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8.660331-32 - PAVESI, S.: Ser Marcantonio [Opera] (Romano, Castellano, D'Apolito, Bekbosunov, Beltrami, Smolentseva, Silvestri, Spadano)
English  German 

Stefano Pavesi (1779–1850)
Ser Marcantonio

Ein Pantalone heiratet

 

Das Debüt des Ser Marcantonio im Herbst 1810 an der Mailänder Scala gehörte zu den denkwürdigen Erfolgen: 54 Aufführungen in der ersten Spielzeit. Zwischen 1810 und 1831 zählt man rund fünfzig unterschiedliche Produktionen, und man kann mit gutem Grund behaupten, dass der Ser Marcantonio die einzige Oper von Pavesi war, die nicht von der rossinischen Lawine überrollt wurde. Das Libretto stammte von Angelo Anelli (1761–1820), der seit 1808 Professor für forensische Rhetorik an der Königlichen Hochschule in Mailand war. Schon seit rund zwei Jahrzehnten (ab 1791) verband Anelli das Unterrichten mit der Tätigkeit als Theaterdichter von Libretti für Komponisten wie Paer, Piccinni, Guglielmi, Zingarelli, Mayr, Mosca (L’Italiana in Algeri, 1808).

Pavesi seinerseits wurde 1779 in einem Dorf in der Gegend von Crema geboren, die damals zur Republik Venedig gehörte. Regelmäßigen musikalischen Unterricht erhielt er dank der Ermutigung und der mäzenenhaften Unterstützung einiger lokaler Adeliger, entsprechend den besten Gepflogenheiten der alten aristokratischen Gesellschaft. Deren Großzügigkeit verdankte er die Möglichkeit, seine Studien in Neapel am Konservatorium von S. Onofrio fortsetzen zu können (ab 1795).

Erneut mit Hilfe von Mäzenen konnte er 1802 nach Venedig übersiedeln, einer Theaterstadt, wo man leichter das Bühnenglück versuchen konnte. Wie schon vor ihm Mayr und nach ihm Generali, Coccia und Rossini, machte Pavesi zunächst vor allem mit dem Genre der Farsa auf sich aufmerksam (Un avvertimento ai gelosi, 1803). Der Erfolg verschaffte dem Komponisten den Zugang zur Bühne des San Moisè, spezialisiert auf dieses Genre, und sodann zu jener der Mailänder Scala und der anderen großen italienischen Theater. Am Ende des ersten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts gehörte Pavesi fraglos zum Kreis der bereits anerkannten neuen Komponisten.

Das Engagement für die Herbstsaison 1810 an das wichtigste Theater der Hauptstadt des jungen napoleonischen Königreichs Italien (seit 1805) war also kein Zufall. Für die Uraufführung dieser neuen Mailänder Oper, Ser Marcantonio, konnte Pavesi auf eine hochkarätige Besetzung zählen. Die Titelrolle kam einem Spezialisten des komischen Fachs wie dem Neapolitaner Nicola Bassi (1767–1825) zu. Bettina war die Mailänderin Elisabetta Gafforini (ca. 1772–post 1812), „Erste Sängerin im Dienste Ihrer Majestät des Königs von Italien“, ein Contralto, der laut Stendhal die größte komische Sängerin auf den italienischen Bühnen zwischen 1806 und 1812 war. Tobia wurde von dem Bologneser Luigi Zamboni (1767–1837) verkörpert, dessen 20-jährige Karriere bald darauf (1816) dazu bestimmt war, mit einem weiteren und noch viel berühmteren „Faktotum“ ausgezeichnet zu werden, jenem des rossinischen Figaro.

Was den Stoff betrifft, so konnte der Typ des „verliebten Alten“ auf eine mehrere Jahrhunderte alte Tradition zurückblicken. Prof. Anelli kam die Idee zu dem Stoff wahrscheinlich von einem jüngeren Modell, nämlich L’hypocondre, ou La femme qui ne parle point (Der Hypochonder), einer Komödie von 1733 von Jean-Baptiste Rousseau (1670–1741), die 1751 publiziert und 1761 uraufgeführt wurde. Es handelte sich um eine tiefgreifende Überarbeitung einer älteren englischen Komödie von Ben Jonson mit dem Titel Epicoene, or The silent Woman, erstmals aufgeführt 1609.

Die Handlung wurde von Rousseau selbst in einem Brief vom 1. März 1734 zusammengefasst: „Es geht darum, einen verrückten Alten daran zu hindern, eine törichte Ehe einzugehen und damit einen legitimen Erben um seinen Nachlass zu prellen“. Der Alte, der eine Frau nehmen will, ist der Baron Morose, ein Hypochonder, der infolge eines früheren Traumas (oder aus reiner Misanthropie) Töne und Lärm verabscheut. Die Aufgabe, ihm eine Braut zuzuführen, hat er seinem Barbier und Alleskönner Cigale anvertraut, dem Leandre eine junge Witwe vorstellt, die gerade aus dem Kloster gekommen ist, fast nicht spricht und den vielsagenden Namen Androgine trägt. Leandre ist der einzige Neffe von Morose; wenn Letzterer direkte Nachkommen hätte (zum Beispiel einen Sohn), würde Leandre das ganze Erbe des Onkels verlieren und damit auch die Möglichkeit, seine geliebte Lucinde zu heiraten. Morose ist begeistert von dieser so schweigsamen und anspruchslosen Frau. Kaum ist der Ehevertrag geschlossen, erweist sich Androgine jedoch als geschwätzig wie ein Waschweib. Dies, und die drohenden Ausgaben für ihre verschwenderischen Pläne, führen fast zum Wahnsinn des armen Morose, der zu allem bereit ist, wenn er sich ihrer nur entledigen kann. Hierbei eilen ihm Leandre sowie Eutrapel zu Hilfe: der eine erhält dafür die Zustimmung zur Heirat mit Lucinde; dem anderen gelingt es, seine Schwester Clarice mit deren Liebhaber zu verbinden. Letzterer ist niemand anderes als Androgine, der sich auf Veranlassung von Leandre als Frau verkleidet hatte, damit Morose die Lust auf eine Hochzeit endgültig vergehen würde.

Aus Hypochondre hatte schon Foppa einen ersten und kürzeren Text geschöpft, den Einakter Dritto e rovescio, der mit der Musik von Francesco Gardi im Frühjahr 1801 am Venezianer Theater S. Benedetto in Szene ging (und Ruffini schöpfte noch 1843 aus Anellis Libretto den Don Pasquale für Donizetti).

Anelli entfernt sich von Rousseau in den Details und den Verquickungen, indem er eine einzige Person (Tobia) zum Motor der Handlung macht, was zuvor auf mehrere verteilt war (Cigale, Eutrapel, Leandre); und die Handlung verzichtet natürlich auf die erotische Ambiguität des Transvestiten, die für das Theater der 16./17. Jahrhunderts typisch war und die Rousseau direkt von seiner Quelle übernommen hatte. Das Libretto von Anelli setzt eine komische Verwicklung in Szene, die typisch ist für die Opera buffa des späten 18. Jahrhunderts: Intrigen, Narreteien, Verkleidungen und falsche Identitäten (Tobia, der sich als Notar verkleidet, der Diener von Marcantonio, der sich als Richter ausgibt). Auch die unbarmherzige Verspottung oder die hämischen Anspielungen auf die verbliebene physische Kraft von Marcantonios…bestem Stück im 1. Akt (Szenen 1, 4, 6, 7) haben ihre Wurzeln in der Literatur und dem Theater jenes letzten Abschnitts des 18. Jahrhunderts. So gesehen, bildete Ser Marcantonio in treffender Weise eine komische Oper mit der Gattungsbezeichnung „melodramma giocoso“, in der Mitte zwischen einer platten Buffonerie der einfachsten Sorte und den weinerlichen, wenn nicht gar tragischen Stücken, die seit einiger Zeit das einstige gattungsspezifische Ideal des reinen Vergnügens mit Melancholie überzogen.

Mit ihrer Präsenz in zehn von zwanzig Nummern—darunter drei Solostücke, von denen eines wichtiger ist als das andere—nimmt Bettina eindeutig die Hauptrolle der Oper ein. Ihren ersten Auftritt (Nr. 4 / CD 1, [7]) hat sie mit einer Kavatine, in der sogleich der melodische Wert gedämpft und der Modus des Sprechgesangs bevorzugt wird: in der Tat bleibt die schwungvolle Kantilene („Bettina, io spasimo…“) der Nachahmung und Verulkung der gezierten Galane, die sie hofieren, vorbehalten, während die wahre Bettina zu den lebhaften Staccato-Terzinen der Geigen auftritt, ganz „Feuer und Flamme“, aber deswegen nicht leicht zu entzünden. Das anschließende Allegretto mit seinem knappen und flinken Motiv (der Cabaletta im engeren Sinn) und mit seiner hüpfenden Streicherbegleitung im Hintergrund vervollständigt das Profil einer geistreichen Frau. In der Szene vor dem Spiegel im 2. Akt (Nr. 12 / CD 2, [3]) zwischen dem Kantabile und der obligaten Cabaletta fügt Bettina überraschenderweise geistvolle „Fremdsprachen-Einschübe“ ein, um ihre Modenschau treffend zu kommentieren: Zuerst eine schmachtende venezianische Barkarole (dem Geschmack des späten 18. Jahrhundert für Schifferlieder entsprechend), dann ein pompöser Tanz in französischer Weise („Courrante“), abwechselnd mit einem lebhaften Ritornell, das mimisch zu ihren einzelnen Bekleidungen passt. In ihrer großen Arie im Vorfinale (Nr. 19 / CD 2, [17]) stellt die junge Frau schließlich die entrüsteten und herablassenden Töne einer ernsten Rolle zur Schau (eine breit angelegte Szene mit Introduktion des Chores: der Beginn festgemeißelt ‚colla parte‘ und eine ‚a tempo‘-gestützte Weiterführung; zusätzliche und unerwartete Rückkehr zum kantablen Pathos, wenn der Moment der Cabaletta gekommen scheint), aber nur fiktiv: die wahre Bettina offenbart sich im letzten Abschnitt, an der ungezwungenen und immer brillanter werdenden Attacke bis hin zur großen Schleppe der Coda, in der sie gebieterisch den Chor anführt.

Tobia, der in neun Nummern, darunter in zweien als Solist, auftritt, erscheint im Wesentlichen in der Rolle des Lenkers und Hauptdarstellers der Intrige. Der Regel entsprechend wird ihm eine ziemlich anspruchsvolle Leistung in Rezitativ und Arie im 2. Akt (Nr. 16 / CD 2, [11]) abverlangt, einem komplexen Stück, das schon in seinem Kantabile mehrteilig ist (kraftvolle Allegro-Attacke, Andante-Fortführung mit gebundener melodischer Linie) und dann eine Cabaletta (mit Wiederholung), die von einem erregten Crescendo mit den bereits in der Ouvertüre vernommenen Fanfarenklängen eingeleitet wird und passende, weitgreifende Codas aufweist. Ein großer Moment von ernstem Musiktheater? Ja, aber auch hier rein zum Scherz, ein im Spiel spontan erfundenes Spiel, um einen Streit mit Medoro zum Entsetzen seines trotteligen Onkels vorzutäuschen.

Obwohl Marcantonio keine eigenständigen Nummern hat, vervollständigt er den Kreis der Hauptpersonen, indem er die dritte Spitze jenes Dreiecks bildet, um das sich das ganze Bühnenstück im Wesentlichen dreht und auf das sich die Ensembles stützen. Innerhalb dieser stark gegliederten Architekturen von Nummern mit mittelgroßer Vokalbesetzung (wie z.B. das Quartett Nr. 8 / CD 1, [15] in den ersten beiden Teilen und das Quintett Nr. 17 / CD 2, [13] im Mittelteil) zeigt die Präsenz von sich wiederholenden Elementen, wie Pavesi sich vornimmt einen stärkeren inneren Zusammenhalt zu erzielen, indem er eine Verzettelung durch unterschiedliche und entgegengesetzte Lösungen zu vermeiden sucht. Mit diesem Ziel stimmt die Neigung zu einer stringenteren Schreibweise überein, bei der er oft eine hinlängliche Ausdehnung von Sektionen und Episoden oder den bedächtigen Dialog zwischen Bühne und Orchester zugunsten einer elektrisierenderen Gangart hinter sich lässt.

Im abschließenden Allegretto der Kavatine Nr. 12 / CD 2, [3], im Duett Nr. 14 / CD 2, [7] oder im zweiten Teil des Quintetts Nr. 17 / CD 2, [13] folgen die internen Abschnitte einander praktisch ohne Unterbrechung. Wenn in diesem Duett ein gewisser Wiederholungszwang des Materials einen begrenzten Vorgang von ausgesprochen mechanischer Anlage hervorruft, so fehlt es nicht an—auch groß angelegten—Fällen von Ostinati und anhaltenden Bewegungen, die alles mit sich reißen, besonders im Abschluss gewisser Nummern (Quartett Nr. 8, Erstes Finale, Quintett Nr. 17). Gedrängte Wechsel zwischen den Holzbläsern bereiten die Wiederholung der Cabaletta in der Kavatine Bettinas (Nr. 4 / CD 1, [7]) vor; sie zerteilen jedoch zuletzt den Rhythmus der Phrase mit einem Verdichtungs- und Beschleunigungseffekt, der, weniger flüchtig, auch in der abschließenden Passage des Terzetts Nr. 7 / CD 1, [13] zu bemerken ist. Die Bekräftigung eines mechanischen ‚a parte‘, im Zentrum des Duetts Nr. 3 (ein simples harmonisches Pendel des beweglichen Basses) wird mit einem mehrschichtigen Crescendo verbunden, das in der Reprise der melodischen Idee gipfelt. Gleichartige anschwellende Anhäufungen von Klangschichten bereiten die Cabaletta und ihre Reprise in der Arie des Tobia Nr. 16 / CD 2, [11] vor.

Das sind alles Merkmale, die man gerne als rossinisch definieren würde, wenn der junge Gioachino zum Zeitpunkt der Uraufführung des Ser Marcantonio den offiziellen Beginn seiner Karriere als Bühnenkomponist nicht erst noch vor sich gehabt hätte.

Paolo Fabbri
Übersetzung aus dem Italienischen von Reto Müller

Die Handlung

CD 1

[1] Ouvertüre

Erster Akt

[2] In seinem altväterlichen Salon hat Ser Marcantonio seine Freunde, die Diener Lisetta und Pasquino sowie die Nichte Dorina und den Neffen Medoro um sich versammelt. Er eröffnet ihnen, dass er sein Testament machen und heiraten will. Die Freunde warnen den Greis vor diesem Schritt, doch Marcantonio bleibt stur.

[3] Die Diener loben zum Schein den Alten für seine Jugendlichkeit. Die beiden Geschwister sind verzweifelt: sie fürchten um ihr Erbe und rechnen mit der Aufkündigung ihrer Verlobungen mit Tobia und Bettina, auch sie Bruder und Schwester.

[4] Tobia hofft auf die baldige Heirat mit Dorina; schließlich geht er nur für sie Tag und Nacht seinen Handelsgeschäften nach, um bald zu Reichtum zu gelangen.

[5] Die beiden Geschwister haben nicht den Mut, sich Tobia zu erklären. Erst Lisetta erzählt ihm, dass Marcantonio eine junge, biedere Frau heiraten möchte. Tobia erkennt die Chance einer List und gibt vor, dem Alten die gewünschte Frau zuzuführen.

[6] Medoro ist entsetzt über den Verrat des Freundes an ihm und Dorina, doch dieser lässt ihn im Glauben, gegen ihre Interessen zu handeln, um ihrer Verzagtheit eine kleine Lektion zu erteilen.

[7] In ihrer Modeboutique macht sich Bettina lustig über die Liebesbeteuerungen ihrer vielen Verehrer: sie lässt sich nicht so leicht entflammen und bleibt ihrer wahren Liebe treu.

[8] Sie trägt den Angestellten auf, ihre neuesten Kreationen den Kunden auszuliefern. Tobia tritt ins Geschäft seiner Schwester und eröffnet ihr seinen Plan: er will sie dem Schein nach mit dem alten Mann verheiraten.

[9] Sie ist einverstanden, solange ihre Liebe zu Medoro nicht darunter leidet. Tobia erklärt ihr, wie sie sich verhalten soll: Bettina soll die scheue und naive Frau mimen, die sich Marcantonio erträumt.

[10] Inzwischen hat auch Dorina vom vermeintlichen Verrat Tobia erfahren. Lisetta warnt Medoro, dass auch Bettina dessen Pläne unterstützen könnte.

[11] Medoro hält das für unmöglich, zu gut kenne er die Treue seiner Geliebten.

[12] Tobia kündigt Marcantonio seine Schwester an, warnt ihn aber vor ihre Schüchternheit und Zurückhaltung. Der Alte kann es kaum erwarten, sie zu sehen.

[13] Bettina wagt sich endlich hervor und gibt sich genauso, wie es sich Marcantonio vorstellt.

[14] Er ist begeistert von ihrer Zurückhaltung und Abneigung gegen alles Verschwenderische und will sogleich den Notar rufen lassen.

[15] Während Marcantonio ins Schwärmen gerät, tritt Medoro entsetzt hinzu und muss von seiner Geliebten erfahren, dass sie die Frau seines Onkels werden will.

[16] Pasquino und Lisetta lachen Dorina wegen ihrer Gutgläubigkeit aus.

[17] Dorina findet das gar nicht lustig und lamentiert über die Unbeständigkeit der Männer.

[18] Erst als Tobia sich als Notar zu verkleiden beginnt, versteht sie die Komödie.

[19] Sie hilft ihm bei der Verkleidung, während Medoro von Bettina aufgeklärt wird. Vor allen Zeugen verliest der vermeintliche Notar den Ehevertrag, der eine hohe Geldstrafe vorsieht, falls der Verlobte nicht am gleichen Tag die versprochene Ehe eingeht. Marcantonio, überzeugt von seiner Wahl, unterschreibt. Ungebeten treten jubelnde Gäste ein, die Marcantonio sogleich hinauswerfen will. Doch da entpuppt sich die scheue Bettina plötzlich als feierfreudig und heißt die Gäste herzlich willkommen. Marcantonio erkennt, dass er geprellt wurde.

CD 2

Zweiter Akt

[1] Handwerker und Lieferanten haben sich im Haus von Ser Marcantonio eingefunden und warten auf die Befehle der Dame, die sie rufen ließ.

[2] Pasquino und Lisetta lassen sie zunächst im Nebenzimmer warten. Den hinzukommenden Marcantonio lassen sie wissen, dass Bettina wie im Vertrag vorgesehen noch heute die Hochzeit feiern will.

[3] Um ihrem Gatten zu gefallen, hält sie eine Modenschau ab und präsentiert ihm immer aufreizendere Kleider der neuesten Venezianer und Pariser Mode, die sie sich bei den teuersten Boutiquen bestellt hat.

[4] Da Marcantonio protestiert, ruft Bettina die Modistinnen und die Handwerker, um ihm noch stärkere Beweise ihrer Liebe zu geben.

[5] Diese kommen aus dem Nebenzimmer herbei und stehen Bettina zu Diensten.

[6] Bettina kauft ein, erteilt die Aufträge und verweist für die Zahlungen auf Marcantonio. Dieser ist entsetzt, doch Bettina fordert von ihm noch einen Liebesbeweis.

[7] In Hinblick auf die Hochzeit muss er sich wie ein junger Dandy einkleiden. Marcantonio fühlt sich erniedrigt und der Lächerlichkeit preisgegeben.

[8] Lisetta kündigt das baldige Ende der Komödie an—ganz auf Kosten Marcantonios.

[9] Medoro kann kaum den Moment erwarten, Bettinas Mann zu werden.

[10] Tobia fingiert ein Duell mit ihm, da er die Ehre seiner Schwester verletzt habe. Nur wenn er beweisen könne, dass Bettina einen heimlichen Liebhaber habe, könne Marcantonio die Hochzeit ohne Strafe annullieren.

[11] Während er Drohungen gegen Medoro ausstößt, bemerkt er zufrieden, wie der Alte vor Angst erbleicht.

[12] Marcantonio weiß weder ein noch aus. Da teilt ihm sein Diener Pasquino mit, dass Bettina einen Liebhaber zum Stelldichein in den Garten bestellt habe. Er empfiehlt seinem Herrn, die beiden im Gartenhaus einzusperren und Zeugen zu rufen. Marcantonio freut sich über die Gelegenheit, seine Verlobte ohne die auferlegte Geldstrafe loszuwerden.

[13] Im Garten Marcantonios bei nächtlicher Dunkelheit. Die beiden Geschwisterpaare spazieren umher, unerkannt von dem lauernden Marcantonio. Bettina gibt vor, mit ihrem Geliebten zu flirten und sich mit ihm ins Gartenhaus zurückzuziehen. In Wirklichkeit versteckt sie sich mit Tobia, während Dorina und Medoro ihren Platz einnehmen. Marcantonio schließt das vermeintliche Liebespaar ein.

[14] Im Haus hat Lisetta auf den Fortgang des Spiels gewartet. Sie hat bereits die Freunde eingeweiht, die Marcantonio als Zeugen herbeirufen will.

[15] Sie verhöhnt alle alten Liebhaber und erklärt, sich mit keinem über dreißig abzugeben.

[16] Die von Marcantonio herbeigerufenen Freunde und der Bezirksrichter haben sich im Garten eingefunden. Er bringt seine Klage vor, während Tobia die Ehre seiner Schwester verteidigt. Der als Richter verkleidete Pasquino fordert Beweise, doch als triumphierend Marcantonio das Gartenhaus öffnet, treten nur seine Nichte und sein Neffe heraus.

[17] Nun steht Marcantonio als Verleumder da, der seiner Strafe nicht entgehen kann—zumal die hinzukommende Bettina nicht gewillt ist, ihm zu verzeihen.

[18] Tobia kann seine Forderungen diktieren: Verzicht auf die Hochzeit bei einer Entschädigung von 80.000 Franken; Ehrenrettung seiner Familie durch seine Heirat mit Dorina, die natürlich mit einer hohen Mitgift ausgestattet wird; und schließlich soll Medoro, um seine Beleidigungen wiedergutzu machen, Bettina zur Frau nehmen.

[19] Medoro gibt vor, sich aus Gehorsam dem Onkel gegenüber zu fügen, während Bettina nicht bereit ist, einen armen Teufel zu heiraten; Marcantonio muss auch noch einwilligen, dem Neffen sein ganzes Hab und Gut zu überlassen. Der Alte unterschreibt alles, die beiden Paare und die Dienerschaft frohlocken über den gelungenen Streich, und Marcantonio hört seine Freunde, wie sie ihn schadenfroh an ihre Warnung erinnern.

Reto Müller


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