs auf Jabuka geeinigt.

Christian Pollack benutzte bei dieser Aufnahme die originale Partitur von Strauß, die Norbert Nischkauer aus Wien zur Verfügung stellte. Der Geiger Jiří Preisinger rekrutierte das Orchester und fungierte als dessen Konzertmeister. Die tschechische Johann Strauß-Gesellschaft möchte den drei Genannten für ihre große Unterstützung danken. Die Solisten stammen durchweg aus Österreich, Chor und Orchester hingegen sind aus Brünn.

 

Die Handlung

Die Operette spielt im Serbien des 19. Jahrhunderts.

Erster Akt

[CD 1 / Track 1] Auf dem Wege zum jährlichen Apfelfest Jabuka treffen sich Männer und Frauen des Ortes in Staklos Landgasthof zwischen den Städten Gradinaz und Raviza. Es ist die Zeit, in der sich zukünftige Brautleute kennenlernen. Wenn sich ein Jüngling für ein Mädchen interessiert, beißt er in einen Apfel und reicht ihn seiner Auserwählten. Wenn das Mädchen ihn mag, beißt sie gleichfalls hinein. Gibt sie den Apfel zurück, ohne hineingebissen zu haben, so heißt das Nein.

[1/2] Die verarmten Adligen Mirko und Vasil aus Gradinaz kommen mit ihrer Kutsche an. Sie hoffen, ihre finanziellen Probleme dadurch zu lösen, dass sie ihr baufälliges Schloss an den reichen Stärkefabrikanten Bambora verkaufen. Sollte aus dem Handel nichts werden, so wollen sich die beiden Brüder reiche Bräute suchen. Wegen ihrer Armut werden sie allenthalben verspottet. Bevor sie bedient werden, müssen sie den Wirt Staklo erst von ihrer Zahlungsfähigkeit überzeugen. Staklo erzählt den beiden von Jelka, der schönen Tochter eines reichen Bauern, die sich gewiss bei dem Fest zeigen werde.

[1/3] Der Gerichtsvollzieher Joschko und sein Gehilfe Franjo treten herein. Joschko beschwert sich über sein schweres Leben: Die Leute zahlten lieber ihre Schulden, als sich von ihm pfänden zu lassen. Staklo hört, dass er einen schlechten Tag gehabt habe: Nichts weiter sei zu holen gewesen als ein paar alte Gewänder, die Franjo in einer Tasche hat. Joschkos einzige Hoffnung sind die zwei Brüder aus Gradinaz.

[1/4] Joschko findet Vasil und Mirko. Diese sind besorgt, er könne ihnen ihren Besitz nehmen, ehe das Geschäft mit Bambora unter Dach und Fach ist. Mirko beschäftigt den Gerichtsvollzieher, indessen Vasil Bambora begrüßt, der gerade mit seiner Tochter Anita ankommt. Bambora brüstet sich mit seiner Stärkefabrik, Vasil mit seinem Schloss und der langen Linie hervorragender Ahnen. Die Männer beginnen ein Kartenspiel, bei dem alle betrügen wollen. Anita wünscht sich, die Stärkefabrik um ein Schloss und ein Adelswappen zu bereichern.

[1/5] Wütend und tobend tritt der reiche Bauer Mischa mit seiner schönen Tochter Jelka und deren Tante Petrija auf. Ihre Kutsche ist kaputt, so dass sie nicht zu dem Fest fahren können. In ihrem Lied stellt sich Jelka vor, sie sei die Schönheitskönigin des Apfelfestes.

[1/6] Mirko gesteht, dass ihm Jelka gefällt, doch die gibt ihm einen Korb. Für einen Kuss wäre er bereit, seine eigene Kutsche zur Verfügung zu stellen. Jelka lehnt ab. Um sie zu bestrafen, bittet er Joschko, eines der gepfändeten Gewänder anzulegen, sich als wohlhabender Magnat auszugeben und Jelka in seiner Kutsche nach Gradinaz, nicht aber nach Raviza zu fahren.

[1/7] Mirko bittet Jelka noch einmal um einen Kuss. Sie ist aber nur mit einem formellen Küsschen einverstanden. Als Mirko mehr will, lacht sie ihn aus.

[1/8] Während Jelka von Mirkos Begehr erzählt, kommt Joschko mit der Kutsche und bietet Jelka in einem unwiderstehlichen Couplet an, sie nach Raviza zu bringen. Sie ist sogleich bereit und steigt ein. Es gibt freilich nur Plätze für sie und ihre Tante Petrija; Vater Mischa muss hinterdrein laufen. Die Frauen ermahnen Jelka, nicht so stolz zu sein. Mirko sieht vergnügt, wie sein listiger Plan funktioniert, wohingegen sich Joschko auf die versprochene Belohnung und die Pfändung des Schlosses freut. Alle gehen, das Fest zu besuchen.

Zweiter Akt

[1/9] Auf Mirkos und Vasils Schloss in Gradinaz fordern Diener und andere Personen ihren Lohn. Sie wollen alle zum Jabuka, haben aber kein Geld dafür. Man werde erst gehen, wenn man bezahlt ist, lautet die Drohung. Mirko kommt an und lädt alle ein, das Fest auf seinem Schloss unentgeltlich zu feiern. Für den Augenblick vergessen die Leute, was sie eigentlich vorhatten. Jetzt kommen auch Bambora und seine Tochter Anita ins Schloss. Mirko will Jelka glauben machen, dass sie sich in einem Wirtshaus in Raviza befinde.

[1/10] Vasil gesteht Anita seine Liebe. Beide singen, dass es Glück nur dort geben kann, wo Herzen zueinander finden.

[1/11] Bambora bestaunt die Portraits der Vorfahren, und der in Anita verliebte Vasil meint, selbst das Bild eines Fisches könne seine Ahnen darstellen. Mirko trifft die letzten Arrangements für Jelkas Ankunft, so dass das Schloss wie ein Gasthaus aussieht. Der als Magnat gekleidete Joschko tritt mit Jelka, Petrija und dem Wirt Staklo auf. Jelka wundert sich über das ungewöhnliche Aussehen des Gasthofes und das neuerliche Zusammentreffen mit Mirko. Jelka und Mirko bekommen schon wieder Streit. Das Mädchen gerät schließlich in Wut und will ein Zimmer für sich allein. Mirko nutzt die Gelegenheit und lässt sie in sein Schlafzimmer führen. Dann dankt er Joschko dafür, dass er die Aufgabe so gut gelöst hat; der aber hat vor allem seine Pfändung im Sinn. Mirko hindert ihn nicht daran, fürchtet aber, dass jemand sehen könnte, wie der Gerichtsvollzieher den „Kuckuck“ auf seine Sachen klebt. Am Ende der Szene kommt Bambora zurück. Vasil stellt ihm Joschko als seinen Onkel vor, den Grafen von Gradinaz, der ein Experte für Antiquitäten sei und verschiedene Familienstücke mit Echtheitssiegeln versehe.

[1/12] In seinem großen Couplet Wie die Chroniken vermelden spielt Joschko seine Rolle des Magnaten und behauptet, die Portraits von Bauern seien das Konterfei berühmter Familienmitglieder.

[1/13] Bambora ist besessen von der Idee, durch die Heirat seiner Tochter Schloss und Adelstitel zu ergattern, und hat nichts gegen eine Verbindung seiner Tochter mit Vasil einzuwenden. Zur Krönung des Ganzen begrüßt Mirko die Bauern des Ortes als seine adligen Gäste. Das Landvolk freut sich über die kostenlosen Speisen und Getränke und fordert andere auf, mit ihnen Jabuka zu feiern. Jelka kommt aus ihrem Zimmer heraus und sorgt unwissentlich für allgemeines Befremden. Joschko erklärt Jabuka, das Apfelfest, für eröffnet und gibt den Jünglingen die Äpfel, die diese ihren Auserwählten reichen. Jelka bekommt nur von Mirko einen Apfel; alle andern wenden sich von ihr ab. Die Mädchen tanzen und geben ihren Jünglingen angebissene Äpfel zurück. Vasil und Anita haben einander bereits das Ja-Wort gegeben, Jelka hingegen schleudert ihren Apfel nach kurzem Zögern Mirko vor die Füße. Der ist beleidigt, interessiert sich aber nach wie vor für sie. Die andern lachen das Mädchen aus.

Dritter Akt

[2/2] Der reiche Bauer Mischa, Jelkas Vater, tritt ein. Die Wahrheit kommt ans Licht. Jelka muss erkennen, dass sie in Mirkos Schlafzimmer war und sich nicht in Raviza, sondern in Gradinaz befindet. Bambora versucht die Angelegenheit zu entschärfen, indem er „O – das kommt in den besten Familien vor!“ singt.

[2/3] Joschko betrinkt sich an konfisziertem Alkohol und gibt seine wahre Identität preis. Bambora regt sich auf und sucht seine Tochter, um sie aus Vasils Armen zu reißen. Joschko ist glücklich. Endlich kann er nach Herzenslust pfänden. Und zu allem Überfluss gab es ordentlich zu trinken und ein gutes Trinkgeld dazu. In seinem letzten Couplet singt er, dass die schlechten Zeiten vorbei sind und das Land aufblüht. Jelkas Vater Mischa bezichtigt Joschko des Betrugs, will ihn dann aber doch als Vermittler für Jelka und Mirko haben. Für Geld tut Joschko alles.

[2/4] Die Mädchen lachen über Jelka und verlangen von ihr, sich einen Besen zu suchen, um mit diesem zu tanzen. Mirko kommt ihr zu Hilfe, und jetzt verlieben sich die beiden tatsächlich ineinander.

[2/5] Anita, Vasil, Jelka und Mirko singen ein Liebeslied.

[2/6] Alle fallen ein, und es beginnt ein neues Fest; alle sind glücklich, und Johann Strauß liefert, was man immer von ihm erwartet, einen großen Schlusswalzer.

Dr. Vojen Drlik und Thomas Jelinowicz
Historische Informationen von Dr. Thomas Aigner
Deutsche Fassung: Cris Posslac

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[CD 2 / Tracks 7-12] Tanz-Arrangements aus der Operette Jabuka

Am 15. Oktober 1844 hatte Johann Strauß also in Dommayers Casino zu Hietzing sein Debüt gegeben. Vier Tage vor dem exakten goldenen Künstlerjubiläum, mithin am 11. Oktober 1894, fand die Generalprobe zu der neuesten Operette statt, die natürlich, dem Anlass entsprechend, eine besonders glanzvolle Angelegenheit werden sollte – was sicherlich einer der Gründe dafür war, dass sich schon vor der offiziellen Premiere des Stückes einige Prominenz im Theater an der Wien zeigte. Der Kritiker Eduard Hanslick sowie die Komponisten Richard Heuberger und Johannes Brahms, letzterer bekanntlich ein außerordentlicher Bewunderer des Walzerkönigs, wussten also bereits einen Tag vor dem „großen“ Publikum um die turbulenten Ereignisse bei dem „Apfelfest“, und sie wussten vor allem, was von der Musik zu halten sei: „An der Fortführung mancher Melodie merkt man das Alter […] Die gefühlvollen Stellen sind leider jämmerlich,“ urteilte Brahms, wie immer ein wenig zu drastisch. Doch so ganz daneben kann er nicht gelegen haben, denn insgesamt erlebte Jabuka keine sechzig Aufführungen, womit sie zwar Die verkaufte Braut hinter sich ließ, Strauß aber enttäuschte und seinen Verleger Gustav Lewy, nachgerade entsetzt haben muss: Der hatte schon früher das finanzielle Risiko geahnt, das er mit dem Werk einging, und hatte von seinem Jugendfreunde verlangt, dass dieser über die vertraglich vereinbarte Walzernummer hinaus noch einige weitere Paradetänze des Bühnenwerkes exzerpieren und arrangieren möchte.

Tatsächlich hatte Strauß auch einiges vorgeschlagen. “Lieber Gustl! Habe heute die Themen, die sich für Tanzmusik eignen durchgegangen. Es sind daraus zwei excellente Schnellpolkas, eine ebenso vortreffliche Polka française und eine höchst wirksame Quadrille zu machen. Vielleicht bringe ich auch noch eine Polka Mazurka heraus. Jedoch kann ich diese Arbeit nicht für nichts und wieder nichts machen,“ heißt es in einem nicht eben vielversprechenden Brief. Unentgeltlich arbeiten, das sah Strauß nicht ein; ein Honorar bezahlen für etwas, das sehr wahrscheinlich kein Kassenschlager wurde, widerstrebte dem Notenkrämer: Die Freundschaft zerbrach zwar nicht wegen Jabuka, sie war aber für die Dauer der Verhandlungen sozusagen suspendiert, denn es ging ja ums Geld …

So kam es, dass sich der Komponist auf die vertraglich zugesicherte Nummer beschränkte – auf den Jabuka-Walzer op. 455 [2/7], den er Julie Kalbeck, der Gattin des Librettisten, mit dem Titel „Ich bin dir gut“ dedizierte, als habe er damit sagen wollen, dass er weder der Widmungsträgerin noch ihrem Gemahl irgendwelche Vorwürfe wegen der nicht völlig gelungenen Operette machte. Der Walzer wurde am 14. Oktober 1894 bei einem Festkonzert zu Ehren des Komponisten im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins von Eduard Strauß und dem Strauß-Orchester uraufgeführt.

Für die Einrichtung aller weiteren Stücke (opp. 456 bis 460) zog Lewy den zuverlässigen und versierten Kapellmeister Louis Roth heran, was allerdings auch nicht ohne Hin und Her vonstatten ging: „Jeder Tanz“, so schrieb Johann Strauß noch im September vor der Premiere, „kann nur der Öffentlichkeit übergeben werden, wenn auf dem Titelblatt der Name des Arrangeurs bekannt gegeben wird. Obzwar für mich das Orchesterarrangement der Tänze aus ,Jabuka’ eine Qual wäre, so würde ich dennoch bereit sein, Dir in Bezug auf das immer gehabte Honorar eine Konzession zu machen, um unseren beiderseitigen Interessen Rechnung zu tragen.“ Doch selbst dieses angedeutete Entgegenkommen war dem Verleger anscheinend noch nicht genug, und so blieb es am Ende dabei, dass Roth die Klavierarrangements herstellte, Strauß dieselben noch einer Korrektur unterwarf und die vorliegende Aufnahme erst möglich wurde, weil Christian Pollack bzw. Gustav Fischer die Tänze aus Jabuka für Orchester setzten.

Die Reihenfolge des Programms entspricht der numerischen Folge der Opuszahlen. Zunächst gibt es den Marsch Zivio! op. 456 [2/8]. Der Titel und das zweite Thema des Stückes stammen aus dem Sextett „Wir trinken Zivio!“ [= „Prost!“ oder „Vivat“]. Im Anschluss folgt die Schnellpolka Das Comitat geht in die Höh’ op. 457 [2/9], die dem Couplet Joschkos entspricht, das seinerzeit mit größtem Erfolg von dem berühmten Alexander Girardi gegeben wurde und bei der Premiere eine textliche Anspielung auf das Jubiläum des Komponisten enthielt, angesichts derer das Publikum in tosenden Beifall ausbrach. Die „Polka française“ Tanze mit dem Besenstiel! op. 458 [2/10] benutzt die Musik des Spottchores „Sag doch, sag doch“ aus dem dritten Akt der Operette, die „Polka Mazur“ Sonnenblume op. 459 [2/11] beginnt mit anrührenden Motiven aus der Introduktion zum dritten Akt und findet ihren Höhepunkt in der Übernahme des Duetts, das Anita und Vasil im zweiten Aufzug zu singen haben: „O blüh’ für mich, o sei mir gut“. Die Jabuka-Quadrille op. 460 [2/12] ist schließlich ein Defilee verschiedener Melodien aus den beiden ersten Akten des Bühnenstückes: Wer dieses Arrangement erstmals hört, ohne die Geschichte und die Hintergründe des „Apfelfestes“ zu kennen, käme nie auf die Idee, dass am Anfang dieser zündenden Musik eine Operette stand, die trotz einer vorteilhaften Ausgangssituation im Theater „versagte“ – zumindest nach den Standards des Komponisten Johann Strauß, der nach einem halben Jahrhundert des öffentlichen Musizierens in aller Welt ganz andere Aufführungszahlen gewöhnt war, als ihm die Apfelernte im Herbst 1894 bescherte.

[CD 2 / Track 13] Jabuka – Potpourri Nr. 1 für Klavier

Zwar hatte der Berichterstatter des Fremden-Blattes nach der Uraufführung der neuen Strauß-Operette von langanhaltendem Applaus, von donnernden Zugabenrufen, Blumenbuketts, Lorbeerkränzen und allgemeiner Begeisterung geschrieben, doch mit dem Jubel des Premierenabends war, so muss man noch einmal konstatieren, in den Äpfeln von Gradinaz und Raviza der Wurm. Nach dem 18. Dezember 1894 verschwand Jabuka vom Spielplan des Theaters an der Wien und machte der neuesten Kreation von Carl Millöcker Platz, dem Probekuss.

Inzwischen gab es seit zwei Monaten im Verlage von Gustav Lewy bereits mehrere Jabuka-Potpourris für zwei Klaviere, die vermutlich (wenngleich nicht nachweislich) von Louis Roth eingerichtet wurden. Christian Pollack hat auf der Grundlage der Operettenpartitur eine Instrumentation dieses musikalischen Querschnitts vorgenommen.

Deutsche Fassungen © 2007 Cris Posslac

 


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