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8.660235-36 - ROSSINI: Donna del lago (La)
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Gioachino Rossini (1792-1868)
La donna del lago - Gefühle zwischen Licht und Schatten

 

La donna del lago ist eine besonders schöne, faszinierende und geheimnisvolle Oper, eine der größten Schöpfungen eines Komponisten, für den Mittelmäßigkeit ein Fremdwort war. Das Werk ist von jenen ur-romantischen Schauern durchzogen, die dem Sturm und Drang so lieb und teuer waren, und von Leidenschaften geprägt, die sich über jede Banalität erheben. Dargestellt wird ein außergewöhnliches Spektrum an Emotionen, die im metaphorischen Sinne zu sehen und zu hören sind. Die Oper kocht über vor Liebe, doch die verliebte Begegnung findet nicht statt; sie ist durchzogen von kriegerischer Wut, doch unter diesem Zorn verstecken sich Eifersucht und seelische Qual; es finden sich Momente sehnsuchtsvoller Zärtlichkeit, doch das Erotische erfüllt sich nie und ist stets von Traurigkeit verschleiert. Hinter Freundschaft, familiären Gefühlen und einer pantheistischen Beziehung zur Natur verbergen sich tiefe Ängste und existentielle Sorgen. Schmerz und Tod erscheinen in traumartiger Abgelöstheit. Über allem herrscht die Unfähigkeit der Kommunikation, das Unvermögen, sich selbst und den Nächsten zu verstehen, die Botschaft der Gefühle zu lesen und Ordnung in die Impulse der Sinne zu bringen. Wieder einmal vollzieht sich das Wunder einer Oper, die durch ihre Struktur, durch den Gebrauch geschlossener Formen, durch die Mittel des Ausdrucks, das semantische Vokabular und die Wahl der Gesangsstimmen vielen anderen Werken Rossinis zu gleichen scheint, die aber beim Hören eine unbekannte Landschaft und eine innovative Melodik offenbart. Dass sie aus dem Repertoire verschwunden ist, lässt sich nur im Rahmen der allgemeinen Ablehnung erklären, die Rossinis Bühnenwerke zur Zeit der romantischen und veristischen Leidenschaften erfahren mussten. Es ist nicht leicht, diese Oper den Menschen unserer Zeit nahezubringen, da sie erfüllt ist von Doppeldeutigkeiten, Abstraktion und Metaphern. Das unentwirrbare Handlungsgeflecht aus Vergangenheit und Zukunft, das dieses Werk umgibt, macht die Vermittlung seiner Emotionen besonders schwer – und das nicht nur für das heutige Publikum, sondern auch schon für die Zeitgenossen, aus deren anfangs rasender Begeisterung nach kaum mehr als einem Jahrzehnt Gleichgültigkeit geworden war.

Die Orchestration der Donna del lago enthält neben den üblichen Kostbarkeiten eine Reihe auffallend origineller Elemente. Dazu gehören die reiche Verwendung von Jagdhörnern auf und hinter der Bühne (bevor man Freischütz und Euryanthe kannte!); die massive Gegenwart der Bühnenmusik, die nicht nur in den großen Ensemblesätzen mit exakten dramaturgischen Intentionen eingesetzt wird; die Harfe als Begleitung des ossianischen Chores zur Erzeugung einer archaischen Stimmung, die an längst vergessene Instrumente erinnern soll; die ungewöhnliche instrumentale Zusammenstellung von vier Klarinetten, zwei Fagotten, zwei Hörnern und Harfe bei dem Lied über vergangene Liebesmomente, das Uberto hinter der Szene singt und das mit dem Auftritt der Bühnenmusik in Ellens abschließendem Rondo kontrastiert – all das trägt zur Entstehung einer Klangfarbe bei, die bereits ausreichte, um diese Oper von den anderen Meisterwerken zu unterscheiden, die der Komponist während seiner ungemein produktiven Jahre in Neapel geschaffen hat.

Mit seinen ossianischen Anreicherungen ist das Libretto bemüht, die Originalvorlage von Walter Scott noch zu übertreffen, und präsentiert dabei eine Reihe von Charakteren, die aufgrund ihrer zurückhaltenden Emotionen und Reaktionen schwer zu fassen sind. Rossinis Musik jedoch entfacht ihren poetischen Atem und verleiht ihnen scharfe Konturen.

Auf die traditionelle Ouvertüre wird hier zugunsten einer einfachen, achttaktigen Kadenz aus Dominante und Tonika verzichtet. Diese führt nach einer symmetrischen Wiederholung direkt zur Handlung und zeigt uns, dass Rossini selbst dort, wo er eine Wende ins Dramatische vollführt, seiner ganz persönlichen Ideologie und Diktion nicht abzuschwören gedenkt. Drei Unisoni der Streicher und drei Akkorde des vollen Orchesters durchschreiten langsam die vorgeschriebenen Stadien einer vollkommenen Kadenz und genügen, um den geheimnisvollen Klang und die Stille des ruhenden Waldes zu beschwören. Das von diesen flüchtigen Akzenten erzeugte „panische” Gefühl durchzieht die innere Entwicklung der Oper, taucht die Personen ständig in die Ruhe der Natur und verleiht ihren Aktionen die heilige Distanziertheit des Mythischen.

König Giacomo (James V. von Schottland) will zwar seinen Thron gegen die rebellischen Fürsten verteidigen; das hält ihn aber nicht davon ab, seinen Träumen nachzugehen. Deshalb tut er so, als habe er sich bei der Jagd nach einer Hirschkuh im Wald verirrt. In Wirklichkeit hat er die Jagdgesellschaft verlassen, um sich alleine zum Ufer des Sees zu begeben, wo einem Gerücht nach jeden Morgen bei Tagesanbruch ein Mädchen von außerordentlicher Schönheit erscheint. Tatsächlich sieht er die junge Frau, und er ist geblendet. Erleuchtet durch die verliebten Gedanken an ihren Malcolm, präsentiert sich Elena (Ellen) mit ihrer einfachen, bezaubernden Canzonetta „Oh mattutini albori” („O frühes Morgenlicht”) – ganz anders als so manch triumphierender Star-Auftritt, dafür aber von einer ebenso unfassbaren wie subtilen erotischen Spannung erfüllt. Ohne seine wahre Identität preiszugeben, bittet James sie, ihn auf den richtigen Weg zurückzuführen. In ihrer unverstellten Natürlichkeit zögert Elena nicht, ihn in ihrem Boot über den See zu bringen, um ihn als Gast in ihrem Haus zu begrüßen und mit höflicher Aufmerksamkeit zu behandeln. Die Unterhaltung ist ruhig und freundlich, das Betragen keusch und liebenswürdig, doch die Musik überhäuft diese Begegnung mit solch zartem Zauber und einer derart gespannten Unruhe, dass sich niemand wundert, wenn in Giacomos Herzen die Liebe übermächtig wird. An den Wappen, die die Wände und die Waffen zieren, erkennt der König, dass er sich auf feindlichem Grund befindet: Tatsächlich ist Elena die Tochter von Douglas, einstmals der geliebte Hauslehrer, jetzt das Haupt der Rebellen. Von ihren Freundinnen hört er, dass das Mädchen mit einem gewissen Rodrigo (Roderick Dhu) verlobt sei, den sie allerdings nicht liebt: Der Vater hat ihn ausgewählt, da er ein mächtiger Alliierter im Kampf gegen den König ist. Giacomo müsste eigentlich fliehen, doch das ängstliche Schmachten, das seine Gegenwart in dem unreifen Mädchen ausgelöst hat, lässt ihm eine Hoffnung.

Elena schreibt ihre Verwirrung inzwischen der Sehnsucht nach Malcolm zu und löst durch all ihre Doppeldeutigkeiten eine schicksalhafte Verführung aus, ohne dass sie sich dessen bewusst wäre. Das Duett der beiden jungen Menschen, das die Szene beschließt, ist einer der schönsten Liebesdialoge, die Rossini geschrieben hat, gewiss aber sein sinnlichstes und leidenschaftlichstes. Da er von der Notwendigkeit befreit ist, zwei Liebende ganz direkt einander gegenüberzustellen, weil ja Elenas Ekstase sich an Malcolm und nicht an Giacomo entzündet, lockert Rossini hier die Zügel der Zurückhaltung.

Dann erscheint Malcolm selbst. Der junge Krieger hat seinen König und dessen Heer nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus Liebe zu Elena verlassen und sich den Rebellen angeschlossen, um der Geliebten nahe zu sein. In seiner Auftrittsarie „Mura felici” („Glückliche Mauern”), deren Melancholie seine Liebessehnsucht nicht zu kaschieren vermag, besingt er den Zauber, dem er verfallen ist. Das Mitgefühl, das aus seinem jugendlichen Enthusiasmus hervortritt, deutet insgeheim auf ein unglückliches Schicksal hin. Obwohl seine Arie aus der Tradition jener androgynen Charaktere herkommt, die ursprünglich von Kastraten dargestellt wurden, gehört Malcolm zur Kultur der Romantik. Die interpretatorische Bravour muss mit Emotionen versetzt sein und wie eine Kabaletta erscheinen, die durch ein melodisches Thema charakterisiert ist, das die Grenzen zum Banalen überschreiten könnte. Malcolm entfaltet eine unmanierierte Sensibilität, die sich mit edler Würde vermählt und eine Art von negativem Helden entstehen lässt, der Elenas Unsicherheit Substanz und dem Verzicht, den Giacomo am Ende leistet, Großherzigkeit verleiht.

Mit dem Auftritt von Douglas kommt der gewöhnliche Zusammenprall von Liebe und Pflicht, Herz und Interesse. Elena muss sich der Staatsraison beugen: Rodrigo erhält zwar das Jawort, doch er weiß, dass er nicht auch ihr Herz gewonnen hat und spürt instinktiv die Verbindung mit Malcolm. Diese dramatische Begegnung, der Brennpunkt des gigantischen ersten Finales, kommt nur nicht zur Explosion, weil sie durch den Ruf zu den Waffen unterbrochen wird.

Das zärtliche Duettino, das sich anschließt, wenn Douglas abgegangen ist, zittert in schmerzlicher Bewegung, doch es ist erstaunlich, wie Elena für ihren Liebsten Töne findet, die von ganz anderem Zauber sind als jene, die dem Fremden vorbehalten sind, während Malcolm den Heroismus seiner Hosenrolle durch die echte Lyrik eines Liebenden mildert.

Wenn mit Roderick der letzte Spielstein in dieser dramatischen Partie auftritt, beginnt eigentlich das erste Finale. Seine Härte und seine offenkundige Loyalität bringen in die ganzen emotionalen Verwirrungen einen Ton der Sachlichkeit hinein. Mit ihm tritt auch wieder der Männerchor in Erscheinung, der schon am Anfang der Oper einen substanziellen Beitrag bei der psychologischen Schilderung des Waldes geliefert hatte. Ein meisterhafter Einfall ist es, die Rebellen-Clans in sukzessiven Wellen auftreten zu lassen, wobei sie von der Bühnenmusik, von Trommeln und Wimpeln begleitet sind: So endet der Akt in einem mitreißenden Ungestüm. Ein Moment der Entspannung ist in der glühenden Lava dieses Finales der Chor der Barden (mit obligater Harfe), ein heiliger Topos, den Bellini später in Norma verwenden sollte.

Giacomo kommt im zweiten Akt unter dem Namen Uberto di Snowdon (Hubert von Snowdon) zurück, um nach Elena zu suchen. In seiner Arie „Oh fiamma soave” („O zarte Flamme”) gesteht er seine Liebe. Diese Nummer ist nicht nur ein Manifest der absoluten Gesangskunst, bei der die Feinheiten des virtuosen bel canto in Emotionen übersetzt werden müssen; darüber hinaus handelt es sich hier um ein Bekenntnis von edler Erhabenheit und aufrichtiger Intensität. Mit dieser Botschaft wird Giacomo-Uberto zum romantischen Prototypen – wie Werther verzichtet er großzügig auf das eigene Glück, um das der Geliebten nicht zu zerstören, verzweifelt freilich darüber, dass er allein bleiben wird. Elena bringt dieses Geständnis durcheinander; dabei bemerkt sie nicht, dass sie die Leidenschaft durch ihr Verhalten ausgelöst hat, an das sich der junge Mann jetzt in einer Mischung von Tadel und Sehnsucht erinnert. Entgegen aller Logik fragt ihn die verwirrte Elena, als er sich anschickt, sie zu verlassen: „Ten vai…?” („Du gehst …?”)

Plötzlich erscheint Rodrigo, und das Aufeinandertreffen der beiden Rivalen in Herzensdingen wie in politischen Ansichten kann nur in einer Tragödie enden. Elena will das wütende Duell beenden. Zum Klang hoher Cs beginnt sie ein Hilfegeschrei von solcher Intensität und höchster Inspiration: „Io son la misera che morte attende” („Ich bin die Erbärmliche, die den Tod erwartet”) vermittelt eine emotionale Betroffenheit, die unmöglich einem Fremden, der Uberto scheinbar ist, noch einem Feinde ihres Glückes wie Rodrigo gelten kann. Dieses Terzett ist der Höhepunkt der Oper und ein Gipfel nicht allein in Rossinis Opernschaffen.

Rodrigo ist das erste Opfer eines Geschöpfs, das ein unglückliches Schicksal mit einer unergründlichen Weiblichkeit zu mischen scheint. Die nachfolgende Arie Malcolms weist auf den Sturz des zweiten Verehrers voraus, der sich ohne Hoffnung in die Schlacht begeben will, um sie zu retten. Er endet wie Douglas als Gefangener. Während Elena im Finale des zweiten Aktes den Rat Ubertos befolgt und den (ihr vermeintlich unbekannten) König bittet, er möge das Leben des Vaters und des geliebten Malcolm verschonen, deutet sich in dem obligatorischen lieto fine eine andere Wahrheit an. Der begnadigte Douglas erhält kein Wort des Verständnisses: Der konservative Rossini widmet diesem Vater und Herrn nicht einen einzigen Ton, sondern läßt ihn mit betretener Gleichgültigkeit die Szene verlassen. Malcolm erfährt von dem König die Anerkennung, die er aufgrund seines treuen Verhaltens verdient – doch Elena sagt ihm kein Wort, sondern stimmt ihrerseits eine Kavatina an, deren Fröhlichkeit man nach dem Abgang von Uberto nur schwer begreifen will. Bei dem Worte „felicità” („Glückseligkeit”) verlangt Rossini eine Fermate, ein Innehalten auf dem starken Taktteil, die wie ein unnatürliches Zögern erscheint. Man gewinnt den Eindruck, dass Elena just, als sie das für ihre Zukunft bestimmende Zauberwort spricht, wie in einer Vorahnung spürt, dass ihr Glück mit Uberto für immer dahin ist. Wie sich’s fügt, lässt

Rossini den Chor zu Elenas „felicità” das Wort „avversità” („Widrigkeit”) singen. Und es gibt ein weiteres beunruhigendes Zeichen: die unübliche Mitwirkung der Bühnenmusik. Mit einem doppelten piano – dem des Orchesters und dem der Bühnenkapelle – scheint uns Rossini einzuladen, nach einer doppelten Wahrheit zu suchen: auf der einen Seite die scheinbare eines lieto fine, auf der andern das, was die Musik andeutet, die einen Schatten über die klaren Worte des Textes geworfen hat.

Alberto Zedda
Deutsche Fassung: Cris Posslac

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Der Inhalt

Die Handlung der Donna del lago („Die Dame vom See”) spielt im Schottland des 16. Jahrhunderts, wo damals die Highlander gegen König James V. (Giacomo V.) rebellierten. Anführer der Aufständischen ist Douglas, der Vater der Titelheldin Ellen (Elena).

Erster Akt

[CD 1 / Track 1] Die Bühne zeigt den Höhenzug von Benledi und eine bewaldete Hügellandschaft. Diese führt zu dem Tal, in dessen Mitte Loch Katrine liegt. Schäfer und Schäferinnen singen ihren Morgengruß, auf den die Jäger aus den höhergelegenen Wäldern antworten.

[1/2] Man sieht Ellen in ihrem Boot auf dem See. Sie singt von ihrem Liebsten Malcolm, den sie unter den Jägern wähnt.

[1/3] In der Nähe erschallt ein Horn und das Echo aus der Ferne. Ellen denkt, dass Malcolm jetzt bald bei ihr sei. Sie erreicht das Ufer, steigt aus und vertäut das Boot, wobei sie der König beobachtet, der sich als Hubert (Uberto) verkleidet hat und von ihrer Schönheit ergriffen ist. Ellen erblickt ihn und will wissen, wer er sei. Hubert versetzt, er sei bei der Jagd von seinen Gefährten getrennt worden und habe sich verirrt. Sie bietet ihm eine Unterkunft in ihrem Heim auf der andern Seite des Sees an.

[1/4] Das Mädchen bittet den König, ins Boot zu steigen. Seinen Dank nimmt sie nicht an, weil für sie als Schottin die Gastfreundschaft eine natürliche Sache ist.

[1/5] Man hört die Jäger nach Hubert rufen. Die Gesellschaft zerstreut sich, um ihn zu suchen.

[1/6] Die Bühne zeigt jetzt die Wohnstatt von Douglas. Ellen heißt Hubert in ihrer bescheidenen Behausung willkommen und beeindruckt ihn durch ihre Tugend, Schlichtheit und Schönheit. Plötzlich realisiert der Gast, dass die an den Wänden hängenden Waffen das Wappen seines Feindes tragen und er sich in Gefahr befindet. Ellen verrät ihm, dass ihr Vater der berühmte Douglas sei, der vom Hofe vertrieben wurde. Sie will den Grund für Huberts Nachdenklichkeit erfahren; derweil hört man ihre Freundinnen kommen.

[1/7] Diese erinnern Ellen daran, dass Roderick Dhu (Rodrigo) sie liebe. Hubert wird durch die Bemerkungen eifersüchtig, in Ellen rührt sich insgeheim eine böse Vorahnung.

[1/8] Hubert will von Ellen wissen, ob sie bereits mit Roderick verlobt sei. Er argwöhnt, sie könne einen andern lieben.

[1/9] Er nimmt an, es könne sich dabei um ihn selbst handeln, doch ihre Gefühle gehören tatsächlich einem andern.

[1/10] Der Gast empfängt den Willkommenstrunk und ergeht sich in Liebesgedanken, indessen Ellen eigene Betrachtungen anstellt. Sie verabschiedet sich von Hubert und zieht sich in ihr eigenes Zimmer zurück, während das Gefolge Hubert zu dem seinen führt.

[1/11] Malcolm tritt ein. Sein Sinnen gehört der Liebsten und den Mauern, die ihr Schutz gewähren.

[1/12] Er spricht zu Ellen: Sie möge zu ihm kommen und ihm sagen, dass sie ihn liebt, da er bereit sei, für sie zu sterben oder ohne sie in den Tod zu gehen.

[1/13] Tränen der Sehnsucht nach ihrem Anblick habe er in der Ferne vergossen, wo ihm alles abscheulich gewesen sei.

[1/14] Ein Gefolgsmann führt Ellen und Douglas herein. Dieser freut sich auf das Kommen Rodericks, dem seine Tochter zur Frau versprochen ist, ein Kämpfer für Douglas’ Sache. Ellen lehnt es ab, in Kriegszeiten über die Liebe zu sprechen; Malcolm äußert a parte inzwischen seine düsteren Ahnungen.

[1/15] Douglas ist wenig erbaut über das Verhalten seiner Tochter und befiehlt ihr, sich ihres Vaters würdig zu erweisen und ihm zu gehorchen. Ferne Trompeten erklingen und melden das Eintreffen Rodericks, dem sie ihr Herz geben muss. – Douglas geht ab, zur Schlacht bereit.

[1/16] Ellen ist innerlich zwischen der Pflicht gegenüber dem Vater und ihrer Liebe zu Malcolm zerrissen. Der junge Mann hat alles gehört und teilt ihr mit, dass auch er zum Kampfe gerufen wurde.

[1/17] Die Liebenden geloben einander Treue im Leben oder im Tode.

[1/18] Die Szene wandelt sich. Wir sehen einen offenen, von Bergen umgebenen Platz und in der Ferne den See. Der triumphierende Roderick tritt auf, umringt von den Mitstreitern seines Clans, die seinen Heldenmut preisen.

[1/19] Er will die Geliebte sehen und bei ihrem Anblick mit erneuertem Mute kämpfen.

[1/20] Seine Mannen versichern ihn, dass ihm die Liebe lacht.

[1/21] Douglas erscheint und umarmt den Schwiegersohn in spe: Man werde den König besiegen. Auch Ellen naht sich …

[1/22] … und die Anwesenden preisen ihre Schönheit.

[2/1] Roderick fehlen die Worte, um seine Liebe auszudrücken, und Ellen schweigt still. Sie hat den Blick gesenkt, was ihr Vater ihrer mädchenhaften Zurückhaltung zuschreibt. Nur schwer vermag sie ihre wahren Gefühle zu verbergen. Douglas rügt ihren Mangel an Loyalität, und Roderick will wissen, was sie seufzen macht.

[2/2] Malcolm erscheint mit seinem Gefolge, und ist bereit, sich der Sache der Highlander anzuschließen. Dabei erkennt Douglas, dass der junge Mann seine Tochter liebt.

[2/3] Roderick begrüßt Malcolm und stellt ihm Ellen als seine Gemahlin vor. Malcolm springt auf ihn zu: das sei unmöglich. Ellen hält ihn zurück.

[2/4] Jetzt versteht Roderick die Situation. Er und Douglas sind wütend, während Ellen und Malcolm ihren eigenen Empfindungen nachhängen.

[2/5] Gefolgt von den Barden, eilt Douglas’ Lehnsmann Serano herbei, um das Näherkommen des Feindes zu melden. Douglas, Roderick und Malcolm erkennen, dass jetzt keine Zeit für persönlichen Hader ist und schwören, zu siegen oder in den Tod zu gehen.

[2/6] Ein Hauptmann hebt den großen Schild von Tremmor in die Höhe und schlägt darauf. Die Krieger tun dasselbe mit ihren Schilden. Die Barden stimmen einen Kampfgesang an, die Frauen prophezeien den Sieg. Eine Sternschnuppe zeigt sich am Himmel – für Roderick und Douglas das Zeichen des bevorstehenden Triumphes.

[2/7] Die drei Häuptlinge fordern ihre Leute zum Kampf gegen den Unterdrücker auf. Die Frauen ziehen sich zurück, und die Männer marschieren in die Schlacht.

Zweiter Akt

[2/8] Wir sehen eine Waldeslichtung. In der Nähe ist eine Höhle. Hubert sehnt sich nach seiner geliebten Ellen.

[2/9] Ellen und Serano treten aus der Höhle. Während der letztere abgeht, zeigt sich Hubert. Ellen will wissen, was er von ihr wolle. Er gesteht ihr seine Liebe.

[2/10] Das Mädchen erwidert, sie wissen nichts von dieser Liebe, indessen er nicht müde wird, seine Zuneigung zu ihr zu beteuern.

[2/11] Er solle, so bittet Ellen, nicht grausam sein, und er fügt sich, da er ihre wahren Gefühle respektiert. Als Zeichen seiner Ergebenheit reicht er ihr einen Ring, den er angeblich vom König bekommen hat, weil er ihm einst das Leben rettete: Ellen solle diesen dem Herrscher vorzeigen, wenn sie in Not sei; er werde dann ihre Wünsche erfüllen. Sie steckt den Ring an ihren Finger.

[2/12] Beide singen von ihren Gefühlen. Roderick beobachtet sie, und die Eifersucht verzehrt ihn.

[2/13] Er tritt hervor und fordert Hubert, der sich als Freund des Königs ausgibt und sich vor dessen Feinden nicht fürchtet. Auf einen Ruf erscheinen Rodericks Leute. Der Anführer befiehlt, Hubert zu ergreifen, dieser aber verlangt ein Schwert, um die Sache im Zweikampf auszutragen – sehr zum Leidwesen Ellens, die verlangt, man solle von dem Duell abstehen. Die beiden Männer verlassen die Szene. Ellen und die Mitglieder des Clans folgen ihnen.

[2/14] In der Höhle denkt Ellens Vertraute Albina sorgenvoll über das Geschehene nach. Malcolm tritt ein. Er ist auf der Suche nach Ellen und erzählt Albina von Rodericks Kampf mit einem unbekannten Krieger. Er sei gekommen, um Ellen zu schützen oder bei dem Versuch zu sterben. Serano erscheint, allerdings ohne Ellen, die er auf Douglas’ Geheiß verteidigen sollte. Douglas selbst will den Zorn des Königs durch seinen eigenen Tod besänftigen. Nach Erhalt dieser Nachricht hat sich Ellen in ihrem großen Kummer auf den Weg zum König gemacht.

[2/15] Für Malcolm ist der Tod der einzige Ausweg aus dem Schmerz, den ihm der Verlust seiner Geliebten bereitet.

[2/16] Man hört die Stimmen der Highlander. Sie raten Douglas, er solle sich in Sicherheit bringen. Die Leute bringen die Kunde von Rodericks Tod und dem Sieg des Königs. In dem allgemeinen Entsetzen eilt Malcolm mit den Kriegern davon.

[2/17] Ellen hat inzwischen den Königspalast von Stirling betreten. Sie wurde hier geboren, verbindet den Ort aber nur mit unglücklichen Erinnerungen. Jetzt will sie den König bitten, dass er ihren Vater, Malcolm und auch Roderick verschone, von dessen Tod sie noch nichts weiß.

[2/18] Man hört die Stimme des Königs, der von seiner Erinnerung an Ellen singt. Diese wiederum ist bezaubert von dem, was sie hört.

[2/19] Sie erkennt die Stimme von Hubert. Als dieser auftritt, erinnert sie ihn an den Ring, den sie von ihm erhalten hat. Er fragt sie nach ihrem Begehr.

[2/20] Man öffnet die Tore des Raumes und erblickt den Thronsaal. Die Anwesenden preisen ihren Herrscher.

[2/21] Ellen versucht, unter den Höflingen den König zu erspähen. Verblüfft muss sie schließlich in Hubert den Herrscher erkennen. James vergibt Douglas und setzt ihn als Lord Bothwell wieder ein. Ellen teilt er mit, dass Roderick nicht mehr lebt. Als man Malcolm hereinbringt, scheint es, als wolle ihn James-Hubert bestrafen; doch statt dessen führt er ihm Ellen als Gemahlin zu. Dann will er wissen, ob sie weitere Wünsche habe.

[2/22] Ellen ist von Dankbarkeit überwältigt.

[2/23] Am Ende erlebt sie das unverhoffte Glück, ihren Vater und ihren Geliebten friedlich beieinander zu sehen.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 

Die Libretto sind online unter www.naxos.com/libretti/660187.htm

 


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